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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 08.08.2020 / 10.08.2020
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Einführung:

Was ist der Gegenstand des interdisziplinären Bereichs „Human Factors“ (Ergonomie)?

  • Ergonomie [Human Factors] ist eine Disziplin, „[...] deren Forschungsgegenstand auf die Interaktion zwischen Mensch und technischen Systemen gerichtet ist. Demzufolge baut sie einerseits auf die Humanwissenschaften, insbesondere die Physiologie, die Psychologie und die Anthropologie, und andererseits auf die Physik und Ingenieurwissenschaften auf.“ (Schmidtke, 1973)

 

  • „Ergonomics (or human factors) is […] the profession that applies theory, principles, data and methods to design in order to optimize human well-being and overall system performance.“ (The International Ergonomics Association, 2000)
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Einführung:

Was sind Teilgebiete der HF/ Ergonomie? (3)

  1. Physical Ergonomics:
    • Anatomie, Anthropometrie, Physiologie, Biomechanik (z.B. wie muss ein Gegenstand gestaltet sein, Tischhöhen usw.)
  2. Cognitive ergonomics:
    • Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Handlungsplanung, Motorik = zentrales Teilgebiet für HF!
  3. Organizational ergonomics:
    • Optimierung von Orga-Strukturen, Kommunikation, crew ressource management (z.B. im OP: wie muss Team organisiert sein, damit es möglichst gut für alle Beteiligten funktioniert)
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Einführung:

Was ist Ingenieurpsycholologie?

  1. Definition.
  2. Abgrenzung zu HF (3) und zu allgemeiner Psychologie (2).
  3. Zielsetzung. (1)
  4. Bei was sollen Erkenntnisse der Ingenieurpsy helfen? (5)

Definition Vollrath (2015)

Ingenieurspsychologie ist die Wissenschaft zum Erleben & Verhalten des Menschen im Umgang mit technischen Systemen mit dem Ziel diesen Umgang optimal zu gestalten.“

Abgrenzung zu HF

  • Keine Beschäftigung mit physiolog./anthropometrischen Aspekten
  • Bezug auf experimentalpsy. Wissen
  • Schwerpunkt Informationsverarbeitungsprozesse

Abgrenzung zur Allgemeinen Psy

  • Nicht Wissen um des Wissens willen
  • Experimente & Untersuchungen müssen anwendbares Wissen liefern - Praxisrelevanz

Allgemeine Zielstellung

  • es geht nicht primär um die Evaluation versch. Artefakte zur Identifikation der besten Umsetzung, sondern um die Identifikation der psy. Prozesse, die die Ursache dafür sind, dass eine bestimmte Umsetzung eines Artefaktes die beste ist.

Erkenntnisse der Ingenieurspsy sollen helfen:

  1. bei der Interaktion zw. Mensch & Maschine
  2. Fehler zu vermeiden
  3. Produktivität und Effizienz zu erhöhen
  4. Sicherheit erhöhen
  5. Komfort und Bedienbarkeit verbessern

 

 

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Komplexes Problemlösen:

Was ist ein komplexes Problem? (Dörner, 1986) (5)

Merkmale:

  1. Komplexität: hohe Anzahl interagierender Variablen
  2. Vernetztheit: Verflechtung von Variablen, gegenseitige Beeinflussung
  3. Intransparenz: Systemzustände und Variablenbeziehungen nur teilweise, indirekt oder mit Verzögerung beobachtbar
  4. Eigendynamik: System verändert sich auch ohne Eingriffe
  5. Polytelie: Vielzahl möglicher Ziele • Offenheit der Ziele: unscharfe Ziele
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Komplexes Problemlösen:

Was ist die Grundlage für das Verständnis und die Lösung (!) komplexer Probleme?

Aus welchen Gründen funktioniert das oft nicht? Lösung?

  •  eine systemische Betrachtungsweise (u.a. Vester, 1985; Dörner, 2015)

Gründe für die fehlende systemische Betrachtungsweise:

  1. Art der Ausbildung in Schulen und Universitäten
  2. Künstliche Einteilung von Fachressorts erschwert die Erfassung von natürlichen Zusammenhängen und Wechselwirkungen

Was tun?

  1. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Ausbildung fördern
  2. Ganzheitliche Systembeschreibungen anstreben
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Komplexes Problemlösen:

Was ist ein System? Definition (Bossel, 2004)

Ein Objekt ist ein System, wenn es folgende Merkmale aufweist:

  1. Systemzweck (Funktion) ist bestimmt durch …
  2. … Systemelemente und ihre Wirkungszusammenhänge (Relationen).
  3. Systemidentität geht verloren, wenn durch Herauslösung von (nicht-redundanten) Elementen und Relationen die Systemintegrität zerstört wird (Unteilbarkeit).

Beispiele: Organismen, Maschinen, Organisationen und interagierende Prozesse der ökologischen Umwelt sind Systeme

Beispiel Vorlesung: Ist Stuhl ein System? Ist Sandhaufen ein System? Begründe!

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Komplexes Problemlösen:

Erkläre 3 Beispiele menschlichen Fehlverhaltens in komplexen Systemen am Beispiel Tschernobyl genauer.

Tschernobyl-Katastrophe

  • 26.4.1986: katastrophaler Nuklearunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl
  • Nukleare Wolke verstrahlte Teile Europas langfristige Folgen bis heute vorhanden
  • Unglücksursachen sind zu einem großen Teil in menschlichem Fehlhandeln (psychologische Faktoren) begründet! (Dörner, 2015)

Beispiele für menschliches Fehlhandeln in komplexen Systemen:

  1. Übersteuerung von Prozessen:
    • Eigendynamiken des technischen Systems (z.B. Eigenbremsverhalten des Reaktors) werden übersehen
    • Systemsteuerung erfolgt anhand des aktuellen Systemzustands
    • Der dynamische Prozesses wird nicht ausreichend berücksichtigt, z.B. werden Differenzen (D) zwischen aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten (t1 und t2) nicht genügend betrachtet
  2. Lineares Denken
    • Denken erfolgt in Kausalketten statt in Kausalnetzen
    • Nebenwirkungen/indirekte Wirkungen werden dadurch nicht ausreichend erkannt
    • Mangelnde Betrachtung nichtlinearer Ursache-Wirkungs- Beziehungen
    • Unterschätzung exponentieller Verläufe (z.B. Zunahme der Corona-Infektionen!)
  3. Konformitätsdruck („Group Think“, „Gehorsam“ Gruen, 2014) und Zeitdruck
    • in eingespielten Teams kann es zur Überschätzung der eigenen Kompetenzen kommen
    • durch zusätzliche Faktoren (z.B. Zeitdruck) entstehen riskante Verhaltensweisen, z.B. die Missachtung von Sicherheitsvorschriften (Betrieb des Reaktors mit einer Leistung < 20% ist untersagt, Einhaltung von Hygieneregeln zur Verzögerung der Corona-Ausbreitung)
    • Gefahr von Unfällen, Katastrophen usw. steigt

(Weiterhin erwähnt: Neigung Sicherheitsvorschriften zu umgehen = allgemein Gang und Gebe, da meistens konsequenzlos. - Man tut es also immer wieder. - Unfallgefahr steigt.)

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Komplexes Problemlösen:

Anforderungen an problemlösende Personen? (3)

 

    Anforderungen an problemlösende Personen:

    1. Erkennen
      • Informationssuche und –generierung
      • Informationsreduktion
    2. Repräsentieren
      • Modellbildung
      • Prognose
      • (Ergebnis-)Bewertung/Entscheiden
    3. Handeln
      • Handlung auswählen/durchführen