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Lernende 3 Lernende
Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 23.07.2020 / 08.09.2020
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8. Erläutern Sie die Heider-Simmel Illusion. Welche alltagspsychologischen Prozesse werden hier aktiv?

- Heider und Simmel zeigten 1944 Studierenden einen Film, in dem sich drei geometrische Figuren bewegen. Die Studierenden sollten danach beschreiben, was sie gesehen hatten. Viele der Studierenden erzählten eine Liebesgeschichte zwischen dem kleinen Dreieck und dem Kreis, wobei das große Dreieck als Besitz ergreifend und das kleine Dreieck als beschützend beschrieben wurden. Die erzählten Geschichten gingen weit über das physikalisch Abgebildete hinaus. Die Versuchspersonen erkannten im eigentlich bedeutungslosen Treiben eine Handlung. Die Beschreibung war auf verschiedenen Ebenen (Wahrnehmung, Funktion, Sozial), wobei meist auf höhere Ebenen beschrieben wurde. So werden z.B. auch Cartoon-Figuren personifiziert, also humanoid interpretiert. Eine solche Attribution zeigt, dass jedem Handeln ein Motiv und jedem Handelnden eine Emotion unterstellt wird. Das ist in der Alltagspsychologie Gang und Gebe. Wie man im Experiment sieht, wird aber nicht nur den Menschen motivationales und emotionales Erleben zugeschrieben, sondern auch bedeutungslosen Zeichnungen.

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9. Was unterscheidet Motive von Trieben?

- Ein Motiv (motive) ist zeitlich stabile Wahrnehmungs- und Bewertungsdisposition, also schon fast ein Persönlichkeismerkmal. Es kann ferner als Inhaltsklasse von Handlungszielen (z.B. Macht, Anschluss, Leistung) aufgefasst werden.  Entscheidend ist jedoch, dass erst die Anregung durch passende situative Hinweise (Anreize) ein solches Motiv wirksam machen kann. Im Klassifikationsschema werden sie als internale Aspekte der Motivation von den externalen Ereignissen aus der Umwelt abgegrenzt. Sie können in Bedürfnisse (physiologisch/psychologisch/sozial), Kognitionen und Emotionen untergliedert werden.

- Der Trieb (drive) hingegen ist eine aktivierende Anspannung (aversiver Zustand), dessen Reduktion als befriedigend und lustvoll erlebt wird. Ein Trieb ist wiederholbar aber nur punktuell zu einem gewissen Zeitpunkt wirksam.

- Ein Motiv ist also eine Disposition, ein Trieb eine handlungsinitiierende Druck-Variable.

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10. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Bedürfnissen und Anreizen?

- Das Bedürfnis (need) wird teilweise synonym zu Motiv verwendet und definiert Mangelzustände und Wachstumsorientierungen einer Person. Es gibt physiologische, psychologische und soziale Bedürfnisse. Im Klassifikationsschema stellen sie einen der Unterpunkte zu internalen Motiven dar.

- Der Anreiz (incentive) gibt den „Wert“ eines Objekts oder einer Situation für eine Person wieder. Es ist eine affektive Reaktion auf bedürfnisrelevante Reize und kann in (intrinsische) Tätigkeits- und (extrinsische) Ergebnisanreize unterteilt werden. Geld ist z.B. ein extrinsischer Anreiz, wohingegen das Machen einer Sache um die Sache willen intrinsisch motiviert ist. Anreize fallen unter die externalen Komponenten der Motivation.

- Demzufolge sind Bedürfnisse und Anreize zwei Aspekte, die bei der Motivationsentstehung zusammenspielen und sich gegenseitig in ihrer Wirkung auf der Verhaltensebenen beeinflussen.

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11. Was ist ein Ziel?

- Ein Ziel (goal) als ein kognitives Konstrukt beschreibt das Anstreben einer positiv bewerteten Umweltveränderung (Endzustand) durch einen Verhaltensakt (Mittel). Ziele werden hierarchisch in Ober- und Unterziele organisiert. Als Beispiel dient das Phänomen Hunger: Die Sättigung ist das Oberziel; Einkaufen, Kochen, Essen sind Unterziele. Ziele sind kognitive Komponenten von Motiven, sind also internal. Sie werden zudem als Zugvariablen betrachtet, d.h. dass Personen von Zielen angezogen werden. Fast all unser Handeln steht in direkter Verbindung mit Zielen. Es gibt kaum Aktivitäten und Handlungen, für die wir keine Ziele angeben können. Ein großer Teil des Verhaltens einer Person wird also direkt durch ihre aktuellen Ziele und Absichten bestimmt. Ziele nehmen Einfluss auf die Wahrnehmung und das Denken, aber auch auf affektiv-motivationale Reaktionen und Bewertungen sowie auf die Funktionsweise des Organismus.

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12. Mit welchen konzeptuellen Problemen hat die Motivationspsychologie zu kämpfen?

- Es gibt mehrere Probleme in der motivationspsychologischen Forschung. Zum einen herrscht eine terminologische Verwirrung in Form eine unklare Abgrenzung der Begriffe Motiv, Trieb, Bedürfnis, Emotion etc.

-Ferner besteht das Problem der Motivklassifikation. Vor allem die Frage nach der Anzahl von Motiven ist nicht zu klären.

- Ein weiterer Punkt ist die Frage nach dem richtigen Abstraktionsgrad. Welche Hierarchiestufe wird betrachtet: Die Ebene von Handlungen, Aktionen oder Bewegungen?

- Letztenendes überschattet die Gefahr der Zirkularität die Forschung. Das Problem liegt darin, dass Motive aus dem Verhalten erschlossen werden, während diese Motive jenes Verhalten wiederum erklären sollen. Ein solcher Schluss ist jedoch trivial und empirisch gehaltsleer, also ungültig.