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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 08.08.2020 / 11.08.2020
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Formaliserungsgrenzen:

Was sind „Grenzen der Digitalisierung von Arbeit – Die Nicht‐Digitalisierbarkeit und  Notwendigkeit impliziten Erfahrungswissens und informellen Handelns“ nach Huchler (2017).

(viel Text)

  • TheseImplizites Erfahrungswissen ist eine systematische Grenze für die Technisierung 
  • Einbettung in CPS‐Leitidee: CPS‐Entwicklung hin zu dezentralen (sozio‐)technischen (teil‐ autonomen) Systemen  
  • Zentrale Fragen:
    • (1) Wird dadurch tatsächlich eine Ausweitung der Handlungsspielräume arbeitender Menschen  erreicht oder entsteht eine „Formalisierung 4.0“? 
    • (2) Wie kann Arbeit in komplexen und unsicheren Wertschöpfungssystemen effizient und  nachhaltig koordiniert werden?

„Grenzen der Digitalisierung von Arbeit“

  • Herangehensweisen/Formen zur Steuerung/Koordination von Arbeit:
    • (1) technisch‐formal (Einengung von Handlungsspielräumen)
    • (2) informell‐situativ („eigenverantwortlich“; nicht‐formalisierte Gestaltungsspielräume) 
  • Gestaltung des hybriden Zusammenspiels der Formen von  Arbeitssteuerung ist entscheidend 
    • muss im Zuge der  Digitalisierung und Entwicklung von CPS neu ausgehandelt werden •
  • Zusammenhänge zu Methoden zur Abbildung von Expertenwissen,  Wissensrepräsentation sowie (kognitiver) KI‐Modellierung, z.B.:
    • Wer wird wonach und wie gefragt?
    • Wie wird Wissen repräsentiert?
    • Welche Flexibilität erlauben unterschiedliche  Modellierungsverfahren?
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Formalisierungsgrenzen:

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen formalisierter vs. informeller Koordination  von Arbeit und komplexem Problemlösen/ Steuerung komplexer technischer Systeme und  menschlichem Fehlhandeln?

• Formalisierung ist der wesentliche Schalthebel zur Objektivierung (Planbarkeit, Steuerbarkeit, Tansparenz) - kann entlastend wirken, wenn Steuerung sehr komplex + durch Feedbacksystem erleichert es Verständnis des Prosesses - Vermeidet Überforderung und Fehler unter Zeitdruck ... ABER Tendenz zur Einengung von Handlungsspielräumen (weniger Möglichkeiten um Fähigkeit zu komplexen Problemlösen auszubilden) 

--> erstmal sicher weniger Fehler, aber wenn Probleme auftretem mglw. weniger Kompetenz

• Schaffung von Handlungsräumen, die nicht streng technisch gesteuert sind/ Subjektivierender Arbeitsbezug - ermöglicht damit Innovativität, Kreativität, Motivation, Gegenstandsbezug, Identifizierung, Eigeninitiative, Arbeitsorientierung und Verbundenheit etc. Diese Formen des Arbeitshandelns werden als tendenziell lern- und gesundheitsförderlich eingeschätzt - fördern kognitive Flexibilität

--> mehr Raum für menschl Fehlverhalten, aber auf Dauer positiv für Produktivität und Arbeitsklima

 

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Formalisierungsgrenzen:

Was sind Vorteile von Formalisierung der Arbeit nach Huchler (2017)?

  • Formalisierung ermöglicht: Objektivierung, Messbarkeit, Planbarkeit, Kontrollier‐ und  Steuerbarkeit, (formale) Transparenz, Reproduzierbarkeit, Anschlussfähigkeit für formale und  technische Systeme  
    • kann entlastend wirken
  • Informell‐situative Koordination basiert auf „subjektivierendem“ Arbeitsbezug, interaktiver  Abstimmung und ermöglicht: Innovativität, Kreativität, Motivation, Identifikation,  Gegenstandsbezug, Eigeninitiative, Verbundenheit 
    • lern‐ und gesundheitsförderlich; zentral für  den Umgang mit Unsicherheit und Komplexität, situatives und flexibles Agieren, Aushalten von  Widersprüchen und Offenheit
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Formalisierungsgrenzen:

Was sind die Grenzen der Digitalisierung nach Huchler (2017)? (3)

  1. Nebenfolgen: Umgang mit unintendierte/negative Folgewirkungen (vernetzt denken!),  „Automatisierungsdilemmata“ (Brainbridge, 1983) - DNebenfolgen erzeugen immer wieder selbst neue Arbeit und neue eigene Sub-Folgekosten (Wartung e.c.)
  2. Materialität: technische Machbarkeit vs. breite Umsetzbarkeit stehen z.T. im Missverhältnis  (Investitionskosten, Ressourcenverbrauch, Komplexität sozialer Systeme usw.), „Theorie‐Praxis‐ Problem“  - Unbeherrschbarkeit der realen Praxis (komplexe Umwelt)
  3. Nicht‐Digitalisierbarkeit: menschliches Denken und Handeln unterscheidet sich von  technischen sowie KI‐Systemen - Konzept ist hier das des „erfahrungsgeleitet subjektivierenden Arbeitshandelns“ = implizites Wissen
  • Fokus auf Formalisierung (Leitbild Industrie 4.0/CPS) blendet die Notwendigkeit der informellen  Seite aus 
    •  Informelles Arbeitshandeln = Grenze der Digitalisierung
  • CPS sind nicht rein technisch‐formal beherrschbar 
    •  der Mensch muss weiterhin in die digitalen  Wertschöpfungssysteme eingebunden werden
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Formalisierungsgrenzen:

Was sind die Ebenen/Aspekte von Grenzen der Digitalisierbarkeit? (4)

(Befragung  von Beschäftigten bei produzierenden KMU im Rahmen des Projektes MiMiK)

  1. Information und Vertrauen bzw. Grenze von Vertrauen in und durch digitale Informationen: 
    • Nachhaltiges Vertrauen ist auf personale Interaktion angewiesen 
  2. Komplexität und Arbeit bzw. Grenze der formalen Abbildung komplexer Arbeitspraxen 
    • Prozesssteuerung kann nicht vollständig digitalisiert werden, wesentliche  Rahmenbedingungen bleiben unberücksichtigt (z.B. Statusdarstellungen)
  3. Soziale Beziehung bzw. Grenze IT‐vermittelter Kommunikation
    • Zur Herstellung/Festigung sozialer Beziehungen sind unterschiedliche Medien nötig
  4. Erfahrung und Erfahrungswissen bzw. Potentiale menschlichen Arbeitsvermögens
    • Erfahrungswissen ist zentral (z.B. in neuen Kontexten, zur vorausschauenden  Fehlervermeidung)
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Fehler:

Definition in diesem Kontext.

  1. „... unangemessenes menschliches Verhalten, das die Wirksamkeit oder Sicherheit des Systems senkt, was zu einem Unfall oder einer Verletzung führen kann oder nicht. “Wickens, Gordon & Liu (1998)
  2.  „… Fehler treten auf, wenn eine Aktion ausgeführt wird, die„ nicht vom Akteur beabsichtigt war; nicht erwünscht vom Regelwerk oder einem externer Beobachter; oder das führte die Aufgabe oder das System außerhalb der akzeptablen Grenzen. " (Senders & Moray, 1991)
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3 Aspekte von Fehlernn.

Fehler: …

  • (1) treten bei zielorientiertem Verhalten auf
  • (2) Bedeuten das Nichterreichen eines Ziels
  • (3) wären potentiell vermeidbar gewesen Zapf, Frese & Brodbeck (1999)

Gegenteil von Fehler: Zuverlässigkeit (Reliability)

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Fehler:

Nenne 4 Fehlerursachen.

  • (1) Inadäquates Design des MTS: Park (1987)
    • Aufgabenkomplexität übersteigt menschliche (kognitive) Verarbeitungskapazität
    • Situationen mit erhöhter Fehlerwahrscheinlichkeit (u.a. schlecht gestaltete Arbeitsplätze,  Trainingsprogramme, unzureichende Supervision)
    • Individuelle Unterschiede (Einstellungen wie Stressresilienz, Erfahrung)
  • (2) Kognitive Verarbeitungsprozesse: Manchi, Gowda & Hanspal (2013)
    • Fehler entstehen, wenn ein oder mehrere kognitive Verarbeitungsstufen inkorrekt sind (z.B.  falsche Interpretation eines Displays)
  • (3) Physiologische Prozesse: Raymond & Moser (1995)
    • z.B. Fehler durch Müdigkeit und Stress
  • (4) Psychosoziale und organisationale Prozesse Dekker (2005)