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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 05.08.2021 / 07.08.2021
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Beschreibe das Kernmerkmal der GAS: Sorgen.

  • Sorgen – Kernmerkmal der generalisierten Angststörung – und damit assoziierte körperliche Merkmale treten bei zahlreichen psychischen Störungen auf; nur bei GAS sind Sorgen das Kardinalsymptom
  • typische Sorgenthemen: eigene Gesundheit, Gesundheit nahestehender Personen, Arbeit, Schule, Ausbildung, zwischenmenschliche Beziehungen, Familie, gesellschaftliche Probleme, Weltgeschehen, Umwelt, ganz alltägliche Angelegenheiten
  • Personen mit GAS und Gesunde unterscheiden sich hinsichtlich der Themen und Inhalte ihrer Sorgen nicht – aber: Dauer, Intensität und Kontrollierbarkeit der Sorgen sowie die Beeinträchtigung durch die Sorgen und Anzahl assoziierter Symptome unterscheiden sich
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Was muss man bei der Differenzialdiagnostik beachten?

  • Zwangsstörung: Inhalte wiederkehrender Gedanken eher als Ichdyston erlebt (anders als bei GAS)
    • Inhalte außerdem thematisch oft typisch für die Zwangsstörung, beziehen sich z. B. auf Verschmutzung, wiederkehrende Zweifel, die Ordnung von Dingen, aggressive oder schreckliche Impulse oder sexuelle Vorstellungen
  • schwierig: Abgrenzung zwischen generalisierter Angststörung und Major Depression
    • Überschneidung physiologischer Symptome bei GAS und Major Depression (z. B. Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen)
    • Gedanken bei Depressiven eher auf Vergangenheit denn auf Zukunft gerichtet
    • bei GAS Gedanken eher auf Gefahr und Bedrohung ausgerichtet
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Epidemiologie der Generalisierten Angststörung: Wahre Prävalenz

  • GAS ist eine mäßig häufige Störung, die in allen Altersgruppen erstmalig auftreten kann
  • Lebenszeitprävalenz: 3–5%
  • 12-Monats-Prävalenz: 2–4%
  • Punktprävalenz: 1–3%
  • Schätzung für die EU (Wittchen und Jacobi, 2005, Reanalyse):
    • 12-Monats-Prävalenz bei 1,7%
    • Lebenszeitrisiko über 7%
  • generalisierte Angststörung demzufolge häufiger als Panikstörungen und Zwangsstörungen
  • zu beachten: höhere Schätzwerte beruhen auf ICD-10-Kriterien - erfasst psychische Komponente der generalisierten Angststörung und die assoziierte Beeinträchtigung weniger streng als das DSM (Slade & Andrews, 2001)
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Epidemiologie der Generalisierten Angststörung: Alterseffekte

  • epidemiologische Studien bei Kindern und Jugendlichen : geringere Prävalenzraten (zeigen aber, dass sich die Störung bereits im jungen Lebensalter manifestieren kann)
  • möglicherweise viele Kinder, die früher mit Überängstlichkeit diagnostiziert wurden, mittels der Kriterien der generalisierten Angststörung nicht entdeckt Beesdo , Knappe & Pine,
  • bei älteren Personen (65+): besonders hohe Prävalenzen für die generalisierte Angststörung (z.B. Beekman et al. 1998); aber in konsistente Befunde (in anderen Studien Störung in mittleren Altersgruppen am häufigsten)
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Epidemiologie der Generalisierten Angststörung: Inanspruchnahme (klinische Prävalenz)

  • medizinische Versorgung (vor allem in Allgemeinarztpraxen): generalisierte Angststörung überproportional häufig
  • Behandelte Punktprävalenzen von 3,7–14,8%.
  • Hausarzt diagnostiziert Störung nur in wenigen Fällen zutreffend (34,4%, gegenüber 64,3% bei der Depression; Wittchen, Kessler, Beesdo, Krause, Höfler & Hoyer, 2002)
    • erhalten häufig keine fachspezifische Versorgung
    • werden oft zu sog. »high utilizern« von Gesundheitseinrichtungen
    • besonders hohe direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitswesen
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Epidemiologie der Generalisierten Angststörung: Soziodemographie

  • Bevölkerungs- & Versorgungsstudien: Frauen ca. doppelt so häufig betroffen
  • vermehrt bei unverheirateten (gegenüber verheirateten) Personen und bei geringem sozioökonomischem Status
  • Bildungsstand, Ethnie und Wohnregion (Stadt versus Land) keine soziodemographischen Korrelate der generalisierten Angststörung
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Epidemiologie der Generalisierten Angststörung: Komorbidität

  • GAS geht häufig mit anderen psychischen Störungen einher
  • 88,3% der Personen mit einer Lebenszeitdiagnose der generalisierten Angststörung erfüllen auch Lebenszeitkriterien für irgendeine andere psychische Störung
  • höchste Komorbiditätsraten für affektive Störungen (71,6%), insbesondere Major Depression (60,9%)
  • auch Angststörungen treten über die Lebenszeit hinweg häufig komorbid auf (irgendeine Angststörung: 57,8%)
  • mit generalisierten Angststörung assoziierte Beeinträchtigungen (z. B. Abwesenheitstage durch Krankheit, Arbeitstage mit geringerer Arbeitsproduktivität) nicht nur mit denen anderer psychischer Störungen, sondern auch mit somatischen Erkrankungen vergleichbar und teilweise sogar höher (gilt auch für reine, nicht komorbide Formen der generalisierten Angststörung)
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Beschreibe den Spontanverlauf der GAS.

  • unbehandelt verläuft die GAS zumeist chronisch und persistierend; nicht selten über ein Jahrzehnt oder länger
  • Schwankungen in der Symptomschwere = Existenz von Phasen, in denen generalisierte Ängstlichkeit nur unterschwellig auftritt oder episodisch remittiert (»waxing und waning«)
  • Verhältnis von Punkt- zu Lebenszeitprävalenz (als indirekter Indikator für die Chronizität einer Störung) liegt zwischen 40% und 60% (und damit höher als bei anderen Störungen) bisher vorliegende prospektive Daten bestätigen dies (z. B. Yonkers, Bruce, Dyck & Keller, 2003).