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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 05.08.2021 / 07.08.2021
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Nenne 5 allgemeine Kategorien „depressiver“ Symptome mit Beispielen.

Es gibt zahllose „depressive“ Symptome.

  1. Emotionale Symptome
    • Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit (Dysphorie),
    • Ängstlichkeit, Sorgen, Verzweiflung, Unzufriedenheit, Schuld, Schwermut, Leere, Reizbarkeit, 
    • Verlust von jeglicher Freude ( Anhedonie ), völlige Unfähigkeit zum Erleben von Emotionen (Gefühllosigkeit, emotionale Erstarrung)
  2. Kognitive Symptome:
    • innere Monologe + Rumination (Heißt eigentlich "hochwürgen". Hier ist gemeint "Gedanken hochwürgen", die dann in Grübelschleifen enden), Grübeln
    • Pessimismus, negative Gedanken, Einstellungen und Zweifel gegenüber sich selbst, den eigenen Fähigkeiten, seinem Äußeren, der Umgebung und der Zukunft, Suizidgedanken,
    • Konzentrations und Gedächtnisschwierigkeiten, schwerfälliges Denken, übermäßige Besorgnis um die körperliche Gesundheit
  3. Motivationale Symptome
    • Rückzugs und Vermeidungstendenzen,
    • Hilflosigkeitserleben, Kontroll- und Interessenverlust, Meidung von Verantwortung, Überforderung, verstärkte Abhängigkeit von Anderen
  4. Physiologisch vegetative Symptome
    • Energielosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit , Weinen, Schlafstörungen , Morgentief (Klassisch für Depression. Bei Anpassungsstörung kommt das tief abends.), Appetitlosigkeit , Gewichtsverlust , Libidoverlust , innere Unruhe , Spannung, Reizbarkeit, Wetterfühligkeit, allgemeine vegetative Beschwerden (u.a. Magenbeschwerden und Kopfdruck)
    • "Maskierte Depression" - Patienten wirken manchmal sogar freudig und ganz normal. Depression äußert sich dann nur somatisch.
  5. Behaviorale /Motorische
    • Agitiertheit (Übermäßige Unruhe, sich ständig bewegen müssen) oder Verlangsamung der Bewegungen, Aktivitätsverminderung, Probleme bei praktischer Bewältigung alltäglicher Anforderungen; Vermeidung von Blickkontakt, defizitäre Kommunikationsfähigkeiten, Suizidhandlungen; kraftlose, gebeugte, spannungslose Körperhaltung oder nervöse, zappelige Unruhe; starre, maskenhafte, traurige Mimik, vertiefte Falten, weinerlich besorgter Gesichtsausdruck; leise, monotone und langsame Sprache
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Was sind 6 "Somatische" Symptome (nach ICD 10)?

Generell: Somatische Symptome sind besonders schlimm und Depressionen haben dann meistens stärkere Verläufe. Somatische Ursachen meist ausgeprägter als wenn externer Reiz Depressionen auslöst.

  1. Frühmorgendliches Erwachen
    • Bleiben teilweise noch stundenlang liegen und beginnen zu Grübeln.
  2. Morgendliches Stimmungstief nach nicht erholsamem Schlaf
  3. Antriebsverlust (Psychosomatische Hemmung) oder Agitiertheit
    • Eins der Hauptprobleme: es muss in Therapie erstmal geschafft werden, den Patienten wieder "in Gang" zu bekommen
  4. Deutlicher Appetitverlust
  5. Gewichtsverlust
  6. Deutlicher Libidoverlust
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Welche Affektiven Störungen kann man unterscheiden? (6 Klassen + kurze Beschreibung)

Moderne Klassifikation ist deskriptiv. Früher wurde ätiologisch klassifiziert (endogene, neurotische  und reaktive Depression)

  1. Depressive Störungen (unipolar)
    • eine oder mehrere Episoden oder dystyme Symptomatik
    1. Major Depression, einzelne Episode oder rezidivierend
      • eine oder mehrere Episoden (mind. 2 Wo.) mit depressiver Verstimmung oder Interessenverlust + zusätzlich mind. 4 Zusatzsymptome
    2. Dystyme Störung
      • depressive Verstimmung, die mind. 2 Jahre lang mehr als die Hälfte der Zeit angehalten hat + zusätzlichen depressive Symptome
  2. Bipolare Störungen (manisch-depressiv)
    • mindestens eine manische oder sich abwechselnde manische, hypomanische und depressive Episoden bzw. zyklthyme Symptomatik
    1. Bipolar-I-Störung
      • eine oder mehrere manische oder gemischte Episoden, die gewöhnlich mit MDE einhergehen
    2. Bipolar-II-Störung
      • eine oder mehrere MDE + mind. eine hypomane Episode
    3. Zyklothyme Störung
      • Zeitspanne von mind. 2 Jahren mit zahlreichen Perioden von hypomanen Symptomen (nicht MDE) + zahlreiche Perioden mit depressiven Symptomen (nicht MDE)
  3. Affektive Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors:
    • auffallende + anhaltende Stimmungsveränderung als direkte körperliche Folgen eines medizinischen Krankheitsfaktors (z.B. als Nebenwirkung von Medikamenten wie bei einer Chemotherapie.)
  4. Substanzinduzierte Affektive Störung:
    • auffallende + anhaltende Stimmungsveränderung als direkte körperliche Folgen einer Droge, eines Medikamentes, einer anderen somatischen Depressionsbehandlung oder der Exposition gegenüber einem Toxin
  5. Anpassungsstörung mit depressiven Symptomen
    • Reaktion auf äußere Umstände
    • Kann einer Depression sehr stark ähneln (in Klinik hat ca. 1/4 keine langanhaltende Depression, sondern Anpassungsstörung)
    • z.B. komplizierte/ pathologische Trauer oder Traumatisierung
  6. Nicht Näher Bezeichnete Affektive Störung, Depressive Störung oder Bipolare Störung
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Was sind Spektrums Diagnosen bei affektiven Störungen?

  • = Neuer Ansatz, der in letzter Zeit diskutiert wird.
  • Soll ein Weg aus den engen Schablonen bisheriger Diagnosen heraus bieten
  • Bei Depressionen große Schnittmengen untereinander, aber auch z.B. mit Bipolaren Störungen und psychotischen Störungen, deshalb zwei Kontinuen:
    • Proportionality spectrum: Depression - Mania
    • Severity spectrum: Psychotic - normal
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Welche Verlaufsformen gibt es bei Affekiven Störungen? (+ 5 Verläufe bei MD)

  1. Major Depression
    1. einzelne Episode
    2. einzelne Episode, aber chronisch
    3. rezidivierend mit Vollremission im Intervall
    4. rezidivierend ohne Vollremission im Intervall
    5. "Double Depression": einzelne Episode, eine dysthyme Störung überlagernd
  2. Dystyme Störung
    • Verlauf ist länger, aber flacher (Symptome nicht so schwer und ausgeprägt wie bei MD) - also keine wirkliche Episode mit Tiefpunkt, sondern langanhaltende Verstimmung
  3. Zyklothyme Störung
    • Ähnlich dysthyme Störung, aber dazwischen hypomanische Symptome
  4. Bipolar-I-Störung
    • letzte Episode depressiv
    • Sehr heterogene Verläufe, deshalb eine der schwersten zu diagnostizierenden und zu behandelnden Störungen
    • Manie extrem ausgeprägt, kann psychotische Symptome enthalten
  5. Bipolar-II-Störung
    • wie Bipolar-I nur mit hyponaischen Episoden
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Wie ist die Prognose bei Major Depressive Episode (MDE) für weitere Episoden oder einen Rückfall?

  • Wahrscheinlichkeit erneuter Episoden:
    • nach 1. MDE eine 2. MDE: 50 - 60%
    • nach 2. eine 3. MDE: 70%
    • nach 3. eine 4. MDE: 90%
    • nach 1. MDE eine manische Episode innerhalb von 6 - 10 Jahren: 5 - 10%
  • bei stationärer Behandlung der 1. MDE: 
    • 50% volle Remission innerhalb eines Jahres
    • ABER: nach Klinikentlassung:
      • bei 25% Rückfall innerhalb von 6 Monaten ,
      • bei 30 - 40% inner h alb von 2 Jahren ,
      • bei 50 - 75% innerhalb von 5 Jahren
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Wie ist das Schlüsselsyndrom der Episode einer Major Depression nach ICD 10 kodiert. (A-E)

A. Mindestens 5 der folgenden Symptome sind über 2 Wochen aufgetreten und mindestens eines ist (1) depressive Verstimmung oder (2) Verlust von Interessen oder Freude:

  1. depressive Verstimmung an fast allen Tagen, dür die meiste Zeit des Tages
  2. deutlich vermindertes Interesse oder Freude an (fast) allen Aktivitäten, an fast allen Tagen
  3. deutlicher Gewichts-/ Appetitverlust oder Gewichtszunahme/ Appetitsteigerung
  4. Schlaflosigkeit/ vermehrter Schlhaf an fast allen Tagen
  5. psychomotorische Unruhe/ Verlangsamung an fast allen Tagen
  6. Müdigket/ Energieverlust an fast allen Tagen
  7. Gefühle von Wertlosigkeit/ Schuld an fast allen Tagen
  8. Konzentrations- und Entscheidungsprobleme an fast allen Tagen
  9. wiederkehrende Gedanken an den Tod, wiederkehrende Suizidvorstellungen ohne genauen Plan, tatsächlicher Suizidversuch oder genaue Planung des Suizids

B. Die Symptome entsprechen nicht den Kriterien einer gemischten Episode

C. Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Einschränkungen

D. Die Symptome gehen nicht aud die direkte körperliche Wirkung von Substanzen (z.B. Kokainentzug) oder medizinische Faktoren zurück

E. Die Symptome sind nicht besser durch einfache Trauer erklärbar (z.B. nach dem Verlust einer geliebten Person dauern die Symptome länger als 2 Monate an oder sie sind durch deutliche Funktionsbeeinträchtigungen, krankhafte Wertlosigkeitsvorstellungen, Suicidgedanken, psychotische Symptome oder psychomotorischer Verlangsamung charakterisiert)

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Beschreibe die kodierbare Diagnose: Major Depression, einzelne Episode. (A-C)

A. Vorhandensein einer einzelnen Episode der MD.

B. Die Episode kann nicht besser durch die schizoaffektive Störung erklärt werden und überlagert nicht eine Schizophrenie, schizophreniforme Störung, wahnhafte Störung, oder psychotische Störung.

C. Es trat niemals eine manische Episode, eine gemischte Episode oder eine hypomane Episode auf.