Ui12 Wädenswil Bodenkunde 2 FS13
Bodenphysik
Bodenphysik
-
- 1 / 72
-
Cartes-fiches
Phasensystem des Bodens (3)
1.Die feste Phase – die Bodenmatrix
2.Die flüssige Phase – das Bodenwasser
3.Die Gasphase – die Bodenluft
Betrachungsebenen der drei Phasen
•Ebene 1: Anteile der Phasen
–Lagerungsdichte, Porosität, Wassergehalt, …
•Ebene 2: Verteilung der Phasen
–Porengrössenverteilung
–Korngrössenverteilung, Körnungsdreieck
•Ebene 3: Räumliche Anordnung der Phasen
–Wie hängen die Phasen zusammen?
–Struktur, Gefüge
Ebene 1: Phasenanteile
Anteilbestimmung von Festsubstanz, Bodenwasser und Bodenluft. ausgedrückt in Masse oder Volumen (dazu werden Messung von Wassergehalt, Stättigungsgrad, Luftgehalt, Ladungsdichte, Matrixanteil gemessen)
•Volumenanteile: leichter interpretierbar
•Massenanteile: einfacher messbar, besser reproduzierbar
•Die gemessene Grösse kann abhängig von der Grösse der Probe sein
Ebene3: Anordnung der Phasen
•Für Transportprozesse im Boden ist die räumliche Anordnung der Poren besonders wichtig.
•Stichworte dazu sind:
–Porenkontinuität (Zusammenhängen der Poren)
–Uniformität (Porendurchmesser konstant oder verändert?)
–Tortuosität (Transportweg gerade oder gebogen?)
•Bsp. Regenwurmgänge: für eine tiefere Bodenschicht sind Regenwurmgänge nur dann von Bedeutung, wenn sie kontinuierlich mit der Bodenoberfläche verbunden sind!
2. Die feste Phase - die Boden Matrix
unterteilt in: Feinerde (< 2mm) und Skelett (> 2mm)
Die Feinerde besteht aus den drei Korn-Fraktionen
➣ Sand (2 mm – 50 mm) ➣ Schluff (50 mm – 2 mm) ➣ Ton (<2 mm)
Die Korngrössenverteilung (mengenmässige Anteile der einzelnen Kornfraktionen) in der Feinerde macht die Bodenart oder Textur eines Bodens aus!
Trennmethode der verschiedenen Fraktionen: Sieben
Messmethode für Texturbestimmung
- Fühlprobe auf dem Feld
- Sedimentation (Suspension in Zylinder, Bodenpartikel sinken ab, Probeentnahme mit Pipette in definierter Tiefe in definierter Zeit, getrockneter Pipetteninhalt wird in Massanteile von Ton, Schluff und Sand umgerechnet)
Was beeinflusst die Lagerungsdicht eines Bodens
Messmethoden für die Textur
-
Sieben
-
Fühlmethode
-
Pipettenmethode
-
Optische Methoden
Lagerungsdichte
•Auch scheinbare Dichte genannt (pa: apparent density) = Dichte des Bodens (inkl. Porenraum) = Masse Festsubstanz / Volumen (g/cm3)
•Messung: Probeentnahme mit Zylinder, trocknen, wägen, berechnen
•Berechnung: Trockengewicht / Probenvolumen (Mm / Vtot = pa)
•Eng gekoppelt mit dem Porenvolumen
•Wichtig für Wasser- und Lufthaushalt des Bodens
•Abhängig von Körnung, organischer Substanz, Gefüge, Bearbeitung (Bodenverdichtung!)
effektive Lagerungsdichte (tonkorrigiert)
•Berücksichtigt den Tongehalt des Bodens
•Effektive Lagerungsdichte = Lagerungsdichte pa [g/cm3] + 0.009*Tongehalt [%]
•Grund: Ton hat aufgrund seiner sperrigen Plättchen ein grösseres Porenvolumen als Schluff oder Sand
•Bei gegebener LD ist sandiger Boden besser durchwurzelbar. optimaler Dichtebereich für Pflanzen höher als bei Tonboden effektive Lagerungsdichte besseres Mass für Verdichtung!
reelle Dichte
- Die reelle Dichte (spezifische Masse) ist die Dichte der Bodenfestsubstanz ohne den Porenraum
- Sie wird häufig mit 2.65 g/cm3 angegeben
- Für genaue Untersuchungen muss die reelle Dichte im Labor bestimmt werden
- Ein Beispiel für die Anwendung der reellen Dichte Porosität E = 1 – (pa/pr)
Mm / Vm = pr
ca 2.65 kg / lt
Masse des Bodens bezogen auf das Volumen der Festsubstanz ohne Porenraum
Bodengefüge
räumliche Anordnung der unregelmässig geformten festen Bodenbestandteilen, die sich im Verlauf der Pedogenese einstellt Grosser Einfluss auf Porensystem Drei Gruppen von Gefügen werden unterscheiden:
Primärgefüge:
- Einzelkorngefüge (nicht miteinander verklebt, ungünstig)
- Kohärentgefüge (einfache Verkittung der Einzelkörner, ungünstig)
Aggregatgefüge / Sekundärgefüge (verbundene Primärpartikel, ideal) :
- Krümelgefüge
- Säulengefüge
- Plattengefüge
Primärgefüge / Elementargefüge
Bodenpartikel nicht zu Aggregaten zusammengeschlossen, sondern gleichmässig im Boden verteilt --> Primärporen
Sekundärgefüge / Aggregatgefüge
•Einflüsse auf Primärgefüge - Biologische Aktivität - Austrocknung / Wiederbefeuchtung - Frost- / Tauzyklen
• Bildung von Gruppen primärer Bodenpartikel, die untereinander stärker verbunden sind als mit angrenzenden Partikeln: Aggregate
•durch grössere Poren voneinander abgegrenzte Struktureinheiten -->Sekundärporen
Fehler in der Bearbeitung des Bodengefüges. Konsequenz?
- Gefügedegradation
- Verschlechterung der Bodenqualität
- Erhöhung Erosionsrisiko
- Erholung des Bodens nur sehr langsam
Bodengefüge: empfindlich
Direkte Messung des Wassergehalts
Genug Wiederholungen (z.B. 5), «Punktmessung»
Problem: Die Probe ist nach der Messung zerstört keine Messung direkt im Feld möglich
Wassergehalte können stark variieren (deshalb immer mehrere Messungen machen)
Kohäsion
zwischenmolekulare Kräfte zwischen zwei Teilchen
Adhäsion
zwischenmolekulare Kräfte benachbarter Phasen
(Oberflächenspannung)
Oberflächenspannung
Beispiel Wassertropfen
- Kohäsion un Adhäsion
- Innerhalb der Flüssigkeit heben sich die Kräfte auf
- Moleküle an Oberfläche erfahren nach innen gerichtete Kraft
- Oberfläche ist gespannt und nur mit Krafteinwirkung vergrösserbar
wenn feste Oberfläche dazu kommt: hydrophile (anschmeigen) oder lipophyle (wegballen) Reaktion des Wassers
Bodeninnere ist meist gut benetzbar, Wasser schmiegt sich an, es entsteht Wasserfilm
Kapillarität
- In einer gut benetzbaren Kapillare schmiegt sich das Wasser aufgrund der Adhäsionskräfte an die Kapillarwand
- Es steigt so lange auf, bis die durch die Oberflächenspannung verursachte nach oben gerichtete Kraft durch die Gewichtskraft der Flüssigkeit kompensiert wird
- In der Kapillare formt das Wasser einen nach unten gewölbten Meniskus (Grenze Luft, Wasser)
--> Je feiner die Körnung, desto höher die kapillare Stighöhe des Wassers. Somit hält sich das Wasser in den feinen Poren auf, Luft in den groben.
Wasserbindung im Boden.
Kapillarer Aufstieg im Boden abhängig von:
- Körnung,
- Kapillardurchmesser,
- Oberflächenspannung
Tensiometrie
Für Saugspannung im Feld messen.
Je grösser die Saugspanne, desto grösser der Unterdruck und desto negativer der Wert
Masseinheit für Saugspannung: cbar (Centibar). 1 cbar = 10 cm Wassersäule = 10 hPa
Saugspanne wird über poröse keramikkerze auf Wassersäule im Inneren eines Rohres (U-Form) übertragen und als Unterdruck registriert.
Desorptionskurve
- Sie stellt den Zusammenhang zwischen Saugspannung und Wassergehalt des Bodens her.
- Die Desorptionskurve beschreibt pF (log Saugspannung in hPa) als Funktion des Wassergehaltes
- Desorptionskurve von Sand tief, weil wenig Unterdruck benötig wird um Boden zu trocknen. Kurve von Tonböden hoch, weil viele Feinporen und viel Saugspannung nötig
- Da die Saugspannung vom Durchmesser Wasser gefüllter Poren abhängt, kann auf die Porenklassen geschlossen werden.
- Die Desorptionskurve erlaubt Rückschlüsse auf das pflanzenverfügbare Wasser.
- Feldkapazität (FK) = Saugspannung nach Abfluss des Gravitationswassers
- permanenter Welkepunkt (pWP) = Saugspannung bei nur noch Totwasser
Desorption
•Jeder Boden hat Poren unterschiedlicher Menge und Grösse
•Je nach Porengrössenverteilung wird das Wasser unterschiedlich stark zurückgehalten
•Ein feinporiger Boden kann bei einer grossen Saugspannung noch recht feucht sein, während ein grobporiger Boden schon sehr trocken ist
•Wie viel Wasser in einem Boden bei einer bestimmten Saugspannung noch gespeichert ist, kann mit der Desorptionskurve gemessen werden!
Porenklassen und deren Eigenschaften
•Grobporen: Wurzeln
–Bioturbation, Schrumpfungsrisse
–Sauerstoffversorgung des Bodens
–Makroporenfluss: schneller Transport (Wasser und Stoffe. auch Schadstoffe!!)
–Mindert Überstaubildung (Wasser)
•Mittelporen: Bakterien
–Wasserversorgung für Pflanzen
-gut durchwurzelt
–reger Stoffaustausch, chemische Reaktionen
•Feinporen: für Lebewesen nicht zugänglich
–Haft- und Kapillarwasser, Totwasser
–Stoffaustausch mit langen Diffusionswegen (langsam)
-Lebewesen nicht zugänglich
Porenklassen: Fazit
•Wegen der Kapillarkräfte sind verschiedene Porenklassen "nötig" für einen gut funktionierenden Boden Wasserhaushalt
•Sowohl Grobporen (Durchlüftung) als auch Mittelporen (Wasserverfügbarkeit) sollten in "genügender" Menge vorhanden sein.
•Damit das Gravitationswasser auch abfliessen kann (Drainage), dürfen keine verdichteten, schwer durchlässigen Horizonte vorhanden sein.
Wassergehalt und Stabilität
•Der Wassergehalt beeinflusst die Stabilität eines Bodens
•Nasse Böden sind immer weich
•Trockener Ton ist sehr hart während trockener Sand zerrieselt
•Grund: im trockenen Ton ist noch Wasser in sehr feinen Poren sehr stark gebunden, im Sand gibt es keine Feinporen
Luftkapazität:
•Mass für die potentielle Sauerstoffversorgung des Bodens
•Wichtig für Atmungs- und Bodenentwicklungsprozesse
•entspricht dem Porenvolumen, das bei Feldkapazität des Bodenwassers mit Luft gefüllt ist (weite) Grobporen
Je größer .......... und.........., desto besser Durchlüftung eines Bodens
Porenvolumen und Luftkapazität
Böden werden mit Tiefe....
dichter
Luftdurchlässigkeit nimmt ab, schlechtere Durchlüftung, CO2-Gehalt steigt, O2-Gehalt sinkt
Liegt Luftkapazität unter 10%, dann
Atmungsprozesse laufen gehemmt ab
Bodenatmung
= Summe verschiedener CO2-freisetzender Prozesse im Boden
• CO2-Freisetzung durch Wurzelatmung und durch den Abbau von Wurzelrückständen und Exsudaten im Bereich der Rhizosphäre
• Stoffwechselaktivität ("Atmung") der Mikroorganismen und der Mikrofauna (Anteil bis zu 70%)
• Chemisch-physikalisch bedingte CO2-Freisetzung, z.B. durch Gesteinsverwitterung oder durch Abgabe von im Bodenwasser gelöstem CO2 (geringer Anteil)
• Messung der Bodenatmung: CO2-Abgabe der Bodenoberfläche
Bodenluft
Grundsätzlich dieselben Komponenten wie die oberirdische Atmosphäre
- Jedoch in abweichender Zusammensetzung!
- Abnahme des Sauerstoffanteils O2
- Zunahme des CO2-Anteils
- sehr hoher Wassergehalt in der Bodenluft
O2 fördert:
- biologische Bodenaktivität
- Wurzelwachstum
- Abbau org. Mat. (Mineralisierung)
- Redox-Potenzial