SA.0002 Systemische/familienzentrierte Pflege und Ethik
Tag 1 - 14.09.2026 : ganzer Tag : Einführung in die Familienzentrierte Pflege / Workshop BAIA
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Lernkarten
Definition CFAM:
Das Calgary Familien-Assessment-Modell (CFAM) ist ein strukturiertes, pflegewissenschaftliches Instrument, um die familiäre Situation und Dynamik ganzheitlich zu erfassen.
Was sind die drei Hauptkategorien vom CFAM?
Für was steht die Ebene Struktur beim CFAM?
Struktur – "Wer gehört dazu?"
Wer zählt zur Familie (auch Grosseltern, Stiefeltern, beste Freunde)? Wer lebt zusammen? Wer ist sonst noch wichtig im Umfeld (Schule, Arzt, Nachbarn)?
Für was steht die Ebene Entwicklung beim CFAM?
Entwicklung – "Wo stehen sie gerade im Leben?"
Ist es eine junge Familie mit Baby? Eine Familie mit Teenagern? Eine ältere Familie, bei der die Kinder schon ausgezogen sind? Jede Phase bringt eigene Herausforderungen mit sich.
Für was steht die Ebene Funktion beim CFAM?
Funktion – "Wie ticken sie miteinander?"
Wie reden sie miteinander? Wer hat das Sagen? Wer kümmert sich um wen? Wie gehen sie mit Gefühlen um?
Was wären Indikationen für ein CFAM?
Indikationen für ein Familien-Assessment:
Die Familie erlebt eine emotionale, körperliche oder spirituelle Belastung durch eine Krise (akute/chronische Krankheit, Tod), einen bedeutsamen Entwicklungsschritt (Geburt, Auszug) oder Beziehungsprobleme; die Familie selbst wünscht ein Assessment; ein Kind/Jugendlicher zeigt Schwierigkeiten; ein Familienmitglied wird stationär aufgenommen.
Was wären Kontraindikationen für ein CFAM?
Kontraindikationen:
z.B. wenn ein Assessment die individuelle Entwicklung eines Mitglieds gefährden würde (etwa bei kürzlich ausgezogenen jungen Erwachsenen), oder wenn die Familie der Fachperson misstraut (z.B. bei vermuteter behördlicher Auftragsarbeit).
Ein Familien-Assessment ersetzt nie das individuelle Assessment – bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung bleibt Letzteres Pflicht.
(Wright, 2021, S. 43, Kasten 1-1 und 1-2)
Definition CFIM:
Das Calgary Familien-Interventions-Modell (CFIM) ist ein praxisorientierter Leitfaden in der familienzentrierten Pflege, der darauf abzielt, kognitive, affektive und verhaltensbezogene Veränderungen bei Familien im Umgang mit Krankheit zu fördern.
Was sind die drei Hauptkategorien vom CFIM?
Für was steht die Ebene Kognitiv beim CFIM?
Kognitiv – "im Kopf"
Der Familie fehlt Wissen oder eine neue Sichtweise. Du gibst Informationen, erklärst etwas, oder hilfst ihnen, eine Situation anders zu betrachten. Beispiel: Den Eltern erklären, wie eine Krankheit verläuft.
Für was steht die Ebene Affektiv beim CFIM?
Affektiv – "im Bauch"
Die Familie steckt in starken Gefühlen fest (Angst, Schuld, Wut, Überforderung). Du normalisierst diese Gefühle, hörst zu, validierst sie. Beispiel: "Es ist völlig verständlich, dass Sie sich schuldig fühlen."
Für was steht die Ebene Verhaltensbezogen beim CFIM?
Verhaltensbezogen – "im Handeln"
Die Familie braucht eine konkrete, praktische Veränderung im Alltag. Du regst ein neues Verhalten oder Ritual an. Beispiel: Ein gemeinsames Abendritual einführen, Aufgaben neu verteilen.
Unterschied: CFAM vs. CFIM
Zusammenhang: Die beiden Modelle gehören zusammen und bauen aufeinander auf. Erst mit CFAM verschafft man sich ein Bild der Familie (wer gehört dazu, in welcher Lebensphase stecken sie, wie funktionieren sie miteinander). Erst wenn dieses Bild steht, weiss man, wo eine Intervention sinnvoll ansetzt – und dafür liefert CFIM die drei möglichen Ansatzebenen (Kopf, Bauch, Hand).
Eselsbrücke:
- CFAM = Assessment = Anschauen/Analysieren
- CFIM = Intervention = Ins Handeln kommen
Was ist die Grundhaltung der familienzentrierten Pflegen (FZP)?
Grundhaltung: Pflegefachpersonen tragen eine ethische Verantwortung, Familien in die Versorgung einzubeziehen, da die Familie erheblichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Mitglieder hat. Familienzentrierte Pflege setzt fundiertes Assessment, fundierte Interventionen und eine partnerschaftliche Beziehung voraus. Zentral ist der Wechsel von einem rein individuumsbezogenen zu einem interaktionalen, familienbezogenen Denken.
(Wright, 2021, S. 38)
Wir sehen die Familie als den Kreis nahe stehender Menschen, den sie selber als Familie bezeichnen (Wright & Leahey, 2021)
Die Familie wird als System betrachtet, in dem Krankheit alle Mitglieder beeinflusst und nicht nur die erkrankte Person. Professionelle Pflege bedeutet, die Familie aktiv als Ressource und Partnerin einzubeziehen, statt sie nur als Rahmenbedingung zu behandeln.
- Familie = System
- Krankheit betrifft alle, nicht nur Patient:in
- Familie = Ressource, nicht nur Rahmenbedingung
Was ist das Genogramm?
- Genogramm → Familienstruktur (Generationen)
Es stellt die Familienkonstellation graphisch dar (interne und externe Struktur)
Es stellt eine Fülle von Informationen der Familien auf einen Blick dar.
Ist schneller erstellt als eine Anamnese geschrieben
Was ist das Ökogramm?
- Ökogramm → Beziehungen nach aussen (Schule, Arbeit, Ärzte)
Darstellung der Familie in Bezug der erweiterten Systeme
Im Rahmen des Assessment soll die Struktur der Familie überprüft werden in welchen drei Bereichen?
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Struktur auf der Ebene intern erfragt?
• Die einzelnen Familienmitglieder und Familienformen werden ermittelt
• 6 Subkategorien
• Wer gehört zur Familie- Die Familie bestimmt selbst , wer dazu gehört
• Veränderung der Familienstruktur beachten
• Verluste sind belastend
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Struktur auf der Ebene extern erfragt?
• Erweiterte Familie z.B Herkunftsfamilie, die nicht im gleichen Haushalt leben.
• Soziales Umfeld
• Soziale Einrichtungen z.B. Spitex, Sozialhilfe
• Die Qualität und Quantität überprüfen der Beziehungen
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Struktur auf der Ebene kontext erfragt?
• Wie ist die Familie eingebettet?
• Wie wirkt sich das auf die Familie aus
• Soziales, wirtschaftliches und kulturelles Umfeld
• Beruf und Bildungsniveau
Im Rahmen des Assessment soll die Entwicklung der Familie überprüft werden in welchen drei Bereichen?
1. Stadien
2. Aufgaben
3. Beziehung
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Entwicklung auf der Ebene Stadien erfragt?
Stadien – in welchem Stadium des Familienlebenszyklus befindet sich die Familie gerade? (z.B. "Familie mit kleinen Kindern" oder "Familie mit Jugendlichen")
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Entwicklung auf der Ebene Aufgaben erfragt?
Aufgaben – welche typischen Entwicklungsaufgaben stehen in diesem Stadium an? (z.B. bei Jugendlichen: Ablösung von den Eltern ermöglichen)
Was wird im Rahmen des Assessment beim überprüfen der Entwicklung auf der Ebene Beziehung erfragt?
Beziehungen – wie verändern sich die Beziehungen innerhalb der Familie durch diese Entwicklungsphase?
Wie definiert sich die Familienentwicklung?
Familienentwicklung = die individuelle, einzigartige Geschichte dieser einen Familie. Sie wird geprägt durch Ereignisse, die geplant (z.B. eine Familiengründung) oder ungeplant sein können (z.B. eine Krankheit, ein Unfall, eine Katastrophe). Keine zwei Familien haben die gleiche Geschichte.
Wie definiert sich der Familienzyklus?
Familienlebenszyklus = die vorhersehbaren, typischen Stadien, die die meisten Familien im Verlauf durchlaufen – unabhängig von ihrer individuellen Geschichte. Also der "übliche Weg": z.B. Geburt eines Kindes, Kinder werden Teenager, Kinder ziehen aus, Heirat, Pensionierung usw.
Im Rahmen des Assessment soll die Funktion der Familie überprüft werden in welchen zwei Bereichen?
Was bedeuten die zwei Ebenen der Funktion Instrumentell und Expressiv?
Instrumentell ist das Praktische: ganz normale Alltagsdinge wie kochen, einkaufen, Kinder anziehen, Medikamente geben. Also einfach, wer im Alltag was erledigt.
Expressiv ist alles rund um Gefühle und Beziehungen, und hat mehrere Unterpunkte: wie Gefühle gezeigt werden (emotionale Kommunikation), was mit Worten gesagt wird (verbale Kommunikation), was ohne Worte gesagt wird über Körpersprache und Mimik (nonverbale Kommunikation), wie sich das Verhalten der einen Person auf die andere auswirkt und wieder zurück, also ein Kreislauf (zirkuläre Kommunikation, Beispiel: Kind schreit, Mutter wird nervös, Kind schreit noch mehr), wie Konflikte gelöst werden (Problemlösung), wer welche Aufgabe in der Familie hat wie Geldverdiener oder Kinderbetreuung (Rollen), wer am meisten zu sagen hat (Einfluss und Macht), gemeinsame Werte, die das Verhalten prägen (Überzeugungen), und wer in der Familie enger zusammenhält oder "Teams" bildet (Allianzen und Koalitionen).
Was ist die Grundlagen der Systemtheorie und was hat es mit der FZP zu tun?
Die Systemtheorie besagt, dass ein System (die Familie) mehr ist als die Summe seiner Teile und dass Veränderungen bei einem Mitglied das ganze System beeinflussen. Die FZP überträgt dieses Denken auf die Pflegepraxis, indem sie die Familie als zusammenhängendes System statt als Einzelpersonen behandelt.
- Ganzes ≠ Summe der Teile
- Änderung bei 1 Person → wirkt auf alle
Ist die Basis für FZP-Denken
Was ist die Postmoderne für eine Art von Denkrichtung?
Eine philosophische Richtung, die Vielfalt schätzt, viele gültige Ansichten statt einer einzigen "richtigen" Weltsicht.
Was macht die Systemtheorie?
Sie erforscht Systeme, deckt Muster auf und schaut aufs Ganze statt nur auf die einzelnen Teile.
Was untersucht die Kybernetik, im Unterschied zur Systemtheorie?
Wie sich Familien selbst steuern und regulieren, mit Fokus auf die Form statt auf den Inhalt.
Womit beschäftigt sich die Kommunikationstheorie?
Wie Informationen vermittelt werden, zentrale Konzepte von Watzlawick.
Was beschreibt die Veränderungstheorie?
Wie und warum eine gewünschte Veränderung in einer bestimmten Situation erwartet wird.
Was betrachtet dieser Wissenschaftszweig als biologische Funktion?
Das Wahrnehmen und Erkennen, jeder Mensch nimmt die Welt anders wahr.
Was sind Lineare Fragen?
….Ja/ Nein Fragen –Assessmentfragen ….Orientierungsfragen, welche als Informationssammlung häufig ein Gespräch eröffnen.
Was sind Zirkuläre Fragen?
....explorativ, der Moderator ist in der Rolle des «Forschenden» möchte genau hinschauen.
Was sind Strategische Fragen?
…..Konfrontationsfragen, werten, korrigieren und haben eine einschränkende Wirkung.
Wa sind Reflektive Fragen?
……Hypothetische Fragen für die Zukunft ……Fragen aus der Beobachtungsperspektive