Psychologie in 5 Tagen
Kapitel 8, 19, 21, 28
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Lernkarten
Was sind affektive Störungen?
Gruppe psychischer Erkrankungen, bei der primär Stimmung, Antrieb und Vegetativum betroffen sind. Können in zwei syn-dromatischen Polen auftreten
Was ist eine Depression?
affektives Syndrom, charakterisiert durch niedergedrückte Stimmung, Antriebsminderung, Interessenlosigkeit, reversible kognitive Störungen (Denkverlangsamung, Aufmerksamkeits- und Konzentrations-störungen etc.) sowie häufig körperlich-vegetative Störungen
Was ist Manie?
Gegenpol« der Depression; Erkrankungsbild mit situations-unangemessener gehobener Stimmungslage, Antriebssteigerung, Rededrang (Logorrhö), Ideenflucht und häufig Größenideen
Was ist eine bipolare affektive Störung?
in der Anamnese sowohl depressive als auch (hypo-)manische Episoden
Welche affektiven Störungen gibt es?
Depressive Episode
Manische Episode
- Manie (jeweils mit oder ohne psychotische Symptome)
- HypomanieRezidivierende depressive Störung (unipolar)
Bipolare affektive Störung (Depression und (Hypo-)Manie)
Anhaltende affektive Störungen (Zyklothymia, Dysthymia)
Wie heißt die Störung bei der rezidivierende manische Episoden auftreten?
Rezidivierende manische Episoden (mindestens 2 manische Epi-soden) werden nach der ICD-10 auch als bipolare affektive Störung klassifiziert
Neurochemische Modelle bei Depression
Nenne 4 wichtige Hypothesen!
Supersensitivität noradrenerger β-Rezeptoren (→ Antidepressiva können Verminderung der Sensitivität der β-Rezeptoren induzieren)
Monoamin-Mangel-Hypothese der Depression: Verminderung von Serotonin und Noradrenalin (sowie Dopamin) im synaptischen Spalt (→ Antidepressiva führen zur Wiederaufnahmehemmung insbesondere von Noradrenalin und Serotonin)
Cholinerg-aminerge Imbalance-Hypothese: relatives Überwiegen des cholinergen Systems während Depression und Überwiegen des noradrenergen Systems während Manie → Insgesamt Dysbalance verschiedener Neurotransmitter
Störungen intrazellulärer Signaltransduktionsmechanismen (stimmungsstabilisierende Medikamente wie Lithium wirken modulierend auf Second-Messenger-Systeme ein
Neuroendokrinologische Befunde bei Depression
Nennen Sie 2 Wichtige
renrinden-Achse: erhöhte Basalrate von ACTH und Kortisol; verminderte Supprimierbarkeit von Kortisol (pathologischer Dexamethason-Suppressionstest) → möglicherweise schädigende Wirkung auf Hirnentwicklung sowie -funktion
Regulationsstörung der Schilddrüsenachse (relativ häufig latente Hypothyreosen bei Depressiven, verminderte TSH-Sekretion nach TRH-Stimulation
Chronobiologische Faktoren bei Depression
Nennen SIe 3
Tagesschwankungen: morgens depressiver als abends (morgens Kortisol auch höher!)
Durchschlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen, mehr oberflächliche und weniger Tiefschlafphasen, verkürzte REMLatenz und erhöhte REM-Dichte → Zirkadiane Rhythmusstörung
Zum Teil saisonale Rhythmik mit Häufung im Herbst/Winter (Lichtmangel?) → saisonale Depression
Kognitive Ansätze der Depression
Nennen Sie 4
Erlernte Hilflosigkeit« (durch lang andauernde, als unkontrollierbar und unvorhersagbar empfundene Belastungen) → depressiver Attributionsstil: internal, stabil und global
Kognitive Triade: negative Wahrnehmung der eigenen Person, der Umwelt und der Zukunft
Negative Denkschemata führen zu Denkfehlern, z. B. Übergeneralisierungen, selektive Abstraktionen (»Tunnelblick«), negative Sichtweise durch »schwarze Brille«
Interpersonelle Theorie: Depression als Folge mangelnder sozialer Fähigkeiten oder mangelnder sozialer Unterstützung; mangelnde soziale Kontakte führen zu Verstärker-Verlust
Wie ist die Epidemiologie der Depression?
Ca. 65% affektiver Störungen sind unipolare Depressionen (= nur de-pressive Phasen),
ca. 30% verlaufen bipolar, d. h. (hypo-)manische und depressive Phasen;
unipolare Manien sind selten (nur ca. 5% aller affek-tiven Störungen)
Wie ist die Lebenszeitprävalenz einer Depression?
ca. 17%
Wie ist der Häufigkeitsgipfel der Erstmanifestation der Depression?
im 3. Lebensjahrzehnt; im höheren Lebensalter häufigste psychische Erkrankung
Wie hoch ist die Suizidalität der Depression?
Etwa ein Drittel depressiv Erkrankter unternehmen einen Suizid-versuchSuizidmortalität liegt je nach Patientenkollektiv und Erhebungs-methodik bei bis zu 15%
WIe ist die Lebenszeitprävalenz einer bipolaren affektiven Störung?
Lebenszeitprävalenz: ca. 2%
Wann beginnt eine bipolare affektive Störung?
Beginnt i. d. R. früher als unipolare Erkrankungen, oft um das 18. Le-bensjahr
Frauen und Männer gleich häufig betroffenSuizidhäufigkeit sehr hoch
Häufig Komorbidität mit Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit
Manische Phasen machen bei bipolaren Verläufen ca. 10–20% der Er-krankungsepisoden aus
Was ist eine Dysthymia?
anhaltende leichtere depressive Störung): Lebenszeitpräva-lenz bis zu ca. 4%, v. a. Frauen betroffen; Erkrankungsbeginn liegt in der Hälfte der Fälle vor dem 25. Lebensjahr
Was ist eine Zyklothymia?
chronifiziertes Erkrankungsbild mit leichteren depres-siven und hypomanen Phasen): Lebenszeitprävalenz bis zu 1%; kein Geschlechtsunterschied
Wie ist die Klinik der Depression?
Nennen Sie 3 Übergruppen
- Störungen der Affektivität ( z.B. Traurigkeit)
- Störungen des Antriebs und der Psychomotorik
- Störungen des Denkens (z.B. Denkhemmung)
- Psychotische Symptome ( selten Wahn)
- Körperlich-vegetative Störungen (Vitalstörungen, Schlafstörungen)
Wann diagnostiziert man ein somatisches Syndrom?
Zusätzliches somatisches Syndrom wenn mindestens 4 der folgenden Symptome vorliegen (nach ICD-10)
- Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise ange-nehmen Tätigkeiten
- Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung emotional zu reagieren
-Morgendliches Früherwachen (2 oder mehr Stunden vor der ge-wohnten Zeit)
-Morgentief
- Psychomotorische Unruhe oder Gehemmtheit
- Deutlicher Appetitverlust
- Gewichtsverlust
- Deutlicher Libidoverlust
Was ist eine Larvierte Depression?
somatisierte Depression; diffuse und mul-tiple körperliche Beschwerden und Missempfindungen stehen im Vordergrund
Was ist eine Gehemmte Depression?
Reduktion von Antrieb und Psychomoto-rik, im Extremfall depressiver Stupor
Was ist eine atypische Depression?
atypisch, weil affektive Reagibilität und Schwingungsfähigkeit erhalten, Appetit und Schlafbedürfnis ge-steigert, »bleiernes« Schweregefühl in den Extremitäten, gestei-gerte Empfindlichkeit gegenüber vermeintlicher Kritik oder Ab-lehnung
Wie ist die Prävalenz für Depressionen bei Kindern?
Prävalenz <1% bei Vorschulkindern, ca. 2% im Kindesalter, bis zu 5% im Jugendalter
Was ist bei depressiven Kindern zu beachten?
Leitsymptome wie bei Erwachsenen (traurige, niedergeschlagene Stim-mung, Interessen- und Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug)
Bei Kindern stehen aber häufig somatische Beschwerden (Bauch- und Kopfschmerzen, Appetit- und Schlafstörungen) im Vordergrund; domi-nieren können auch ständige Gereiztheit und Agitiertheit
Psychotische/wahnhafte Symptome sind im Kindes- und Jugendalter sehr selten
Was ist das Hauptsymptom der Manie?
Euphorisch gehobene oder gereizte Stimmung
Was sind die Nebensymptome einer Manie?
Nennen Sie 3
- Gesteigerte Aktivität (hoher Tätigkeitendrang, evtl. Kaufrausch mit unüberlegten Geldausgaben, Abschließen von Verträgen ( ! Cave Akute manische Episode bedingt i. d. R. Geschäftsunfähigkeit!)
- Gesteigerte Gesprächigkeit, starker Rededrang (Logorrhö)
- Ideenflucht (assoziativ gelockertes Denken), subjektives Gedanken-rasen
- Verlust sozialer Hemmungen, Distanzlosigkeit (reicht von Auf-dringlichkeit bis zur Promiskuität)
- Vermindertes Schlafbedürfnis
- Größenwahn oder überhöhte Selbsteinschätzung
- Ablenkbarkeit, andauernder Wechsel von Aktivitäten
- Tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten
- Gesteigerte Libido oder sexuelle Taktlosigkeit
Was ist Hypomanie?
leichte Ausprägung der Manie
Was ist eine Bipolar Typ 1 Erkrankung?
Depression und Manie wechseln
Was ist eine Bipolar Typ 2 Störung?
Depression und Hypomanie wechseln
Was ist rapid cycling?
sehr hochfrequente Verläufe: mehr als 4 depressive und/oder (hypo-)manische Episoden pro Jahr
Dysthyme Störung
leichter ausgeprägte chronifizierte Störung; lang-anhaltende negative Verstimmung (die meiste Zeit des Tages, mehr als die Hälfte aller Tage, mindestens 2 Jahre lang); Kriterien einer depres-siven Episode werden nicht erreichtEvtl. im Verlauf oder zusätzliche Entwicklung einer depressiven Epi-sode → »double depression« (= Überlagerung der dysthymen Symptomatik von einer depressiven Episode
Differentialdiagnosen der Depression
Endokrinologisch-metabolisch, z. B. Hypo-/Hyperthyreose, Hypogonadismus, M. Cushing, M. Addison, Hypo-/Hyperpara-thyreodismus, Akromegalie, Phäochromozytom, Urämie, Leber-insuffizienz, Hypoglykämie, Diabetes mellitus, Porphyrie
Infektionen, z. B. Meningitis
Neoplasien (Hirntumor oder -metastasen)Kollagenosen, z. B. systemischer Lupus erythematodes
Zerebrale Erkrankungen, z. B. M. Alzheimer, M. Parkinson, mul-tiple Sklerose, Epilepsie
Medikamente und andere Substanzen, z. B. Antihypertensiva (v. a. β-Blocker, Clonidin), Steroide, Antibiotika, orale Kontrazep-tiva, Antiarrhythmika, Benzodiazepine, Alkohol, Opioide
Therapie der Unipolaren Depression
In der Regel Kombination aus Psychopharmako- und Psychotherapie (alleinige psychotherapeutische Behandlung ist möglich bei leichter bis mittelgradiger Symptomatik und fehlender Selbstgefährdung, Kontra-indikationen gegen antidepressive Pharmakotherapie, Ablehnung me-dikamentöser Therapie durch den Patienten
Psychopharmaka bei Depression?
Psychopharmakologische Behandlung leichter Depressionen nicht zwingend empfohlenBei mittelschweren und insbesondere akuten schweren depressiven Epi-soden notwendiger Einsatz eines Antidepressivums
Welche 3 Phasen der Pharmakotherapie der Depression gibt es?
3 Phasen: Akutbehandlung, Erhaltungstherapie (4–9 Monate), ggf. Re-zidivprophylaxe (Jahre bis lebenslang; Indikation: mindestens 2 depres-sive Episoden innerhalb von 5 Jahren
Psychopharmakotherapie mit Antidepressiva bei Depression
Nennen sie 5 Stoffgruppen
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), z. B. Paroxe-tin, Citalopram Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI): Venlafaxin und Duloxetin
- Selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Reboxetin Noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA): Mirtazapin
- Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI): Bupropion
- Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA), z. B. Amitriptylin
- MAO-Hemmer, z. B. reversibler MAO-Hemmer Moclobemid (Ein-satz bei agitierten Depressionen kontraindiziert)
- Neuere Antidepressiva: z. B. kombinierter Melatonin- und 5HT2C-Antagonist Agomelatin
- Phytopharmakon Johanniskraut (hochdosiert, ! Cave auch Neben- und Wechselwirkungen!): bei leichtgradiger Depression
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei Depression
Nennen SIe 5
- Supportive Psychotherapie (verständnisvolles, stützendes ärztliches Gespräch)
- Kognitiv-behaviorale Therapie
- Interpersonelle Psychotherapie
- PsychoedukationCognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP
- Psychoanalytische Therapieverfahren i. d. R. nur ratsam bei Patienten mit guter Introspektionsfähigkeit, Kindheitsgeschichte mit Verlusten oder Missbrauchserfahrungen
-Schlafentzugsbehandlung (stimmungsaufhellender Effekt dauert häufig nur kurz an; Schlafphasenvorverlagerung als Versuch, den Effekt längerfristig zu halten)
- Elektrokrampftherapie: v. a. bei wahnhaften, psychotischen Depres-sionen, depressivem Stupor, hochgradiger Suizidalität oder thera-pieresistenter Depression
- Lichttherapie bei saisonalen Depressionen (vermindert Melato-ninsekretion
Wie behandelt man eine akute Manie?
Pharmakotherapie: Lithium (Lithium-Monotherapie reicht wegen verzögertem Wir-kungseintritt – ca. 1 Woche – und fehlender Sedierung für Akut-therapie alleine nicht aus)
Antikonvulsiva: Valproinsäure, Carbamazepin
Atypische Antipsychotika: Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasidon, Aripiprazol
Wie ist die Akuttherapie bipolarer Depressionen?
Bei leichter depressiver Episode: Verhaltenstherapie und Stim-mungsstabilisierer wie Lithium, Antikonvulsiva (Lamotrigin) bzw. atypisches Antipsychotikum (Olanzapin oder Quetiapin) (Verzicht auf Antidepressiva, um Risiko, eine Manie oder ein rapid cycling zu induzieren, gering zu halten)
Bei mittelschweren und schweren depressiven Episoden: Antide-pressivum notwendig (SSRI, keine TZA!); längerfristige Gabe eines Antidepressivums sollte nur unter dem Schutz eines Stimmungssta-bilisierers erfolgen
Phasenprophylaxe bipolarer Störungen mit Lithium, Antikonvulsiva (Carbamazepin, Valproinsäure oder Lamotrigin; Lamotrigin v. a. zum Schutz vor depressiven Phasen) oder atypischen Antipsychotika (Olan-zapin, Quetiapin)
-> Schon nach einer ersten manischen Episode sollte eine langfristi-ge Phasenprophylaxe erwogen werden (Rückfallrisiko mit ca. 95% sehr hoch