Physiologie - 1. Grundlagen
Allgemeines zum Thema Physiologie
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Physiologie
Lehre der Funktionen des Körpers
Lehre von den physikalischen und biochemischen Vorgängen in den Zellen, Geweben und Organen sowie das Zusammenwirken aller Lebensvorgänge im gesamten Organismus.
Organsystem
Zusammenschluss verschiedener Organe zur Erfüllung einer Funktion.
Organsysteme des Menschen:
- Haut
- Stütz- und Bewegungsapparat
- Respiratorisches System: Atmungssystem
- Kardiovaskuläres System: Herz-Kreislaufsystem
- Lymphohämatopoetisches System
- Nervensystem
- Gastrointestinalsystem: Verdauungssystem
- Urogenitalsystem: Fortpflanzungssystem und Harntrakt
- Sinnesorgane
- Hormonsystem
- Immunsystem
Homöostase
Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes (inneres Milieu) eines offenen dynamischen Systems durch einen internen regelnden Prozess.
Beispiele:
- Osmoregulation: Wasserhaushalt
- Thermoregulation: Körpertemperatur
- Blutdruck
- Blutzucker
- Säure-Basen-Haushalt: pH-Wert
- Metabolismus: Energieregulation
Osmoregulation
Regulation der Zusammensetzung der Extrazellulärflüssigkeit: Verhältnis von Wasser zu Natrium, Chlor, Kalium, Kalzium.
Körperwasser: ca. 60 % des Körpergewichts.
- Intrazellulär: ca. 66%
- Extrazellulär: ca. 33%
- Interstitiell (Zwischenzellgewebe): ca. 22%
- Transzellulär (Liquor, Gelenkflüssigkeit): ca. 2%
- Intravasal (Blutgefässe): ca. 9%
- Rest: ca. 1% im Magen-Darm-Trakt
Diffusion
(lat. diffundere: ausgiessen, verstreuen, ausbreiten)
Selbsttätige Vermischung von Stoffen aufgrund eines Konzentrationsgefälles vom höher zum weniger konzentrierten Ort bis zur gleichmässigen Verteilung.
Brownsche Molekularbewegung: ungerichtete Zufallsbewegung von Teilchen aufgrund ihrer thermischen Energie.
Osmose
(gr. osmos: Eindringen, Stoss, Schub, Antrieb)
Übertritt von Wasser oder anderem Lösungsmittel von einer weniger in eine stärker konzentrierte Lösung durch eine semipermeable Membran, die für das Lösungsmittel, jedoch nicht für die darin gelösten Stoffe durchlässig ist.
Beispiele:
- Wasserrückresorption in Nieren
Blutpuffer
Puffersysteme des Blutes zur Regulation des pH-Werts.
Offen:
- Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer
Geschlossen:
- Hämoglobin-Puffer
- Proteinatpuffer
- Phosphatpuffer
pH-Wert
Konzentration an Wasserstoffionen (H+-Ionen) in wässriger Lösung:
pH = -log10 (H+) oder H+ = 10-pH
pH-Werte allgemein:
- neutral: 7.0
- sauer (azid, mehr H+-Ionen): < 7.0
- basisch (alkalisch, weniger H+-Ionen): > 7.0
pH-Werte im Blut:
- neutral: 7.35 - 7.45
- sauer: < 7.35, Azidose
- basisch: > 7.45, Alkalose
Kurztest mit Lackmuspapier: sauer: rot, basisch: blau
Offenes Blutpuffer-System
CO2 wird nach aussen abgegeben.
Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer:
HCO3- + H+ ⇔ H2CO3 ⇔ CO2 + H2O
zu basisch (zuwenig H+-Ionen): aus Kohlendioxid und Wasser erstellte Kohlensäure spaltet sich in Hydrogencarbonat-Ion (früher Bicarbonat-Ion) und Proton
zu sauer (zuviel H+-Ionen): Hydrogencarbonat-Ion bindet sich mit Proton zu Kohlensäure, diese zerfällt zu Kohlenstoffdioxid und Wasser
Regulierung:
- kurzfristig: reduzierte bzw. verstärkte Atmung
- langfristig: Nieren halten Protonen zurück bzw. scheiden sie aus
Geschlossene Blutpuffer-Systeme
CO2 wird nicht nach aussen abgegeben.
- Hämoglobin-Puffer:
sauerstofftransportierende Proteine der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Sauerstoffkreislauf - Proteinatpuffer: Plasmaproteine
- Phosphatpuffer: anorganisches Phosphat
Metabolismus
Stoffwechsel
Gesamtheit der biochemischen Prozesse im Organismus, die als Folge zur Umwandlung von Stoffen führt.
- Metabolit: beteiligter Stoff
- Katalysator: nicht beteiligter Stoff, Auslöser, Umwandler
Arten:
- anabol
- katabol
- amphibol: anabole und katabole Schritte
Enzym
Biokatalysator, Katalysator für biochemische Reaktionen
Eigenschaften:
- Enzymnamen beschreiben die katalysierte Reaktion und enden auf -ase
- mehrheitlich Proteine
- oft auf Coenzyme (vielfach Vitamine) angewiesen
Anaboler Metabolismus
Energieverbrauch durch Aufbau körpereigener Stoffe aus einfachen Bausteinen.
Beispiele:
- Photosynthese
- Baustoffwechsel: Aufbau und der Erhaltung der Körpersubstanz
Photosynthese
Erzeugung von energiereichen Stoffen aus energieärmeren Stoffen mit Hilfe von Lichtenergie.
6H2O + 6CO2 = C6H12O6 + 6O2
Wasser und Kohlendioxid = Traubenzucker (Glukose) und Sauerstoff
Katalysatoren: Blattgrün und Sonnenlicht
Kataboler Metabolismus
Energielieferung durch Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen (Nährstoffen) zu einfacheren Stoffen.
Beispiele:
- Energiestoffwechsel: Aufrechterhaltung der Körperfunktionen
Nährstoffe
Organische und anorganische Stoffe, die von Lebewesen zu deren Lebenserhaltung aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden.
Makronährstoffe:
- Eiweisse (Proteine)
- Kohlenhydrate (Saccharide)
- Fette (Lipide)
Mikronährstoffe:
- Vitamine
- Mineralstoffe
- Spurenelemente
Eiweisse
Proteine, bestehen aus Aminosäuren.
Funktionen:
- Baustoffwechsel: Strukturproteine, z.B. Hauptbestandteil des Muskels
- Energiestoffwechsel: Citratzyklus
- Enzyme (Biokatalysatoren)
- Transportproteine
- Ionenpumpen
Kohlenhydrate
Saccharide, bestehen aus Glucose (Monosaccharid).
Funktion: Rasche begrenzte Energiebereitstellung.
Kurzfristig wird Glucose als Glycogen in der Leber und im Muskelgewebe gespeichert. Wenn die Versorgung der Gewebe mit Kohlenhydraten größer ist als ihr Verbrauch, wird der Überschuss in Fett umgewandelt und gespeichert.
Unterteilung entsprechend Grösse bzw. Verkettung:
- Monosaccharide (Einfachzucker)
- Disaccharide (Zweifachzucker)
- Polysaccharide (Mehrfachzucker)
Fette
Lipide, bestehen aus Glyzerin und Fettsäuren.
Funktionen:
- Langsame länger andauernde Energiebereitstellung
- Schutz- und Isolationsfunktion (Haut)
- Vehikel für fettlösliche Vitamine
Arten:
- Triglyzeride (Neutralfette): 1 Glycerinmolekül und 3 Fettsäurenmoleküle
- gesättigte Fettsäuren: Einfachverbindungen
- einfache ungesättigte Fettsäuren: Doppelverbindungen
- mehrfach ungesättigte Fettsäuren: zwei- oder dreifache Doppelverbindungen
- andere Lipide:
- Cholesterin
- Phospholipide: 1 Glyzerinmolekül und 2 Fettsäurenmoleküle, z.B. Lecithin für den Aufbau Zellmembran
Vitamine
Lebensnotwendige organische Nährstoffe, welche der Organismus nicht selbst herstellen kann.
Funktion: oft Coenzyme (Hilfsenzyme)
fettlöslich (lipophil):
- A: Retinol
- D: Cholecalciferol (D2, D3)
- E: Tocopherol
- K1: Phyllochinon
- K2: Menachinon
wasserlöslich (hydrophil):
- B1: Thiamin
- B2: Riboflavin
- B3: Niacin (Nicotinsäureamid und Nicotinsäure)
- B5: Pantothensäure
- B6: Pyridoxin
- B7 (H): Biotin
- B9, B11: Folsäure
- B12: Cobalamin
- C: Ascorbinsäure
Mineralstoffe
Lebensnotwendige anorganische Nährstoffe, welche der Organismus nicht selbst herstellen kann.
- Mengen- oder Makroelemente
- Spuren- oder Mikroelemente
Mengenelemente
Makroelemente, Mineralstoffe mit mehr als 50 mg pro kg Körpergewicht.
Kalzium (Ca2+): Blutgerinnung, Muskulatur, Nervensystem, Knochen
Chlor (Cl-): Wasserhaushalt, Säuren-Basengleichgewicht, Nieren-Magensekretion
Kalium (K+): Zelle, Mitochondrien, Ribosmen, Erythrozyten, Nerven, Muskeln
Magnesium (Mg2+): Muskelzuckungen
Phosphor (P+): Phosphorsäuren
Schwefel (S-): einige Aminosäuren
Natrium (Na+): Wasserhaushalt (osmotischer Druck)
Spurenelemente
Mikroelemente, Mineralstoffe mit weniger als 50 mg pro kg Körpergewicht.
- Eisen (Fe): Ausnahme: ca. 60 mg
- Kobalt (Co)
- Chrom (Cr)
- Kupfer (Cu)
- Mangan (Mn)
- Molybdän (Mo)
- Selen (Se)
- Zink (Zn)
- Iod (I)
- Fluor (F)
- Silizium (Si)
- Vanadium (V)
Bewegungssystem
- Knochen: Gerüst, Skelettsystem
- Muskeln
- Bänder und Sehnen
Bewegungsrichtungen
- Flexion/Extension: Beugung/Streckung
- Anteversion/Retroversion: Bewegung ventral/dorsal
- Abduktion/Adduktion: Abspreizen/Anziehen
- Innen-/Aussenrotation
- Pronation/Supination: Ein-/Auswärtsdrehung