NMS2

Neuromotorik und Sensorik 2

Neuromotorik und Sensorik 2


N. L.
Diese Karteikarten behandeln medizinische Grundlagen zur Querschnittlähmung und deren Auswirkungen auf den Körper, auf Universitätsniveau. Sie beleuchten die Funktion von Nerven, die Läsionshöhe und deren Konsequenzen wie Ausfall von Motorik, Sensibilität und vegetativen Funktionen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudierende und Fachpersonal, die sich mit der Diagnose, Klassifikation und Rehabilitation von Querschnittlähmungen vertraut machen möchten.
Karten
34
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
02.12.2015 / 05.12.2015

Lernkarten

Kennmuskel 

C2 - 4

Diaphragma

Kennmuskel 

C4

M. deltoideus

Kennmuskel 

C5

M. biceps

Kennmuskel 

C6

M. extensor carpi radialis

Kennmuskel 

C7

M. triceps

Kennmuskel 

C8

M. flexor digitorum

Kennmuskel 

Th1

M. interossei

Kennmuskel 

Th12

Bauchmuskulatur

Kennmuskel 

L1

M. quadratus lumborum

Kennmuskel 

L2

M. iliopsoas

Kennmuskel 

L3

M. quadriceps femoris

Kennmuskel 

L4

M. tibialis anterior

Kennmuskel 

L5

M. peronaeus

Kennmuskel 

S1

M. glutaeus maximus

Kennmuskeln Rücken

autochtone Rückenmuskeln sind segmental innerviert

Läsionshöhe Queschnittlähmung

Die Läsionshöhe bezeichnet das letzte intakte Segment

Die Kennmuskel lassen auf die funktionelle Läsionshöhe schliessen, nicht zwingend auf tatsächliche Läsionshöhe

Neglect

motorisch: 
vorhandene Arm- und Handfunktionen werden weniger spontan genutzt

Wahrnehmung:
betroffene Seite wird vernachlässigt, Wahrnehmung der Körpermitte verschoben, inneres Abbild der Umgebung gestört

somatosensorisch:
vorhandene Sensibilität, taktiles nicht oder vermindert wahrgenommen, bei beidseitiger Stimulation wird nur weniger betroffene Seite gespürt (Auslöschphänomen)

visuell:
starke beeinträchtigung von Objekten und Personen, visueller Überblick

akustisch:
Geräusch wird wahrgenommen, jedoch eher der anderen Seite zugeschrieben

olfaktorisch:
Gerüche einseitig vernachlässigt

Tetraplegie (Läsionshöhe)

C0 - Th1

Paraplegie (Läsionshöhe)

Th2 - S5

Beispiel S5: zwar nur Gastrognemius betroffen, jedoch auch div, Organe (Pat. sind Stuhlinkontinent)

Symptomtrias Querschnittlähmung

  • Ausfall aller Qualitäten der Sensibilität
    • Oberflächensensi: Berührung, Schmerz, Temperatur
    • Tiefensensi: Lage- und Bewegungssinn und Vibrationssinn
  • Ausfall der Willkürmotorik
  • Ausfall des Vegetativums

Commotio spinalis

Erschütterung des Rückenmarks, Phänomen "spinaler Schock":

vollständiger Ausfall Reflexe und Motorik (kommt innerhalb Stunden vollständig zurück)

Contusio spinalis

längere Quetschung RM, Nerven bei Luxation (sublux oder reponiert)

Pat. kann sich oft erhohlen, der Schaden bleibt zum Teil, auf der Bildgebung ist jedoch nichts mehr sichtbar

Compressio spinalis

Teile des RM / Nerven sind Komprimiert/durchtrennt und erholen sich nicht mehr

ASIA Klassifikation

A: komplett; keine Motorik, keine Sensorik in sakralen Segm. s4-s5

B: inkomplett; sensorische aber keine motorischen Funktionen unterhalb des neurologischen Niveaus, inkl. s4 -s5 erhalten

C: inkomplett; motorische Funktion unterhalb des neurologischen Niveaus erhalten und mehr als die Hälfte der Kennmuskeln unterhalb des neurologischen Niveaus müssen einen Wert kleiner als 3 aufweisen

D: motorische Funktion unterhalb des neurologischen Niveaus erhalten und mindestens die Hälfte der Kennmuskeln unterhalb neurologischem Niveau mit Wert > 3

E: motorische und sensorische Funktionen normal

1. und 2. Motoneuron

1. MN: spastische Lähmung (C0 - Th 10/11/12)

Die Schädigung liegt im Bereich des zentralen Nervensystems. Das 1. Motoneuron reicht vom Gyrus praecentralis über die Pyramidenbahn bis zur motorischen Vorderhornzelle im Rückenmark.
Die Reflexbögen sind nicht verletzt. Es kommt zu einer vermehrten Reflexaktivität durch den Ausfall der hemmenden Wirkung der Pyramidenbahn und dem Ausfall der extrapyramidalen Bahnen. 

 

2. MN: schlaffe Lähmung

Die Schädigung liegt im Bereich der Spinalnerven im peripheren Nervensystem. Das 2.Motoneuron reicht von der Vorderhornzelle im Rückenmark über den Radix ventralis der Spinalnerven zur motorischen Endplatte. Die Reflexbögen sind nicht mehr intakt. 

Spastik vs. Spasmen

Spastik (Def. Lance)

  • Spastik ist charakterisiert durch eine geschwindigkeitsabhängige Steigerung tonischer Dehnungsreflexe und gesteigerter Sehnenreflexe als Folge einer Überregbarkeit von Dehnungsreflexen.

  • Lance fügte ausserdem hinzu, dass Spastik gestörte Willkür-bewegung und abnorme Haltung nicht mit einschliesst.
    Das Taschenmesserphänomen ist eine Komponente der Spastik.

Spasmen

  • Spasmen zählen zu den afferenten kutanen und nozizeptiven Dehnungsreflexen. Es sind exterorezeptive Reflexe die Afferenzen über z.B. Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz vermitteln. Miller und Layzer haben 2005 den Muskelkrampf (ICD 10 Krämpfe und Spasmen der Muskulatur) als eine ausgeprägte, schmerzhafte und unwillkürliche Kontraktion eines Teils oder der Gesamtheit eines Muskels oder einer umschriebenen Muskelgruppe bezeichnet. Er ist kurz andauernd (Sekunden bis Minuten) und selbstlimitierend. 

 

-> mit Tardieu differenzieren

Balance, Stellreaktion, GGW

• Balance
– Von Sitzbalancetraining spricht man, wenn die oberen Extremitäten frei

gehalten werden, ohne sich in Parkier- oder Stützfunktion zu befinden.

• Stellreaktion
– Bei Stellreaktionen werden die Tentakel als Widerlager eingesetzt, um die Balance zu halten. Der Körperschwerpunkt bleibt dabei über der Unterstützungsfläche.

• Gleichgewichtsreaktion
– Bei einer Gleichgewichtsreaktion kann der Körperschwerpunkt ausserhalb der Unterstützungsfläche gebracht, dort gehalten und aktiv wieder über die Unterstützungsfläche bewegt werden. 

Phasenmodel Neurorehab

siehe Bild

komplette Querschnittlähmung

  • Schädigung des gesamten Rückenmarkquerschnitts
  • Ausfall aller neurologischen Funktionen unterhalb der Verletzungsstelle
    (motorische, sensorische und vegetative Funktionen betroffen)

inkomplette Querschnittlähmung

  • teilweise Schädigung des Rückenmarkdurchschnitts
  • unvollständiger Ausfall der neurologischen Funktionen unterhalb Verletzungsstelle

Dermatome

C6, C7, C8, TH1, TH5, TH10, L1, L5, S1-3, S4-5

C6: Daumenseite

C7: Zeige- und Mittelfinger

C8: Ring- und Kleinfinger

Th1: Ellenbogen aussen (Triceps)

Th5: Brustwarzen

Th10: Bauchnabel

L1: Leiste

L5: Unterschenkel, lat. zum Grosszehen ziehend

S1-3: Reithosenphänomen

S4-5: sacrale Aussparung

Ausfall Vegetativum

  • gestörte Thermoregulation
  • Blasenfunktion
  • Darmfunktion
  • Gefässtonus
  • Schweissabsonderung gestört (können im Sommer nicht genug schwitzen)
  • Sexualfunktion gestört 
  • beeinträchtigte Fettbildung der Haut
  • z.T. beeinträchtigtes Nagelwachstum

Notwendigkeit ATG bei Querschnitt

ungeachtet von Läsionshöhe immer notwendig bei frisch Verletzten, da:

  • Läsion Th1-11: Ausfall Intercostalmuskulatur
  • Ausfall Bauchmuskulatur / keine Bauchpresse
  • Ausfall Sympathicus oberhalb Th6 - mehr Sekretbildung
  • Läsion oberhalb C4: beeinträchtigung Diaphragma

Apraxie

ideomotorisch vs. ideatorisch

ideomotorisch: kein Plan für die Bewegung. gestört ist:

  • imitieren von Bewegungen
  • Bewegungsanpassung in einer Handlung
  • Gesten während Kommunikation ausführen
  • Pantomime von Objektgebrauch

ideatorisch: inadäquater Gebrauch von Objekten:

  • Pantomime von Objektgebrauch
  • Umgang mit einzelnen Objekten
  • Ausführung komplexer Handlungsfolgen

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