Kapitel 3: Analyse


J. DV.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Analysemethoden im Marketing und Vertrieb auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Untersuchung von Unternehmen, Kunden, Branchen und Märkten, wobei Wertkettenanalysen, Portfolioanalysen und Positionierungsmodelle im Mittelpunkt stehen. Die Karteikarten eignen sich besonders für Studierende und Fachleute, die ihre Kenntnisse in strategischer Analyse vertiefen möchten, um Wettbewerbsvorteile zu identifizieren und Marktchancen zu nutzen.
Karten
32
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Marketing
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
06.10.2014 / 03.08.2015

Lernkarten

Komponenten der Situationsanalyse

Markt + Marktteilnehmer

.

Komponenten der Situationsanalyse

Marketinginstrumente

Umwelt

.
 

Methoden der Situationsanalyse

  • SWOT-Analyse
  • Positionierungsanalyse
  • Lebenszyklusanalyse
  • Portfolioanalyse
  • Wertkettenanalyse
     

SWOT Analyse

Ziel:

  • Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit im Lichte der relevanten Wettbewerber
  • Bewertung der zukünfitgen Marktgegebenheiten

Interne Perspektive:

  • Strengths/Weaknesses
  • Stärken/Schwächen

Externe Perspektive

  • Opportunities/Threats
  • Chancen/Risiken

Vereinigung aus externer und interner Perspektive !!

Grundkonzept der SWOT-Analyse

.

Identifikation des relevanten Marktes

• Kundenorientiertes Vorgehen
Ziel: Ermittlung des „Relevant Set“ aus der Kundenperspektive
Kernfragen:
– Welche alternativen Anbieter sieht der Kunde als austauschbar an?
– Zwischen welchen Produkten/ Dienstleistungen wechselt der Kunde?
– Welche Produkte/ Dienstleistungen sieht der Kunde als „ähnlich“ an?


• Anbieterorientiertes Vorgehen
Ziel: Ermittlung der strategischen Gruppe (Porter) i.S. der Unternehmen, die
in einer bestimmten Branche ein vergleichbares strategisches Konzept zur
Anwendung bringen
Kernfragen:
– Welche Unternehmen verfolgen eine vergleichbare Strategie?
– Welche Unternehmen weisen ein ähnliches Leistungsversprechen
gegenüber den Endkunden auf?

Fragenfelder zu Stärken und Schwächen

• Art, Image, Marktstellung, Innovationsgrad und Qualität der Produkte/ DL
• Leistungsfähigkeit der Produktion/ der Dienstleistungserbringung
• Vertriebsstärke (Organisation, Größe, Effizienz, Qualifikation)
• Produktivität von Gesamtorganisation und der Teilbereiche
• Kostensituation (F&E, Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Logistik, Personal)
• Finanzkraft (u.a. Abhängigkeit von externen Geldgebern)
• F&E-Stärke (bspw. Qualifikation des Personals, verfügbare Budgethöhe)
• Zugang zu wichtigen Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft
• Qualifikation, Loyalität und Motivation der Mitarbeiter
• Marktpräsenz (regional, international, global) bzgl. Beschaffung und Vertrieb
• Organisationsstruktur (Flexibilität, Kundenorientierung, Schnelligkeit)
• Strategische Allianzen (i.S. von Verbindungen, die das Unternehmen bspw.
bzgl. Vertrieb, Einkauf, Forschung, Produktion u.a. eingegangen ist)

Fragenfelder zu Chancen und Risiken

• Marktentwicklung (Wachstum/ Stagnation/ Schrumpfen)
• Zugang zu neuen/ alten Vertriebskanälen
• Wahrscheinlichkeit des Eintritts neuer oder des Austritts etablierter
Wettbewerber
• Wahrscheinlichkeit der Vorwärts- oder Rückwärtsintegration anderer
Unternehmen
• Preisentwicklung bei zentralen Rohstoffen
• Förderungen oder Behinderungen durch gesetzliche Initiativen
• Zugänglichkeit bzw. Auslauf von Förderprogrammen
• Wahrscheinlichkeit der Marktreife von alternativen Technologien oder
Produkten
• Veränderungen des Konsumentenverhaltens (u.a. Wertewandel,
Kaufverhalten)

Five Forces Analyse Porter

  1. Wettbewerb
  2. Bedrohung durch neue Anbieter
  3. Verhandlungsstärke der Lieferanten
  4. Verhandlungsstärke der Abnehmer
  5. Bedrohung durch Substitute

Die Rivalität/Wettbewerb in der Branche ist hoch, wenn ...

 

• viele und große Wettbewerber im Markt tätig sind, die sich einen harten
Wettbewerb bieten.
• nur ein niedriges oder negatives Marktwachstum zu verzeichnen ist, so dass
eigenes Wachstum primär durch Verdrängung zu erzielen ist.
• Unternehmen eine hohe Fixkostenbelastung aufweisen und deshalb auch
wenig attraktive Angebote akzeptieren, wodurch sich der Druck auf die
Verkaufspreise erhöht.
• die Produkte und Services weitgehend standardisiert und damit für die
Kunden austauschbar sind.
• hohe Marktaustrittsbarrieren existieren, so dass auch Grenzanbieter im
Markt verbleiben.

Die Bedrohung durch neue Wettbewerber in der Branche ist hoch, wenn . . .

• nur niedrige Betriebsgrößenersparnisse zu erzielen sind und deshalb
auch kleine Unternehmen schnell wettbewerbsfähig sein können.
• geringe Erfahrungskurveneffekte zu erzielen sind, so dass bereits lang am
Markt agierende Unternehmen keinen deutlichen Kostenvorteil aufweisen.
• aufgrund niedriger Switchingcosts (i.S. von Kosten bei einem
Anbieterwechsel) nur eine niedrige Kundenloyalität vorherrscht.
• auf dem Markt nur schwache Markenpersönlichkeiten vertreten sind, die
eine Austauschbarkeit der Produkte weiter erleichtern.
• lediglich ein geringer Kapitalbedarf besteht, um ein neues Unternehmen
zu gründen (bspw. einen Verlag im Vergleich zu einem Automobilhersteller).
• ein leichter Zugang zu den relevanten Vertriebskanälen besteht.
• ein niedriger Reglementierungsgrad (durch Gesetze etc.) vorliegt, so dass
sich auch Newcomer sicher auf dem Markt bewegen können.

Lieferanten verfügen über eine hohe Anbietermacht in der Branche, wenn . . .

• wenigen Anbietern eine heterogene Abnehmerschaft gegenüber steht;
hier können die Anbieter die Lieferbedingungen zu ihren Gunsten
beeinflussen.
• nur eine niedrige Wettbewerbsintensität zwischen verschiedenen
Anbietern
vorliegt, weil sich deren Lieferprogramm deutlich unterscheidet.
• es an adäquaten Ersatzprodukten fehlt.
• die Lieferanten von ihren Kunden relativ unabhängig sind, weil es eine
ausreichende Anzahl von potenziellen Käufern gibt.
• bei den Abnehmer im Falle eines Lieferantenwechsels hohe Switchingcosts
auftreten (bspw. bei der Ablösung der ERP-Software von SAP).
• die gelieferten Produkte für die einzelnen Kunden einen hohen
Individualisierungsgrad
aufweisen, so dass letztere nur schwer die
Bezugsquelle wechseln können.
• die heutigen Anbieter durch eine Vorwärtsintegration leicht zum
Wettbewerber
der heutigen Abnehmer werden können.

Die Bedrohung durch Substitute in der Branche ist hoch, wenn ...

• Alternativangebote leicht verfügbar sind.
• Substitute gegenüber dem „Original“ große Preis-, Leistungs- und/ oder
Convenience-Vorteile aufweisen.
• vorhandene Produkte und Leistungsangebote durch neue Technologien
ganz oder teilweise entwertet werden können.

Die Nachfragemacht in der Branche ist hoch, wenn . . .

• sich die Nachfrage auf wenige Abnehmer konzentriert (bspw. im
Lebensmittelhandel auf wenige große Handelsketten oder im
Automobilsektor auf wenige große Automobilhersteller).
• eine hohe Preiselastizität der Abnehmer vorliegt, weil bspw. Substitute
leicht verfügbar sind.
• standardisierte Produkte vermarktet werden, bei denen der Lieferant
aufgrund von niedrigen Switchingcosts leicht gewechselt werden kann.
• eine schlechte wirtschaftliche Lage vorherrscht, in der die Abnehmer
unter hohem Kostendruck
stehen.
• die Abnehmer durch eine Rückwärtsintegration zu Wettbewerbern ihrer
bisherigen Lieferanten werden
können.
• für Abnehmer Bezugsalternativen transparent und leicht verfügbar sind
(diese Entwicklung wird durch das Internet massiv verstärkt, bspw. durch
Preisvergleichs-Sites).

Ermittlung der Chancen und Risiken in der Branche

• Basierend auf der 5-Forces-Analyse sowie weiteren
Analyseinstrumenten werden die Chancen und Risiken in der
Branche
ermittelt.
• Entscheidend ist, dass die Ermittlung unabhängig vom einzelnen
Unternehmen für die Branche insgesamt erfolgt.

Vereinigung der externen und internen Perspektiven im Rahmen der SWOT Analyse

.

SWOT Analyse Beispiel Konsumgütermarkt

.

Positionierungsanalyse

Positionierungsmodell
 

.

Bestandteile von Positionierungsmodellen

• Relevante Positionierungsdimensionen:
Funktionale und/oder symbolische Nutzendimensionen von Marken
eines bestimmten Segments, die Einfluss auf die Markenwahl der
Nachfrager ausüben


• Position der eigenen Marke
• Position der Konkurrenzmarken
• Position einer aus Nachfragersicht idealen Marke

Basisoptionen der Positionierung

Points of Difference-Positionierung:

  • Die Marke wird möglichst differenziert vom Wettbewerb positioniert

Points of Parity-Positionierung:

  • Imitation eines Wettbewerbers wird angestebt

Beispiel zweidimensionales Positionierungsmodell

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Lebenszyklusanalyse

Beispiel Touristikbranche

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Portfolio-Analyse

Grundüberlegungen zur BCG-Matrix

  • Beschreibung des Marktes anhand des Marktwachstums als Indikator für die Phase im Lebenszyklus des Produktes
  • Bestimmung der Unternehmensposition anhand des relativen Marktanteils als Determinante der erreichbaren Erfahrungskurveneffekte
  • Prüfung der Ausgewogenheit der Unternehmensaktivitäten
  • Identifikation von Handlungsfeldern
  • Vorschlag von Normstrategien

Portfolio-Analyse

Unterschiedliche Produkt-Portfolios als Trigger der Unternehmensentwicklung

.

Portfolio-Analyse

Grenzen der BCG Portfolio-Analyse

  • zweidimensionalität der Betrachtung greift zu kurz
  • Wettbewerbsaspekte fließen nur indirekt ein
  • Überbenotung von Wachstum und Erfahrungskurvenenffekten
  • Normstrategien haben keine zwingende Allgemeingültigkeit

Portfolio-Analyse

Wettbewerbsvorteils-Marktattraktivitäts-Portfolio (McKInsey & Company)

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Portfolio-Analyse

Wettbewerbsvorteils-Marktattraktivitäts-Portfolio (McKinsey & Company)

Marktattraktivität

  • Marktwachstum und Marktgröße
  • Marktqualität (u.a. Branchenrentabilität, Phase im Marktlebenszyklus, Wettbewerbsintensität, Anzahl und Struktur der Abnehmer, Markteintrittsbarrieren, Bedrohung durch Substitutionsprodukte)
  • Energie- und Rohstoffversorgung ( u.a. Verhandlungsstärke der Lieferanten, Sicherheit der Ressourcenversorgung)
  • Umfeldsituation (u.a. Abhängigkeit von Konjunktur, Gesetzgebung,
    öffentlicher Meinung, Arbeitnehmervertretern)

Relative Wettbewerbsvorteile

  • relative Marktposition (u.a. Marktanteil, Unternehmensgröße,
    Wachstumsrate, Rentabilität)
  • relatives Produktionspotenzial (u.a. Kostenvorteile, Know-how, Lizenzen,
    Standortfaktoren)
  • relatives F&E-Potenzial (u.a. Budget, Human Ressources,
    Innovationsfähigkeit der Organisation)
  • relative Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitern

 

Portfolio-Analyse

 Bewertung des Wettbewerbsvorteils-Marktattraktivitäts-Portfolio (McKinsey & Company)

• Zweidimensionalität der Betrachtung wird überwunden
• Auswahl der Kriterien kann unternehmensspezifisch erfolgen
• Zusammenführung der Kriterien durch ein Scoring-Modell
• Angebot von differenzierteren Normstrategien

Wertkettenanalyse

Grundüberlegung

  • Die Wertkettenanalyse basiert auf dem von Porter entwickelten Konzept der
    Wertkette (auch Value Chain) – teilweise wird von Wertschöpfungskette
    und korrespondierend von Wertschöpfungskettenanalyse gesprochen.
  • Die Wertkette basiert auf der Vorstellung, dass sich jedes Unternehmen als
    eine Ansammlung von Tätigkeiten
    beschreiben lässt.
  • Die unternehmensspezifische Ausgestaltung der Wertkette wirkt
    unmittelbar auf die erreichbare Gewinnspanne des Unternehmens.
  • Jede Veränderung in der Ausgestaltung der flankierenden Prozesse bzw.
    der Kernprozesse kann folglich auch die erreichbare Gewinnspanne
    beeinflussen.
  • Je effizienter bzw. effektiver der Mitteleinsatz erfolgt, desto größer ist die
    für das Unternehmen erzielte Wertschöpfung i.S. des erreichten Gewinns.
  • Jede Art von Aktivitäten kann Quelle von Wettbewerbsvorteilen sein,
    wobei der Hebel bei den Kernprozessen besonders groß ist.

Wertkettenanalyse

Ziele

  • Ermittlung der Ursachen von Wettbewerbsvorteilen - sowohl beim eigenen wie auch bei anderen Unternehmen
  • Erkennung von Potenzialen zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen für das eigene UN
  1. Quellen von zusätzlichen Kundennutzen und/oder
  2. Ansatzpunkte zur Verbesserung der eigenen Kostensituation

Wertkettenanalyse

Grundkonzept

Flankierende Prozesse

  • Aktivitäten sind nur mittelbar an der Wertschöpfung für den Kunden beteiligt.

Kernprozesse

  • Aktivitäten sind unmittelbar an der Wertschöpfung für den Kunden beteilig.

 

Wertkettenanalyse

Erfassung : Status quo des eigenen UN

• Welche Aktivitäten sind im Rahmen der Wertschöpfung zu
unterscheiden?
• Welche dieser Aktivitäten stellen Kernprozesse, flankierende
Prozesse dar?
• Welche Kosten sind mit den unterschiedlichen Aktivitäten verbunden?
• In welchem Ausmaß tragen diese Aktivitäten zur Verbesserung der
Wettbewerbsposition bei?
–Welcher Kundennutzen wird dabei generiert?
–Welche Kostenvorteile werden dadurch erzielt?
• Sind die Aktivitäten branchenüblich? Wenn nein, generieren sie
einen sichtbaren Kundennutzen?

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