M8 Pharmakologie Arzneimittelgruppen
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Lernkarten
1. Schmerzmedikament (Analgetika)
Definition des Schmerzes
Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit reeler oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist.
Deklaration EFIC
(The European Federation of Chapters of the International Association for the Study of Pain)
Während akuter Schmerz zu recht als ein Warnsymptom für verschiedene Erkrankungen und Verletzungen angesehen wird,
ist ein chronischer Schmerz ein spezifisches Gesundheitsproblem und eine eigenständige Krankheit
Schmerz Klassifizierung
Dauer:
- akut
- Chronisch
Ursache:
- nozizeptive
- neuropathisch
- "psychisch"
Physiologisch- Phatologisch
Schmerz -Pathophysiologie:
Nozizeptiver Schmerz
- Aktivierung von Nozizeptoren
- Reflektorisches Zurückziehen als Schutzraktion
- Schützt den Körper vor Verletzung
Schmerz- Pathophysiologie
Inflammatorischer nozizeptiver Schmerz
- Je nach Grösse des nozizeptiven Stimulus - > Entzündungsmediatoren
- Prostaglandine
- Aktivierung von zusätzlichen Nozizeptoren
- Schmerz geht über die ursprünglichen Läsion
- Sinnvoll
- Heilung durch Schonung
- OPerationswunden
- Fraktur
- Knochenmetastasen
Exkurs: Prostaglandine
- Prostaglandine spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Schmerz, Fieber und Entzündung
- Sie besitzen aber auch positive Eigenschaften:
- erhöht die Schleimproduktion und senkt die Säureproduktion im Magen-> wirken schützend auf die Magenschleimhaut.
- erhöht Durchblutung der Niere -> Anpassung an: Salzbelastung, H2O - Mangel
- erhöhte Uterus Motilität
Schmerz- Pathophysiologie
Neuropathischer Schmerz
- Irritation oder Schädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems
- Bei Nervenverletzung kommt es zur Bildung und Freisetzung verschiedener Substanzen und Rezeptoren
- Diese werden über den axonalen Transport sowohl nach zentral als auch nach peripherer geleitet
Neurophatischer Schmerz:
Typische Beispiele
- Neuralgie nach Herpes Zoster
- DIabetische Neuropathie
- Phantomschmerz
- Paraplegiker
- Schmerzen nach Apoplexie
Allodynie -> gesteigerte Schmerzempfindlichkeit
Mixed Pain ist Häufig
Nozizeptor Schmerz:
Schmerzen nach Gewebetraumen bei denen die peripheren und zentralen Nervenstrukturen der Nozizeption intakt sind
Neuropathischer Schmerz:
Schmerzen die nach Schädigung zentraler oder peripherer nozizeptiver Systeme entstehen
- Brennende Dauerschmerzen
- Einschiessende Schmerzattacke
- Evozierte Schmerzen
Physiologischer Schmerz:
- Nozizeptoren ohne Reiz inaktiv, reagieren nur auf bestimmte Reize
- Schutzfunktion Warnsignal
- Schmerz (A- delta/C Fasern) kann von Berührung (A-beta) unterschieden werden
- Lokalisiert vorübergehend
Pathologischer Schmerz
- Schmerz ohne Warnfunktion
- Periphere und zentrale Sensibilisierung
- Schmerzgedächtnis
- Schmerz kann von Schmerzfasern und Berührungsfasern ausgelöst werden
- Anhaltend: Tage Wochen Monate
Psychischer Schmerz:
Somatoforme Schmerzstörung
Somatisierungsstörung
"funktionelle Beschwerden"
- Unbewusster seelischer Konflikt äussert sich in körperlichen Symptomen
- Wechselnde Beschwerden
- Massive Behinderung im Alltag
- Schmerzschwelle ?
- oft Komorbidität (Depression Angsstörung Persönlichkeitsstörung)
- Diagnose durch Psychiater
Möglichkeiten der Schmerzbehandlung
- Medikamentös
- Lokal, Salben, Infiltration
- Physiotherapie Entspannungstechniken
- Copingstrategien
Medikamentöse Strategien gegen den Schmerz
Die Schmerzempfindung kann beeinflusst werden:
- Ausschaltung der Schmerzursache
- Herabsetzung der Empfindlichkeit der Nozizeptoren (Hemmung der Prostaglandinsynthese mit nicht -opioden Analgetika Lokalanästhetika)
- Unterbrechung der nozizeptiven Leitung (Lokalanästhetika)
- Verstärkung der körpereigenen Schmerzhemmung durch Anregung der Opioidrezeptoren im ZNS (Opioid- Analgetika)
- Hemmung der Schmerzwahrnehmung (Opioide, Narkotika) und
- Beeinflussung der Schmerzverarbeitung (Antidepressiva Antiepileptika)
Grundregeln der medikamentösen Schmerztherapie
- Medikation nach der Schmerzpathophysiologie
- Eher nozizeptive oder neuropathisch?
- Individuell je nach Wirkung und Nebenwirkung
- Kombination von Adjuvantien (Antidepressiva Antiepileptika ) mit direkter Schmerzmediaktion (Paracetamol, Novaminsulfon, NSAR, Opioide)
Nicht - opioide Analgetika: Zwei Gruppen
Nichtstereoidale Antiphlogistika (NSA) :
- analgetische
- Fiebersenkende
- Stark entzündungshemmend
Irfen, Olfen, Voltaren
Nicht - saure Verbindungen:
Paracetamol und Derrivate des Phenazons wie Metamizol (Novalgin)
- analgetisch
- Fiebersenkend
- Nicht entzündungshemmend in therapeutischer Dosierung
Nicht - stereoidale Antirheumatika (NSAR)
- schmerzlindern (analgetisch)
- fiebersenkend (antipyretisch) und
- entzündungshemmend (antiphlogistisch)
- nicht sedierend im Gegenseatz zu den opioiden Analgetika
- beeinflussen kaum die Psyche
NSAR: Vor- und Nachteile (Stufe1)
- Hemmen die Prostaglandin - Biosynthese durch Inhibierung der Cyclooxygenasen COX-1 und /oder COX-2:Prostaglandine werden als Entzündungsmediatoren in der Folge von Gewebeschädigungen gebildet und beweirken lokale Sensibilisierung und Hyperalgesie
- Zur Behamdlung schwacher bis mässiger Schmerzen
- Durch Dosissteigerung ist die Behandlung stärkerer Schmerzen nur bedingt oder nicht möglich: unerwünschte gastrointestinale und kardiovaskuläre Effekte, Nierenschädigung
- Werden bei stärkeren Schmerzen ggf. mit Opioiden kombiniert
- Blutungsgefahr
Kontraindikationen der NSAR
NSAR dürfen nicht angewendet werden bei:
- Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz
- Lebererkrankungen schwere Nieren und Leberschäden
- Magenschleimhaut Defekt Magendarmulcus
- Bei Asthma
- Bei Schwangerschaft (insbesondere in der letzen Wochen) Vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus Botalli wehenhemmung pulmonale Hypertonie
S.66
Kann man die Magenverträglichkeit der NSAR erhöhen ?
- Durch die Anwendung von Zäpfchen kann die Magenproblematik der NSAID (non steroidal anti Inflammatory drugs) nur anfänglich umgegangen werden. Durch die systemisch wirkende Prostaglandinhemmung tritt sie aber dann doch auf
- Die verabreichung des Prostaglandins Misoprostol (Cytotec) soll die Magenschleimhaut vor den Schädigungen durch NSAR schützen
(Arthrotec) Tabl. = Diclofenac + Misoprostol
Selektive COX 2 Hemmer (1)
Selektive -> NSAR die nur COX 2 Hemmen andere NSAR hemmen beide COX 1 und COX 2
Es existieren 2 Isoformen der Cyclooxygenase:
- COX 1 ist konstitutiv d.h. immer vorhanden und aktiv. Sie produziert "gute erwünschte Prostaglandine" so z.B. auch die Magenschleimhaut schützenden Prostaglandine
- COX 2 wird induziert und produziert "schlechte unerwünschte Prostaglandine" in entzündeten Geweben COX2 = Teurer /NW Schwindel Kopf SZ
Selektive COX -2- Hemmer (1)
- Die ursprünglichen NSAIDS blockieren sowohl die COX 1 als auch die COX 2
- Vor einigen Jahren kamen erstmals auf den Markt sog. selektive COX 2 Hemmer. Sie hemmen die Prostaglandin- Produktion im entzündeten Gewebe beeinträchtigen die Bildung der schleimhautschützenden Prostaglandine durch die COX 1 nicht
- verursachen weniger häufig zu Schädigung der Magen und Darmschleimhaut
- Beeinflussen auch die Blutgerinnung weniger
Sind COX 2 Hemmer wirklich vorteilhaft
- Die selektiven COX 2 Hemmer sollten weniger Nebenwirkungen als die herkömmlichen NSAID
- Dies hat auch seinen Preis: Selktive COX2 Hemmer sind wesentlich teurer Ihr Einsatz lohnt sich vor allem bei einer länger dauernden Therapie oder bei patienten mit einem Risiko für Magen/Darm- Geschwüre
- COX 2 Hemmer sind leider auch nicht ohne Nebenwirkungen. (Denn wie man aus neueren Untersuchungen weiss übt die COX 2 wichtige Physiologische Funktionen aus. Werden diese durch COX 2 Hemmer blockiert kommt es zu Nebenwirkung)
Nicht- saure fiebersenkende Analgetika
- Sie wirken nur fiebersenkend und analgetisch, also nicht entzündungshemmend
- Genauer Wirkungsmechanismus nicht bekannt
- Mann weiss aber: im Gegensatz zu den NSAID hemmen sie die Cyclooxygenasen nicht oder nur sehr schwach.
- -> wirken nicht antiphlogistisch haben aber auch nicht die typischen UAW der NSAID wie Hemmung der Thrombozytenaggregation oder Schädigung der Magenschleimhaut
- Wichtigster Vertreter dieser Gruppe ist das Paracetamol
Paracetamol
Analgetisch antipyretisch nicht antientzündlich keine COX 1+2 Hemmung peripherer aber im ZNS
UAW: chron. interstitielle Nephritis Hepatotxicität max 4.0gr pro Tag
CAVE: vorgeschädigte Leber (Alkoholismus malnutrition) bei überdosierung (ab 10g) kommt es zu schweren meist tödlichen Schädigungen der Leberzellen.
Therapie: Acetylcystein
Paracetamol ist Mittel der Wahl
- In der Schwangerschaft und Stillzeit
- bei Säuglingen undd Kleinkinder
- bei Asthmatiker
- bei Patienten mit Magenproblemen (Entzündung Ulkus)
- Bei Patienten die Antikoagulation einnehmen
Opioid- Analgetika: Herkunft der Opioide (Stufe 2-3)
- Morphin ist ein Opium- Alkaliod
- Opium enthält neben Morphin(pflanzen Wirkstoff) und Codein auch andere Alkaloide die nicht analgetisch wirksam sind z.B. Noscapin Papaverin
- Alle halb- und vollsynthetische Derivate (Sythetisch/chemisch Hergestellt) (Methadon Pethidin Fentanyl) welche die analgetische Wirkung von Morphin besitzen werden Opiate bzw. Opioide (Nachgeamt) gennant.
Analgetische Wirkung der Opioide (1)
- Affinität(Anziehungskraft, Bindungsstärke) zu Rezeptoren die für körpereigene endogene Opiide vorhanden sind.
- Opioide Rezeptoren befinden sich auf Nervenzellen (Zentrale Nervensystem /Zentrale Wirkung)
- In verschiedenen Hirngebieten und im Rückenmark aber auch an den Nervengeflechten des magen Darm Traktes und der Blase wo sie die Motilität mitsteuern
- Mehrere Typen von Opioide Rezeptoren
- Die Effekte der Opioide können durch Antagonisten (z.B. Naloxon) vollständig aufgehoben werden. (Ausnahme Bubrenorphin)
Wirkung der Opioide
- Analgetisch: Hemmung der Impulsumschaltung im Rückenmark Abschwächung der Impulsausbreitung und Hemmung der Schmerzwahrnehmung im Gehirn
- Tranquillisierend: senkt schmerzbedingte Angst
- Sedierend (beruhigend schläfrig machend ) senkt aufmerksamkeit und Konzentartionsvermögen
- Häufig euphorisierend (erzeugen Glücksgefühl) bei einem Teil der Patienten dysphorisch
- Sucht erzeugend: Die Vreschreibung der meisten Opiode unterliegt dem Betäibungsmittelgesetz
Nebenwirkung der Opioide
- Opstipation
- Nausea
- Mundtrockenheit
- Appetitlosigkeit
- Bauch SZ
- Schwitzen
- Hautausschlag/Juckreiz
- Schwindel
- Kopf sz
- Dämpfung und Müdigkeit
- Kann zu Abhängigkeit führen
Bei Überdosis:
- Atemlähmung /Atemdepression
- Tiefen BD
- Kreislaufversagen ud Koma
Nebenwirkung der Opioide
- Harnverhalt -> Miktionsbeschwerden
- Miotisch (Kleine Pupillen)
Nebenwirkung Obstipation
- Hauptproblem /keine/ minime Toleranz
- Ernährung ballaststoffrech viel Flüssigkeit
- Körperliche Aktivität
- Stufen Schema
- Keine Quellmittel (v.a bei Tumorpatienten)
- Nicht mehr als 3 Tage keinen Stuhlgang ansosnten Melden
Opioide Abhängigkeit
Physische Abhängigkeit:
- Entzugssymptome (Korrekte tägliche Einnahme Kein abruptes Absetzen)
Psychische Abhängigkeit: Sucht
- bei korrekter Anwendung selten:
- Genetik (3-20% der bevölkerung?)
- Psychosoziales Umfeld
- Zugeführtes Präparat
- Bei Sucht Weaning(Entwöhnung)
- Kaum kontrolle über "doctor shopping"
Opioide fahrtauglichkeit
- 21 Patienten mit gutartigen Schmerz unter Fentanyl TTS- vergleich mit 90 gesunden Patienten computerisierte Fahrtest
- keine Signifikanten (Statistisch glaubwürdiges resultat) Unterschiede in den Psychomotorischen und kognitiven Tests
Anwendung/Indikation der Opioide
Bei sehr starken Schmerzzuständen wie z.B.
- Nach Unfall oder Operationen
- Tumorschmerzen
- Herzinfarkt
- Lungenembolie Lungenödem
Bei akuten Schmerzen: Tropfen i.v s.c rückenmarksnah Dosis nach bedarf Zusätze selten
Bei schronischen Schmerzen: Peroral Retardformen transkutan (rektal) Dosis nach Schmea. Häufig Zusätze
Schmerzbehandlung mit Opioiden
Nicht Tumor Schmerzen:
- Obere Dosisgrenze (Opiodrotation)
- keine parenteralen und kurzwirksamen Opioide
- Abgabe und ev. Unterschrift des Infoblattes
- Suchtpotential: Ja
- Ziel: 1 Aktivität 2. Schmerzredukation
Tumor Schmerzen:
- keine obere Dosisgrenze
- Sollte früh angefangen werden
- Suchtpotential vernachlässigbar
- Ziel: Schmerzreduktion
Schwache Opioidanalgetika (WHO Stufe 2)
Codein:
- In Komb. mit Paracetamol in Co- Dafalgan
- Kein Betäubungsmittel
- Wirkt bei 10% der Leute nicht analgetisch
Tramadol:
- in Komb. mit Paracetamol Zaldiar
- Kein Betäubungsmittel
- Max. Wirkung deutlich schwächer als Morphin
- Kaum atemdepressiv noch suchterzeugend
- UAW:Übelkeit Schwindel Mundtrockenheit
Adjuvantive (Koanalgetika) Medikamente
Neuropathische und andere chronische Schmerzen benötigen oft neben den Analgetika andere Medikamente:
- Ketamin:Kombination mit Opioide ermöglicht deren Dosisreduktion Appl.sc oder Nasenspray
- Lokalanästhetika: Anwendung rückenmarksnah in der postoperativen Analgesie bei chronischen Schmerzen
- Trizyklische Antidepressiva v.a. bei chronischem und neuropathischem Schmerz
- Antiepileptika bei neuropathischen Schmerz