M0052 Diabetes Mellitus Typ 2

Pathophysiologie, Prävalenz, Therapieansätze,..

Pathophysiologie, Prävalenz, Therapieansätze,..


A. R.
Diese Lernkarten decken das Thema Diabetes Mellitus Typ 2 auf Universitätsniveau ab. Sie konzentrieren sich auf die Pathophysiologie, Therapie und Prävention, wobei Begriffe wie Glukose, Insulin, Pankreas und Blutzucker zentral sind. Die Karteikarten behandeln auch Risikofaktoren wie den diabetischen Fuß und die Bedeutung von Bewegung und Ernährung. Sie richten sich an Medizinstudenten und Fachpersonal, die ein tiefes Verständnis der Krankheit und ihrer Managementstrategien benötigen.
Karten
31
Lernende
6
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
10.01.2016 / 06.02.2019

Lernkarten

Beschreibe die Prävalenz von DM Typ II bis 2030.

Generell wird sie die weltweite Zahl der DM-Erkrankten von 2000 bis 2030 verdreifachen! 
2000: 171'000'000
2030: 366'000'000

Wie viele Menschen in der CH leiden an DM? Prävalenz in Prozent und Zahlen? Kosten pro Diabetespatient? Gesamtkosten Diabetes? 

Prävalenz: 4-6%

350'000 bis 630'000 Erkrankte Personen in der CH 

8'000 CHF pro Pat / Jahr 

2800 bis 5040 Mio CHF für alle DM-Pat/ Jahr!

Welche Länder sind im Vergleich besonders betroffen? 

Indien, gefolgt von China und USA

Erkläre die Wortbedeutung von Diabetes Mellitus. 

  • diabaino (gr.): Hindurchfliessen -> Harnflut als Leitsymptom 
  • mellitus (lat.): mit Honig versüsst

Vor dem 20.Jhr war DM II eine seltene Erkrankung! (Privilegierte Minderheit: hohe Kalorienzufuhr und inaktiv) 

Welche Formen und Ursachen gibt es? 

Bild

Was sind die typischen Symptome bei DM? 

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche
  • Polyurie, Nykturie
  • Hyperglykämie, Dyslipidämie
  • Plötzlicher Gewichtsverlust 
  • Schlechte bis gar keine Wundheilung 
  • Ständiger Hunger 
  • Sexuelle Probleme 
  • Sehstörungen
  • Vaginalinfektionen
  • Taubes oder kribbelndes Gefühl in den Händen oder Füssen 
  • Polydipsie (Ständiger Durst), Exsikkose (Austrocknung des Körpers) 

Wie läuft der Krankheitsprozess grob ab? 

Phase I: Überschüssiges Viszerales Fett produziert vermehrt Fettgewebshormone und Entzündungsfaktoren, ausgeschüttete Botenstoffe führen zu einer abgeschwächten Insulinwirkung bis hin zu einer Insulinresistenz

Phase II: Blutzucker und -fett (Cholesterin), Blutdruck und Insulin im Blut erhöht 

Phase III: Arteriosklerose (Phase II ruft Risikofaktoren dafür hervor) 

Phase IV: Folgeschäden 

In welchem Normbereich sollte der Blutzucker sein? 

Norm: 4,5 - 6,7 mmol/l 
     nüchtern: 3,3 - 5,6 mmol/l 
     postprandial: 5,6 - 7,8 mmol/l 

Hyperglykämie: > 8 - 10 mmol/l 

Hypoglykämie: < 4 mmol/l 

Wie funktioniert die Energiebereitstellung durch Kohlenhydrate? (Stichwort Leber, Glykogen, Glukose, Glukagon)

Glucose: befindet sich nach Nahrungsaufnahme in Blutbahn -> Ausschüttung Insulin -> Zellen werden mit Glucose versorgt, überschüssiges wird in Form von Glycogen gespeichert oder in Fettzellen als Fett. 

Insulin: Im Pankreas ausgeschüttet, passt sich der Zuckermenge im Blut an, ermöglicht den transport von Glucose in die Zellen -> Blutzucker wird gesenkt


Glycogen: Speicherform des Zuckers in Geweben (v.a. Leber und Muskulatur), kann durch Glucagon und Adrenalin wieder als Glucose in Blutbahn gelangen

Glucagon: Gegenspieler von insulin. Bringt Glucose aus den Speichern in Leber und Muskulatur wieder in Blutbahn -> erhöht Blutzuckerspiegel

Nenne 5 positive Wirkungen von körperlicher Aktivität bei Diabetes Typ 2. 

  • Verbesserte Insulinsensitivität 
  • Tieferer BZ während und nach körperlicher Aktivität
  • Tiefere Insulinkonzentration (Pankreas muss nicht mehr so auf Hochtouren laufen)
  • Tieferer Tagesinsulinbedarf (Medikamentenverbrauch vermindert oder mögl.w. ganz abgesetzt)
  • Tiefere HbA1c-Werte (Langzeitzucker)
  • Verbessertes Lipidprofil (Fettstoffwechsel verbessert)
  • Verbesserung einer milden bis mässigen AHT
  • Erhöhter Energieverbrauch (-> Gewichtsreduktion?)
  • Steigerung der Kraft und Beweglichkeit 
  • Steigerung der körperl. Leistungsfähigkeit 
  • Verbesserung Allgemeinbefinden und Lebensqualität 
  • Verbesserter Stoffwechsel (-> Prävention der Mikroangiopathie) 

Muskulatur ist wichtigstes Stoffwechselorgan!! (DM = Muskelmangelerkrankung) 

Was ist das sog."Tödliche Quartett"?

Metabolisches Syndrom:

- DM 
- Adipositas
- Dyslipidämie 
- Hypertonie 

Was ist der "Circulus vitiosus" der Insulinresistenz? 

Zellen verhungern weil keine Glukose aufgenommen werden kann --> BZ steigt 
--> Betazellen in Pankreas reagieren darauf -> Insulinproduktion angeregt 
---> Insulin nach wie vor von Rezeptor nicht als "Schlüssel" akzeptiert -> Hyperglykämie 
--> Hyperinsulinämie (Pankreas produziert immer mehr) --> Mit der Zeit bekommt Pankreas "Burnout"  --> stellt Insulinproduktion ein -> Überschüssige Glukose in Blut wird in Fett umgewandelt -> Übergewicht steigt/ Körperfettzunahme -> Hyperlipidämie --> RF für AHT, Gefässerkrankungen, HKL-probleme
PLUS: --> viel und ständig Glucose im Blut verursacht Mikro-/ und Makroangiopathien

Was ist eine Hyperlipidämie? 

Ein ZU VIEL an Blutfetten: LDL-Cholesterin und Triglyzeride

Wie unterscheidet sich die Insulinsensitivität bei einem Menschen mit "sedentary lifestyle" und einem aktiven Menschen? 

Aktiv:

  • Insulinempfindlichkeit der Muskel- und Fettzellen ist erhöht
  • Zelloberfläche ist durchlässiger für Glucose 
  • Weniger Insulin wird benötigt um gleiche Menge Glucose aufzunehmen -> Insulinbedarf kleiner als bei sedentary lifestyle 

Was ist das GLUT4? Was ist seine Funktion? Wie steht es in Verbindung mit Insulin und der Glucoseaufnahme in die Zellen? 

Glukosetransporter-Molekül (Im Körper gibt es verschiedene Typen, in Muskelzelle vorwiegend Typ 4 (GLUT4) 

GLUT4 Vorrat ist in Zellinneren gespeichert, in Form von Vesikeln 

Erst wenn GLUT4 zur Zelloberfläche gelangt, kann Glucose durch sie in die Zelle einströmen 

Ablauf: Insulin bindet an einen speziellen Insulinrezeptor an der Aussenseite der Zelloberfläche -> Signalkaskaden in Gang gesetzt -> GLUT4-Vesikel wandern zur Zelloberfläche -> verschmelzen mit Zellmembran -> Glucose strömt ins Innere des Vesikels -> GLUT4 mit Glucosepartikel transportiert diese ins Zellinnere und gibt diese ab -> Vorgang wiederholt sich von vorne

(Betrifft Neuromuskuläre Ebene!): Was für einen Effekt hat Bewegung auf die Insulinempfindlichkeit bei einem DM Patienten? Wie lange hält dieser an? 

  • Muskelarbeit erhöht Insulinempfindlichkeit -> mit gleicher Menge Insulin können Zellen mehr Glucose auf Blut aufnehmen
    -> BZ-Spiegel sinkt 
    -> Insulinresistenz durchbrochen 
    -> Entlastung der insulinproduzierenden Zellen des Pankreas 
  • Energieverbrauch steigt -> Reduktion Übergewicht 
  • Erhöhte Insulinempfindlichkeit nur vorübergehend: 24h bis max. 72h!! -> regelmässige Aktivität nötig!

Was ist das HbA1c? Was ist der normale Gehalt? Wie hoch ist der Wert bei einem DM? 

  • Zuckergedächtnis im Blut 

Teil des Hämoglobins (Hb) bindet Zucker (glykolisiertes Hämoglobin). Dies bleibt während ca. 90 Tagen (Lebenszeit der Erythrozyten) stabil. 

  • bei normalem BZ-Gehalt: 4-6%
    bei DM: > 8.0%
  • mittlerer BZ-Wert der letzten 2-3 Monate somit bestimmbar 
  • Einschätzung der Qualität der Diabeteseinstellung 

Um wie viel muss der HbA1c-Wert bei einem DM-Pat gesenkt werden um das Risiko für Folgeerkrankungen signifikant zu verringern? 

- 1% 

Was für eine Art Bewegungstherapie wird in diversen Studien empfohlen, um den HbA1c-Wert bestmöglich zu senken? 

Ausdauerrtaining und Krafttraining kombiniert! 

Was kann man mit Hilfe des "Health Belief Modells" beschreiben? 

(Ver)Haltensänderungen

Welche 2 Wissensarten muss ich einem DM Patienten vermitteln, dass er möglicherweise die Motivation zu mehr körperlicher Aktivität aufbringen kann? 

  • Handlungswissen: "Was muss ich tun?"
  • Effektwissen: "Welchen Effekt hat es für mich?"

Was sind andere Namen für ein Schrittzähler? 

Pedometer

Actometer

Was beschreibt das Transtheoretische Modell? 

Weg zu einer Verhaltensänderung -> braucht Zeit und klare Absicht! 

Was sind die Säulen der Typ 2 Diabetestherapie? 

  • Zugang zum Patienten 
  • Instruktion 
  • Lebensstil 
    • Ernährung 
    • Bewegung 
  • Medikamente 
  • BZ-Messung 
  • Rauchstopp 

Was sind mögliche Risiken von körperlicher Aktivität bei Typ-2-Diabetes? 

  • Periphere Polyneuropathie -> Verletzungen an Beinen und Füssen 
  • Ungewohnte KA -> Manifestation einer KHK (bis zum Myokardinfarkt) 
  • Blutdruck ungenügend eingestellt -> Blutdruckschwankungen 
  • Retinopathie, Nephropathie: können zu hohe Trainingsintensität oder Sprungübungen verschlechtern -> Nicht auf Vibroplatte oder High Impact! 

Welche 2 Bewegungsregeln sollte ein Diabetiker vor körperlicher Aktivität befolgen? 

Regel 1: Z-Z-Z -> pro Stunde kA: Zehn gr KH, Zusätzlich zur üblichen Mahlzeit, Zum Voraus, d.h. vor der Aktivität
(10 g KH sind z.Bsp: 1 Apfel, 1 Birne, 1 Farmerstängel)

Regel 2: Vor und nach dem Sport BZ messen! 

Vor dem Sport:
<4 mmol/l: 10-20 g KH plus Sport-KH (Z-Z-Z) 
> 15 mmol/l: kein Sport, zuerst BZ senken! 
 

Weshalb sollte man immer einen Defibrillator dabei haben, wenn man mit einer DM-Gruppe unterwegs ist? 

Diabetiker sind kardiale Hochrisikopatienten! Risiko ist 2-4 fach so hoch im Vergleich zu Nicht-Diabetiker! Herzinfarkt könnte durchaus vorkommen! 

Diabetes = "Krebs der Gefässe"

Was ist ein diabetischer Fuss? 

Schlecht heilende Wunden am Unterschenkel und Fuss. Durch PNP oft kein Schmerz! (kleinste Verletzungen werden nicht wahrgenommen) 
--> Schädigung der...
1) Nerven -> Folgen für Beweglichkeit und Empfindung
2) Gefässe -> trophische Störungen bis zur Nekrose 
3) der Knochen- und Bindegewebestruktur 

Was sind Risikofaktoren für einen diabetischen Fuss? 

  • PAVK
  • Periphere PNP
  • ungenügende BZ-Einstellung! 
  • Fussdeformitäten -> veränderte Biomechanik (Hallux, Hammerzehen,..)
  • Schuhwerk 
  • fehlende Geschmeidigkeit der Haut, mangelnde Fusshygiene
  • Alkohol, Rauchen

Was sind absolute DON'Ts wenn man einen diabetischen Fuss vermeiden will? 

  • Schneiden
  • Barfuss gehen 
  • Enge Schuhe 
  • Heisse Bettflasche 
  • Laufen im Sand 
  • Absätze 

Was sind Massnahmen bei einem Diabetischen Fuss? 

  • Schutz vor Verletzungen 
  • Fusspflege
  • Fusskontrolle (Wunde) 
  • Druckentlastung chronischer Wunden 
  • Gehen reduzieren 
  • Gehstock 
  • Grosse Schuhe 

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