HS 2014

Jennifer Reinhard
Study

Jennifer Reinhard
Diese Lernkarten bieten einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen und literarischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, insbesondere in Deutschland und der Schweiz. Sie beleuchten zentrale Themen wie die Rolle der Frau, die Veränderungen in der Gesellschaft, die Machtstrukturen und die literarischen Figuren, die diese Prozesse widerspiegeln. Besonders hervorgehoben werden die Werke von Theodor Fontane und andere Autoren, die die komplexen Dynamiken zwischen Geschlechtern, Klassen und sozialen Bewegungen darstellen. Diese Karteikarten eignen sich ideal für Studierende der Germanistik und Literaturwissenschaft, die ein vertieftes Verständnis der gesellschaftlichen und literarischen Zusammenhänge dieser Epoche erlangen möchten.
Flashcards
121
Students
1
Language
German
Category
Literature
Level
University
Created / Updated
29.12.2014 / 06.01.2015

Flashcards

Säkularisierung

• Fortschritt in Technik und Wissenschaft
• Industrialisierung, Soziale Frage
• Kapitalismus (Liberalismus)
• Zergliederung der Welt
• Verweltlichung
• Weltlichkeit 

Rationalisierung (Nach Max Weber)

•
„Entzauberung der Welt“, denn die Welt wird erklärbar
• Individuum wird abhängig von anonymen, fremden
Strukturen
• Modernisierungsprozess führt zu
Zweckrationalität, zu Sachzwängen
• Entfremdung (im Sinne von Karl Marx)

Emanzipation

• Prozess vom „Objekt“ zum „Subjekt“
• Kritik
• Positiver Entwurf, Perspektive, Ziel
• Verschiedene Bevölkerungsgruppen: Bürger und Bauern,
Juden, Arbeiterschaft und Frauen 

Partizipation

• Verfassungsbewegungen in enger Verbindung mit
Emanzipation
• Repräsentation und Volkssouveränität
• Liberalismus
• Teilhabe an politischer Macht 

Agrargesellschaft: Familie

• Familie als Arbeits- und Produktionsgemeinschaft
• „das ganze Haus“, d.h. Eltern, Kinder, Verwandte, Knechte,
Mägde, Gesellen, Lehrlinge usw.
• Klare Aufgabenverteilung, gegenseitige Hilfeleistung 

Agrargesellschaft: Arbeit

 Arbeitszeit nach Arbeit und Tageslänge
• Hausgarten, Gespinstpflanzenkultur Sache der Bäuerin
• Feld, Reben, Obst Sache des Bauern
• Saat- und Erntezeit mit gegenseitiger Hilfe 

Agrarges: Alltag

Sommer: Acker mit Früchten, Reben, Wiesen, Obstbäume,
Flachs-und Hanfpünten, Fleischräuchern, Ernte, Lagerung oder
Verwertung der Früchte
• Winter: Textilien herstellen, z. T. Heimarbeit, spinnen, weben,
nähen, stricken, sticken, dörren, pressen von Samen zu Oel,
ausschoten von Hülsenfrüchten, Leder gerben, bearbeiten,
leichtere Holz- und Metallarbeiten 

Agrarges: Bauernhaus

Architektur bestimmt durch
• Art der Landwirtschaft
• Klima
• Baumaterialien am Ort
• Stellung
Hof als integrierter Arbeitsplatz 

Agrarges: Veränderungen

• Einsatz von technischen Hilfsmitteln als Folge der
Industrialisierung
– z. B. ab 1850 Sensenschnitt und Göppeldreschmaschine
• Veränderungen in Vieh- und Ackerbau
• Futterbau ab 1880 erste Mähmaschinen
 (alle Angaben auf die Schweiz bezogen) 

grargesellschaft: Veränderung
• Politische Veränderungen
– langsamer Loskauf der Zehntenverpflichtungen
Ablösungsgesetze
• Strukturelle Veränderungen
– Marktorientierung führt zu einer Wertverschiebung von
Arbeiten 

Agrarges: Veränderungen - Folgen

• Zukauf ersetzt oder ergänzt Eigenproduktion
• Spezialisierungen
• Diversifizierungen
• Veränderte Rollen und Berufe
• Entstehung von landwirtschaftlichen Genossenschaften
• industrialisierte Landwirtschaft entsteht 

Idylle

Idyl|le, die; -, -n: (Literaturw.) Schilderung eines Idylls, bes.
von Hirten- u. Schäferszenen, in lyrischer u. epischer Dichtung
u. in der Malerei
• Beschauliche Welt, ideale Bedingungen, positiv besetzter
Begriff, quasi „konfliktfreie“ Verhältnisse 

Brigitta - Landschaft

 Landwirtschaft in ungarischer Steppe
• Pusta, unendliche Weite
• Kastanienwälder, trockene Moorlandschaft, Steinfelder,
Kieselgeröll, glühender Himmel
• Landschaftsbeschreibung als Annäherung an das Gut Uwar
und den Major (Freund und Schlossbesitzer)
• Auf dem letzten Wegstück bereits Begegnung mit einer Frau
(die später als Brigitta bekannt wird) 

Brigitta - Erzählet, Moral

 Ich-Erzähler = erweckt Autentizität
• Bericht über einen Major, der in der Heimat „ein Ziel gefunden
hat, das er sonst vergeblich auf der ganzen Welt gesucht
hatte.“
• Sittliche Gründe
• „Reize des Geheimnisvollen auf unsere Seele“
• Hinweise auf Zivilisation
– Galgen
– Todeseiche
– Kultivierte Landschaft beim Schloss 

Brigitta - Natur

 Wildnis: Steppe, Heide, Wald
• Besitz des Major: Park, Obst-, Acker-, Weinbau, Viehzucht
(Gestüt, Schäfereien) Treibhäuser, Melioration
• Bettler, Herumstreicher, Gesindel „durch pünktliche Bezahlung
gewonnen
“
• Hirten in Hütten, „braune Gestalten“, „schmutzig“, Fell als
Bekleidung 

Brigitta

Adalbert Stifter 1844/47

Brigitta -  Weltbild

 Major als idealer Gutsherr, seine Untertanen sind ihm ergeben
• Pater Familias
• „Lebt wohl, Kinder“ - das Volk als Kinder, der Adel als
Herrscher, Beschützer
• Einheit von Geschichte und Gegenwart im Zyklus der
Jahreszeiten 

Rom Julia - Realität

Zwei Bauern, Manz und Marti, „gutbesorgt“, ca. 40 Jahre alt,
kurze Kniehosen aus starkem Zwillich
• Drei Äcker
• Harmonie, Mittagpause, Jause
• Kinderspiele: Sali und Vrenchen

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Gottfired Kellei, in: Leute von Seldwyla 1855/56, 1875 endgültige Textgestalt

Rom Jul - Konflikt: Ausgangslange 

• Mittlerer Acker liegt brach
• Besitzer unbekannt
• Nachforschungen
• Schwarzer Geiger ohne Papiere (Urkunden), daher nicht
erbberechtigt
• Manz kauft den Acker, Marti hat „ein Stück abgeschnitten“

Rom Jul: Konflikt: sozialer Abstieg

 Streiterei (Nachbarschaftskonflikt) dauert an, beschäftigt die
Gerichte
• Verschuldung und als Folge Armut
• Frau Marti stirbt
• Frau Manz wird ordinär
• Tiefe Feindschaft zwischen Manz und Marti
• Manz übernimmt billigen, üblen Gasthof in der Stadt 

Rom Jul - Konflikt: Untergang

• Sali und Vrenchen verlieben sich
• Marti übt körperliche Gewalt aus
• Sali wehrt sich, Manz wird ein Krüppel
• das Liebespaar erlebt ein Idyll - gemeinsam mit allen
Aussenseitern der Landschaft - und geht dann in den Tod -
reale Gesellschaft ohne Alternative 

Stifter vs Keller

Stifter:

• Idyll
• Sittliches Modell
• Natur als Einheit
• Zivilisation als Krönung der
Natur
• Liebe als höchstes Gut

Adel, Bürger, Grossbauer
• Schloss
• Naturbeschreibung überhöht
• Probleme liegen im Inneren
der Charaktere
• Nur „glückliche“ Charaktere
• Happy End 

Keller:
• Realität
• Untugenden als Thema
• Natur und Zivilisation als
Kulisse für menschliche
Fehler, Missgunst und
Egoismus
• Chancenlose Liebe 

Bauer, Kleinbauer
• Kleiner Hof, Gasthaus
• Beinahe sachliche
Beschreibung
• Probleme liegen in den
äusseren Lebensumständen
• Gesellschaft produziert
Aussenseiter
• Doppelselbstmord 

Handwerk

Seit dem Mittelalter:
• Lehrzeit - Wanderschaft - Gesellenzeit- Wanderschaft - erneut
Geselle
• Oder Geschäftsübernahme durch Heirat, Kauf oder Erbe
• (selten Neugründung)
• Zünfte (Gilden) kontrollieren und regulieren den Markt
• Gewerbeordnung fixiert die Anzahl der Betriebe gleicher Zunft
(= Art, Gewerbe)
• Markt ist kontrolliert (kartellartig) und damit fixiert 

Krise - Ende des 18. Jh

Knappheits- und Umverteilungskrise
Folgen
• Zahlreiche Eigentumslose in Stadt und Land, die nur ihre
Arbeitskraft zu verkaufen haben
• Gleichgewicht von Löhnen und Preisen ging verloren
• Sinkender Reallohn
• Aufstieg der Manufaktur
• Überbesetzung der Handwerke
• Fehlende Massenkaufkraft
• Traditioneller Verzicht der Landbevölkerung auf städtische
Güter 

Entwicklungen aus der Krise

• Produkte anpreisen
• Arbeiten anpassen - Erfindungen
– Erfahrungen aus der Wanderschaft nutzbringend umsetzen
• Umgang mit der Dynamik des Marktes
• Familienbetrieb (= Vermögen beisammen halten
– Sparsamkeit für Investitionen im richtigen Moment
– 1. Generation Fabrikbesitzer
• Aufhebung des Zunftzwanges ab 1815
• Einführung der Gewerbefreiheit
• Handwerksgesellen konnten sich selbstständig machen 

Handwerk - allgemeine moderne Entwicklung

 

• vom Zunftzwang zu freien Handwerkern
• von kontrollierten Märkte zu freiem Handel/Angebot und
Nachfrage bestimmt die Produktion (Grundlage:
Liberalismus)
• Innovation
• Beharrung (Werkstatt)
• Verlorener Posten (Abgleiten ins Proletariat) 

Liberalismus - politische Aspekte

 Weltanschauliche Richtung
• Persönliche Freiheit jedes Menschen
(Gedankengut der Aufklärung, Franz. Revolution, engl.
Verfassungsentwicklung, amerk. Unabhängigkeitserklärung)
• Höchstmass an individueller Entfaltung
• Glaubens-, Versammlungs- u. Pressfreiheit
• Gewaltenteilung
• Teilnahme an Gesetzgebung und Staatsveraltung
• Abbau wirtschaftlicher Hemmnisse 

Liberalismus - wirtschaftliche Aspekte

 

Wirtschaftliche Entfaltung nicht durch staatliche Ge- und
Verbote, sondern
• freier Wettbewerb durch Individuen
• eigner Vorteil als Triebfeder des Marktes
• neue Stände/Klassen nach ökonomischen Interessen und
durch den Markt geformt bzw. bestimmt
Wirtschaftsliberalismus 

Bürgertum als Vorbild für das Handwerk

• Attribute wie „bürgerlicher Lebensstil“
– In Kleidung, Wohnung, sozialem Verhalten
• Familienbetriebe
– ... & Sohn, „Hoflieferant“ (vgl. Industrie)
• finanzielle Stärke aufbauen, um ins Besitzbürgertum
aufzusteigen 

Kleinbürgertum - sekundäre tugenden

• Bürgerliche Werte, Weltanschauungen,
Überzeugungskraft, Standfestigkeit, Pioniergeist
verkehren sich in
• Enge marktorientierte Anpassung
• Weltanschauliche Verkrampfung
• Provinzialismus
• Engstirnigkeit
• Spiessertum 

die 3 gerechten kammmacher

gottfried keller, seldwyla, 1856

die 3 gerechten kammmacher

 

• Anpassung bis zur Selbstaufgabe
• Beruf ist Besitz
• Kapitalisierung der Arbeit
• Geselle muss sparen, um (vielleicht) einen
Handwerksbetrieb kaufen/übernehmen zu können 

3 kammmacher - beim meister

 

• Leben in einer ungeheizten Kammer
• Meisterin als Hausvorsteherin
• Meister quasi als „absoluter“ Chef
• Ausbeutung
• Schlechte Ernährung 

3 kammmacher - im kammgeschäft

• Produktion am Markt vorbei
• Meister nutzt die Arbeitskraft
• Überproduktion führt zuerst zu Gewinn des Meisters, dann
aber müssen Waren billiger produziert werden, um mehr
absetzen zu können
• Verfall von Preis und Qualität 

3 kammmacher - stil

• Stilmittel: Ironie
• Züs Bünzli, die Wäscherin, als Karikatur
– Sekundär Tugenden, Kleinbürgerlichkeit, Halbwissen,
Besitzstreben, Frömmlei
• Traum und nächtlicher Ringkampf
• Wanze als Sinnbild für Aufbruch ohne Chance
• Wettlauf zur Lösung ökonomischer Probleme
– Strafen:
• Dietrich mit Züs
• Jobst und Fridolin - Opfer der Verhältnisse:
Wahnsinn, Verwahrlosung, Selbstmord 

3 kammmacher - ende

 Scheitern
– Individuelles Scheitern in der Ständegesellschaft
– Wirtschaftliches Scheitern in vorindustrieller Zeit
• Ausgestossene, Aussenseiter
• Soziale Verhältnisse 

3 kammmacher - genre

• Novelle
• Groteske
– Darstellung einer verzerrten Wirklichkeit, die auf
paradox erscheinende Weise Grauenvolles,
Missgestaltetes mit komischen Zügen verbindet
– verzerrt gesteigert, übertrieben, karrikiert

Kleider machen Leute

gottfried keller, seldwyla, 2. band, 1874

kleider machen leute - hintergrund

• Wirklicher Vorfall 1830 in Winterthur
• Keller war Sekretär des schweiz. Komitees für Polen nach
dem Polenaufstand 1863
• Verwechslungsgeschichte, Rollengeschichte
• Verkleidung und Entlarvung
• Erwartungen als Thema
• Schein und Sein 

Keller zeigt neben anderem ...
... auch verzerrte gesellschaftliche Normen
(selektive Lesart der Novellen)

 

• Verbrechen, Übertretung der Gesetze, menschliche
Niedrigkeit, Lüge, Heuchelei, Selbstbetrug ......
• echter menschlicher Kern kann abgleiten ...., es gibt auch
Auswege ... für Wenzel und Dietrich, nicht aber für Jobst
und Fridolin (vgl. Romeo u. Julia auf dem Dorfe) 

Study