Epilepsie

2GM02 Pathologie

2GM02 Pathologie

Doris Leuenberger
Lernen

Doris Leuenberger
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Epilepsie und deren Behandlung, geeignet für medizinisches Fachpersonal. Sie decken die Diagnostik, Therapieprinzipien und Wirkungen von Antiepileptika sowie die Unterscheidung zwischen verschiedenen Anfallstypen wie Grand-Mal, Petit-Mal und Status epilepticus ab. Die Karteikarten erklären die Pathophysiologie, Ätiologie und Epidemiologie von Epilepsien und helfen, epileptische Anfälle von anderen Krampfanfällen zu unterscheiden.
Karten
39
Lernende
24
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
18.10.2013 / 08.01.2026

Lernkarten

Definition
Epileptischer Anfall
 

  • Folge einer synchronder Entladung zerebraler Neurone
  • Anfälle: sec-min
  • Motorische, sensible, vegetative, psychische Symptome
  • Anfall Std. oder ununterbrochen = Status epilepticus

Krampfanfall vs. epileptischer Anfall

Rein symptomatisch kann nicht unterschieden werden, obe es "nur" ein Krampfanfall oder die klassische Form einer Epilepsie ist.

Wie kann zwischen Krampfanfall & Epilepsie unterschieden werden?

EEG (Elektroenzephalogramm)
im symptomfreien Intervall sind Summationsaktionspotenziale ersichtlich
(in Form von Spikes und Waves)

Epidemiologie Epilepsie:

  • Prävalenz Epidemiologie: 0.5 %
  • Lebenszeitprävalenz Krampfanfall: 5 %
  • 1 Elternteil mit Epilepsie -> Risiko beim Kind 1.25

Pathogenese bei Epilepsie
 

Synapse liegen zwischen den Neuronen. Aktionspotential wird entweder weitergeleitet oder eben nicht. Wer beschliesst, ob das AP weitergeleitet wird oder nicht? Rezeptor / ob der Neurotransmitter pos oder neg ist.

Exzitation (erregend): z. B. Acetylcholin, Glutamat, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin
Inhibition (hemmend): z. B. GABA (Gammaaminobuttersäure), Serotonin

bei Epilepsie:
Veränderung der inhibitorischen / exzitatorischen Neurotransmitter – zu wenig hemmende, zu viel der erregenden.

 

Epileptischer Anfall: Ätiologie

  • Symptomatische Epilespien
  • idiopathische Epilepsien
  • Kryptogenetische Epilepsien

Symptomatische Epilepsie

  • Hirnmorphologie: Glianarbe, Tumor, Missbildung
  • Metabolisch: Hypoglykämie
  • Toxisch: Alkohol

Idiopathische Epilepsien

  • Genetik
  • keine Läsion

Kryptogenetische Epilepsien

symptomatische Genese, wahrscheinlich keine genaue Ursache

Pathophysiologie Epileptischer Anfall

  • gestörte Neuronenfunktion
  • ungleichgewicht exzitatorischer & inhibitorischer Potentiale
  • Überwiegen der exzitatorischen Transmitter oder verminderte Funktion der inhibitorischen Potentiale

exzitatorische Transmitter, Bsp.:

Glutamat, Aspartat

inhibitorische Transmitter, Bsp.:

GABA

Wie kann die Epilepsie unterteilt werden?

  • generalisiert
    • idiopathisch
    • symptomatisch
  • fokal
    • idiopathisch
    • symptomatisch

Allgemeine Klinik Epileptischer Anfall

  • Anfallsweises Auftreten
  • Unterschiedliche Häufigkeit
  • Motorik: klinische Zuckungen, Veränderung des Muskeltonus
  • Sensible, vegetative Symptome
  • Bewusstlosigkeit
  • ev. normales Bewusstsein
  • Aura:Übelkeit, Wärme, etc.

Wie kann ein epileptischer Anfall provoziert werden?

  • Schlafentzug
  • Alkohol
  • Alkoholentzug
  • Medikamente
  • Flickerlicht
  • Hyperventilation
  • Fieber

Epilepsie im Erwachsenenalter (Spätepilepsie 30+); woran muss man denken?

Hirntumorverdacht!!

Diagnostik Epilepsie:

  • Anamnese - häufig Amnesie, desh. Fremdanamnese
  • Klinischer Status
  • Labor
  • EEG
  • Bildgebung MRI/CT: Ausschluss von Hirntumor!!
  • Laborparameter

Klinischer Status:

  • Zungenbiss
  • Urin-Stuhlabgang
  • Konjunktivalblutung
  • Äussere Verletzung
  • Knochenfrakturen
  • Schulterluxation
  • Neurologische Ausfälle: Hirndruck, Hirnnerven
  • Psychische Veränderungen

Definition Generalisierte Anfälle:

  • primär beide Hemisphären
  • Sekundäre Generalisierung eines fokalen Anfalls
  • Bewusstseinsstörung
  • Veränderung des Muskeltonus - Muskeltonus wird erhöht!
  • Repetitive motorische Phänomene: Zuckungen = Kloni

Generalisierte Anfälle
Klinik:

  • Aura
  • Initialschrei
  • Akuter Bewusstseinsverlust
  • Tonische Verkrampfung
  • Extremitäten gestreckt
  • Ophistotonus
  • nach ca. 10s.: rhythmische Zuckungen (Kloni)
  • Schaum vor Mund
  • Zungenbiss
  • Stuhl- / oder Urinabgang
  • Zuckungen
  • Tiefe Bewusstlosigkeit
  • Verwirrtheit, Schläfrigkeit - postikale Erschöpfung
  • Dauer total ca. 10 min.
  • meist vollständige Amnesie
  • Erschöpfungen
  • Muskelschmerzen
  • Sturzproblematik: Fx, Lux, Schädel!!

Diagnostik im EEG:

Spikes &  Waves

Absence (Petit-Mal)

  • Generalisierter Anfall (!!!)
  • Sehr kurz dauernde Bewusstseinseintrübung
  • keine tiefe Bewusstlosigkeit
  • Meist im Kindes- oder Adoleszentenalter
  • mehrere 100 Absenzen pro Tag möglich!!!

Ätiologie Absencen (Ptit-Mal)

Idiopathisch

Klinik Petit-Mal:

  • ev. Motorik: Blinzeln, Automatismen, Fingerbewegungen (Nesteln), Tonusverlust, kurze Kloni
  • Zerstreutheit: starrer Blick, Augen nach oben, blinzelt, Zungen-Mundbewegungen
  • Dauer: Sekunden
  • Provozierbar: Hyperventilation

Diagnostik Petit-Mal:

EEG: Spikes & Waves

Nicht jeder Krampfanfall ist eine Epilepsie!
Andere Ursachen für Krampfanfälle:

  • Fieberkrampf
  • Hypoglykämie
  • Hyponatriämie

andere kindliche Epilepsie-Formen:

  • BNS-Krämpfe (Blitz-Nick-Salaam)
  • Fieberkrämpfe
  • Lennox-Syndrom
  • Typische Absencen
  • Rolandi-Epilepsie

Partielle (fokale) Anfälle,
Definition:

  • Lokal: Läsion des Gehirns
  • Anfälle bei normalem Bewusstsein: einfach-partielle Anfälle
  • Anfälle mit Bewusstseinstörung komplex-partielle Anfälle
  • Jeder fokale Anfall kann sich jederzeit auf das gesamte Gehirn ausbreiten - sekundär generalisierter Grand-Mal-Anfall

Status epilepticus:

  • Rasches Aufeinanderfolgen epileptischer Anfälle, ohne dass sich der Pat. dazwischen erholt
  • Status generalisierter Anfälle - drohende Hypoxie des Gehirns - Lebensgefahr!
  • Absencen-Status: Pat. nicht bewusstlos(!), verwirrt, benommen, wird mit akuter Psychose verwechselt!

Therapie bei Status epilepticus:

- Benzodiazepine (Valium)
- Valproat i. v.
- >40min.: Intubation

Antieptileptika Therapieprinzipien:

  • langsame Dosissteigerung
  • Kontrolle der NW
  • Compliance des Pat. prüfen (Plasmaspiegel im Blut messen)
  • Überlappender Wechsel
  • Erst bei Versagen der Monotherapie auf Kombination wechseln

Absetzen der Antiepileptika:

- nach 2y Anfallsfreiheit, wenn EEG bland

- Über Monate ausschleichen

- Aufklären über Rezidivmöglichkeit

Antiepileptika; Wirkung??
Mittel der 1. Wahl=

Krampflösend
=Valproat

Antiepileptika - Lamictal (Wirkstoff Wamotrigin)
Wirkung??

hemmt erregende Wirkung (Glutamat hemmend)

Antiepileptika
Tegretol (Wirkstoff Carbamazepin)
Wirkung:

Wirkung unklar, stabilisiert Neuronmembran, hemmt repetitive neuronale Entladung; hemmt synaptische Erregungsüberladung (Glutamat hemmend)

Antiepileptika Phenhydan (Wirkstoff Phenytoin)

Wirkung:

Verstärkt die inhibitorischen Potentiale

Antiepileptika Petinimid (Wirkstoff Ethosuximid)
 

Anwendung nur bei Petit-Mal-Anfall

Medikamentöse Therapie bei Status epilepticus:

Diazepam rectal tube (Valium, Diazepam, Recticole)
Wirkung: inhibitorische Wirkung von GABA wird verstärkt

Verhaltensweisen epileptischer Anfall:

  • selber Ruhe bewahren
  • keine Panik
  • epileptischer Anfall meist nicht lebensbedrohlich
  • ein begonnener Anfall ist kaum zu unterbrechen(!)
  • ABCD nicht vergessen - Seitenlage nach Anfall
  • Sturzprophylaxe
  • beobachten
  • beschreiben
  • Pat. nicht alleine lassen!!!

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