Engineering Change Management
Prozess AIIT
Prozess AIIT
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Cartes-fiches
Auslöser für Änderungsprozesse ( Verursache )
- Veränderte Wettbewerbs- oder Marktsituation
(z.B. keine verchromten Zierleisten mehr im Trend)
Nutzung weiterer Erschließungs- oder Optimierungspotentiale
(z.B. in der Logistik oder bei Montageabläufen) - Gesetzesänderungen (z.B. EU Gefahrenstoffverordnung:
Gefahrstoff- und Chemikalienrecht REACH) - Interne Fehler, Mängel oder Schwächen in der Planung, Entwicklung oder
Fertigung, Montage etc. (Bsp. Korrektur von Anzugsdrehmomenten,
Austausch von Klemmverbindungen, Einsatz robusterer Nieten) - Qualitäts- oder Sicherheitsprobleme
(z.B. erkannt bei Reklamationen, Gewährleistungsfällen) - Späte Änderung von Produktanforderungen
- Verzögerte Meldung von Anforderungen und Wünschen durch Beteiligte
Änderungsprozess ohne definiertes Change Management ( Nachteile)
- Schlechte Überwachung der Versionierung und Revisionen (ggf. arbeiten
an nicht aktuellen Dateien) - Versehentliches Löschen von Dateien gefährdet die Arbeit
- Medienbrüche (Druck, digital)
Änderungsprozess ohne definiertes Change Management ( Risiken )
- Suchen und Ablegen von Zeichnungen und Modellen auf Netzlaufwerken
führt zu inkohärenten Datenbeständen - Austausch per E-Mail führt dazu, dass oft unklar ist, ob ein Mitarbeiter (bei
einem Zulieferer) eine Zeichnung erhalten hat - Konfiguration von Varianten problematisch
Engineering Change Management (ECM) (Begriffsbestimmung)
► Änderungswesen (Change Management) beschreibt den formalen Prozess, den
eine Änderung an Produktdefinitionen und -konfigurationen mit sich bringt.
► Dieser Prozess umfasst den Vorschlag einer Änderung, die Kontrolle und
Bewilligung dieser Änderung.
► Es kann dabei notwendig sein, dass Änderungsalternativen erarbeitet und
bewertet werden.
► Änderungsprozesse sollten kontrolliert durchgeführt werden, da sie u. U. einen
erheblichen Einfluss auf den Entwicklungsaufwand (Zeit und Kosten) haben
können.
Engineering Change Management (ECM)
( Zielsetzung)
- Ganzheitlicher Ansatz zur Systematisierung von Änderungsprozessen
- Vermeidung von Inkonsistenz in Datenbeständen
- Kontrolle über Aufwand (Kosten und Zeitbedarf) der Änderungsprozesse
Inhalte des Änderungsprozesses
Bereich der Änderung
• Funktionale Änderung am Produkt
• Konstruktive Änderung am Produkt
• Änderung von Engineering Workflows (Bsp. Absicherungsprozesse virtuellen Prototypen anstelle von realen)
• Änderungen der Fertigungseinrichtungen oder -prozessen
Art der Änderung
•Innerhalb eines Moduls
• Änderung einer Schnittstelle
Betroffene Inhalte
• CAD-Modelle, Zeichnungsableitungen, (virtuelle) Prototypen
•Stücklisten, Kostenkalkulationen, Bestandslisten
•Verweise auf oder Dokumente zu Richtlinien, Werksnormen etc.
Prozesse des Änderungswesens
- Einflussfaktoren und Randbedingungen
(globale Entwicklung, Varianten, komplexe Produkte, …)
- Beteiligte
(Rollen und Background: Entwickler, Projektleiter, Manager,
Fertigungsplaner, Einkauf, Vertriebler, Finanz-Controller)
- Ablauf
(Schritte und Meilensteine; Überschneidung mit anderen Prozessen wie z. B.
Freigabe- u. Revisionsprozessen)
- Aufwand für Änderungen
(reales Beispiel: 1 Tag „kreativ“ konstruieren, 1,5 Tage Pflege der PDM-Inhalte) - Redundanzen
(Aktenordner und PDM)
Änderungsprozessen (Informationstechnische Systeme)
Beispiel: Änderung des Schalters an der Handkreissäge
► CAD-System (Bsp. Autodesk Inventor)
- Änderung der (geometrischen) Konstruktion des Schalters und des Gehäuses
- Es entstehen zwei neue CAD-Modelle
- Es müssen neue Baugruppenabhängigkeiten, Zeichnungsableitungen und Bilder erstellt werden.
► Stücklistensystem
- Teilenummern in Stückliste müssen nun auf die neuen Teile verweisen
► Zeichnungsablagesystem (Bsp. Autodesk Vault)
- Zeichnungsableitungen müssen aktualisiert und bereitgestellt werden
► PDM (Bsp. TeamCenter Engineering)
- Aktualisierung der Teilenummer
- Aktualisierung der Metadaten zu neuen Konstruktionen (Version, Freigabedatum, Änderungshistorie, Verantwortliche, Kosten, Gewicht, Lagerbestände, Hinweise zur Fertigung, Verweise auf Richtlinien)
► Spezielle Engineering Change Management Systeme
- Benachrichtigung der Beteiligten Entwickler darüber, dass die bisherigen
- Teile Schalter und Griff gesperrt sind und dass neue erarbeitet werden
- .Angabe zum Grund der Änderung
- (Daher z. B. keine weitere Fertigung der alten Teile möglich.)
Änderungsmanagements ( Verlauf einer Änderung )
1. Aufsetzen eines Änderungsantrags (Engineering Change Request, ECR)
→ Funktionale Verbesserung, Fertigungsrationalisierung, Behebung von
Schwachstellen, Mängeln oder Fehlern im Produkt und Dokumenten
2. Prüfung des Antrags durch alle Beteiligten
→ Ergänzung fehlender Daten und Informationen,
Abteilungsfestlegung für Änderungszustimmung
3. Entscheidung: Genehmigung (Engineering Change Order, ECO) oder
begründete Ablehnung
4. Sperren alter Version, wenn alle Abteilungen zugestimmt haben
5. Erarbeiten einer neuen Version
→ Änderungen von Unterlagen, Stammdaten, Stücklisten
6. Ersetzen der alten Version durch die neue
7. Freigabe der neuen Version (Vervielfältigung und Verteilung an Betroffene)
8. Durch die Änderung im PDM-System haben alle wieder eine aktuelle Version
Änderungsprozessen ( Randbedingungen )
- Standortübergreifende Entwicklung
- Unternehmensübergreifende Entwicklung
- Beteiligung unterschiedlicher Abteilungen
- Beteiligung unterschiedlicher Hierarchiestufen
- Beteiligung unterschiedlicher Kompetenzen
Änderungsprozessen ( Einflussfaktoren)
- Zeitdruck
- Kosten für Änderungen, nicht verworfene Änderungen und verzögerte Änderungen
- Restlagerbestände in der Fertigung und Montage
Phasen des ECM
- Inquiry of ECR
- Creation of ECR
- Technical Analysis of ECR
- Commenting on ECR
- Approval of ECR
Änderungsprozessen ( Dynamik )
► Verzögerungen durch Verbrauch von Restlagerbeständen
- Restlagerbestände in der Fertigung und Montage müssen u. U. verarbeitet werden, bevor eine Änderung übernommen werden kann
► Simultaneous Engineering erschwert Änderungsprozesse
- Der Werkzeugbau muss z.B. bereits vor dem Abschluss der Produktentwicklung beginnen, Werkzeuge anzufertigen. Wenn diese auf Grund einer Änderung am Produkt auch noch einmal geändert werden müssen, besteht die Gefahr hoher Zusatzkosten. (Früher wurde erst nach dem Prototypenbau, d.h. nach Abschluss der Entwicklungsaufgabe mit dem Werkzeugbau begonnen.)
- Die Bestellung von Rohteilen erfolgt teilweise schon dann, wenn eine Konstruktion noch nicht vollständig ausdetailliert ist. Konstruktive Änderungen werden dadurch ggf. erschwert.
► Späte Meldung einer Anforderung
- Beispiel: Lochbildänderung an Bauteilen, die bereits auf ausreichende Steifigkeit mit Simulationen oder Versuchen abgesichert wurden.
- Mögliche Ursache: Notwenigkeit neuer Anbauschnittstellen für optionale elektronische Baugruppen (gemeldet durch Elektroniker an Mechaniker).
► Einfluss durch Variantenbildung erhöht den Änderungsaufwand
- Die Änderung eines Fixteils kann sich auf mehrere Varianten auswirken
Einfluss einer Änderung auf einen Freigabeprozess
( Aufgaben des Freigabeingenieurs )
Aufgaben des Freigabeingenieurs
⇒ Annahme: Der Freigabeingenieur hat Verantwortung für 40 Teile
⇒Damit wird der Freigabeingenieur fast zum reinen „Änderungsmanager.“
⇒Inhaltliche/Konstruktive Arbeit wird vorwiegend delegiert.
⇒ Absicherung bei der Freigabe von geänderten Teilen z. B.
- Mehrkörpersimulation
- Finite-Elemente Berechnung (Verformungsanalyse)
- Prototypenbau
- Einbausimulation
- Prüfung der Fertigbarkeit und Kosten für Fertigung
- Prüfung von Inkompatibilitäten zu anderen Baugruppen
- Etc.
⇒ Je komplexer die Änderung desto komplexer die Auswirkungen
⇒ Abteilungs- oder unternehmensübergreifende Änderungsprozesse
stehen im Gegensatz zu engen Zeit- und Budgetvorgaben.
Fragen zur Durchführung eines Änderungsprozesses
► Welche Änderungen sollen in einem „Paket“ zusammengefasst werden?
► Welche Änderungsprozesse stecken noch in der Schleife?
- Welche müssen noch abgearbeitet werden?
- Welche haben Vorrang?
► Wer muss in den Änderungsprozess einbezogen werden?
- Abteilungen
- Vorgesetzte
- Wissensträger
► Wie viel Zeit wird benötigt?
- Einflussfaktoren: Zeitbedarf zur Informationsbeschaffung, Verfügbarkeit beteiligter Rollen/Personen innerhalb der Abstimmungsprozesse, Urlaubzeiten, Krankheitsbedingte Ausfälle, Zeitverschiebung zwischen den Standorten einer global verteilten Entwicklung und Herstellung
► Welche Kosten werden durch die Änderung und ggf. durch Verzögerungen verursacht?
► Welche Folgekosten entstünden, wenn die Änderung nicht erfolgte?
SIEMENS PLM – TeamCenter Engineering ( Funktionen )
⇒ Teamcenter ist eine CMII* zertifizierte Lösung zur Abbildung von unternehmensspezifischen Änderungsabläufen.
⇒ Funktionen der Change Management Applikation:
- Hinterlegung unternehmensspezifischer Änderungsprozesse sowie -formulare
- Automatische Statusvergabe ermöglicht
- Sammeln aller Daten eines Änderungsprozesses
- Aufnahme der beteiligten Personen
- Dokumentation der im Prozess verwendeten Objekte
- Verfolgung des Prozesses, den das Änderungsobjekt durchläuft
- Erfassung von Stücklistenänderungen (Einträge und Löschungen)
- Unterstützung der ECO- und ECR-Mechanismen
- Protokollierung der Änderungshistorie sowie der damit zusammenhängenden Gültigkeiten
SIEMENS PLM – TeamCenter Engineering (Änderungstypen)
Change Request (CR)
- Startet den Änderungsprozess
- Wird an die Nutzer weitergeleitet, die für den Prozess vorgesehen sind
Change Notice (CN)
- Sobald der Change Request beendet und der Änderungsvorgang autorisiert wurde, wird eine Change Notice erstellt.
- Informiert alle beteiligten Nutzer darüber, dass die Änderung durchgeführt wird
Work Authorization (WA)
- Vergabe der Autorisation zur Bearbeitung eines Objekts
- Liefert Anweisungen für die Arbeit am jeweiligen Objekt, wobei das Änderungsergebnis in Dokumenten spezifiziert ist.
Fragestellung zum Systemeinsatz im ECM
⇒ Folgende Aspekte müssen berücksichtigt werden, wenn EC-Prozesse
mit IT-Systemen unterstützt werden:
- Welche Personen sind beteiligt und haben diese auch die entsprechenden Rollen (Rechte) im System?
- Ist der EC-Prozess im System hinterlegt? (z.B. als Workflow)
- Woher kommen die Nummern für ECR und ECO? (z.B. Nomenklatur im Unternehmen oder einfache Hochzählung)
- Wie lange dauern die einzelnen Prozessschritte? (siehe Beispiel unten)
- Wie lange dauert es von der Engineering Freigabe bis zum Einsatz der Änderung in der Produktion?