1B Wund- und Frakturheilung
Lernkarten sowie MC-Fragen zur Wund- und Frakturheilung.
Lernkarten sowie MC-Fragen zur Wund- und Frakturheilung.
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Lernkarten
Welcher Faktor ist für die Zugfähigkeit einer 4 Wochen alten Narbe maßgeblich?
Die Reißfähigkeit einer nicht genähten Wunde ist 3 Tage nach der Verletzung abhängig von der
Sie beurteilen eine schmutzige, mehrere Tage alte traumatische Wunde am rechten Unterschenkel bei einem ca. 25-jährigen drogenabhängigen Mann in etwas reduziertem Allgemeinzustand. Was ist die effektivste Maßnahme, um eine fortschreitende Infektion zu verhüten?
Ein 6 Tage altes Granulationsgewebe enthält...
Sie haben eine kontaminierte Wunde chirurgisch zu versorgen. Was erreichen Sie mit dem verzögerten Wundverschluss im Vergleich zur primären Wundnaht?
Sudecksche Dystrophie
(Diagnostik)
Folgeerkrankung nach lang dauernder Immobilisation/Entlastung
- Akutphase: 0-3 Monate; diffuser Belastungs- und Ruheschmerz, Schwellung, Ödem, Überwärmung, Hyper- oder Hypohydrosis, diffuse Entkalkungen
- Intermediärphase: 3-12 Monate; anhaltender Schmerz, trockene Haut, Muskelatrophie, eingeschränkte Beweglichkeit, Hyperhydrosis, zunehmende Entkalkungen
- Endstadium: > 1 Jahr; Atrophie, Schmerzrückgang, Kontrakturen, Kraftlosigkeit
Therapie: symptomatisch zur Durchblutungsverbesserung, Schmerzlinderung und Funktionserhalt (Antiphlogistika, Sympathikusblockade, Psychopharmaka, Physiotherapie)
Pseudarthrose
(Pathophysiologie, Diagnostik, Behandlung)
= nach 6 Monaten weder klinisch noch radiologisch verheilte Fraktur
Ursachen: ungenügende Blutversorgung, mangelnder Kontakt der Fragmente, inital schweres Weichteiltrauma, mechanische Unruhe in der Frakturregion, Infekt, systemische Ursachen (Diabetes, pAVK, Steroide, Zytostatika, Radiatio)
- Hypertrophe vitale aktive Pseudarthrose: vermehrte Bildung von Faserknorpel ohne sekundäre Verknöcherung
- Atrophe avitale Pseudarthrose: verminderte Durchblutung der Fragmente v.a. bei mechanischer Unruhe
Symptomatik: Belastungsschmerz, Instabilität, zunehmende Deformität, Schonhaltung, Kraftlosigkeit
Diagnostik: Röntgen, CT, Szintigraphie, MRT
Therapie: suffiziente Stabilisierung, Entfernung von avitalen Knochenteilen, Wiederaufbau mit Spongiosa-Knochen-Transplantation > insgesamt schwierig!
Narbenhernie
(Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie, Notfallmaßnahmen)
Bauchwandbruch nach operativem Faszienverschluss im Bereich der Narbe (4-20% Inzidenz)
- Endogene Faktoren: Adipositas (BMI > 25), Kachexie, Anämie (< 100 g/l), Nikotinkonsum, Steroidtherapie, Kollagenstoffwechselerkrankungen, Rezidiveingriffe
- Exogene Faktoren: chirurgische Technik, Schnittführung, Nahttechnik, Wundhämatome, postoperativer Wundinfekt
Therapie: chirurgische Versorgung durch Netzeinlage zur Vermeidung von monströsen Hernien und Inkarzeration (Sublay-Technik: Netz zwischen Transversalisfaszie und Peritoneum, Onlay-Technik: Netz auf das vordere Blatt der Rektusfaszie)
Inkarzeration als Notfall: wenn spontane Reposition sowie Reposition unter entsprechender Analgesie nicht binnen weniger Stunden möglich > sofortige chirurgische Exploration
Wunde
(Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie, Notfallmaßnahmen)
Durchtrennung oder Schädigung der Haut
- Mechanische Wunde: Schnitt, Stich, Biss, Schuss, Verbrennung, Verätzung, Erfrierung
- Thermische Wunde
- Chemische Wunde
- Aktinische/radiogene Wunde
Morphologie: Platzwunde, Risswunde, Schürfwunde, Quetschwunde, Defektwunde, Ablederungswunde
Wundheilung per primam intentionem: Adaptation der Wundränder durch primäre Naht
Wundheilung per secundam intentionem: Ausbildung einer breiten Narbe über den Zwischenschritt der Bildung von Granulationsgewebe
- Granulation: festes, hellrotes Gewebe mit hoher Gefäßdichte, leicht blutend, Barriere gegen Keime
- Epithelialisierung: Keratinozyten wandern vom Wundrand ein
- Wundkontraktion: Wundverschluss um 50-90%
Phasen der Wundheilung:
- Exsudation: erste Stunden
- Resorption: 1.-10. Tag
- Proliferation: 3.-24. Tag
- Reparation: 24.Tag - 1 Jahr
Saubere Wunden: Spülung, Exploration, Fremdkörperentfernung, ggf. Wundrandexzision und Primärnaht binnen 6-8h, Tetanusschutz!
Verschmutzte Wunden: Spülung, Einlage Fettgaze (Jelonet) und feuchte Kompressen, Ruhigstellung, täglicher Verbandwechsel, ggf. sekundärer Wundverschluss, Tetanusschutz!
Tierbiss: kein Primärverschluss, Tollwut und Tetanusschutz!
Wundinfektion
(Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie, Notfallmaßnahmen)
bakterielle Kontamination mit Missverhältnis zwischen Abwehrfunktion und Pathogenität des Erregers
- Endogene Erreger: am Patienten selbst vorhanden (Hautflora, Nase, Darm)
- Exogene Erreger: Haut/Nase/Hände/Haare des Personals
Symptome: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz, Wundheilungsstörung, Sekrektion, Spannungsblasen
Diagnostik: Temperatur, Entzündungsparameter, Abstrich, Bildgebung
Abszess
(Diagnostik, Therapie)
eitrige Gewebeeinschmelzung mit Eiteransammlung, umgeben durch Granulationsgewebe/Abszessmembran, mit den Kardinalsymptomen der Entzündung (ausserdem charakteristisch: pH-Wert < 6, Überdruck)
Therapie: Inzision ("ubi pus ibi evacua"), Eiterentleerung und Drainage, Spülung der Abszesshöhle
Débridement
(Diagnostik, Therapie)
Wundausschneidung nach Friedrich: innerhalb von 6-8h nach Trauma
Wundtoilette nach Lexer (Débridement): sparsame chirurgische Säuberung, Glättung der Wundränder, Entfernung von Nekrosen
Vermeidung von Wundtaschen, Gewebespannungen und Fremdkörpern, Austrocknung der Wunde, langer Operationsdauer und unzureichender Blutstillung, Saugdrainagen bei erwarteter Nachblutung
Die provozierte Blutung sorgt für Ablagerung von Thrombozyten und wundheilungsfördernden Zytokinen im Wundbereich. Meist ist eine Schmerzpropyhlaxe (lokal anästhesierende Salbe, Lokalanästhesie) erforderlich.