Bussysteme

Allgemein

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Trung Hieu Tran
Diese Karteikarten bieten einen umfassenden Überblick über Bussysteme in der Elektrotechnik auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Konzepte wie Teilnehmer, Sender, Empfänger und Botschaften, wobei der Fokus auf verschiedenen Buszugriffsverfahren, Fehlerkontrollen und Bitcodierungen liegt. Besonders relevant sind Anwendungen in der Automobilindustrie, etwa beim CAN-Bus, sowie die Unterscheidung zwischen deterministischen und zufälligen Zugriffsverfahren. Die Karteikarten eignen sich für Studierende und Ingenieure, die sich mit der Implementierung und Analyse von Bussystemen beschäftigen.
Flashcards
26
Students
6
Language
German
Level
University
Created / Updated
13.03.2013 / 30.07.2023

Flashcards

Bussysteme im KFZ (Überblick)

Komfort-CAN --> Lowspeed

  • Klima
  • Lichtsteuerung
  • Türsteuerung (LIN-Bus)

Antriebsstrang-CAN --> Highspeed

  • Motor
  • Getriebe
  • Bremsen

Multimedia --> MOST

  • Radio, CD
  • Navigation

Gateway --> Verbindungsstelle der CAN-Systeme

Diagnose-CAN --> Offboard

  • Apllikationstool
  • Werkstatt
  • Abgas

High Speed CAN

  • Echtzeitanwendung
  • Anwendung im Antriebsstrang
  • Datenrate ist nicht hoch
  • Anforderungen
    • Periodisches Senden mit hoher Frequenz (Motordrehzahl)
    • kurze Latenzzeit (Antwortzeit)
    • hohe Zuverlässigkeit

Low Speed CAN

  • niedrige Wiederholfrequenz
  • Anwendung für Sitzmotoren, Lampen, Fenstermotoren, Wischer
  • Ziel: Kabelbaum minimieren

MOST (Media Oriented System Transport)

  • Anwendung: Navigation, Unterhaltung, Telefon
  • hoher Datendurchsatz
  • Anforderungen bzg. Latanzzeit und Zuverlässigkeit geringer als bsp. High Speed CAN

Anforderungen an KFZ-Bussysteme

On Board

  • High Speed (125...1000 Kbit/s)
  • Low Speed (25...125 Kbit/s)
  • Multimedia (>10Mbit/s)

Off Board

  • Werkstattdiagnose (<10Kbit/s)
  • Fertigungstest
  • Applikation

Elektrische Übertragungsarten

Eindraht

  • unipolar

Zweidraht

  • bipolar
  • twisted pair (vermeiden von magnetischen Hin- und Rückflüssen)

Übertragung mit positiver Logik:

  • höhere Spannung = 1
  • kleinere Spannung = 0

Bitrate: fbit = 1/Tbit mit Tbit als Bitdauer

Ersatzschaltbild für eine elektrische Leitung

für eine Leitung der Länge l:

  • Cges = C' * l
  • ...

Leitungsimpedanz

  • R' << jwL' und G' << jwC' → Z0 = sqrt(L'/C')

Reflexion

  • partielle DGL beschreibt Welle von Leitungsanfang zum Leitungsende und eine die sich in umgekehrte Richtung bewegt
  • Verzweigungen, Beschädigungen, Verbraucher am Ende des Kabels bewirken Veränderungen der elektrischen Eigenschaft des Kabels
  • ein Teil der Energie wird an diesen Störstellen reflektiert und läuft als Echo zurück
  • Reflexionsfaktor: r = UT/U0
  • wichtige Kenngröße: Wellenwiderstand Z (Leitungsimpedanz)

Nur wenn die Leitung am Ende angepasst angeschlossen wird, werden Reflexionen vollständig vermieden --> Dies ist wichtig für Datenübertragung, da das reflektierte Signal das gesendete logische Signal überlagern würde

Reflexionsfaktor bei Anschluss eines Verbrauchers mit ZA (Abschlusswiderstand)

Betrachtung verschiedener Relationen von Z0 und ZA

Kommunikationsformen

  1. Point-to-Point: Ein Sender - Ein Empfänger
    • Voll Duplex: 1 Paar unidirektionale Leitungen --> gleichzeitig Senden und Empfangen
    • Halb Duplex: 1 bidirektionale Leitung --> nur abwechselnd senden und empfangen (Standard im KFZ)
  2. Broadcast: Ein Sender - potenziell viele Empfänger (KFZ)
  3. Multicast: Ein Sender - tatsächlich viele Empfänger (KFZ)

Bus

Gemeinsames Medium zur Datenübertragung zwischen mehreren Teilnehmern

Anwendungen:

  • Lokale Busse
  • Backplane Busse
  • Feldbusse (KFZ)

Parallel:

  • kein Zeitverlust durch Umsetzung
  • einzelne Leitungen  können zu Kontrollzwecken hinzugefügt werden --> kürzere Reaktionszeiten
  • weite Verbreitung als sog. Backplane Busse

Seriell:

  • geringere Kabelkosten, längere Kabel möglich (KFZ)
  • geringere Leiterplattenfläche
  • im KFZ als Feldbus eingesetzt

Protokoll

definiert ein vollständiges und eindeutiges Regelwerk für die Kommunikation von mind. 2 Teilnehmer

Angaben:

  • Syntax (Vorgabe der Zeichen und Wortlängen)
  • Semantik (richtige Verwendung syntaktisch korrekter Konstrukte)
  • Pragmatik (Wissen)
  • Zeitvorgabe

Schichtenmodell von Bussystemen

Botschaft: besteht nicht nur aus Nutzdaten, sondern auch

  1. Vorspann Header
    • Adressinformation (Sender und Empfänger)
    • Anzahl der zu übertragenden Bytes
    • Art der zu übertragenden Daten
  2. Ende Trailer
    • Fehlerprüfung und Korrektur

Botschaften können

  • gerätebasiert (Teilnehmer)
  • inhaltsbasiert (Botschaftskennung) adressiert werden

Latenzzeit

Zeit von Beginn der Sendung einer Botschaft bis zum tatsächlichen Beginn des Empfang

  • Verzögerung durch das Durchlaufen der Schichten
  • Verzögerung durch Arbitrierungsvorgänge
  • Übertragungsdauer auf dem Bus (Bitrate, Datenmenge, Protokolloverhead)

Bitcodierung - asynchrone Übertragung

NRZ-Codierung

  • jedes Bit hat ein Logikpegel
  • wenn mehrere gleiche Bits übertragen werden, erscheint auf dem Bus ein entsprechend langer gleichbleibender Pegel

RZ-Codierung

  • Pegelwechsel bei Übertragung von High-Bit
  • wenn mehrere High-Bits übertragen werden, kann Empfänger sich synchronisieren
  • bei mehreren Low-Bits besteht die Möglichkeit nicht

Manchester-Codierung

  • immer Möglichkeit der Synchronisation
  • High Bit = Pegelwandel von High auf Low
  • Low Bit = Pegelwandel von Low auf High

Bitstuffing

  • zur Synchronisation aller Teilnehmer werden nach 5 gleichen Bits ein komplementäres Bit eingefügt
  • ermöglicht hohe Transportkapazität bei ausreichender Synchronisierungsfähigkeit
  • im günstigsten Fall keine Stuffbits
  • im ungünstigsten Fall haben nicht alle Bits den gleichen Pegel, sondern nach den ersten gleichen 5 Bits folgen immer 4 komplementäre Bits (Verhältnis Nutzbits und Stuffbits 4:1)

Kommunikations- und Protokollprinzipien

Client-Server-Modell vs. Producer-Consumer-Modell

  1. 1-to-1 Kommunikation
  2. Multicast- oder Broadcastverfahren (Anforderung wird an alle gesendet)

Teilnehmerorientiertes Protokoll

  • Nachrichten enthalten eindeutige Identifikation der am Transfer beteiligten Teilnehmer (Adresse des Teilnehmers)

Nachrichtenorientiertes Protokoll

  • durch Kennung (Identifier) eindeutig identifiziert
  • Sendeziel nicht definiert
  • Jeder Busteilnehmer entscheidet selbst über Verwendung der Botschaft

Bustopologien

  1. Stern-Topologie
    • Teilnehmer sind nicht an allen Transfer beteiligt
    • nach Ausfall Master keine Kommunikation mehr möglich
    • hoher Kabelaufwand
    • Kassensysteme, Bürokommunikation
  2. Ringtopologie
    • geringer Aufwand bei Verkabelung
    • Ausfall eines Teilnehmers sorgt für Systemausfall
    • hoher Datenverkehr --> hohe Latenzzeit
    • im Automobil als MOST-Bus
  3. vollständige Vermaschung
    • höchster Grad an Sicherheit bei Ausfall
    • geringer Datenverkehr
    • hoher Verkabelungsaufwand (bei Anschluss weiterer Teilnehmer)
  4. Lineare Bustopologie
    • Anwendung bei CAN-Bus
    • Verkabelungsaufwand gering
    • neue Teilnehmer einfach zu implementieren
    • Ausfall eines Teilnehmer hat keine Auswirkung auf System
    • Ausfall des Übertragungsmediums sorgt für Totalausfall

Buskopplung

Transceiver

  • Umsetzung der Bussignale auf die steuergeräteinternen Spannungspegel für Sendesignale (Transmitter) und die Empfangssignale
  • Bustreiber, Leitungstreiber, physikalisches Businterface

Repeater

  • Signalverstärker zwischen Leitungsabschnitten
  • erlaubt längere Leitungen --> längere Signallaufzeiten

Gateway

  • Kopplung mehrerer Bussysteme mit Adress-, Geschwindigkeits- oder Protokollwandlung
  • CAN-Botschaften auf LIN-Bus

Bridge

  • Speicherung und zeitverschobene Übertragung

Buszugriffsverfahren

Regeln Art und Weise wie Teilnehmer auf Bus zugreifen können

  1. deterministisch: kontrollierter Vorgang, keine gleichzeitigen Zugriffe, Antwortverhalten ist vorhersagbar
  2. zufällig: gleichzeitiger Zugriff erlaubt, zeitliche Verhalten ist nicht vorhersagbar

Deterministisch

zentral gesteuert: Master-Slave-Verfahren

  • ein zentraler Busteilnehmer (M) ruft zyklisch alle anderen Teilnehmer (Ti) auf und kontrolliert so den Bus

dezentral gesteuert: Token-Passing

  • Sendeberechtigung (Token) läuft reirum
  • Weitergabe wenn Sendezeit abgelaufen oder keine weiteren Daten mehr vorhanden
  • die Weitergabe des Token muss überwacht werden --> aufwändig und keine Verwendung im KFZ

dezentral (zeit-)gesteuert: TDMA Time-Devision-Multiple Access

  • jedes Steuergerät erhält ein bestimmtes periodisches Zeitfenster zum Senden
  • bei mehr oder wichtigere Datenmengen erhalten sie längere Zeitfenster oder mehrere Fenster in kürzeren Zeitabständen

Zufällig

nicht kollisionsfrei: CSMA/CD Carrier Sense Multiple Access Collision Detect

  • jedes Steuergerät kann zu beliebiger Zeit auf Bus zugreifen
  • bei gleichzeitigem Zugriff mehrerer werden elektrische Signale verfälscht
  • Steuergerät überwacht Signale auf Bus zur Fehlererkennung --> bei Kollision stellen Steuergeräte Übertragung ein und versuchen es später

kollisionsfrei: CSMA/CA Carrier Sense Multiple Access Collision Avoidance

  • Botschaft mit höchster Priorität "gewinnt" --> kollisionsfrei übertragen (kodierte Priorität)
  • Teilnehmer mit niederer Priorität stellen Senden ein
  • annähernd deterministische Übertragungseigenschaften

Codierer

  • Erhöhung der Sicherheit durch Prüfinformation zusätzlich zur Nutzinformation
  • Gesamtinformation über den Bus wird Codewort genannt

Bsp. Parity Check: durch Parity Bits wird Anzahl der Einsen systematisch auf eine gerade oder ungerade Anzahl gebracht

Zyklisches Blocksicherungsverfahren: CRC - Cyclic Redundancy Check

eine zu sichernde Botschaft wird als  Polynom aufgefasst und durch ein festgelegtes Generatorpolynom dividiert (Modulo-2-Division), der Rest der Division wird als Prüfsequenz zusätzlich dem Empfänger übertragen

Vorgehensweise

  1. Es soll das Binärwort M übertragen werden
  2. Das Binärwort M wird um ein weiteres Binärwort F mit der Länge n erweitert. Es entsteht ein neues Binärwort T
  3. Ein Generatorpolynom p der Länge n ist fest vorgegeben und sowohl dem Sender als auch dem Empfänger bekannt
  4. Der Sender wählt das Binärwort F so, dass bei der Teilung von T durch das Generatorpolynom der Rest null entsteht
  5. Der Empfänger führt die gleiche Operation aus und geht bei einem Rest von null von einer fehlerfreien Datenübertragung aus

Passive Fehlerkontrolle

  • Empfänger muss innehalb einer festgelegten Zeit die Nachricht quittieren
  • vorwiegend bei teilnehmerorientierten Protokollen
  • im Fehlerfall wiederholt der Sender die Nachricht und wartet erneut eine Quittung ab

Aktive Fehlerkontrolle

  • der Empfänger und Erkenner der fehlerhaften Botschaft signalisiert allen Teilnehmer und dem Sender, dass die Botschaft fehlerhaft war und nicht verwendet werden darf

Étudier