Block 5 W20

Vorlesungen W20

Vorlesungen W20


H. B.
Diese Lernkarten behandeln medizinische Themen auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Stoffwechselprozesse, Medikamentenwirkungen und deren Interaktionen. Sie decken Bereiche wie Insulin, Cholesterin, Lipidstoffwechsel, Leberfunktion und Clearance ab, wobei auch spezifische Substanzen wie Colchicin und deren Anwendungen erläutert werden. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudenten, die sich auf Prüfungen vorbereiten, da sie komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen und praktische Anwendungen verdeutlichen.
Cartes-fiches
62
Utilisateurs
2
Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
02.06.2012 / 19.06.2016

Lernkarten

Bestandteile normales Lipid-Profil

Bestandteile:

- TG

- Totales Cholesterin

- LDL-Cholesterin

- HDL-Cholesterin

Wichtig ist, dass das Lipid-Profil nicht das gleiche ist wie das Lipoprotein-Profil, denn verschiedene Lipoproteine werden mit unterschiedlichen Haupts-Lipid-Komponenten assoziiert:

- TG mit Chylomikronen oder VLDL

- Cholesteron mit HDL und LDL

Die Apolipoproteine sind wichtig für:

- Löslichkeit im Blut

- Aufnahme in verschiedene Gewebe

- Interaktion mit Enzymen und Rezeptoren

Zusammensetzung Lipoproteine

VLDL werden in Leber synthetisiert und in der Peripherie durch Lipoproteinlipase zu IDL umgewandelt (Entfernung eines Grossteils der TG)

IDL kann wiederumg durch hepatische Lipoproteinlipase zu LDL umgewandelt werden (weitere Entfernung der TG und Einbau von Cholesterin)

LDL transportiert anschliessend Cholesterin aus der Leber (endogene Synthese und exogene Aufnahme) in die Peripherie

HDL wiederum transportieren Cholesterin aus der Peripherie zur Leber (hoher Proteingehalt zur Steuerung)

Wichtig zur Unterscheidung:

- HDL-Cholesterin = Cholesterin in HDL

- LDL-Cholesterin = Cholesterin in LDL

- Non-HDL-Cholesterin = Cholesterin in LDL, IDL, VLDL

Wichtig ist, dass obwohl der relative Anteil der Proteine von VLDL über IDL zu LDL zunimmt, die Anzahl der wichtigen Apolipoproteine abnimmt:

- VLDL = B-100, E, viele weitere

- IDL = B-100, E, B-48

- LDL = B-100

WIchtigsten Proteine des HDL sind Apolipoprotein A-1 und A-2!

Friedwald Gleichung

Totales Cholesterin - HDL-Cholesterin - Triglizeride / 2,2 = LDL-Cholesterin

Wichtig: Sobald Triglyzeride > 4,5 mmol/L ist diese Gleichung nicht mehr ohne weiteres valid!

Lipoprotein-Klassen Variation

Innerhalb einer Fraktion von Lipoproteinen zeigt sich eine gewisse Variabilität. Dies ist insbesondere deshalb von Bedeutung, weil kleine Partikel, welche TG und Cholesterin in die Peripherie transportieren besonders gut von Makrophagen in Gefässwänden absorbiert werden und deshalb eine besonders atherogene Wirkung besitzen

Wichtige, verhältnismässig klein und dichte Partikel:¨

- Small-dense LDL-Partikel

- Chylomikronen-Remnants (postprandiale Lipoproteine)

Bestimmung von Apolipoproteinen

Durch die Bestimmung verschiedener Apolipoproteine kann der Gehalt unterschiedlicher Lipoproteine im Blut bestimmt werden.

Lipoprotein Metabolismus

small dense LDL und Chylomikron Remnants sind besonders atherogen!

Enterohepatischer Kreislauf

TG und Cholesterin exogener oder endogener Herkunft. Die TG werden zusätzlich durch das Fettgewebe gespiesen, insbesondere bei überschiessender Energiebilanz!

Primäre Hyperlipidämien

Primär = genetische Defekte

Defekte Enzyme

- Defekt Lipoprotein Lipase (Fredrikson Typ 1) mit hohen TG-Gehalt im Blut

Defekte Rezeptoren

- LDL-Rezeptoren B und E (Fredrickson Typ 2a) = Hoher LDL und Cholesterin Gehalt im Serum

Defekte Apoproteine

- Defektes Apolipoprotein B (Fredrickson Typ 2a) = Hoher LDL und Cholesterin Gehalt im Serum

- Homozygoter Defekt des Apolipoprotein E2 (Fredrickson Typ 3)

- Apolipoprotein C2 Mangel (Fredrickson Typ 5)

Unklare genetische Defekte (Fredrickson Typ 4, gemischte Hyperlipidämie) = hohe TG und/oder hohe Cholesterin-Werte

- Polygenetische Ursache

- Häufigste Variante

- Häufig mit Insulin-Resistenz

Klinische Zeichen der Hyperlipidämie

Xanthelasmen

Arcus lipoidicus (auch bei Gesunden)

Xanthome

- An Achillessehne

Typische Veränderungen an Streckerseite des Oberarms

Sekundäre Hyperlipidämien

Häufigere Ursache der Hyperlipidämie!

Endokrinologie

- Diabetes (!) = periphere Insulin-Resistenz als einer der wichtigsten Mechanismen für sekundäre Hyper- bzw. Dyslipidämie

- Hyperthyreose (!)

- Cushing-Syndrom, Akromegalie, Hypogonadismus und weitere seltene Ursachen

Schwere Lebererkrankungen (Störung enterohepatischer Kreislauf etc.)

- Obstruktive Lebererkrankungen

Schwere Nierenerkrankungen

- Nephrotisches Syndrom (Proteinverlust)

- CNI

- Paraproteinämie

Medikamente

- Cortison, Progesteron, Östrogen,

- Retinoide

- Cyclosporin

- Protease-Inhibitoren

- Thiazide

- Beta-Blocker (nur geringe Veränderungen)

Diät (insbesondere bei schweren Hyperlipidämie)

- Einfache Kohlenhydrate (Süssgetränke)

- Alkohol

Insulin und Dyslipidämie

Wichtig ist, dass Insulin ein Anabolikum ist und als soches im Fett-, Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel beteiligt ist. Eine Störung des Insulins führt zu Störungen aller 3 Bereiche:

- Insulinmangel = Störungen aller 3 Stoffwechselwege

- Insulinresistenz = Hauptsächlich Störung Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel

Insulin-Resistenz und Dyslipidämie

(1) Bedingt durch periphere Insulinresistenz der Adipozyten, wird vermehrt Lipolyse betrieben (Insulin unterbindet normalerweise Lipolyse und steigert Lipogenese)

(2) Durch gesteigerte Lipolyse werden vermehrt fFS in Leber aufgenommen und dort vermehrt VLDL gebildet. Gleichzeitig wird VLDL weniger stark durch LPL abgebaut (LPL wird im Zuge der Insulin-Resistenz weniger aktiv).

(3) Insgesamt kommt es zu einer Erhöhung von VLDL in der Zirkulation. Dadurch kommt es vermehrt zu Interaktionen bzw. Austausch mit anderen Lipoproteinen:

(3.1) VLDL geben TG an HDL ab und HDL gibt Cholesterin an VLDL ab. HDL mit hohem TG-Anteil werden rascher abgebaut

(3.2) VLDL geben TG an LDL ab und nehmen Cholesterin von LDL auf. LDL mit hohem TG-Anteil werden rasch abgebaut, wodurch small-dense-LDL entstehen

Dyslipidämie Trias (cardiovaskuläres Risiko):

- Tiefe HDL (indirekt proportional zu erhöhten TG)

- Hohe SD-LDL (proportional zu erhöhten TG ab > 1,7mmol/l)

- Hohe TG-Werte

Einfluss von Schilddrüsenhormonen auf Lipoproteine

T4 und T3 bewirken eine stärkere Expression von LDL-Rezeptoren in der Leber. Dadurch werden LDL verstärkt aus der Zirkulation gefiltert, umgekehrt führt eine Hypothyreose zu einer Steigerung der LDL in der Zirkulation und damit zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko

DM Typ 1

Pathogenese

DM Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, genauer gesagt eine Störung der zellulären Immunität.

Man geht davon aus, dass es zur Entstehung von DM Typ 1 einerseits eine genetische Grundlage, andererseits mehrere Umwelt-bedingten Trigger in gewissen zeitlichen Abständen braucht, damit die autoimmunologischen Prozesse so richtig in Gang gebracht werden.

Die Erkrankung spielt sich im endokrinen Pankreas und den assoziierten, regionalen Lymphknoten ab, weil APC im Pankreas die eigen Ag aufnehmen, in die regionalen Lymphknoten wandern und diese dort den T-Zellen präsentieren. Diese wandern über Blutwege wieder zurück ins Pankreas und führen zur Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen. Obwohl verschiedene Ak gemessen werden können (klinische Marker), so sind diese nicht primär für Zerstörung des endokrinen Pankreas verantwortlich!

Wichtig ist, dass Beta-Zellen des Pankreas nur eine sehr geringe Regenerationsfähigkeit haben (Neubildung läuft auf sehr geringem Niveau).

DM Typ 1

Ätiologie

Man geht davon aus, dass zu gewissem Anteil (ca. 40 - 60%) die Genetik, zum restlichen Anteil weitere Faktoren für das Auftreten von DM Typ 1 verantwortlich ist

Genetik:

- DM mit HLA-DR3 und HLA-DR4 assoziiert

- DM mit HLA-DQB- non-Asp-57 assoziiert (Abhängig von Etnie)

Saisonale Häufung der DM Typ 1 wird unter anderem auf einen Zusammenhang mit viralen Infektionen (u.a. Coxsackie P2-C Viren) bzw. respiratorische Infekte zurückgeführt (im Winter wesentlich mehr DM Typ 1 Erkrankungen)

Andere Exogene Faktoren

- Frühkindliche Ernährung mit Ziegenmilch (Sardinien hat eine der höchsten Inzidenzen von DM Typ 1)

- Weitere Faktoren

Dass verschiedene exogene Faktoren beteiligt sind zeigt, sich u.a. darin, dass die Inzidenz von DM Typ 1 in vielen Ländern massiv zugenommen hat und auch weiter zunimmt!

DM Typ 2

Ätiologie

Genetische Grundlage (die meisten der bekannten Faktoren wirken sich auf Beta-Zelldefekt aus)

- PPAR-Gamma-2 (Gen welches für Lipid- und Glukose-Metabolismus von Bedeutung)

- Hepatic nuclear Factor 1-Alpha (TF für verschiedene Transporter und Enzyme des Lipid- und Glucose-Metabolismus)

- TCF7L

Umweltfaktoren

- Bewegungsmangel

- Übergewicht

Wichtige Prädiktoren für DM Typ2:

- Genetik

- Gewicht und BMI

- Intrauterines Milieu (Diabetes bei Mutter erhöht Risiko bei Kindern)

DM Typ 2

Pathogenese

Wichtigen Punkte in der Pathogenese:

- Insulinresistenz

- Beta-Zelldefekt

Zentrales Phänomen bei der Entstehung des DM Typ 2 ist die Insulinresistenz. Verschiedene Umweltfaktoren können (auf einer genetischen Basis) zur Insulinresistenz führen. Die Insulinresistenz führt dazu, dass mehr Insulin von Beta-Zellen produziert wird, allerdings ist eine Resistenz an sich noch nicht der Grund eines DM (kompensatorische Übersekretion von Insulin kann über Jahre aufrechterhalten werden).

Erst wenn es zu einer Erschöpfung der Beta-Zellen bzw. zu einem Beta-Zelldefekt kommt, kommt es auch zur Entstehung von DM Typ 2, weil erst bei einer Dekompensation der Zuckerspiegel nicht mehr im Normbereich gehalten werden kann.

Wichtig ist aber, dass verschiedenste Ursachen zu Insulinresistenz führen können. Für den Beta-Zelldefekt ist aber insbesondere die Genetik von grosser Bedeutung!

Effekte von Insulin und Hyperinsulinämie

Zentrale Effekte des Insulins in Bezug auf Glucose-Metabolismus:

- Glucose Aufnahme

- Stimulation Glykogen Synthese + Inhibition Glykogenolyse

- Stimulation Gluconeogenese + Inhibition Glycolyse

Insulin hat aber auch Auswirkungen auf Zellzyklus (Mitogene Effekte) und auf Protein-Stoffwechsel (Anabole Effekte).

Ein (genetischer) Defekt innerhalb des Glucose-Stoffwechsels führt zu einer primären Insulinresistenz bzw. zu einer kompensatorischen Hyperinsulinämie. Eine Hyperinsulinämie normalisiert den gestörten Glucose-Stoffwechsel, führt aber auch zu einer Überstimulation anderer Insulin-Pathways:

- Mitogene Effekte (erhöhtes Tumorrisiko)

- Anabole Effekte

Glucose-Aufnahme

Die Glucose-Aufnahme in den Muskel ist wesentlich durch Insulin gesteuert, während die Aufnahme in Neurone, Adipozyten und im Splacnicus-Bereich (insbesondere Leber) im wesentlichen Insulin-unabhängig ist (kein Unterschied zwischen DMT2 und Kontrolle)

Bei DMT2 ist also insbesondere die Glucose-Aufnahme in den Muskel vermindert, da diese hauptsächlich durch Insulin gesteuert wird, was bei Beta-Zelldefekt ja nicht mehr möglich ist!

Wichtig ist auch, dass die Glucose Aufnahme im Splacnicus-Gebiet (insbesonder Leber) kaum verändert ist. Gleichzeitig wird aber die Gluconeogenese in der Leber (durch die Hyperinsulinämie) massiv stimuliert, weshalb es insgesamt zu einer Zunahme der hepatischen Glucose-Produktion kommt (die Glucose-Produktion durch Glykogenolyse bleibt unverändert).

Überschüssiger Zucker (bedingt durch gesteigerte hepatische Produktion oder verminderte muskuläre Aufnahme) wird über Urin ausgeschieden

DM Typ 2

Verlauf

Zu Beginn zeigt sich eine Zunahme der Insulin-Sekretion bei gleichzeitigem Abfall der Insulin-vermittelten Glucose Aufnahme. Der Blutzucker-Gehalt steigt aber erst mit der Dekompensation der Beta-Zellfunktion drastisch an!

Der Verlauf der Beta-Zellfunktion ist insbesondere für Klinik von besonderer Bedeutung, da es entscheidende Bedeutung für die Therapie hat:

- Langsamer Abfall kann mittels Lifestyle-Änderung und verschiedenen oralen Antidiabetika behandelt werden

- Schneller Abfall muss meist früher mit Insulin behandelt werden

Typischerweise bleibt die Insulin-Sensitivität bei den meisten Typ 2 Diabetikern vergleichsweise hoch, obwohl man mit einfachen Massnahmen gegen Insulin-Resistenz vorgehen könnte (Realität in der Behandlung).

Wichtig ist, dass zum Zeitpunkt der Diagnose von DM Typ 2 die Aktivität der Beta-Zellen bereits soweit abgenommen hat, dass sich die Insulin-Spiegel bereits wieder im Normbereich befinden, im Verhältnis zum BZ-Spiegel aber pathologisch sind

Insulinsekretion

Bei der Beta-Zell-Insulin-Sekretion unterscheidet man zwischen Erst- und Zweitphasen-Insulinsekretion.

Bei frühem DM Typ 2 ist in Bezug auf Glucose-Gabe hauptsächlich die Erstphasen-Insulinsekretion vermindert, während die Zweitphasen-Sekretion nach wie vor funktioniert.

Interessanterweise kann bei Verabreichung von Arginin bei Typ 2 DM eine normale Erstphasen-Insulinsekretion ausgelöst werden. Die Beta-Zellen scheinen nicht angemessen auf Glucose reagieren zu können!

Ursachen für Beta-Zelldefekte

Lipotoxizität: Bei Insulinresistenz werden vermehrt FFS in Zirkulation abgegeben (weniger Inhibition der Lipolyse in Adipozyten):

- fFS hemmen die First Phase und Second Phase der Insulin-Sekretion

- fFS bewirken eine Zunahme der FS-CoA-Konzentration in Leber und Muskel und bewirken dadurch eine Verminderung der muskulären Glucose-Aufnahme und eine Steigerung der hepatischen Gluconeogenese, was insgesamt die Hyperglykämie steigert

Glucotoxizität: Eine Insulinresistenz bewirkt den vermehrten Abbau von Glucose über alternative Stoffwechselwege (insbesondere Hexosamin-Pathway). Der gesteigerte Abbau über Hexosamin-Pathway (anstelle der Glykolyse) hat spezifische Veränderungen in Muskulatur und Beta-Zellen zur Folge:

- Im Muskel wird Insulinresistenz gesteigert

- In Beta-Zellen wird Insulinsekretion vermindert

Amyloid-Ablagerungen (spezifisches Polypeptid) in Beta-Zellen nehmen bei T2DM zu und bewirken mögl. Störung der Insulin-Sekretion

Entzündliche Prozesse

Hauptveränderungen bei Therapie

Durch eine gut eingestellte Therapie (bis zu einem gewissen Grad sogar unabhängig vom eigentlichen Medikament bzw. von eigentlicher Massnahme):

- Können sich Beta-Zellen wieder erholen

- Kann die Insulin-Resistenz vermindert werden (Insulin-Resistenz wird zu gewissem Grad auch durch Hyperglykämie verstärkt)

Typ 1 und Typ 2 DM

Epidemiologie

Typ 1 und Typ 2 Diabetes, sowie weitere Formen des Diabetes zeigen in unterschiedlichen Altersgruppen eine maximales Auftreten. Wichtig ist, dass der Anteil der Typ 1 DM Erkrankungen von den DM insgesamt in unterschiedlichen Altersbereichen mengenmässig immer etwa in einem ähnlichen Bereich liegt, unabhängig ob bei jungen oder alten Patienten. Relativ gesehen nehmen die T1DM Erkrankungen mit zunehmendem Alter aber ab!

Da Typ 1 DM anhand von verschiedenen Ak erkannt werden kann, lohnt es sich ggf. dies zu Bestimmen, da ein frühzeitiges Erkennen eine T1DM (gerade bei älteren Patienten) wichtige Konsequenzen für die Therapie bedeuten kann!

DM 1.5 (Double Diabetes)

Pathogenese

Double Diabetes zeichnet sich dadurch aus, dass gleichzeitig die Charakteristika von DM Typ 1 und 2 vorliegen:

- Person mit T1DM entwickelt eine Insulinresistenz

- Person mit T2DM besitzt Ak gegen pankreatische Beta-Zellen

Bei Personen, welche auf der Grundlage eines T1DM einen Double Diabetes entwickeln, entwickeln graduell eine Insulin-Resistenz (= Umwelteinflüsse + genetische Basis)

- Meist übergewichtig

- Meist Hypertonie oder Hypercholesterinämie

- Meist abnormales Lipidprofil

- Meist schlecht kontrollierter DM

Bei Personen, welche auf der Grundlage eines T2DM einen Double Diabetes entwickeln, entwickeln Ak gegen Beta-Zellen des Pankreas. Dies ist klinisch schwer festzustellen (man geht davon aus das ca. 10% der Personen mit typischen Typ 2 Symptomen Ak besitzen).

Wichtig ist, dass T1DM nicht vor Übergewicht und Insulinresistenz und T2DM nicht vor T1DM schützt!

Diabetes Komplikationen

Entstehung

Eine Vielzahl von Komplikationen des DM entstehen dadurch, dass Glucose nur noch über eine limitierte Anzahl Pathways abgebaut wird (und weniger stark über normalen Glykolyse-Pathway)

Die alternativen Pathways des Glucose Abbaus entsteht dadurch, dass bestimmte Enzyme nicht mehr genügend exprimiert werden und Glukose nicht mehr über normale Glykolyse abgebaut werden kann.

Wichtig: Hexosamin Pathway ist auch bei der Verschlechterung der Beta-Zellfunktion entscheidend!

Diabetes Komplikationen

Mikrovaskulär und Makrovaskulär

MIkrovaskuläre Komplikationen:

- Nephropathie

- Retinopathie

- Neuropathie

Makrovaskuläre Komplikationen

- PAVK

- MI

- Schlaganfall

Klinisch begünstigende Faktoren für Komplikationen

Hyperglykämie an sich hat viele Komplikationen zur Folge

Genetik (unbeeinflussbar)

- Ethnizität

- Familienanamnese

- Männliches Geschlecht

Hypertonie (behandelbar) ist insbesondere bei Retinopathie und Nephropathie von entscheidender Bedeutung!

Rauchen (beeinflussbar)

Dauer der Erkrankung

Diabetische Nephropathie

Entstehung

Bei diabetischen Nephropathie sind hauptsächlich 2 Faktoren von entscheidender Bedeutung für die Entstehung:

- Glomeruläre Hyperfiltration

- Glykosylierungsprodukte

Glomeruläre Hyperfiltration: Aufgrund unbekannter Mechanismen kommt es zu einer Dilatation der glatten Muskulatur in der Vas afferens, bei gleichzeitig normaler Kontraktion der Vas efferens (= Zunahme glomerulärer Filtrationsdruck = glomeruläre Hyperfiltration). Durch Hyperfiltration entsteht Mikroalbuminurie, durch progressive Veränderungen der glomerulären Struktur (BM) später Proteinurie (wichtige klinische Zeichen für Einsatz von BD-Senkenden Medikamenten auch bei normalem peripherem BD)

Glykosylierungsprodukte: Durch Veränderte Glucose Pathways (Glukotoxizität) fallen vermehrt Glykosilierungsprodukte an, welche zu oxidativem Stress und damit zur Glomerulären Sklerose führen

Diabetische Nephropathie

Verlauf

Im Verlauf kommt es zu einer graduellen Abnahme der GFR. Initial nimmt die Proteinausscheidung stark zu (Nephrotisches Syndrom), mit sinkender GFR wird aber schliesslich auch weniger Protein ausgeschieden!

Diabetische Retinopathie

Entstehung

DM ist der häufigste Grund für Erblindung in Mitteleuropa!

Die Hyperglykämie bewirkt (u.a. durch alternative Glucose-Pathways und den dadurch erzeugten oxidativen Stress) mikrovaskuläre Veränderungen, welche die Hämodynamik verändern und dadurch die Retina schädigen:

- Ischämie

- Kapilläres Leck

- Hypertonie

Risiko für Retinopathie ist direkt proportional zum HbA1C. Gleichzeitig ist aber der HbA1C indirekt proportional zum Risiko für Hypoglykämie, d.h. man muss ein Gleichgewicht zwischen den beiden Komplikationen finden!

Metabolisches Syndrom

Klinische Kriterien (Mindestens 3 zur Diagnose):

- Hüftumfang >102 cm bei Männern und > 88 cm bei Frauen

- TG mindestens 1,7 mmol/l

- HDL-Cholesterol < 1 mmol/l bei Männern und < 1.3 mmol/l bei Frauen

- Blutdruck mindestens 130/85

- Nüchtern-Blutzucker mindestens 6.1 mmol/l

Metabolisches Syndrom:

- Glucoseintoleranz oder DM

- Arterielle Hypertonie

- Dyslipidämie

- Zentrale/viszerale Adipositas

- Zusätzliche Störungen wie (Gicht, Koagulation, PCO, Insulinresistenz, NASH, Entzündung, Mikroalbuminurie)

Wichtig ist, dass in Bezug auf Bauchumfang insbesondere das viszerale Fettgewebe (und nicht das subcutane) von Bedeutung ist (je weniger desto besser)!

Die Problematik des met. Syndroms liegt darin, dass es zu einer starken Zunahme der Gesamtmortalität und insbesondere der cardiovaskulären Mortalität kommt. Deshalb muss bei Vorhandensein eines Bestandteils immer auch nach den anderen gesucht werden, da die Patienten in eine höhere Risikogruppe aufsteigen können!

First-Pass Effekt

Anteil der extravaskulär verabreichten Dosis, welche den systemischen Kreislauf nicht erreicht

Bsp. Hepatischer First Pass Effekt nach oraler Gabe

Bioverfügbarkeit F

Anteil der extravaskulär verabreichten Dosis, welche den systemischen Kreislauf erreicht. Die Bioverfügbarkeit F ist dabei von Vielzahl Faktoren abhängig:

- Grösse (klein > gross)

- Ladung (neutral > geladen)

- Löslichkeit (lipophil > hydrophil)

- Galenik (= Abpackung)

- Magenfüllung

- pH

- Durchblutung (Abtransport)

- Affinität für Proteine

(...)

Verwendung der F in der Praxis:

- Umstellung parenteral zu enteral

- Inter- und intraindividuelle Variabilität

- Dosisanpassung

Wichtig: Je kleiner die Bioverfügbarkeit, desto grösser wird inter- und intraindividuelle Variabilität d.h. bei Medikament mit kleiner F gibt es unter mehreren Individuen viel grössere Unterschiede, als bei Medikament mit grosser F, wo die individuelle Breite enger gestreut ist!

Eliminations-HWZ

Eliminations-HWZ entspricht der Zeit, in der die Konzentration eines bestimmten Stoffes um 50% abnimmt. Wichtig ist, dass es sich um einen hybriden pharmakokinetischen Parameter handelt, da dieser sowohl vom Verteilungsvolumen V(d), wie auch von der Clearance CL abhängig ist.

t(1/2) = ln2 * ( V(d) / CL ) = 0.7 * V(d) / CL

0.693 = ln2

V = Verteilungsvolumen

CL = Clearance

In der Praxis wird Eliminations-HWZ hauptsächlich zur Abschätzung der Zeitdauer nach einer Dosisänderung bis zum Erreichen eines neuen Gleichgewichts im Plasma verwendet. Nach ca. 4 Eliminations-HWZ wird ein neuer Steady State erreicht!

- Zeit bis zum Erreichen der vollen Wirkung eines Medikaments

- Zeit bis zur Ausscheidung eines Medikaments

Clearance CL

Definition

Clearance entspricht einem bestimmten Plasma- oder Blutvolumen, welches pro Zeit (ml / min oder l / h) von einer bestimmten Substanz befreit wird

Ausfuhr (syn. Dosisrate) = CL * Plasmakonzentration eines Stoffes = Menge des Stoffes, welcher aus dem System entfernt wird

- Ausscheidung ist direkt proportional zur CL

- Ausscheidung ist direkt proportional zur Plasmakonzentration

Einfuhr = (Dosis*Bioverfügbarkeit) / (Dosierungsintervall * CL) = Menge des Stoffes, der pro Zeit zugeführt wird

- Zufuhr ist direkt proportional zur zugeführten Menge (Dosis) und dem Anteil, der den systemischen Kreislauf erreicht (F)

- Zufuhr ist indirekt proportional zum Dosierungsintervall und zur Clearance der Substanz

Im Steady State entspricht die Einfuhr der Ausfuhr und die Plasmakonzentration ist konstant. Daher:

Plasmakonzentration = Einfuhr = (Dosis*Bioverfügbarkeit) / (Dosierungsintervall * CL)

Clearance CL

Klassifizierung

CL unterschiedlicher Organe kann zu Totalclearance addiert werden:

CL(tot) = CL(renal) + CL(hepatisch) + CL(Darm) + (...)

Aufgrund Messbarkeit und Beteiligung wird Totalclearance zusammengefasst als:

CL(tot) = CL(renal) + CL(extrarenal)

Weil die renale CL durch Abfangen von Metaboliten etc. aufgezeichnet und die totale CL mittels Einzeldosis und AUC berechnet werden kann, lässt sich daraus die extrarenale CL berechnen.

Allgemeine Formel zur Berechnung der renalen CL:

CL = ( V(urin) * Urinkonzentration ) / Plasmakonzentration

Verteilungsvolumen V(d)

Scheinbares oder apparentes Verteilungsvolumen ist eine fiktive Grösse (ohne anatomisches Korrelat) und entspricht dem Flüssigkeitsvolumen, welches benötigt wird um die gesamte Menge einer verabreichten Substanz so zu konzentrieren, dass die Konzentration in der Flüssigkeit der Plasmakonzentration des Patienten nach Verabreichung entspricht

- V(d) kann Plasmakonzentration übertreffen

- Hauptsächlich bei Initial-Dosis (sog. Loding Dosis) und t(1/2) von Bedeutung

Initiale Plasmakonzentration = Dosis (i.v.) / V(d) in l/kg

Sättigungsdosis (syn. Loading Dose)

Sättigungsdosis = Dosis, welche notwendig ist um eine bestimmte therapeutische Konzentration im Plasma zu ERREICHEN. Die Sättigungsdosis ist lediglich vom Verteilungsvolumen V(d) abhängig.

Sättigungsdosis = V(d) * gewünschte Serumkonzentration

Achtung: Die Sättigungsdosis, ist lediglich die Dosis, welche appliziert werden muss um eine bestimmte Plasmakonzentration zu erreichen. Die Zeit bis zum Erreichen des Steady States ist von der HWZ abhängig!

Erhaltungsdosis (syn. maintenance Dose)

Erhaltungsdosis = Dosis, welche notwendig ist um bestimmte therapeutisch wirksame Plasmakonzentrationen AUFRECHTZUERHALTEN. Da für eine Erhaltung einer Konzentration die Zufuhr der Ausscheidung entsprechen muss, ist die Erhaltungsdosis von der Clearance CL abhängig.

Erhaltungsdosis = (CL * Serumkonzentration im Steady State * Dosierungsintervall) / F

Wichtig ist, dass im Falle einer Dauerinfusion die Erhaltungsdosis der Infusionsrate R entspricht.

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