Asthma und akute Asthma-Exazerbation

Diagnostik, Notfallmanagement und Therapie

Diagnostik, Notfallmanagement und Therapie


H. B.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Asthma und akute Asthmaanfälle, geeignet für Universitätsniveau. Sie decken klinische Symptome, Diagnostik, Therapieoptionen und Notfallmaßnahmen ab, einschließlich der Verwendung von Inhalationen, Glukokortikoiden und Bronchodilatatoren. Besonders nützlich für Medizinstudenten und Fachkräfte, die sich auf die Behandlung und Kontrolle von Asthma spezialisieren möchten, um Patienten effektiv zu unterstützen und Exazerbationen zu managen.
Flashcards
12
Students
2
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
09.01.2016 / 01.10.2019

Flashcards

Hospitalisationsindikation bei akuter Asthma-Exazerbation

Lungenfunktion vor Bronchodilatation (FEV1 bzw. PEF <25% des Sollwertes oder Bestresultates)

oder

Lungenfunktion nach Bronchodilatation (FEV1 oder PEF <40% des Sollwertes oder Bestresultates)

oder

Weitere Elemente/Situationen

  • Patient war vor kurzem hospitalisiert
  • Ungenügendes Ansprechen auf ambulante Therapie (orale Kortikoide)
  • Schwerer Asthmaanfall in Vorgeschichte

Therapie bei lebensgefährlichem Asthmaanfall

  1. Allgemeinmassnahmen --> Intensivpflege/Monitoring
  2. Sauerstoff + venöser Zugang + hämodynamisches Monitoring
    • Ziel-SaO2 93-95%
    • Anästhesie informieren (ggf. Intubation)
    • NaCl 0.9% infundieren (Zugang offenhalten)
    • Art. Mitteldruck >60mmHg erhalten
    • Monitoring der Vitalparameter
    • EKG-Monitoring
  3. SABA
    • Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
    • Terbutalin (Bricanyl) inhalation
  4. Kortikoide (Methylprednisolon 1mg/kg/d in 1-2 Einnahmen pro Tag während 5-7 Tagen)
  5. ggf. Adrenalin
    1. 0.3-0,5mg sc. (wenn keine Evidenz einer Anaphylaxie)
    2. 0,3-0,5mg im. unter EKG-Monitoring (wenn Vd. a. anaphylaktischen Schock)
  6. ggf. Mangnesiumsulfat (2g über 20min iv. wenn schlechte initiale Antwort auf Bronchodilatatoren)

Therapie des schweren Asthmaanfalls

Therapie in Übersicht:

  1. Allgemeinmassnahmen --> Intensivpflege/Monitoring
  2. Sauerstoff + venöser Zugang + hämodynamisches Monitoring
    • Ziel-SaO2 93-95%
    • Anästhesie informieren (ggf. Intubation)
    • NaCl 0.9% infundieren (Zugang offenhalten)
    • Art. Mitteldruck >60mmHg erhalten
    • Monitoring der Vitalparameter
    • EKG-Monitoring
  3. Bronchodilatation mit
    • Short acting beta2-Agonist (SABA)
    • Short acting muscarinerg Antagonist (SAMA) = Anticholinergika
  4. Kortikoide (entzündungshemmend, steigern Empfindlichkeit beta-Rezeptoren)

SABA wirken innert 1-3min und dauern 4-8h, können SVT, Hypokaliämie (IC Shift), Tremor verursachen

  • Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
  • Terbutalin (Bricanyl) inhalation (initial 1-3 Hübe alle 6h, maximal 12x/24h)

SAMA wirken innert 15-30min und dauern ca. 4-8h:

  • Ipratropiumbromid (Atrovent) Inhalation (initial 1x/h, dann 2-8x/d)
  • Ipratropiumbromid + Fenoterol (Berodual) Inhalation (initial 2-4 Hübe, dann 2-8x/d je nach Klinik)
  • Ipratropiumbromid + Salbutamol (Dospir) Inhalation (initial 1 Einzeldosis)

Kortikoide wirken nach ca. 1h (d.h. keine Erstlinientherapie), reduzieren jedoch Mortalität, Rezidive, Hospitalisationen, beta2-Agonisten Gebrauch und sollten daher bei jedem Asthmaanfall (ausser mild) eingesetzt werden

  • Prednison p.o. 1mg/kg alle 8h während 1-2d, dann 40-50mg während 5-10d, dann absetzen (keine Dosisreduktion)
  • Methylprednisolon i.v.

Merke:

  • Keine Sedativa verabreichen
  • Das Fehlen von O2 darf nicht zur Verzögerung der Gabe von beta2-Agonisten führen!

Wichtig: Die Erstlininentherapie besteht aus Sauerstoffgabe und Bronchodilatatoren!

Therapie des milden bis mittelschweren Asthmaanfall

- Initialtherapie

- Reevaluation

Therapie in der 1. Stunde:

  1. Allgemeinmassnahmen
  2. Sauerstoffgabe
  3. Bronchodilatation mit
    • Short acting beta2-Agonist (SABA)
    • Short acting muscarinerg Antagonist (SAMA) = Anticholinergika
  4. Kortikosteroide

SABA wirken innert 1-3min und dauern 4-8h, können SVT, Hypokaliämie (IC Shift), Tremor verursachen

  • Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
  • Terbutalin (Bricanyl) inhalation (initial 1-3 Hübe alle 6h, maximal 12x/24h)

SAMA wirken innert 15-30min und dauern ca. 4-8h:

  • Ipratropiumbromid (Atrovent) Inhalation (initial 1x/h, dann 2-8x/d)
  • Ipratropiumbromid + Fenoterol (Berodual) Inhalation (initial 2-4 Hübe, dann 2-8x/d je nach Klinik)
  • Ipratropiumbromid + Salbutamol (Dospir) Inhalation (initial 1 Einzeldosis)

Kortikoide wirken nach ca. 1h (d.h. keine Erstlinientherapie), reduzieren jedoch Mortalität, Rezidive, Hospitalisationen, beta2-Agonisten Gebrauch und sollten daher bei jedem Asthmaanfall (ausser mild) eingesetzt werden

  • Prednison p.o. 1mg/kg alle 8h während 1-2d, dann 40-50mg während 5-10d, dann absetzen (keine Dosisreduktion)

Nach spätestens 1h erfolgt Reevaluation der Klinik:

  • Verbesserung --> Bei anhaltender guter Wirkung der Therapie keine weitere SABA notwendig! Langfristige Therapie planen
    • Verbesserung der Klinik
    • Sauerstoffsättigung (bei Raumluft) > 94%
    • Peak Flow 60-80% des Sollwertes
  • Verschlechterung --> Intensivpflege und Monitoring (wie schwerer Asthmaanfall)

Merke:

  • Keine Sedativa verabreichen
  • Das Fehlen von O2 darf nicht zur Verzögerung der Gabe von beta2-Agonisten führen!

Wichtig: Die Erstlininentherapie besteht aus Sauerstoffgabe und Bronchodilatatoren!

Schwerer Asthmaanfall vs. lebensgefährlicher Asthmaanfall

Def. schwerer Asthmaanfall (gem. Furger):

  • Peak Flow <60% des Sollwertes
  • Sprech-Dyspnoe
  • Atemfrequenz >30/min
  • Herzfrequenz >120/min
  • SaO2 <90%

Lebensgefährlicher Asthmaanfall (wenn zusätzlich eines der Symptome):

  • Somnolenz
  • Verwirrtheit
  • Silent Chest

Schwerer Asthmaanfall

- Klinische Symptomatik und Befunde

- Klinische Definition gem. Furger

Symptomatik:

  • Atemnot
  • Sprache nur noch wortweise möglich (= Sprech-Dyspnoe)
  • Husten
  • Sitzend vorgebeugte Körperposition
  • Agitierter Patient
  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur

Befunde:

  • Atemfrequenz >30/min (= Tachypnoe)
  • Pfeifen (wheezing)
  • Pulsus paradoxus >12mmHg
  • Herzfrequenz >120/min (=Tachykardie)
  • O2-Sättigung (bei Raumluft) <90%
  • Peak Flow (PEF) <=50% des Sollwertes

Merke: Inspiratorischer Stridor = Hindernis in oberen Luftwege (wichtige DD)!

Milder bis mittelschwerer Asthmaanfall

- Klinische Symptomatik und Befunde

Symptomatik:

  • Atemnot
  • Sprache satzweise möglich (keine Sprechdyspnoe)
  • Patient bevorzugt meist stehende Körperposition
  • Patient nicht agitiert
  • Kein Einsatz der Atemhilfsmuskulatur

Befunde:

  • Erhöhte Atemfrequenz
  • Herzfrequenz 100-120/min
  • Sauerstoffsättigung (bei Raumluft) 90-95%
  • Peak Flow PEF >50%

Allgemeinmassnahmen bei akuter Asthma-Exazerbation

- Vorgehen

- Klassifikation

Allgemeinmassnahmen bei Asthmaanfall

  1. Sitzende Position des Patienten
  2. Kurze Anamnese, Klinik (Auskultation, Peak Flow), Vitalparameter (HF, AF, SpO2)
  3. ABGA
  4. Sauerstoffgabe (Nasenkanüle 4-10L/min, Ziel SaO2 ist ≥90%)
  5. ggf. Rx-Thorax (DD Pneu, Pneumonie)

Die Allgemeinmassnahmen erlauben eine Klassifikation entsprechend dem Schweregrad des Anfalls und eine zielgerichtete Therapie:

  • Milder bis mittelschwerer Asthmaanfall
  • Schwerer Asthmaanfall
  • Lebensgefährlicher Asthmaanfall

Merke:

  • ABGA hat noch nie ein Leben gerettet, Sauerstoff schon (d.h. ABGA darf O2-Gabe nicht verzögern!)
  • Ziel-SaO2 bei akuter Asthma-Exazerbation generell ≥90%
  • Peak Flow <200L/min weist i.d.R. auf einen schwergradigen Asthmaanfall hin (ausser kleinwüchsige Patienten)!
  • Der Verlauf eines Asthmaanfalls ist nicht vorhersehbar!

Wichtig: Ein Patient mit Asthmaanfall muss evaluiert und reevaluiert werden!

Medikamentöse Langzeittherapie bei Asthma bronchiale

- Stufenschema gem. GINA 2015

- Akuttherapie und Dauertherapie

Merke: Bei der Langzeittherapie muss grundsätzlich zwischen der Dauertherapie und der Akuttherapie bei Bedarf unterschieden werden! Erstere ist dabei nach einem Stufenschem aufgebaut, letztere für alle Stufen grundsätzlich gleich!

Dauertherapie:

Stufe 1: Keine Dauermedikation notwendig, lediglich Akuttherapie bei Bedarf!

Stufe 2: Inhalative Glukokortikoide (niedrige Dosis)

Stufe 3: Inhalative Glukokortikoide (niedrige bis mittlere Dosis) + ggf. (und nur in Kombination mit Glukokortikoiden) zusätzlich LABA

Stufe 4: LABA + inhalative Glukokortikoide (mittlere bis hohe Dosis)

Stufe 5: Orale Glukokortikoide (niedrigst wirksame Dosis) + LABA + inhalative Glukokortikoide (mittlere bis hohe Dosis)

Merke: Inhalative Glukokortikoide führen zwar eher selten zu systemischen Nebenwirkungen, lokale NW müssen jedoch beachtet werden: Candidiasis, Heiserkeit, weniger Wirkstoff!


Weitere Medikamente:

  • Stufe 3-5 ggf. zusätzlich Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Montelukas) und Theophyllin
  • Stufe 4-5 ggf. zusätzlich Anticholinergika (Tiatropiumbromid) bei >18y
  • Stufe 5 ggf. zusätzlich Biologicals (Anti-IgE-Ak Omalizumab) in speziellen Situationen

Akuttherapie bei Bedarf:

Besteht im wesentlichen aus inhalativen SABA bei Bedarf zusätzlich zur Dauerthearapie!

Wichtig: Anhand der Therapiekontrolle wird überprüft, ob die medikamentöse Therapie ausreichend ist oder ob eine höhere Stufe benötigt wird!

Therapiekontrolle

- 3 Grade der Asthmakontrolle gem. GINA Behandlungsstufe nach Kontrollgrad 2015

- Alternative Therapiekontrollen

Kontrolliertes Asthma:

  • Maximal 2x Symptome tagsüber pro Woche
  • Keine Einschränkungen von Aktivitäten
  • Keine Symptome in der Nacht bzw. kein nächtlisches Erwachen
  • Keine oder minimale Bedarfsmedikation (d.h. maximal 2x / Woche)
  • Normale Lungenfunktion (anhand PEF/Bestwert oder FEV1/Soll)
  • Keine Exazerbaitonen

Teilweise kontrolliertes Asthma:

  • Mehr als 2x Symptome tagsüber / Woche
  • Irgend eine Einschränkung der Aktivität
  • Irgendein Symptome in der Nacht oder nächtliches Erwachen wegen Symptomen
  • Bedarfsmedikation mindestens 2x / Woche benötigt
  • Eingeschränkte Lungenfunktion, d.h. <80% des Normwertes oder Bestwertes an einem Tag/Woche
  • Eine oder mehr Exazerbationen pro Jahr

Unkontrolliertes Asthma:

  • Mind. 3 oder mehr Kriterien des teilsweise kontrollierten Asthmas innerhalb einer Woche erfüllt
  • Eine Exazerbation pro Woche

Alterantive Therapiekontrollen:

  • Asthma Control Test ACT
  • Peakflow Variabilität

Klinik und Diagnostik bei Asthma Bronchiale

- Leitsymptome

- Klinische Befunde

- Diagnostik

Leitsymptome:

  • Anfallsartig auftretende Luftnot
  • Exspiratorischem Stridor (sog. Pfeiffende Atmung)
  • Tockener Husten (oftmals störender nächtlicher Husten, evtl. mit Auswurf)
  • Erstickungsangst

Merke: Typischerweise nächtliches Auftreten (Bronchialweite unterliegt zirkadianer Rhythmik und ist in der Nacht geringer als tagsüber)

Wichtig: Symptome treten typischerweise auf nach: Körperlicher Belastung, Allergenkontakt, Luftverschmutzung, postinfektiös (wichtige anamnestische Hinweise)!

Klinische Befunde:

  • Auskultatorisch verlängertes Exspirium mit Giemen und Brummen, ggf. abgeschwächtes Atemgeräusch (bis hin zu silent Lung!!!)
  • Perkutorisch hypersonorer Klopfschall mit tiefstehendem, wenig verschieblichen Zwerchfell

Labor:

  • Entzüdungsparameter (bei infektbedingtem Asthma erhöht)
  • Antikörpertestung (Gesamt-IgE, spezifische IgE-Ak), Eosinophilie, ggf. Prick- oder Intrakutantest (bei allergischem Asthma evtl. erhöht)
  • aBGA (respiratorische Partial- oder Globalinsuffizienz)

Merke: Eine ABGA ist dann indiziert, wenn die Pulsoxymetrie eine O2-Sättigung <94% ergibt!

Rx-Thorax: Zeichen einer Lungenüberblähung

  • Tiefstehendes, abgeflachtes Zwerchfell
  • Verbreiterte Interkostalräume
  • Fassthorax
  • Ggf. pulmonale Infiltrate (bei Infekt)

Apparative Diagnostik

  • Lungenfunktion (Spirometrie mit Bronchodilatationstest und Peak exspiratory flow)
  • Bronchiale Hyperreaktivität
  • NO-Messung (FeNO)

Wichtig: Der Bronchodilatationstest ist positiv, wenn FEV1 nach Bronchospasmolyse mind. 12% oder 200ml zugenommen hat (was bsp. bei COPD nicht möglich ist)! Umgekehrt ist der bronchiale Hyperreaktivitätstest positiv wenn nach Histamin- oder Methacholingabe ein FEV Abfall von mind. 20% beobachtet wird!

Merke: NO dient bei FeNO-Test als Marker für eosinophile Entzündung und kann differentialdiagnostisch Hinweise auf atopisches Asthma, Churg-Strauss und eosinophilie Bronchitis geben!

Spezielle Patientengruppen bei Asthma bronchiale (bzgl. Therapie)

Kinder:

  • Inhalative Glukokortikoide haben ebenfalls hohen Stellenwert
  • Montelukast (Leukotrien-Rezeptor-Antagonist) und Cromoglicinsäure (Mastzellstabilisator) sind gegenüber LABA bevorzugt anzuwenden

Schwangere:

  • Gleiche Stufentherapie
  • Bevorzugt inhalative Therapie (nur geringe systemische Nebenwirkungen)
  • Cromoglicinsäure empfehlenswert
  • Montelukast nur nach strenger Indikationsstellung

Study