Asthma und akute Asthma-Exazerbation
Diagnostik, Notfallmanagement und Therapie
Diagnostik, Notfallmanagement und Therapie
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Lernkarten
Hospitalisationsindikation bei akuter Asthma-Exazerbation
Lungenfunktion vor Bronchodilatation (FEV1 bzw. PEF <25% des Sollwertes oder Bestresultates)
oder
Lungenfunktion nach Bronchodilatation (FEV1 oder PEF <40% des Sollwertes oder Bestresultates)
oder
Weitere Elemente/Situationen
- Patient war vor kurzem hospitalisiert
- Ungenügendes Ansprechen auf ambulante Therapie (orale Kortikoide)
- Schwerer Asthmaanfall in Vorgeschichte
Therapie bei lebensgefährlichem Asthmaanfall
- Allgemeinmassnahmen --> Intensivpflege/Monitoring
- Sauerstoff + venöser Zugang + hämodynamisches Monitoring
- Ziel-SaO2 93-95%
- Anästhesie informieren (ggf. Intubation)
- NaCl 0.9% infundieren (Zugang offenhalten)
- Art. Mitteldruck >60mmHg erhalten
- Monitoring der Vitalparameter
- EKG-Monitoring
- SABA
- Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
- Terbutalin (Bricanyl) inhalation
- Kortikoide (Methylprednisolon 1mg/kg/d in 1-2 Einnahmen pro Tag während 5-7 Tagen)
- ggf. Adrenalin
- 0.3-0,5mg sc. (wenn keine Evidenz einer Anaphylaxie)
- 0,3-0,5mg im. unter EKG-Monitoring (wenn Vd. a. anaphylaktischen Schock)
- ggf. Mangnesiumsulfat (2g über 20min iv. wenn schlechte initiale Antwort auf Bronchodilatatoren)
Therapie des schweren Asthmaanfalls
Therapie in Übersicht:
- Allgemeinmassnahmen --> Intensivpflege/Monitoring
- Sauerstoff + venöser Zugang + hämodynamisches Monitoring
- Ziel-SaO2 93-95%
- Anästhesie informieren (ggf. Intubation)
- NaCl 0.9% infundieren (Zugang offenhalten)
- Art. Mitteldruck >60mmHg erhalten
- Monitoring der Vitalparameter
- EKG-Monitoring
- Bronchodilatation mit
- Short acting beta2-Agonist (SABA)
- Short acting muscarinerg Antagonist (SAMA) = Anticholinergika
- Kortikoide (entzündungshemmend, steigern Empfindlichkeit beta-Rezeptoren)
SABA wirken innert 1-3min und dauern 4-8h, können SVT, Hypokaliämie (IC Shift), Tremor verursachen
- Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
- Terbutalin (Bricanyl) inhalation (initial 1-3 Hübe alle 6h, maximal 12x/24h)
SAMA wirken innert 15-30min und dauern ca. 4-8h:
- Ipratropiumbromid (Atrovent) Inhalation (initial 1x/h, dann 2-8x/d)
- Ipratropiumbromid + Fenoterol (Berodual) Inhalation (initial 2-4 Hübe, dann 2-8x/d je nach Klinik)
- Ipratropiumbromid + Salbutamol (Dospir) Inhalation (initial 1 Einzeldosis)
Kortikoide wirken nach ca. 1h (d.h. keine Erstlinientherapie), reduzieren jedoch Mortalität, Rezidive, Hospitalisationen, beta2-Agonisten Gebrauch und sollten daher bei jedem Asthmaanfall (ausser mild) eingesetzt werden
- Prednison p.o. 1mg/kg alle 8h während 1-2d, dann 40-50mg während 5-10d, dann absetzen (keine Dosisreduktion)
- Methylprednisolon i.v.
Merke:
- Keine Sedativa verabreichen
- Das Fehlen von O2 darf nicht zur Verzögerung der Gabe von beta2-Agonisten führen!
Wichtig: Die Erstlininentherapie besteht aus Sauerstoffgabe und Bronchodilatatoren!
Therapie des milden bis mittelschweren Asthmaanfall
- Initialtherapie
- Reevaluation
Therapie in der 1. Stunde:
- Allgemeinmassnahmen
- Sauerstoffgabe
- Bronchodilatation mit
- Short acting beta2-Agonist (SABA)
- Short acting muscarinerg Antagonist (SAMA) = Anticholinergika
- Kortikosteroide
SABA wirken innert 1-3min und dauern 4-8h, können SVT, Hypokaliämie (IC Shift), Tremor verursachen
- Salbutamol (Ventolin) Inhalation (Dosier-Aerosol 2-4 Stösse; Vernebler je nach Klinik alle 20-60min evtl. kontinuierlich, dann 3x/h, dann 4-8x/d), selten parenterale Gabe (langam infundieren, ggf. wiederholen)
- Terbutalin (Bricanyl) inhalation (initial 1-3 Hübe alle 6h, maximal 12x/24h)
SAMA wirken innert 15-30min und dauern ca. 4-8h:
- Ipratropiumbromid (Atrovent) Inhalation (initial 1x/h, dann 2-8x/d)
- Ipratropiumbromid + Fenoterol (Berodual) Inhalation (initial 2-4 Hübe, dann 2-8x/d je nach Klinik)
- Ipratropiumbromid + Salbutamol (Dospir) Inhalation (initial 1 Einzeldosis)
Kortikoide wirken nach ca. 1h (d.h. keine Erstlinientherapie), reduzieren jedoch Mortalität, Rezidive, Hospitalisationen, beta2-Agonisten Gebrauch und sollten daher bei jedem Asthmaanfall (ausser mild) eingesetzt werden
- Prednison p.o. 1mg/kg alle 8h während 1-2d, dann 40-50mg während 5-10d, dann absetzen (keine Dosisreduktion)
Nach spätestens 1h erfolgt Reevaluation der Klinik:
- Verbesserung --> Bei anhaltender guter Wirkung der Therapie keine weitere SABA notwendig! Langfristige Therapie planen
- Verbesserung der Klinik
- Sauerstoffsättigung (bei Raumluft) > 94%
- Peak Flow 60-80% des Sollwertes
- Verschlechterung --> Intensivpflege und Monitoring (wie schwerer Asthmaanfall)
Merke:
- Keine Sedativa verabreichen
- Das Fehlen von O2 darf nicht zur Verzögerung der Gabe von beta2-Agonisten führen!
Wichtig: Die Erstlininentherapie besteht aus Sauerstoffgabe und Bronchodilatatoren!
Schwerer Asthmaanfall vs. lebensgefährlicher Asthmaanfall
Def. schwerer Asthmaanfall (gem. Furger):
- Peak Flow <60% des Sollwertes
- Sprech-Dyspnoe
- Atemfrequenz >30/min
- Herzfrequenz >120/min
- SaO2 <90%
Lebensgefährlicher Asthmaanfall (wenn zusätzlich eines der Symptome):
- Somnolenz
- Verwirrtheit
- Silent Chest
Schwerer Asthmaanfall
- Klinische Symptomatik und Befunde
- Klinische Definition gem. Furger
Symptomatik:
- Atemnot
- Sprache nur noch wortweise möglich (= Sprech-Dyspnoe)
- Husten
- Sitzend vorgebeugte Körperposition
- Agitierter Patient
- Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Befunde:
- Atemfrequenz >30/min (= Tachypnoe)
- Pfeifen (wheezing)
- Pulsus paradoxus >12mmHg
- Herzfrequenz >120/min (=Tachykardie)
- O2-Sättigung (bei Raumluft) <90%
- Peak Flow (PEF) <=50% des Sollwertes
Merke: Inspiratorischer Stridor = Hindernis in oberen Luftwege (wichtige DD)!
Milder bis mittelschwerer Asthmaanfall
- Klinische Symptomatik und Befunde
Symptomatik:
- Atemnot
- Sprache satzweise möglich (keine Sprechdyspnoe)
- Patient bevorzugt meist stehende Körperposition
- Patient nicht agitiert
- Kein Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Befunde:
- Erhöhte Atemfrequenz
- Herzfrequenz 100-120/min
- Sauerstoffsättigung (bei Raumluft) 90-95%
- Peak Flow PEF >50%
Allgemeinmassnahmen bei akuter Asthma-Exazerbation
- Vorgehen
- Klassifikation
Allgemeinmassnahmen bei Asthmaanfall
- Sitzende Position des Patienten
- Kurze Anamnese, Klinik (Auskultation, Peak Flow), Vitalparameter (HF, AF, SpO2)
- ABGA
- Sauerstoffgabe (Nasenkanüle 4-10L/min, Ziel SaO2 ist ≥90%)
- ggf. Rx-Thorax (DD Pneu, Pneumonie)
Die Allgemeinmassnahmen erlauben eine Klassifikation entsprechend dem Schweregrad des Anfalls und eine zielgerichtete Therapie:
- Milder bis mittelschwerer Asthmaanfall
- Schwerer Asthmaanfall
- Lebensgefährlicher Asthmaanfall
Merke:
- ABGA hat noch nie ein Leben gerettet, Sauerstoff schon (d.h. ABGA darf O2-Gabe nicht verzögern!)
- Ziel-SaO2 bei akuter Asthma-Exazerbation generell ≥90%
- Peak Flow <200L/min weist i.d.R. auf einen schwergradigen Asthmaanfall hin (ausser kleinwüchsige Patienten)!
- Der Verlauf eines Asthmaanfalls ist nicht vorhersehbar!
Wichtig: Ein Patient mit Asthmaanfall muss evaluiert und reevaluiert werden!
Medikamentöse Langzeittherapie bei Asthma bronchiale
- Stufenschema gem. GINA 2015
- Akuttherapie und Dauertherapie
Merke: Bei der Langzeittherapie muss grundsätzlich zwischen der Dauertherapie und der Akuttherapie bei Bedarf unterschieden werden! Erstere ist dabei nach einem Stufenschem aufgebaut, letztere für alle Stufen grundsätzlich gleich!
Dauertherapie:
Stufe 1: Keine Dauermedikation notwendig, lediglich Akuttherapie bei Bedarf!
Stufe 2: Inhalative Glukokortikoide (niedrige Dosis)
Stufe 3: Inhalative Glukokortikoide (niedrige bis mittlere Dosis) + ggf. (und nur in Kombination mit Glukokortikoiden) zusätzlich LABA
Stufe 4: LABA + inhalative Glukokortikoide (mittlere bis hohe Dosis)
Stufe 5: Orale Glukokortikoide (niedrigst wirksame Dosis) + LABA + inhalative Glukokortikoide (mittlere bis hohe Dosis)
Merke: Inhalative Glukokortikoide führen zwar eher selten zu systemischen Nebenwirkungen, lokale NW müssen jedoch beachtet werden: Candidiasis, Heiserkeit, weniger Wirkstoff!
Weitere Medikamente:
- Stufe 3-5 ggf. zusätzlich Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Montelukas) und Theophyllin
- Stufe 4-5 ggf. zusätzlich Anticholinergika (Tiatropiumbromid) bei >18y
- Stufe 5 ggf. zusätzlich Biologicals (Anti-IgE-Ak Omalizumab) in speziellen Situationen
Akuttherapie bei Bedarf:
Besteht im wesentlichen aus inhalativen SABA bei Bedarf zusätzlich zur Dauerthearapie!
Wichtig: Anhand der Therapiekontrolle wird überprüft, ob die medikamentöse Therapie ausreichend ist oder ob eine höhere Stufe benötigt wird!
Therapiekontrolle
- 3 Grade der Asthmakontrolle gem. GINA Behandlungsstufe nach Kontrollgrad 2015
- Alternative Therapiekontrollen
Kontrolliertes Asthma:
- Maximal 2x Symptome tagsüber pro Woche
- Keine Einschränkungen von Aktivitäten
- Keine Symptome in der Nacht bzw. kein nächtlisches Erwachen
- Keine oder minimale Bedarfsmedikation (d.h. maximal 2x / Woche)
- Normale Lungenfunktion (anhand PEF/Bestwert oder FEV1/Soll)
- Keine Exazerbaitonen
Teilweise kontrolliertes Asthma:
- Mehr als 2x Symptome tagsüber / Woche
- Irgend eine Einschränkung der Aktivität
- Irgendein Symptome in der Nacht oder nächtliches Erwachen wegen Symptomen
- Bedarfsmedikation mindestens 2x / Woche benötigt
- Eingeschränkte Lungenfunktion, d.h. <80% des Normwertes oder Bestwertes an einem Tag/Woche
- Eine oder mehr Exazerbationen pro Jahr
Unkontrolliertes Asthma:
- Mind. 3 oder mehr Kriterien des teilsweise kontrollierten Asthmas innerhalb einer Woche erfüllt
- Eine Exazerbation pro Woche
Alterantive Therapiekontrollen:
- Asthma Control Test ACT
- Peakflow Variabilität
Klinik und Diagnostik bei Asthma Bronchiale
- Leitsymptome
- Klinische Befunde
- Diagnostik
Leitsymptome:
- Anfallsartig auftretende Luftnot
- Exspiratorischem Stridor (sog. Pfeiffende Atmung)
- Tockener Husten (oftmals störender nächtlicher Husten, evtl. mit Auswurf)
- Erstickungsangst
Merke: Typischerweise nächtliches Auftreten (Bronchialweite unterliegt zirkadianer Rhythmik und ist in der Nacht geringer als tagsüber)
Wichtig: Symptome treten typischerweise auf nach: Körperlicher Belastung, Allergenkontakt, Luftverschmutzung, postinfektiös (wichtige anamnestische Hinweise)!
Klinische Befunde:
- Auskultatorisch verlängertes Exspirium mit Giemen und Brummen, ggf. abgeschwächtes Atemgeräusch (bis hin zu silent Lung!!!)
- Perkutorisch hypersonorer Klopfschall mit tiefstehendem, wenig verschieblichen Zwerchfell
Labor:
- Entzüdungsparameter (bei infektbedingtem Asthma erhöht)
- Antikörpertestung (Gesamt-IgE, spezifische IgE-Ak), Eosinophilie, ggf. Prick- oder Intrakutantest (bei allergischem Asthma evtl. erhöht)
- aBGA (respiratorische Partial- oder Globalinsuffizienz)
Merke: Eine ABGA ist dann indiziert, wenn die Pulsoxymetrie eine O2-Sättigung <94% ergibt!
Rx-Thorax: Zeichen einer Lungenüberblähung
- Tiefstehendes, abgeflachtes Zwerchfell
- Verbreiterte Interkostalräume
- Fassthorax
- Ggf. pulmonale Infiltrate (bei Infekt)
Apparative Diagnostik
- Lungenfunktion (Spirometrie mit Bronchodilatationstest und Peak exspiratory flow)
- Bronchiale Hyperreaktivität
- NO-Messung (FeNO)
Wichtig: Der Bronchodilatationstest ist positiv, wenn FEV1 nach Bronchospasmolyse mind. 12% oder 200ml zugenommen hat (was bsp. bei COPD nicht möglich ist)! Umgekehrt ist der bronchiale Hyperreaktivitätstest positiv wenn nach Histamin- oder Methacholingabe ein FEV Abfall von mind. 20% beobachtet wird!
Merke: NO dient bei FeNO-Test als Marker für eosinophile Entzündung und kann differentialdiagnostisch Hinweise auf atopisches Asthma, Churg-Strauss und eosinophilie Bronchitis geben!
Spezielle Patientengruppen bei Asthma bronchiale (bzgl. Therapie)
Kinder:
- Inhalative Glukokortikoide haben ebenfalls hohen Stellenwert
- Montelukast (Leukotrien-Rezeptor-Antagonist) und Cromoglicinsäure (Mastzellstabilisator) sind gegenüber LABA bevorzugt anzuwenden
Schwangere:
- Gleiche Stufentherapie
- Bevorzugt inhalative Therapie (nur geringe systemische Nebenwirkungen)
- Cromoglicinsäure empfehlenswert
- Montelukast nur nach strenger Indikationsstellung