Antiepileptika (Antikonvulsiva)

Antiepileptika (Antikonvulsiva)

Antiepileptika (Antikonvulsiva)


N. K.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über Antiepileptika und deren Wirkmechanismen auf universitärem Niveau. Sie konzentrieren sich auf die Modulation von GABA, Ionenkanälen wie Na+, Ca2+, und Rezeptoren, einschließlich GABAA und NMDA. Die Karteikarten behandeln auch spezifische Wirkstoffe wie Carbamazepin und Phenobarbital sowie deren pharmakokinetische Eigenschaften und Interaktionen. Ideal für Medizinstudenten und Fachpersonal, die ein tiefes Verständnis der antiepileptischen Therapie und deren molekularen Grundlagen erlangen möchten.
Flashcards
34
Students
1
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
22.07.2016 / 19.08.2016

Flashcards

Epilepsie: WM, Ursachen

• neurologische Erkrankung des ZNS
• gesteigerte Erregbarkeit zentraler, vernetzter Neuronengruppen mit spontaner synchroner (gleichzeitig) Entladung
• Senkung der Krampfschwelle: anfallsartige Störungen des Bewusstseins und krampfartige Anfälle
• Ursachen: vielfältig, z.B. Hirnverletzungen, Entzündungen, Tumore, Vergiftungen, Geburtstraumen (Zangengeburt, mechanissche Verletzung,..)etc.

Epilepsie: Pathophysiologie

Ionenkanalerkrankung -> nicht generalisiert, sondern lokalisiert

• physiologisches Gleichgewicht von exzitatorischen (Glutamat, Aspartat, Glycin [an NMDA Rezeptor exzitatorisch, an eigenem Rezeptor inhibitorisch]) und inhibitorischen Neurotransmittern (GABA) ist gestört.
• Ionenkanal-Erkrankungen (K+, Na+ und Ca2+)
• Ausmaß der Anfälle ist abhängig von Umfang des Ungleichgewichts und der Lokalisation.

Therapie: primäres Ziel und Herangehensweise

• Primäres Ziel: Anfallsfreiheit
• Prinzip: Selektive Modulation der gestörten Erregbarkeit von Neuronen
• Meist Zusammenspiel mehrerer unterschiedlicher Mechanismen pharmakodynamischer Einzeleffekte.

Einteilung der Antiepileptika in Klassen: 

Meistens Multitarget-Inhibitoren, selten selektiv

1. Inhibitoren spannungsabhängiger Ionenkanäle (K+, Na+ und Ca2+ => besonders wichtig)
2. Modulatoren Ligand-gesteuerter Ionenkanäle (GABAA, NMDA-Rezeptor-Modulatoren)
3. Inhibitoren des GABA-Transporters
4. Inhibitoren der GABA-Transaminase
5. unbekannter Wirkmechanismus (eher präventiver Einsatz)

Molekulare Angriffspunkte der Antiepileptika

Übersicht Antiepileptika, deren Target und HWZ

Inhibitoren spannungsabhängiger Ionenkanäle: Wirkprinzip

Spannungsabhängige Ionenkanäle vermitteln Depolarisation postsynaptischer Neuronen durch Einstrom von Na+ und Ca2+.
=> Inhibitoren hemmen Stimulation von exzitatorischen Neuronen und heben damit die Krampfschwelle an.

- können Membranen gut überwinden

- unterschiedliche Strukturen -> unterschiedliche Targets

Carbamazepin

Antiepileptikum

• vgl. TCA, jedoch keine basische Seitenkette sondern Amid/Harnstoff, sehr alt
• Angriff: Na+-Kanal (relativ spezifisch)

das einzige spezifische!!!!! Rest ist unspezifisch, MERKÖÖN

Oxcarbazepin

Antiepileptikum

• Prodrug: cytosolische Ketoreduktase reduziert zum aktiven Monohydroxy-Derivat des Carbamazepins
• Angriff: Na+-Kanal, K+- und Ca2+-Kanal, Glutamatfreisetzung -> breites Wirkungsspektrum
• weniger NW als Carbamazepin => bei selektivem Angriff kann der Rest durch den Körper hochmoduliert wirden, weshalb mehr NW sind, wenn nur ein Rezeptor spezifisch angegriffen wird als wenn mehrere Targets angegriffen werden (multitarget)

α-UE des Natriumionenkanals: Aufbau, welche Segmente sind wichtig?

• sechs helikale Segmente bilden eine Domäne, insg. vier Domänen bilden Kanal
• Wichtig sind S4-Segmente: steuern die Spannungsabhängigkeit
• Antiepileptika: binden an S6-Segmente und blockieren den Ionenkanal

Calciumionenkanäle: Funktion, welche Typen

• verantwortlich für Rhythmik der Neuronenentladung und Neurotransmitterausschüttung
• insbesondere T-Typ Calciumkanal (low-voltage-activated channel): Hemmung führt zur Erhöhung der Krampfschwelle.
• high-voltage-activated channels (Typ L-[L:am wichtigsten], N-, Q-, R-) regulieren präsynaptische Neurotransmitterfreisetzung

Valproinsäure

Antiepileptikum

chemische Bezeichnung: 2-Propylpentansäure

Angriff: Na+- und Ca2+-Kanäle, GABA-Transaminase

Phenytoin

• einziges Hydantoin, das noch therap. genutzt wird
• C(5): prochiral
• Angriff: (Na+-Kanal)

ist NH-acid!

Topiramat

Antiepileptikum

D-Fructopyranose-Derivat (Zuckerderivat, sehr unspezifisch), Sulfamat-Struktur,


Angriff: Na+-Kanal, GABAA-Rezeptor, Kainat- und AMPA-Rezeptor

Lamotrigin

Antiepileptikum

Angriff: Na+-Kanal, Ca2+-Kanal

Zonisamid

Antiepileptikum

Angriff: Na+-Kanal, Ca2+-Kanal, Modulation von GABA
lange HWZ: Kumulationsgefahr!

Ethosuximid und Mesuximid

Antiepileptikum

racemische WS, Phenytoin-Derivate (N gegen CH2 ausgetauscht)
Angriff: Ca2+-Kanal (T-Typ) -> erhöhen Krampfschwelle


Mesuximid-N-Demethylierung: aktiver Metabolit
OH-Ethyl-Ethosuximid: inaktiv

Inhibitoren spannungsabhängiger Ionenkanäle: GABA-Strukturanaloga Gemeinsamkeit

Binden allesamt an spannungsabhängigen L-Typ Ca2+-Kanal wirken stark auf Neurotransmitter-Freisetzung

Gabapentin

Antiepileptikum

überwindet im Gegensatz zur GABA die B/H-Schranke.

hat quasi GABA in der "Mitte" (das rote), ist aber lipophiler -> kann ins ZNS eindringen

Pregabalin

Antiepileptikum

• S-konfiguriertes Isobutylderivat der GABA
• keine Interferenz mit CYPs

rot: GABA Teilstruktur , lipophil, dringt ins ZNS

Vigabatrin

Antiepileptikum Inhibitor der GABA-Transaminase:

Vi steht fürVinyl

• Vinyl-Derivat der GABA
• als Racemat eingesetzt: S-Enantiomer hemmt GABA-Transaminase irreversibel via reaktive Vinyl-Gruppe (kovalente Bindung)


Reaktionsmechanismus:
1. Bildung eines Aldimins durch Kondensation der Aldehydgruppe des Pyridoxalphosphats (Vitamin B6) mit der Aminofunktion des Vigabatrins.
2. Umwandlung zur α,β-ungesättigten Aza-analogen Carbonylverbindung.
3. Nach Michael-artigen Reaktion mit Lysin des Enzyms entsteht Komplex aus GABA-Transaminase – Vigabatrin – Vitamin B6
• Wichtige Nebenwirkung: Gesichtsfeldausfälle
• Wird kaum metabolisiert!

Modulatoren von NMDA-Rezeptoren (Ligand- gesteuerter Ionenkanal), Aufbau

• erregende Neurotransmission, für Na+ und Ca2+ durchlässig, durch Mg2+ verschlossen.
• Öffnung des NMDA-Kanals: durch Glutamat-Freisetzung + Glycin als Co-Agonist
• Antagonisten: Lamotrigin, Topiramat, Felbamat.

Modulatoren der GABAergen Signaltransduktion: GABA Synthese und Abbau durch welche Enzyme? Wie kann die GABA-Wirkung an den jeweiligen Rezeptoren erhöht werden? Wirkstoffe und deren WM

GABA-Stoffwechsel:
• Biosynthese: aus Glutamat durch Glutamat-Decarboxylase
• Abbau: GABA-Transaminase
• GABA-Transporter: Wiederaufnahme in Vesikel.
=> Erhöhung der GABA-Wirkung:
a) Blockade des GABA-Transporters
b) Hemmung der GABA-Transaminase
c) Agonismus am GABAA-Rezeptor

 

Wirkstoffe:
3a) Primidon, Phenobarbital, BZD (Agonisten am GABAA-Rezeptor)
3b) Felbamat (Agonist am GABAA-Rezeptor) -> NMDA Rezeptorantagonist -> exzitatorisch gehemmt, inhibitorisch via GABA verstärkt
4) Vigabatrin (Blockades der GABA-Transaminase)
5) Tiagabin (Hemmung des GABA-Transporters)

Barbitursäure

Antiepileptikum

• Kondensationsprodukt aus Harnstoff und Mevalonsäure
• bei pH 7: Anion, keine Überwindung der B/H-Schranke

Primidon

Antiepileptikum

Prodrug: 

• Acidität gesenkt und Lipophilie durch Phenylrest erhöht: B/H-Passage!
• Angriff: β-UE des GABAA-Rezeptors
• aktive Metabolite

Phenobarbital

Antiepileptikum

• Acidität gesenkt und Lipophilie durch Phenylrest erhöht: B/H-Passage!
• Angriff: β-UE des GABAA-Rezeptors

 

 

Primidon Metabolismus

Felbamat

Antiepileptikum

• moduliert zahlreiche Ionenkanäle
• Agonist am GABAA-Rezeptor
• NMDA-Antagonist

-> ideales Profil
• hepatotoxischer Metabolit: 2-Phenylpropenal -> durch Spaltung der Carbaminsäureester

Tiagabin

>Antiepileptikum: Inhibitor des GABA-Transporters

• R-konfiguriertes Nipecotsäurederivat (zur Therapie)
• hemmt präsynaptisch lokalisiertes GABA-Transportprotein
• gut ZNS gängig
• sehr selektiv!

GABA (rot): ist auch speziell konfiguriert, deshalb nur ein Enantiomer wirksam!

Vigabatrin Wirkmechanismus Darstellung

Levetiracetam

Antiepileptikum, unbekannter Wirkmechanismus

L: Linksdrehend

et: Ethyl

am: Lactam

• protektive Wirkung auf Epileptogenese
• strukturelle Ähnlichkeit mit Nootropikum Piracetam
• nur S-Enantiomer ist wirksam
• Wirkungsmechanismus ist unbekannt; Bindung an Vesikelprotein in Vesikeln
der präsynaptischen Nervenendigungen(?)

Sultiam

Antiepileptikum, unbekannter Wirkmechanismus

• Sulfanilamid-Derivat
• Mechanismus unklar

Pharmakokinetik und Interaktionen von Antiepileptika

Resorption: meist schnell (Carbamazepin, Phenobarbital u. Phenytoin langsam)
BV: gut, meist über 90%
Therapeutische Breite: teils gering
HWZ: sehr unterschiedlich, zwischen 2-129 h
Metabolismus:
• CYP3A4-Induktoren: Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin
=> senken Konz anderer Antiepileptika (Lamotrigin, Tiagabin, Valproinsäure) und anderer CYP-verstoffwechselter Wirkstoffe
• CYP2C9 Inhibitor: Topiramat
=> Phenytoinkonz. steigt an.-> hat aber geringe therapeutische Breite!


• Häufig aktive Metabolite: CAVE: Halbwertszeiten verlängert und Kumulation.

Wie lange erfolgt eine Therapie mit Antiepileptika?

dauerhaft ein leben lang, ab und zu Absetzversuche möglich

Étudier