Analgetika
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Analgetika
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Cartes-fiches
Entstehung von Schmerz
Verarbeitung in der Peripherie
- Erregung von Nozizeptoren auf C- und Adelta-Fasern durch verschiedene Stimuli (Temp. Entzündung,...)
- Freisetzung von sich gegenseitig verstärkenden Mediatoren:
- Na, K, H, TNFalpha, IL-1beta, Substanz P, Bradykinin, Histamin, Prostaglandine
- Depolarisierung der Membran -> Auslösen von Aktionspotentialen
Pharmakologische Angriffspunkte in der Peripherie:
- COX-Hemmer inhibieren die PGE2-Synthese
- Lokalanästhetika hemmen Na-Kanäle
- Capsaicin desensibilisiert den TRPV1-R / Vanilloid-Rezeptor
- Opioide hemmen die Sensibilisierung des Vanilloid-Rezeptors
Verarbeitung im ZNS
- AP -> Öffnung spannungsabh. Ca-Kanäle -> Freisetzung von Glu und Substanz P
- postsynaptisch Erregung von AMPA- und NMDA-Rezeptoren
- Verstärkung der NMDA-vermittelten Erregungsübertragung durch Zytokine (aus Mikroglia) und Prostaglandine
- Reduktion der Glutamat- / Substanz-P-Freisetzung über absteigendes antinozizeptives System
- präsynaptische Opioid- und alpha2-Rezeptoren
Pharmakologische Angriffspunkte im ZNS
- Opioide über präsynaptische spinale und zentrale Opioid-Rezeptoren -> Hemmung Freisetzung Neurotransmitter
- Cyclooxygenase-Hemmer: Sensibilisierung von NMDA-Rezeptoren nimmt ab
- Ketamin: NMDA-Rezeptor-Block
- Lokalanästhetika: Na-Kanal-Block
- Flupirtin: Öffnung von K-Kanälen
- Ziconotid: Blockade präsynaptischer Ca-Kanäle -> Neurotransmitter-Freisetzung nimmt ab
Nicht-Opioid-Analgetika
Wirkmechanismus
- Hemmung der COX
- weitere, noch unbekannte (zentrale) Mechanismen
Wirkungen
- analgetisch (über COX-Hemmung verminderte Prostaglandin-induzierte Hyperalgesie)
- antipyretisch (PGE verstellt Sollwert im Hypothalamus)
- antiphlogistisch (nur ASS, NSAR)
- nur saure Substanzen können sich im sauren Entzündungsgewebe anreichern!
- Thrombozyten-Aggregationshemmung (nur ASS)
- Thrombozyten produzieren Thromboxan A2 -> vermittelt Vasokonstriktion
- Thrombozyten besitzten keinen Zellkern - können COX nicht nachproduzieren
- Endothel produziert Prostacyclin -> hemmt Thrombozytenaggregation und kann vom Endothel nachproduziert werden
--> Verschiebung des Gleichgewichts in Richtung Prostacyclin
Nicht-Opioid-Analgetika
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen
- allergische Reaktionen
- Prostaglandine sinken, Leukotriene steigen (über LOX)
- Leukotriene bewirken Vasokonstriktion, Bronchiokonstriktion, Exsudation, Chemotaxis
- allergisch/toxische Knochenmarksschädigung
- unabh. von COX-Hemmung, Risiko: 1:1.000.000, Mortalität 10%
- ZNS-Störungen (Kopfschmerz, Schwindel, Hör- und Sehstörungen)
- gastrointestinale Störungen (Ulcera)
- PGE schützt Magenschleimhaut
- Prophylaxe: Protonenpumpenhemmer
- Nierenfunktionsstörungen (Na-H2O-Retention, Diurese nimmt ab, Nierenversagen -> Analgetika-Niere)
- Autoregulation der Niere: Aufrechterhaltung der Nierenperfusion durch vermehrte PG-Freisetzung
- durch COX-Hemmung Unterbrechung der Autoregulation, Verschlechterung der Nierenfunktion
- Analgetika-Niere: nach jahrelanger Einnahme, v.a. nach hohen Dosen, begünstigend Kombinationspräparate mit psychotrop wirkenden Substanzen (Codein, Coffein)
- Hepatotoxizität
- erhöhte Blutungsneigung
- Schwangerschaft: Wehenschwäche, MDT-Blutungen beim Feten, vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus Botalli
- PGE und PGI an Offenhaltung des Ductus arteriosus Botalli beteiligt
Neutrale und schwach basische Analgetika
Pyrazolone
Substanzen
- Phenazon, Prophyphenazon
- Metamizol (höchste analgetische Potenz aller Nicht-Opioid-Analgetika)
Wirkung
- analgetisch
- antipyretisch
- Metamizol gering spasmolytisch
Nebenwirkungen
- allergische Reaktionen
- allergisch/toxische Knochemarksschädigung
- Metabmilzol schnell i.v. Blutdruckabfall, Kreislaufschock
- Interaktionen mit anderen Pharmaka: Plasmaproteinbindung, Metabolisierung, tubuläre Sekretion
Indikationen
- keine Anwendung als Routine-Medikamente
- bei ischämischen Schmerzen, präfinalen Schmerzen, postoperativ, insbesondere von Hohlorganen
Neutrale und schwach basische Analgetika
Anilin-Derivate
Substanzen
- Paracetamol
- Phenacetin
- 1986 außer Handel aufgrund interstitieller Nephritis (Phenacetin-Niere) und Methämoglobinbildung bei Säuglingen und Kleinkindern
Wirkung
- analgetisch
- antipyretisch
UAW
kurzzeitige/akute Gabe, therapeutische Dosen
- allgemein gut verträglich
- allergische Reaktionen
- G6P-DH-Mangel -> hämolytische Anämien
langdauernde Zufuhr
- Kopfschmerzen
- Anämie, schmutziggraublaue Zyanose
- interstitielle Nephritis, Nierenpapillennekrosen
- erhöhtes Risiko für Urothelkarzinome
Intoxikation
- 12-20g, bei vorgeschädigter Leber ab 4g
- Paracetamol-Inaktivierung in therapeutischen Dosen durch Glucuronidierung (55%) und Sulfatierung (30%)
- bei Intoxikation vermehrt Entstehung reaktiver Metabolite über das CYP-System
- Entgiftung bis zur Erschöpfung der Reserven durch Konjugation mit Glutathion
- nach Erschöpfung der Glutathion-Reserven -> Leberzellschädigung, sekundär Nierenversagen
- Therapie: N-Acetylcystein (ACC): Bereitstellung von -SH-Gruppen
Saure Analgetika und Säureantiphlogistika
Acetylsalicylsäure
Wirkung
- irreversible Hemmung der COX (Acetylierung)
- Thrombozyten-Aggregationshemmung (ab 30mg)
- analgetisch, antipyretisch (0,5-3g)
- antiphlogistisch (2-4g), da erst bei dieser Konzentration COX2 gehemmt wird
UAW
- allergische Reaktionen (Urtikaria, Asthma bronchiale etc.)
- ZNS-Störungen (Schwindel, Ohrensausen)
- GI-Störungen (Ulcera)
- Nierenfunktionsstörungen (Na/H2O-Retention, Diurese nimmt ab, akutes Nierenversagen)
- Hepatotoxizität
- erhöhte Blutungsneigung (Thrombozyten-Aggregationshemmung, in hohen Dosen Hemmung der Synthese von Gerinnungsfaktoren)
- Hyperurikämie (in niedrigen Dosen Kompetition mit Harnsäure um Sekretionstransporter)
- in hohen Dosen Überwiegen der Hemmung der Harnsäure-Rückresorption -> urikosurische Wirkung
- Schwangerschaft: Wehenschwäche, MD-Blutungen beim Feten, vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus Botalli
- Reye-Syndrom bei Kindern, v.a. nach Influenza/Varizellen-Infektionen (Enzephalopathie + fettige Leberzelldegeneration)
- Intoxikation: >8-10g
- Hyperventialtion mit respiratorischer Alkalose, dann metabolische Azidose
Indikation
- Analgetikum
- Antipyrektikum
- Thrombozyten-Aggregationshemmung
Saure Analgetika und Säureantiphlogistika
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Substanzen
Anthranilsäure-Derivate
- Mefenaminsäure
Arylpropiosäure-Derivate
- Ibuprofen
- Dexibuprofen
- Ketoprofen
- Dexketoprofen
- Naproxen
Arylessigsäure-Derivate
- Indometacin
- Diclofenac
Oxicam-Derivate
- Piroxicam
- Meloxicam
Wirkung
- reversible, unselektive Hemmung der COX
Indikationen
- rheumatische Erkrankungen
- nicht-rheumatische Entzündungen und Schwellungen
- akuter Gichtanfall
- Ibuprofen in niedriger Dosierung auch als Analgetikum/Antipyretikum
UAW
- wie ASS
Selektive COX2-Hemmer
COX-1
- konstitutiv exprimiert
- TXA2 (Thrombozyten)
- Prostacyclin (Endothel)
- PGE2 (Niere, Magen)
COX-2
- Entzündungsstimulus
- Schmerz
- Entzündung
- Fieber
Hemmung
vorwiegend COX-1: ASS, Indometacin, Piroxicam
COX-1/COX-2: Ibuprofen, Diclofenac
eher COX-2: Meloxicam
Substanzen
- Celecoxib
- Etoricoxib
- Parecoxib
Wirkung
- reversible, selektive Hemmung der COX-2
- analgetisch, antipyretisch
- antiphlogistisch/antirheumatisch
- keine Thrombozyten-Aggregationshemmung
Indikationen
- rheumatische Erkrankungen
- nicht-rheumatische Entzündungen und Schwellungen
- postoperative Schmerzen
- akute Gichtarthritis
UAW
- im Vergleich zu konventionellen NSAR seltener GI-NW (Ulcera)
- Na/H2O-Retention -> Ödeme, Bluthochdruck, Verschlechterung bestehende Niereninsuffizienz
- erhöhte kardiovaskuläre Mortalität (Myokardinfarkt, Apoplex, gilt aber auch für andere NSAR außer ASS und Naproxen)