AIIT - Vorlesung 10
Engineering Change Management
Engineering Change Management
-
- 1 / 15
-
Cartes-fiches
Was sind Auslöser für Änderungsprozesse?
- Veränderte Wettbewerbs- oder Marktsituation (z.B. keine verchromten Zierleisten mehr im Trend)
- Nutzung weiterer Erschließungs- oder Optimierungspotentiale (z.B. in der Logistik oder bei Montageabläufen)
- Gesetzesänderungen (z.B. EU Gefahrenstoffverordnung: Gefahrstoff- und hemikalienrecht REACH)
- Interne Fehler, Mängel oder Schwächen in der Planung, Entwicklung oder Fertigung, Montage etc. (Bsp. Korrektur von Anzugsdrehmomenten, Austausch von Klemmverbindungen, Einsatz robusterer Nieten)
- Qualitäts- oder Sicherheitsprobleme (z.B. erkannt bei Reklamationen, Gewährleistungsfällen)
- Späte Änderung von Produktanforderungen
- Verzögerte Meldung von Anforderungen und Wünschen durch Beteiligte
Nachteile und Risiken bei Änderungsprozessen ohne definiertes Change Management?
Nachteile
- Schlechte Überwachung der Versionierung und Revisionen (ggf. arbeiten an nicht aktuellen Dateien)
- Versehentliches Löschen von Dateien gefährdet die Arbeit
- Medienbrüche (Druck, digital)
Risiken
- Suchen und Ablegen von Zeichnungen und Modellen auf Netzlaufwerken führt zu inkohärenten Datenbeständen
- Austausch per E-Mail führt dazu, dass oft unklar ist, ob ein Mitarbeiter (bei einem Zulieferer) eine Zeichnung erhalten hat
- Konfiguration von Varianten problematisch
Begriffsbestimmung Engineering Change Management
- Änderungswesen (Change Management) beschreibt den formalen Prozess, den eine Änderung an Produktdefinitionen und -konfigurationen mit sich bringt.
- Dieser Prozess umfasst den Vorschlag einer Änderung, die Kontrolle und Bewilligung dieser Änderung
- Es kann dabei notwendig sein, dass Änderungsalternativen erarbeitet und bewertet werden.
- Änderungsprozesse sollten kontrolliert durchgeführt werden, da sie u. U. einen erheblichen Einfluss auf den Entwicklungsaufwand (Zeit und Kosten) haben können.
Zielsetzung Engineering Change Management
- Ganzheitlicher Ansatz zur Systematisierung von Änderungsprozessen
- Vermeidung von Inkonsistenz in Datenbeständen
- Kontrolle über Aufwand (Kosten und Zeitbedarf) der Änderungsprozesse
Standardisierte Inhalte des Änderungsprozesses
- Bereich der Änderung
- Funktionale Änderung am Produkt
- Konstruktive Änderung am Produkt
- Ändereung von Engineering Workflows (Bsp. Änderungsprozesse mit virtuellen Prototypen anstelle von realen)
- Änderungen der Fertigungseinrichtungen oder -prozessen
- Art der Änderung
- Innerhalb des Moduls
- Änderung einer Schnittstelle
- Betroffene Inhalte
- CAD-Modelle, Zeichnungsableitungen, Prototypen
- Stücklisten, Kostenkalkulationen, Bestandslisten
- Verweise auf Dokumente zu Richtlinien, Werksnormen..
Standardisierte Prozesse des Änderungswesens
- Einflussfaktoren und Randbedingungen (globale Entwicklungen, Varianten, komplexe Produkte, ...)
- Beteiligte (Rollen und Background: Entwickler, Projektleiter, Manager, ...)
- Ablauf (Schritte und Meilensteine, Überschneidungen mit anderen Prozessen)
- Aufwand für Änderungen (reales Beispiel: 1 Tag "kreativ" konstruieren, 1,5 Tage Pflege der PDM-Inhalte)
- Redundanzen (Aktenordner und PDM)
Verlauf einer Änderung im Änderungsmangement
1. Aufsetzen eines Änderungsantrags (Engineering Change Request, ECR) → Funktionale Verbesserung, Fertigungsrationalisierung, Behebung von Schwachstellen, Mängeln oder Fehlern im Produkt und Dokumenten
2. Prüfung des Antrags durch alle Beteiligten →Ergänzung fehlender Daten und Informationen, Abteilungsfestlegung für Änderungszustimmung
3. Entscheidung: Genehmigung (Engineering Change Order, ECO) oder begründete Ablehnung
4. Sperren alter Version, wenn alle Abteilungen zugestimmt haben
5. Erarbeiten einer neuen Version →Änderungen von Unterlagen, Stammdaten, Stücklisten
6. Ersetzen der alten Version durch die neue
7. Freigabe der neuen Version (Vervielfältigung und Verteilung an Betroffene)
8. Durch die Änderung im PDM-System haben alle wieder eine aktuelle Version
Randbedingungen von Änderungsprozessen
- Standortübergreifende Entwicklung
- Unternehmensübergreifende Entwicklung
- Beteiligung unterschiedlicher Abteilungen
- Beteiligung unterschiedlicher Hierarchiestufen
- Beteiligung unterschiedlicher Kompetenzen
Einflussfaktoren von Änderungsprozessen
- Zeitdruck
- Restlagerbestände in der Fertigung und Montage
- Kosten für Änderungen, nicht verworfene Änderungen und verzögerte Änderungen
Dynamik in Änderungsprozessen
- Vergögerungen durch Verbrauch von Restlagerbeständen
- Simultaneous Engineering erschwert Ändernugsprozesse
- Späte Meldung einer Anforderung
- Einfluss durch Varantenbildung erhöht den Änderungsaufwand
Was ist Siemens PLM - TeamCenter Engineering?
ist eine zertifiierte Lösung zur Abbildung von unternehmensspezifischen Änderungsabläufen
Welche möglichen Änderungstypen können mit Siemens PLM ausgewählt werden?
- Change Request (CR)
- Startet den Änderungsprozess
- Wird an die Nutzer weitergeleitet, die für den Prozess vorgesehen sind
- Change Notice (CN)
- Sobald der Change Request beendet und der Änderungsvorgang autorisiert wurde, wird eine Change Notice erstellt.
- Informiert alle beteiligten Nutzer darüber, dass die Änderung durchgeführt wird
- Work Authorization (WA)
- Vergabe der Autorisation zur Bearbeitung eines Objekts
- Liefert Anweisungen für die Arbeit am jeweiligen Objekt, wobei das Änderungsergebnis in Dokumenten spezifiziert ist.
Welche Aspekte müssen berücksichtigt werden, wenn EC-Prozesse mit IT-Systemen unterstützt werde?
- Welche Personen sind beteiligt und haben diese auch die entsprechenden Rollen (Rechte) im System?
- Ist der EC-Prozess im System hinterlegt? (z.B. als Workflow)
- Woher kommen die Nummern für ECR und ECO? (z.B. Nomenklatur im Unternehmen oder einfache Hochzählung)
- Wie lange dauern die einzelnen Prozessschritte?
- Wie lange dauert es von der Engineering Freigabe bis zum Einsatz der Änderung in der Produktion?