Ausbildung NFS: respiratorische Notfälle

Nach Thieme Retten Notfallsanitäter

Nach Thieme Retten Notfallsanitäter


F. M.
Diese Lernkarten vermitteln medizinisches Grundwissen zu akuten Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder Epiglottitis und deren Notfallmanagement. Im Fokus stehen Symptome, Pathophysiologie und lebensrettende Basismaßnahmen bei respiratorischen Notfällen, inklusive Atemstörungen und deren Ursachen. Besonders relevant ist die Differenzierung zentraler und peripherer Störungen sowie die Bedeutung von SpO2, CO2 und Therapieansätzen. Ideal für Auszubildende im medizinischen Bereich, die Notfallkompetenzen vertiefen möchten.
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Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Apprentissage
Créé / Mis à jour
12.06.2025 / 10.05.2026

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Wie ist die Erkrankung Asthma bronchiale definiert?

***Asthma bronchiale: Definition***

  • Unter Asthma bronchiale versteht man eine chronisch-entzündliche, obstruktive Atemwegserkrankung mit einer bronchialen Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität)
  • Das Asthma bronchiale kennzeichnet sich durch eine anfallsartig auftretende Dyspnoe und / oder einen nicht produktiven Husten
  • Im Gegensatz zur COPD ist die Atemwegsobstruktion reversibel

Welche zwei Formen des Asthma bronchiale werden unterscheiden?

***Asthma bronchiale: Formen***

Man unterscheidet:

  • allergisches (extrinsisches) Asthma
  • nicht allgergisches (intrinsisches) Asthma
  • weitere Formen wie z.B. eosinophile Asthma

Beschreibe die Ätiologie des Asthma bronchiale.

Unterscheide dabei in intrinsisches und extrinsisches Asthma bronchiale.

***Asthma bronchiale: Ätiologie***

- Ätiologie extrinsisches Asthma bronchiale -

  • Allergen vermittelte Hyperreagibilität vor allem bei Kindern und Jugendlichen
  • Häufig in Kombination mit anderen allergischen Erkrankungen wie Dermatitis, allergische Rhinitis, Allergien gegen Tierhaare)
  • Folgende Faktoren können ein extrinissches Asthma verschlimmern:
    • Umweltallergene
    • Hausstaubmilbenkot
    • Tabakrauchexposition
    • Schimmelpilzbefall
    • Feinstaubbelastung (z.B. bei offenem Kaminfeuer)
    • spez. Nahrungs- und Berufsallergene
  • Diese Allergene bewirken die Produktion von IgE-Antikörpern, die nach Bindung an Mastzellen die Ausschüttung von Mediatoren (z.B. Histamin) bewirken
  • Häufig liegt eine genetische Disposition vor (Eltern ebenfalls an Asthma erkrankt)

 

Relevante Faktoren zur Auslösung eines Asthma bronchiale (andere Literatur):

  • Allergenkontakte (inhalativ, per os, perkutan, parenteral)
  • Medikamente: z.B. ASS und andere NSAR (Allergisches Reaktion aber auch Leukotrienüberproduktion durch Hemmung der COX, dann intrinsisch)
  • Atemwegsinfektion v.a. durch Rhinoviren
  • Nahrungsmittel (häufig Eiweiße oder Konservierungsmittel)
  • Insektengifte (z.B. Bienen, Wespen etc.)

 

- Ätiologie intrinsisches Asthma bronchiale -

  • Häufig nach dem 40. Lebensjahr als Folge viraler Atemwegsinfekte
  • Keine IgE vermittelte Reaktion
  • Triggerung der Bronchoobstruktion durch verschiedene Reize wie:
    • Kälte
    • psychische und physische Belastungen
    • Infekte
    • Arzneimittel

Beschreibe die Pathogenese von intrinisischem und extrinsischem Asthma bronchiale

***Astma bronchiale: Pathogenese***

- Pathogenese extrinsisches Asthma -

  • Ursache des allergischen Asthmas ist eine fehlregulierte Immunantwort auf bestimmte Allergene
  • Nach Allergenexposition differenzieren sich B-Lymphozyten zu Plasmazellen und bilden allergenspezifische IgE-Antikörper
  • In der Bronchialschleimhaut vermitteln diese IgE-Antikörper die Degranulation von Mastzellen im Rahmen einer allergischen Sofortreaktion vom Typ 1
  • Dabei werden verschiedene Mediatoren (Histamin, Leukotriene, Prostaglandine) freigesetzt und führen zu akuten Bronchospasmen, Bronchialwandödem und Hypersekretion (Asthma-Trias)
  • Eosinophile Granulozyten setzen gewebsschädigende Substanzen frei

 

- Pathogenese intrinisisches Asthma -

  • Die immunologischen Abläufe ähneln denen des extrinischen Asthmas
  • Der genaue Pathomechanismus ist jedohc ungeklärt
  • Eine reflektorische vagale Reaktion führt zu Bronchokonstriktion, Hypersekretion und Schleimhautödem
  • Virale Infekte werden als Triggerfaktor angenommen (vlt. dadurch Aktivierung des Immunsystems?)

 

Beschreibe jetzt die Pathophysiologie des akuten Asthmaanfalls unabhängig vom Indukationsweg

***Akuter Asthmaanfall: Pathophysiologie***

  • Ausschüttung von Mediatoren aus den Mastzellen lösen die Asthmatrias aus
    • Spasmus der Bronchialmuskulatur
    • Ödem der Bronchialschleimhaut
    • Hyperkrinie (vermehrte Schleimbildung) und Dyskrinie (veränderte Zusammensetzung -> zähflüssiger)
  • Durch die Einengung der Bronchien entsteht ein erschwertes und verlängertes Exspirium (Einatmung leichter weil durch Muskelarbeit, Ausatmen schwerer weil physiologische eher passiv) durch die Kaliberschwankung bei In- und Exspiration
  • Hyperkapnie (mehr CO2 verbleibt in den Alveolen da der Gasaustausch gestört ist (= Ventilationsstörung)
  • Gefahr der CO2 Narkose (Diffusionsdruck für CO2 um vom Blut in die Alveolen zu wandern sinkt, weil in den Alveolen mehr CO2 ist als normal)
  • Hypoxie -> manchen Alveolen werden durch die Asthma Trias schlechter belüftet. Da diese Abschnitte aber weiter durchblutet bleiben wird weniger Blut mit Sauerstoff angereichert 
  • Respiratorische Azidose -> durch vermehrten Anfall von CO2 im Blut
  • Erhöhter Atemwiderstand -> durch Asthma-Trias
  • Aitrtrapping mit Alveolärer Überblähung -> Luf geht rein aber nicht mehr raus wie beim Aufblasen eines Ballons
  • Sympathoadrenerge Reaktion (Stressbedingt):
    • Tachykardie
    • Tachypnoe
    • RR normal bis hyperton

- ACHTUNG: Zeichen eines lebensbedrohlichen Asthmaanfalls (Status Asthmaticus) -

  • Obstruktiver Schock bei akuter Rechtsherzdekompensation (durch erhöhten intrathorakalen Druck)
  • Silent Lung im Vollbild des Airtrapping mit akuter Hypoventilation (und hypersonorer Klopfschall) -> Absolutes ALARMZEICHEN
  • Koma bei CO2-Narkoe und respiratorischer Erschöpfung

 

- ACHTUNG verpätete Reaktion -

  • Eosiniphile werden von den Mediatoren angelockt
  • Dadurch kann es 6-8 Stunden nach einem ersten Anfall erneut zu einem Asthmananfall ggf im Status asthmaticus kommen
  • = weitere Schädigung der Bronchien

Welche Symptome treten bei einem Asthma bronchiale auf?

***Asthma bronchiale: Symptomatik***

  • Das Asthma bronchiale unterscheidet sich von der COPD dadurch, dass die Atemwegsobstruktion und damit auch die Dyspnoe vollständig reversibel ist

Folgende Symptome können in Abhängigkeit von der Schwere auftreten:

  • plötzliche anfallsartige Dyspnoe -> durch Atemwegsobstruktion
  • Orthopnoe -> vermehrte Atemanstrenung durch erschwerte Exspiration
  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur in schweren Fällen mit thorakalen Einziehungen -> vermherte Atemanstregung durch erschwerte Exspiration
  • anfallsartiger trockener Husten ggf. mit klarem Sputum -> zum einen durch die Reizung durch die Entzündung, aber auch reflektorisch bei Obstruktion zum Freimachen der Atemwege, Sputum ist zähflüssig und schwer abhustbar
  • Tachypnoe und Tachykardie -> sympathoadrenerge Reaktion durch Stress
  • thorkales Engegefühl -> Atemwegsobstruktion bzw. erschwerte Atmung
  • Zyanose -> bei schwerer Obstruktion mit Störung der Ventilation in den Alveolen
  • Verschlechterung der Lungenfunktionsparamter (nur SpO2 messbar)
  • Unruhe, Angst, Panik, Todesangst (situationsbedingt, evtl. adrenerg)
  • Schweißausbrüche -> adrenerg und körperliche Anstrengung

Wie wird das Asthma bronchiale anhand der Symptomlast in Schweregrade unterteilt?

***Asthma bronchiale: Schweregrade***

- Leichte Asthmaanfälle -

  • Dyspnoe, aber keine Sprechdyspnoe (Pat. kann in ganzen Sätzen sprechen)
  • Atemfrequenz < 25 / min
  • In seltenen Fällen agitiert
  • SpO2 > 95% unter Raumluft
  • Leichtes Giemen während der Exspiration

 

- Mittelschwere Anfälle -

  • Pat. vermeidet Belastungen
  • leichter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (ggf. sitzende Position)
  • Sprechdyspnoe: kurze Sätze oder Wortgruppen
  • Erhöhte HF aber < 110 / min
  • SaO2 normal (> 95% unter Raumluft)
  • lautes exspiratorisches Giemen
  • Pat. ist in der Lage seine Medikation selbstständig einzunehmen?

 

- schwere Asthmaanfälle -

  • Pat. sitz aufrecht im Kutschersitz
  • schwere Sprechdyspnoe (spricht nur einzelne Wörter)
  • Atemfrequenz > 25 / min
  • Tachykardie mit > 110 bpm
  • SaO2 erniedrigt aber > 92% unter Raumluft
  • Exspiratorisches und inspiratorisches Giemen hörbar

 

- lebensbedrohliche Anfälle -

  • Der Übergang vom schweren zum lebensbedrohlichen Asthmaanfall ist gekennzeichnet durch eine Verschlechterung der Vigilanz
  • SaO2 fällt auf Werte < 92%
  • flache Atmung
  • ggf. paradoxe thoraxabdominelle Atemexkursionen (Schaukelatmung) -> Normalerweise hebt sich der Thorax bei der Einatmung und der Bauch wölbt sich vor, hier ist das entgegengesetzt, Anteichen für respiratorische Erschöpfung z.B. der Atemhilfsmuskulatur
  • Orthopnoe
  • Zyanose
  • Einsatz Atemhilfsmuskulatur
  • Silent Chest

Wie kommt die Schaukelatmung zustande?

Beispiel: Kind mit schwerer Luftnot. Bauchdecke senkt beim Einatmen. Video

***Asthma bronchiale: Schaukelatmung*** VIDEO

  • Die Schaukelatmung ist ein deutliches Anzeichen einer schweren respiratorischen Insuffizienz
  • ❌ Bei Zwerchfelllähmung oder Atemmuskulatur-Erschöpfung:

  • Das Zwerchfell kontrahiert nicht (mehr) aktiv oder ist zu schwach.

  • Die Atemhilfsmuskulatur im Thorax versucht dennoch durch Kontraktion den Brustkorb zu heben → ein Unterdruck entsteht.

  • Dieser Unterdruck überträgt sich auf den Bauchraum, weil das Zwerchfell „durchhängt“ (passiv bleibt).

  • → Die Bauchorgane werden in den Thorax gesogen → der Bauch sinkt ein.

Wann spricht man von einem Status Asthmaticus?

***Asthma bronchiale: Satus Asthmaticus***

  • Beim Status Asthmaticus nimmt die respiratorische Insuffizienz trotz medikamentöser Therapie weiter zu
  • Patienten im Status asthmaticus müssen intensivmedizinisch überwacht werden
  • Es handelt sich um ein akut lebensbedrohliches Krankheitsbild

Welche Komplikationen können bei einem Asthma bronchiale auftreten?

***Asthma bronchiale: Komplikationen***

  • Eine akut lebensbedrohliche Komplikation des Asthma bronchiale ist der Status asthmaticus (nichtansprechen auf Medikamente mit zunehmender respiratorischer Verschlechterung, ACHTUNG intensivmedizinsiche Überwachung erforderlich)
  • Über einen längeren Zeitraum hinweg kann sich bei ausbleibender Behandlung ähnlich wie beid er COPD eine chronische Entzündung entwickeln mit Obstruktion der Atemwege ähnlich einer COPD
  • Daraus kann sich im Verlauf eine COPD, eine pulmonale Hypertonie (PAH durch chronische Druckerhöhung), oder ein Lungenemphysem entwickeln

Wie erfolgt die Diagnosestellung eines Asthma bronchiale?

***Asthma bronchiale: Diagnosestellung***

- Diagnosestellung im beschwerdefreien Intervall -

  • Lungenfunktionsprüfung z.B. obstruktive Funktionsstörung in der Spirometrie
  • ggf. Bronchospasmolysetest: Gabe von Bronchodilatatoren führt zu Besserung der Spirometrieergebnisse
  • ggf. Metacholintest: Inhalationstest mit Metacholin zur Auslösung einer Bronchoobstruktion und zum Nachweis eines hyperreagiblen Bronchialsystems
  • Allergietest können Hinweise auf auslösende Substanzen liefern

 

- Während eines Anfalls -

  • Anamnese
  • klinische Symptomatik
  • Auskultation mit exspiratorischem Pfeifen und Brummen
  • Außerdem verlängerte Ausatmung
  • Typisch für Asthma bronchiale ist die Besserung der Symptome nach Einnahme eines inhalativen Glukokortikoids

 

- Schwerebeurteilung in der Klinik -

  • Mittels BGFA
  • Hyperkapnie -> Erschöpfung der Atemmuskulatur, Anzeichen eines lebensbedrohlichen Asthmaanfalls
  • Ausschließen von DDs mittels Thorax-Röntgen, EKG und Echokardiographie

Welche Differentialdiagnosen müssen bei v.a. Asthma bronchiale in Betracht gezogen werden?

***Asthma bronchiale: Differenzialdiagnosen***

  • Wichtigest Differenzialdiagnose ist die COPD (siehe Tabelle)
  • ggf. Hyperventilation (keine exsp. Giemen)
  • ggf. Fremdkörperasipiration (eher insp. Stridor)
  • Pneumonie
  • Bronchitis
  • Vocal Cord Dysfunktion (plötzliche Verengung der Stimmbänder, insp. Stridor)
  • ggf. Herzinsuffizienz
  • Myokardinfarkt 
  • Lungenödem
  • Lungenembolie

Wie wird das "alltags" Asthma bronchiale therapiert?

***Asthma bronchiale: Therapie***

  • Unterschieden wird zwischen Dauertherapie und Akuttherapie
  • Dauertherapie: Soll Asthmaanfälle vorbeugen (Controller), später Wirkbeginng, lange Wirkdauer,
    • meist Glukokortikoide (Budesonid, Fluticason) evtl. auch orale Glukokortikoide wie Prednisolon
    • langwirksame B2-Sympathomimetika wie z.B. Salmeterol, Formoterol
  • Akuttherpaie: Anfälle begrenzen und reversieren
    • kurzwirksame B2-Sympathimimetika wie Salbutamol, Fenoterol, Tebutalin -> 1-2 Hübe i.h. ggf. Widerholung nach 10 - 15 Minuten
  • Unterstützend:
    • Ruhige Atmung
    • Lippenbremse
  • Einstellung der ärztlichen Behandlung erfolgt anhand der Peak-Flow-Messung daran erkennt der Arzt anhand der Veränderung des Bestwerts die notwendigkeit der Ausweitung der medikamentösen Therapie

Wie ist der akute Asthmaanfall definiert?

***Akuter Asthmaanfall: Definition***

  • Unter einem akuten Asthmanfall versteht man ein anfallsweises Auftreten von Dyspnoe, Husten, exsp. Brummen / Pfeifen / Giemen aufgrund eines Bronchospasmus bei einer Hyperreagibilität des Bronchialsystems. 
  • Die Beschwerden erfodern ein therapeutisches Eingreifen
  • dauerst der Anfall mehr als 12 h an und ist durch Gabe von Bronchodilatatoren nicht zu beeinflussen spricht manvon einem Status Asthmaticus
  • Hierbei kommt es zu einer sich versterkenden respiratorischen Insuffizienz, die lebensbedrohlich werden kann

Wie wird der akute Asthmaanfall präklinisch therapiert?

Unterscheide zwischen Basis- und erweiterten Maßnahmen

***Akuter Asthmaanfall: Therapie***

- Basismaßnahmen -

  • Sicherstellung der Vitalfunktionen nach ABCDE
  • Basismonitoring v.a. AF, SpO2, Recap, RR, Puls, 6-Kanal-EKG,
  • KKT
  • ggf. Notartnachforderung wenn als kritisch eingestuft
  • atemerleichternde Lagerung
    • bewusstseinsklar: sitzend mit aufrechtem Oberkörper, Kutscher oder Torwarthaltung
    • bewusstseinseingetrübt: Flachlagerung unter ständiger Überwachung der Atemwege
  • Atemkpmmandos
    • beim Atmen anleiten 
    • Lippenbremse durchführen lassen
  • Beengende Kleisung öffnen und für Frischluft sorgen
  • Frühzeitige Sauerstoffgabe wenn SpO2 < 92% = Zielwert 92-96%, Bei Schwangeren immer > 95%

 

- Erweiterte Maßnahmen -

  • Wenn möglich Inhalator einsetzen 1-2 Hübe B2, bei schwerem Anfall zudem 1-2 Hübe Anticholinergikum
  • Lässt sich der Anfall dadurch beenden ist keine weitere Medikation nötig. Wiederholung nach 15 Minuten möglich.
  • Inhalative Therapie:
    • 1,25 - 2,5 mg Salbutamol beim Erw. // Kinder 1,25mg
  • Glukokortikoid
    • z.B. Prednisolon 100 mg i.v. oder p.o. bei Erw. und Kindern > 12 Jahre
    • Kinder: 0,5 - 2mg / kg KG max. 20 mg/d oder nach Kompendium 100mg rect. bei Kindern < 12 Jahren
  • Bronchospasmin 0,09 mg langsam i.v. bei Kindern 1,2 µg / kg KG (ACHTUNG kardiale Nebenwirkungen von B2-Sympathomimetika bei i.v.-Gabe häufig)
  • ggf. Theophyllin durch NA (wegen Intoxikation nicht mehr empfohlen)
  • ggf. 2g Magnesiumsulfat i.v. / i.h. zur Dilatation der glatten Bronchialmuskulatur
  • VEL Gabe zur Sekretverdünnung und zur Vorbeugung einer Exsikkose
  • NIV sofern keine Kontraindikation vorliegen
  • bei weiterer Verschlechterung Intubation und Beatmung wenn:
    • SpO2 unter NIV < 92%
    • zunehmende Verwirrtheit oder Koma
    • Hyperkapnie
    • Atemstillstand
  • Die präklinische Notfallnarkose sollte mit Propofol (bronchodilatatorisch durch Hemmung der intrazellulären Calziumfreisetzung) und Ketamin (bronchodilatatorisch durch Freisetzung von Katecholaminen in den Nebennieren)

Wie wird die Erkrankung COPD definiert?

***COPD: Definition***

  • COPD bedeutet im englischen chronic obstructive pulmonary disease
  • Unter dem Begriff COPD werden chronische Lungenerkrankungen zusammengefasst, die durch eine fortschreitende Atemwegsobstruktion gekennzeichnet sind
  • Merkmal dieser Obstruktion ist die Irreversibilität. Sie kann auch unter medikamentöser Therapie mit Glukokortikoiden oder Bronchodilatatoren nicht vollständig behoben werden.

Was sind Ursachen einer COPD?

***COPD: Ätiologie***

  • Die COPD entwickelt sich in den meisten Fällen aus einer chronischen Bronchitis die länger als 2 Jahre besteht und sich klinisch durch Husten und Auswurf kennzeichnet
  • Wichtigster Risikofaktor ist das Rauchen
  • Weitere Ursachen sind
    • Umweltmedingte oder berufsbedingte inhalative Noxen
    • Häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit
    • Lungentuberkulose
    • Genetische Disposition (Alpha1-Antrtrypsin Mangel) 

Beschreibe die Pathophysiologie der COPD

***COPD: Pathophysiologie***

  • Die COPD ist die Folge einer chronisch-obstruktiven Bronchitis
  • Überwiegend wird diese durch schädliche Noxen verursacht, von denen die bedeutsamste der Zigarettenrauch ist
  • Rezidivierende virale Infekte können die Folgen einer chronisch-obstruktiven Bronchitis verschlimmern
  • Der Krankheitsverlauf der COPD wird durch zwei eigenständige Krankheitsprozesse bestimmt: Die obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem

Enstehung der chronischen Bronchitis

  • Kontinuierliche Noxeneinwirkung führt zu chronischer Entzündung insbesondere der kleinen Atemwege mit zunehmender Schädigung des Bronchialepithels
  • Dadurch verliert das Flimmerepithel der Lungen ihre Schutz- und Reinigungsfunktion und wird durch minderwertiges Funktionsgewebe (mehrschichtiges Plattenepithel) ersetzt (mukoziliäre Clearance sinkt)
  • Es kommt zur Proliferation von schleimbildenden Becherzellen -> der Schleim wird zähflüssig und ist schlecht abzuatmen
  • Es zur Hyperplasie der glatten Muskulatur und daurch in Kombination mit der Schleimhautschwellung (Entzündung) zu einer Obstruktion der kleinen Atemwege
  • Durch die Hyperplasie und den bindegewebigen Umbau des Epithels wird die Obstruktion fixiert und wird zunehmend irreversibel

 

- Lungenemphysem -

  • Das Lungenemphysem entsteht unter Einwirkung der Noxen
  • Im Lungeninterstitium und im Alveolarbereich werden vermehrt Neutrophile und Makrophagen aktiviert
  • diese setzen u.a. proteolytische Faktoren frei (Proteasen)
  • Die Schutzfaktoren (Proteaseinhibitoren) werden durch die Noxen inaktiviert
  • Dadurch kommt es zum Abbau der Alveolarsepten
  • Es entstehen große überblähte Hohlräume die durch die Atemwegsobstrutkion bei der Ausatmung chronisch überbläht sind (= Gasaustauschfläche sinkt)

 

- Folgen -

  • Abnahme des Residualvolumens -> durch Abnahme der elastischen Retraktionskraft
  • Zunehmende Obstruktion der kleinen Atemwege -> erhöhte Atemarbeit, zunehmende Erschöpfung der Atemmuskulatur, Hyperkapnie
  • pulmonale Hypertonie -> Verlust von Alveolarsepten führt zum Verlust von Lungenkapillaren (-> Gefäßquerschnitt sinkt, Druck steigt), Vasokonstriktion durch Hypoxie (Euler-Liljestrand-Mechanismus) -> zunahme des Drucks in den Lungenarterien -> Rechtsherzinsuffizienz

Was ist der Euler-Liljestand-Mechanismus

***COPD: Euler-Liljestand-Mechanismus***

  • Eine andere Bezeichnung für den Euler-Liljestand-Mechanismus ist "hypoxische Vasokonstriktion"
  • Normalerweise führt eine Hypoxie im Gewebe zu einer Vasodilatation, in der Lunge ist dieser Prozess umgekehrt
  • Nimmt der alveoläre O2-Partialdruck in der Lunge ab, dann verengen sich die zuführenden Pulmonalarterienäste und der Strömungswiderstand steigt
  • Dadurch wird Blut von Bereichen in denen wenig oder kein Gasaustausch stattfindet in besser belüftete Bereiche umgeleitet

Durch welche drei Trias ist die COPD gekennzeichnet?

***COPD: Trias***

  • Bronchospasmus -> Kontraktion der Bronchialwand durch Hyperplasie der glatten Muskulatur in den Bronchiolen
  • Schleimhautödem -> chronische Entzündung mit Verdickung der Bronchialwand
  • Hypersekretion und Dyskrinie -> vermehrten Bildung eines zähen Sekrets durch Zunahme der Becherzellen

In welche vier Stadien wird die Grunderkrankung COPD unterteilt?

***COPD: Stadieneinteilung***

  • Die COPD wird anhand der Einsekundenkapaitätä (FEV1) bestimmt
  • Die FEV1 beschreibt das Volumen, dass nach maximaler Inspiration in der folgenden Exspiration innerhalb 1 Sekunde maximal abgeatmet werden kann

 

- Einteilung nach GOLD-Stadien -

  • Gold I = leicht FEV1 > 80%
  • Gold II = mittel FEV1 50 - 80%
  • Gold III = schwer FEV1 30 - 50%
  • Gold IV = sehr schwer FEV1 < 30%

Wie äußert sich eine COPD symptomatisch?

***COPD: Symptome***

  • AHA
    • Atemnot
    • Husten mit (v.a. morgens später ganztägig)
    • Auswurf (dünnflüssig bis zäh, meist weißlich)
  • Vor allem unter körperlicher Anstrengung kommt es zur Atemnot (Belastungsdyspnoe)

Welche Komplikationen können im Rahmen einer COPD auftreten?

***COPD: Komplikationen***

Folgende Komplikationen können im Rahmen einer COPD auftreten:

  • Exazerbation (AECOPD)
  • Lungenemphysem
  • pulmonale Kachexie
  • respiratorische Insuffizienz
  • pulmonale Hypertonie (PAH) und Cor pulmonale

 

- Exazerbation (AECOPD) -

  • akute Verschlechterung der COPD bevorzugt im Winter bzw. bei feuchtkalter Witterung
  • oft durch virale oder bakterielle Infekte (z.B. durch Streptococcus pneumoniae, Pseudomonas, Rhino- und Coronaviren) oder erhöhte Feinstaubbelstung
  • Größte Gefahr einer Exazerbation ist die zunehmende respiratorische Insuffizienz mit Cor pulmonale und Rechtsherzversagen (Lebensgefahr)
  • Symtome: zunehmende Atemnot, vermehrter Husten, ansteigende Sputummenge und eitrig verfärbendes Sputum
  • Ursache der Exazerbation ist meist die vermehrte Schleimproduktion, die aufgrund der gestörten mikroziliären Clearance nicht mehr abtransportiert werden kann

 

- Lungenemphysem -

  • Überblähung der Lunge mit Bildung großer Luftspeicher durch proteolytische Zerstörung der Alveolarsepten mit gestörtem Gasaustausch
  • Mehr dazu auf nächster Karte

 

- pulmonale Kachexie -

  • Gewichtsverlust durch vermehrte Atemarbeit und Störung der enteralen Resorption infolge der Rechtsherzschwäche (-> Leberstauung, Aszites)
  • kataboler Metabolismus (Energiezehrend) und Immobilisation führen zu muskulärer Atrophie und Osteoporose

 

- respiratorische Insuffizienz -

  • respiratorische Partialinsuffizienz (Hypoxämie führt zur Polyglobulie = mehr Erys) 
  • kann sich zu respiratorischen Globalinsuffizienz entwickeln (Hypoxämie und Hyperkapnie)
  • Symptome: Kopfschmerzen, Konzentrations- und Vigilanzstörungen

 

- pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale -

  • Pulmonale Hypertonie als Folge der Verteilungsstörung und ihrer Kompensation (Euler-Liljestand-Mechanismus) sowie des Gefäverlustes (v.a. bei Lungenemphysem -> Gefäßquerschnitt sinkt, Druck re. Ventrikel steigt)
  • Rechtsherzinsuffizienz mit peripheren Ödemen, Hepatomegalie, Asziten, Pleuraergüsse, Nykturie

Wie ist bei der Diagnostik einer COPD vorzugehen?

***COPD: Diagnostik***

- Anamnese -

  • Husten: Seit wann?, Wie oft?, Wann?
  • Auswurf: Besteht Auswurf?, Welche Beschaffenheit und welche Farbe hat das Sputum?
  • Atemnot: Wann tritt sie auf? Bereits in Ruhe oder erst bei Belastung?
  • Exazerbation: Wie oft kommt es im Jahr zu Exazerbationen?
  • Rauchgewohnheit: 1 Packung / Tag über 1 Jahr = 1 Pack Year (COPD entsteht bei den meisten nach ca. 20 - 30 Pack Years)

 

- Inspektion -

  • Fassthorax: Aufgrund der Lungenüberblähung nimmt der Brustkorb die Form eines Fasses an mit vergrößerten Zwischenrippenabständen
  • Beinödeme: durch Einflussstauung bei Rechtsherzbelastung
  • exspiratorische  Atemnebengeräusche: verlängerte Exspiration, ggf. Giemen / Pfeifen / Brummen auch ohne Ausatmung
  • Zyanose: Hypoxämie
  • Blue Bloater: Obstruktion überweigt mit Hypoxämie und Hyperkapnie, Zyanose und Übergewicht
  • Pink Puffer: Emphysem, Pat. ist dünn durch vermehrte Atemanstrengung, stark ausgeprägte Dyspnoe und hohe Atemanstrengung mit Einsatz der Atemhilsfmuskulatur. Gasaustausche ist weniger gestört. In Ruhe keine Zyanose

 

- Diagnostik -

  • Mittels Einsekundenkapazität (FEV, forces exspiratory volumen at one second) -> Gold-Klassifikation

Welche Differentialdiagnosen müssen bei v.a. COPD beachtet werden?

***COPD: Differentialdiagnosen***

  • Asthma bronchiale: Asthma tritt eher in jungen Jahren auf und ist vollständig reversibel, Zudem hat Asthma meist kein Auswurf, klinische Unterscheidung mittels Bronchospasmolysetest
  • Linksherzinsuffizienz: Beist keine veränderte Exspiration (Bronchialwändödem kann vorkommen)
  • Tuberkulose
  • Tumor

Wie wird die Grunderkrankung COPD meist behandelt?

***COPD: ärztliche Behandlung***

  • Keine Heilung möglich
  • Rauchabstinenz

- Medikamentöse Therapie -

  • Lang und kurzwirksame Beta2-Sympathomimetike (z.B. Fenoterol oder Salbutatmol) 
  • Lang und kurzwirksame Anticholinergika (z.B. Tiotropiumbromid)
  • ggf. auch inhalative Glukokortikoide 

 

- Unterstützungstherapie -

  • Heimsauerstoff (wenn trotz medikamentöser Therapie keine ausreichende Sauerstoffversorgung erreicht wird)
  • ggf. nächtliche Selbstbeatmung über CPAP

Warum kann eine unachtsame Sauerstofftherapie beim COPD-Patienten gefährlich werden?

***COPD: Achtung Sauerstoff!***

  • Normalerweise wird der Atemantrieb über die pCO2 im Blut reguliert
  • Bei COPD Patienten gewöhnt sich der Körper an den erhöhten pCO2 und der Körper fängt an einen erniedrigten pO2 und pH Wert zur Regulation der Atmung zu nutzen.
  • Eine hochdosierte Sauerstoffgabe mindert jetzt den Atemantrieb. Der pCO2 im Blut steigt dadurch weiter an. 
  • In der Folge kommt es zu Bewusstlosigkeit und Vigilanzminderung mit im Extremfall Apnoe (CO2-Narkose, Atemstillstand)

 

- Wirkung von CO2 auf das Gehirn -

  • Azidose führt zur Störung der neuronale Reizweiterleitung
  • CO2 erhöht den Hirndruck durch lokale Vasodilatation -> erhöhter Blutfluss ins Gehirn
  • Sehr hohe pCO2 Werte im Blut hemmen paradoxerweise das Atemzentrum -> ATEMSTILLSTAND!!!

Wie ist die Exazerbation der COPD definiert?

***AECOPD: Definition***

  • Unter Exazerbation der COPD versteht man eine plötzliche Verschlechterung der Erkrankung mit starker Zunahme der Atemnot über mindestens 2 Tage

Welche Bedeutung hat die AECOPD für den Rettungsdienst?

***AECOPD: Bedeutung für den Rettungsdienst***

  • Die AECOPD hat einen großen Anteil an den respiratorischen Notfällen
  • Vor allem in den Wintermonaten steigen die Alarmierung aufgrund der AECOPD an (häufiger virale Infekte, kalte trockene Luft, weniger Bewegung)
  • Es werden vier Schweregrade der Akuten Exazerbation unterscheiden. Im Rettungsdienst sind wir am häufigsten mit den Stadien Schwer und sehr schwer konfrontiert

 

- COPD als Alarmierungsgrund -

  • COPD-Patienten kennen sich in der Regel gut mit ihrer Erkrankung aus und wissen, wie sie sich in Notfallsituationen verhalten müssen.
  • Atemnot ist für den COPD-Patienten teil des täglichen Lebens
  • Daher ist der Notruf eines COPD-Patienten immer sehr ernst zunehmen

Was sind auslösende Faktoren der AECOPD?

***AECOPD: auslösende Faktoren***

  • Ca. 50% der Exazerbationen werden durch bakterielle Atemwegsinfekte ausgelöst. Häufig durch Vermehrung von ohnehin im Respirationstrakt beheimateten Bakterien
  • Virale Infekte durch z.B. Rhino- oder Coronaviren bilden die zweithäufigste Ursache
  • Als Mitauslöser gelten:
    • feuchte Witterung
    • Kälte
    • Umweltbelastungen wie z.B. Smog (Umweltnoxen)
    • Einnahme von Medikamenten mit Bronchokonstriktorischer Wirkung (z.B. Betablocker, oder COX-Hemmer)

Wie äußert sich eine AECOPD symptomatisch?

***AECOPD: Symptome***

  • Unruhig und ängstlicher Patient
  • Im Verhältnis zum bisherigen Zustand stark verstärkte Atemnot
  • Tachypnoe (> 20 / min)
  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (Sauerstoffbedarf steigt! Der Bedarf der Atemhilfsmuskulatur kann nicht gedeckt werden -> lebensbedrohliche Atemerschöpfung!!!)
  • Deutlich ggf. ohne Auskultation hörbares Giemen und Brummen
  • deutlich verlängertes Exspirium
  • ggf. Zyanose (Hypoxie)
  • Hyperkapnie
  • Fieber (bakterielle Entzündung = Pyrogene)
  • Gelbrünes Sputum (bakterielle Entzündung und Immunreaktion)

 

- Alarmzeichen -

  • Silent Lung
  • Bradykardie (durch Hypoxie) und Hypotonie
  • Kreislaufinsuffizienz mit Obstuktivem Schock (Druckzunahme im Thorax, venöser Rückstrom zum Herzen nimmt ab)
  • Bewusstseinsstörung (durch Hpoxie, Hyperkapnie = drohende CO2 Narkose
  • Auftreten eines Spannungspneumothorx
    • Fehlende Atemgeräusche auf der betroffenen Seite
    • Obere Einflussstauung mit gestauten Halsvenen
    • Akute Vigilanzminderung
    • Fehlender Radialispuls durch obstruktiven Schock

Welche Differentialdiagnosen müssen bei der AECOPD bedacht werden?

***AECOPD: Differentialdiagnosen***

  • Asthma bronchiale (Anamnese: COPD meist mittleres Lebenaslter, Asthma häufig seit Jugend bekannt)
  • Myokardinfarkt und ACS (Leitsymptom Thoraxschmerz)
  • dekompensierte Herzinsuffizienz (Leitsymptom Belastungsdyspnoe, idR andere Atemgeräusche)
  • LAE (Schwierig idR keine pathologischen Atemgeräusche)
  • Pneumothorax (andere Atemgeräusche)

Wie erfolgt die präklinische Therapie einer AECOPD?

***AECOPD: Therapie***

- Basismaßnahmen -

  •  Vitalzeichen nach ABCDE
  • Basismonitoring (Achtung silent Lung, Achtung geht eine Tachykardie in eine Bradykardie über ist das ein Alarmzeichen für eine Hypoxämie und der Patient ist in maximal bedroht)
  • Lagerung
    • atemerleichternde Lagerung: Torwart, Kutscher,
    • Pat. bewusstseinsgetrübt: Oberkörper 30° erhöht
    • Pat. bewusstlos: Flachlagerung und Überwachung der Atemwege
  • Lippenbremse
  • i.v.-Zugang und Medikation vorbereiten
  • angepasst Sauerstoffgabe
    • SpO2 > 88% = keine O2 Gabe
    • SpO2 < 88% = vorsichtige angepasste Sauerstoffgabe (Patienten kennen ihre normale Sättigungswerte)
    • Zielwert erreicht = Sauerstoffgabe drosseln
    • Fällt die AF < 10 sollte die Sauerstoffgabe unterbrochen werden
    • Kritische Patienten bekommen trotzdem hochdosiert Sauerstoff
  • Pat. beruhigen und betreuen -> Stressreduktion = Reduktion des Sauerstoffbedarfs
  • Bei bedrohlichen Zuständen NA nachfordern

 

- Erweiterte Maßnahmen -

  • B2-Sympathomimetikum z.B. Salbutamol 1-2 Hübe oder 1,25 - 2,5 mg i.h.
  • Anticholinergikum z.B. Ipratropiumpromid 1-2 Hübe oder 0,5 mg i.n.
  • Glukokortikoide z.B. 100 mg Prednisolon i.v.
  • Maßnahmen NA
    • intravenösen B2-Sympathomimetikums (z.B.  0,09 mg Reproterol)
    • Theophyllin (nicht mehr empfohlen)
    • NIV-Therapie
    • Intubation und Beatmung

 

- NIV-Therapie -

  • Indikationen
    • steigende AF aufgrund zunehmender resp. Erschöpfung
    • paradoxe Atmung
    • insp. interkostale  Einziehungen (Erschöpfung)
    • Abnehmende Vigilanz aufgrund einer beginnenden CO2 -Narkose
    • Anzeichen einer kardialen Dekompensation (Bradykardie, RR-Abfall)
  • Werte:
    • Modus: CPAP + ASB
    • PS: 5 mbar
    • PEEP: 3-5 mbar
    • FiO2 = 0,4 - 1,0
  • Abbruchkriterien und Intubation wenn
    • keine Besserung der Hypoxämie mit SpO2 < 85%
    • unlösbare Maskenprobleme
    • mangelende Patientencompliance
    • Vigilanzminderung, Bewusstseinseintrübung
    • steigernde Asiprationsgefahr
    • beginnende hämodynamisch Instabilität
  • Intubation und Beatmun im Optimalfall mit Propofol und Ketamin (bronchodilatatorische Eigenschaften)

Nennen die Definition der Begriffe Aspiration und Bolusgeschehen

***Aspiration: Definition***

  • Unter Aspiration versteht man das Eindringen von Feststoffen oder Flüssigkeiten in die unteren Atemwege durch ein versehentliches Einatmen oder "Sich-verschlucken".
  • Ist infolgedessen ein großer Teil oder der gesamte Querschnitt der Atemwege verlegt spricht man von einer Bolusgeschehen.

Welche Bedeutung hat die Aspiration für den Rettungsdienst?

***Aspiration: Bedeutung im Rettungsdienst***

  • Insbesondere bei Kleinkindern wird eine Aspiration schnell lebensbedrohlich, da der Durchmesser der kindlichen Atemwege noch gering ist und schon kleinere Fremdkörper zu einer vollständigen Verlegung führen können.
  • Am häufigsten sind Kinder zwischen 6 Monaten und 4 Jahren betroffen.
  • Die Aspiration bei Kinder findet häufig unbeobachtet statt, sodass die Verdachtsdiagnose nicht sofort gestellt werden kann

Erkläre die Pathophysiologie der Aspiration

***Aspiration: Pathophysiologie***

  • Ein Eindringen von Feststoffen oder Flüssigkeiten in die unteren Atem (unterhalb der Stimmritzen) löst den Hustenreflex aus
  • Im Optimalfall wird das eingedrungene Material mit dem Luftstrom wieder nach außen befördert
  • Gelingt dies nicht, tritt eine mehr oder weniger ausgeprägte Atemnot auf
  • Vor allem bei Kindern gelangt das aspirierte Material häufig bis tief in den Bronchialbaum
  • In den meisten Fällen aufgrund der anatomischen Gegebenheiten gelangt das Material meist in den rechtsn Hauptbronchus (steilerer Verlauf)

 

- Bolusverlegung -

  • Bei einer Bolusverlegung kann es zu einer Reizung des im Mediastinum verlaufenden N. vagus kommen.
  • Da dieser die Brustorgane parasympathisch innerviert kann eine Reizung zu einem reflektorischen Kreislaufversagen führen

Was sind die Ursachen für eine Aspiration?

***Aspiration: Ursachen***

- Kinder und Kleinkinder -

  • Fremdkörperasupiration kommen häufig bei Kleinkindern vor, die sich aus Neugier kleine Gegenstände in den Mund stecken und sich daran verschlucken
  • Auch Kernobst stellt eine Gefahr dar
  • Säuglinge können Aufstoßen oder Erbrechen und dann v.a. in Rückenlage aspirieren

 

- Erwachsene -

  • Fremdkörperaspirationen bei Erwachsenen sind selten
  • Gefährdet sind alkoholisierte und verwirrte Menschen, Patienten mit Schluckstörungen und Menschen mit geistiger Behinderung
  • Meist handelt es sich bei den Fremdkörpern um nicht ausreichen zerkaute Nahrung, Knochenanteile, oder Tabletten

 

- Aspiration bei Bewusstlosigkeit -

  • Generell für eine Aspiration gefährdet sind Bewusstlose jeglichen Alters
  • Die Aspirationsgefahr steigt rapide, wenn diese Patienten erbrechen, da bei Bewusstlosigkeit die Schutzreflexe (Schluckreflex, Hustenreflex) vermindert sin
  • Die SSL wirkt einer solchen Aspiration entgegen.

Wie äußert sich eine Aspiration symptomatisch?

***Aspiration: Symptome***

  • typisch ist eine plötzliche, heftige Hustenattacke
  • Dyspnoe
  • Würgen (Vagusreflex?)
    ggf. Unruhe bis Todesangst durch hochgradige Dyspnoe
  • Je nach Art des Fremdkörpers und Art der Verlegung können folgende Atemgeräusche auftreten:
    • insp. Stridor: vor allem bei Verlegungen im Bereich von Kehlkopf oder Trachea
    • ggf. auch ein brodelndes Atemgeräusch (bei Flüssigkeiten)
    • Die Atemgeräusche im Betroffenen Lungenabschnitt sind häufig abgeschwächt oder fehlen ganz
  • Bei ggr. Dyspnoe und problemlosen Sprechen kann die Verlegung als geringgradig eingestuft werden (ACHTUNG: Durch eine Verlagerung des aspirierten Materials kann jedezeit eine höhere Atemwegsobstruktion entstehen)
  • Typisch ist der zweizeitige Verlauf mit beginnender starker Hustenakttacke und schwerer Dyspnoe und nachfolgend durch Abhusten des Fremdkörpers einer Besserung der Symptome

 

- Bolusverlegung -

  • Eine Bolusverlegung kann aufgrund der mit ihr einhergehenden hochgradigen Dyspnoe zu einer hypoxiebedingten Bewusstlosigkeit führen
  • Auch ein Kreislaufversagen ist möglich (z.B. durch Vagusreizung = Bolustod)
  • Als Zeichen einer kompletten Verlegung ist das Auftreten einer paradoxen Atmung zu werten

Welche Differentialdiagnosen müssen bei der Aspiration berücksichtigt werden?

***Aspiration: Differenzialdiagnosen***

Kinder

  • Asthma bronchiale -> eher exsp. Stridor (Giemen, Brummen), ggf. schon bekannt
  • akute Epiglottitis -> Fieber, schleichender Beginn
  • Pseudokrupp -> schleichender Beginn mit schon länger bestehendem bellenden Husten, häufig Heiserkeit

 

Erwachsene

  • akute obstruktive Bronchitis -> eher exsp. ANG
  • Asthma bronchiale -> eher exsp. ANG

Welche Basismaßnahmen müssen bei einem Patienten mit Aspiration/Bolusgeschehen ergriffen werden?

***Aspiration & Bolusgeschehen: Basismaßnahmen***

  • Sicherstellung der Vitalfunktionen nach ABCDE
  • ggf. Versuch der Fremdkörperbeseitigung wenn Atmung massiv beeinträchtigt
  • frühzeigie Sauerstoffgabe
    • adaptierte O2 Gabe mit Zielwert 92 - 96%
    • Initial bei < 85% SpO2 > 5 l über Maske
  • Basismonitoring (Achtung geht eine Tachykardie in eine Bradykardie über ist das ein deutliches Alarmzeichen für eine Hypoxie
  • Lagerung: bei schwerer Verlegung durch Maßnahmen zur Fremdkörperentfernung nicht möglich
  • Patienten beruhigen und betreuen
  • i.v.-Zugang legen und Medikamente vorbereiten

 

- Entfernung sichbarer Fremdkörper -

  • Ausräumen des Mundraums / Wichtig: Dabei mit einem Finger von außen die Wange des Patienten nach innen drücken zum Eigenschutz vor Bissverletzungen
  • ACHTUNG: Mundraum nur unter Sicht ausräumen. Bei blindem "Stochern" besteht die Gefahr den Fremkörper weiter nach caudal zu verschieben
  • ggf. Einsatz von Laryngoskop und Magillzange nach SAA

 

- Fremdkörperbeseitigung Erw. -

  • 1.  Patienten zum Weiterhusten auffordern. Wenn ineffektiv:
  • 2. Pat. soll Oberkörper nach vorne beugen. Anschließend 5 Schläge zwischen die Schulterblätter
  • 3. Heimlich-Handgriff -> Nicht bei Schwangeren, Adipösen und Kindern im Säuglingsalter dann lieber Thoraxkompressionen

 

- Fremdkörperbeseitigung Kind -

  • Nur wenn Atmung lebensgefährlich beeinträchtigt (z.B. bei Zyanose oder hochgradiger Dyspnoe, sonst Gefahr der Fremdkörperlösung mit tieferrutschen und gefährlicher Verlegung)
  • Kind in Bauchlage bringen (Gesicht nach unten)
  • 5 Schläge zwischen die Schulterblätter mit flacher Hand
  • Wenn Säugling
    • 1. Kind in rückenlage bringen (Gesicht nach oben, Kopftieflage)
    • Anschließend 5 Thoraxkompressionen
    • Mund-Rachenraum überprüfen ggf. Fremdkörper entfernen
    • ggf. Wiederholen
  • Wenn Kind > 1 Jahr
    • Heimlich Handgriff durchführen
    • Mund-Rachenraum überprüfen ggf. Fremdkörper entfernen
    • Achtung: Bei Kindern < 1 Jahr darf der Heimlich-Handgriff aufgrund einer Schädigung der Organe nicht angwendet werden

Étudier