SCHOCK

IPS und Notfall

IPS und Notfall


R. P.
Diese Lernkarten vermitteln fundiertes Wissen zu Schockformen, deren Ursachen, klinischen Zeichen und Therapieansätzen, wobei der Fokus auf Diagnostik, Überwachung und pflegerischen Schwerpunkten liegt. Dabei werden Symptome wie Unruhe, Durchblutungsstörungen und Organfunktionsstörungen ebenso behandelt wie spezifische Maßnahmen bei septischem, kardiogenem oder hypovolämem Schock. Ideal für medizinisches Fachpersonal, das seine Kenntnisse zu Notfallmanagement und kritischen Patientenzuständen vertiefen möchte.
Flashcards
71
Students
3
Language
German
Category
Medical
Level
Other
Created / Updated
13.05.2025 / 15.07.2026

Flashcards

Schock - Definition

Der Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch eine unzureichende

Gewebeperfusion und damit eine mangelnde Sauerstoffversorgung der Organe

gekennzeichnet ist.

Unbehandelt führt dies zum Tod.

 

Schock - Formen

  • Hypovolämer
  • Kardiogener
  • Septischer
  • Anaphylaktischer
  • Neurogener

Obstruktiver Schock (Einengung)

Obstruktiv

  • Spannungspneumothorax
  • Lungenembolie
  • Perikard-Tamponade
  • Cor Pulmonale
  • Perikarditis constrictiva
  • HOCM

Einengung oder Verschluss der grösseren Blutgefässe → ↓ Cardiac Output gestört

oder unterbrochen → Hypoperfusion der Organe

Zusatz Untersuchung

  • P atriale / pulmonale, RSB

RUSH Protokoll 

  • VCI dilatiert, RV dilatiert
  • D-Shape
  • Perikarderguss +/- Tamponadezeichen
  • normal fehlendes Pleuragleiten
  • Konsolidationen
  • Thrombose (TVT)

Kardiogener Schock (Pumpenversagen)

Kardiogen:

‒ Myokardinfarkt → häufigste Ursache!

‒ Herzinsuffizienz (dekompensierte Herzschwäche)

‒ Rhythmusstörungen (Bradykardie/Tachykardie)

‒ Herzklappenfehler (z. B. Aortenstenose, Mitralklappeninsuffizienz)

‒ Myokarditis, Endokarditis (via Klappeninsuffizienz)

Herz kann nicht genug Blut pumpen → ↓ Cardiac Output → Hypoperfusion der

Organe

Zusatzuntersuchungen

  • STEMI, Arrhytmie 
  • Kokain
  • Diabetes

RUSH - Protokoll 

  • LV dilatiert 
  • EF normal
  • schweres Klappenvitium
  • Pleuraergüsse
  • B-Lines
  • Aszites

Hypovolämer Schock (Volumen-Mangel)

Hypovoläm

‒ Blutverlust (hämorrhagisch)

– Trauma, innere Blutungen (z. B. Magen-Darm-Blutung, Aortenaneurysma)

‒ Plasmaverlust (Kapillarleck-Syndrom)

– Verbrennungen, Pankreatitis, Sepsis

‒ Flüssigkeitsverlust (nicht-hämorrhagisch)

– Starkes Erbrechen, Durchfall

– Polyurie (z. B. bei Diabetes insipidus)

– Schwitzen, fehlende Flüssigkeitszufuhr

Vermindertes zirkulierendes Blutvolumen → ↓ venöser Rückfluss →

↓ Schlagvolumen/Cardiac Output → Hypotonie

 

Zusatzuntersuchungen

  • Diabetes

RUSH - Protokoll

  • VCI kollabiert
  • LVEF normal (oder hyperdynam)
  • B -Line
  • Pleuraergüsse
  • Aszites (3te Raum)
  • Trauma: eFAst

 

Distributiv Schock

Distributiv

  • Sepsis
  • SIRS
  • Anphylaxie
  • Neurogen
  • Toxisch - medikamentös
  • Endokrin

Zusatzuntersuchungen

  • Tachhy- Arrhytmie
  • Cortisol
  • TSH

RUSH - Protokoll

  • VCI kollabiert
  • LVEF normal (oder hyperdynam)
  • Infektionsherd suchen

SIRS-Kriterien

  • T>38oder<36°C

  • HF>90/min

  • AF>20/minoderpaCO2<4.4kPa

  • Lc>12oder<4oder>10%Stabkernige

  • EbensospezifischeInfektionszeichenzurLokalisationundErregersuche(Ausschlag,Dysurie,

    Lungenkonsolidationen, Peritonitis, etc

Hypovolämer Schock Definition 

Unzureichende Durchblutung vitaler Organe mit konsekutivem Missverhältnis von Sauerstoffangebot und Verbrauch infolge intravasalen Volumenmangels mit kritisch verminderter kardialer Vorlast.

• Blutverlust
• Plasmaverlust
• Wasserverlust
• Umgang mit Massentransfusionen
• Abdominales Kompartmentsyndrom

Klinisches Bild

  • Tachykardie

  • Hypotonie mit flachem, fadenförmigen Puls

  • blasse, kalte Haut, Marmorierung, Kaltschweißigkeit

  • periphere Zyanose

  • Angst/Unruhe

  • Tachypnoe

  • Hyperventilation

  • Bewusstseinsstörungen

  • erniedrigte Vorlastparameter: erniedrigte Werte für ZVD, PCWP, intrathorakales Blutvolumen oder eine

    erhöhte Schlagvolumenvariation

  • metabolische Azidose

  • Oligo-/Anurie

Laktat Hypoxisxh / Nicht-hypoxisch

Hypoxisch 

  • Schockzustände (kardiogen, hypovoläm, septisch)
  • Hypoxie (z. B. Ateminsuffizienz)
  • Anämie
  • Herzstillstand/Reanimation

Nicht-hypoxisch:

  • Leberinsuffizienz (gestörter Abbau)
  • Medikamente/Toxine (z. B. Metformin, Cyanid)
  • Krampfanfälle
  • Maligne Erkrankungen
  • Intensive körperliche Anstrengung (vorübergehend)

Septischer Schock (Infektionsbedingter Schock)

‒ Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten

‒ Sepsis

‒ Katheterinfektionen

‒ Wundinfektionen

‒ Peritonitis

Freisetzung von Zytokinen & Endotoxinen → Vasodilatation und Kapillarleck → Relativer

Volumenmangel → Hypotonie

Anaphylaktischer Schock (Allergischer Schock)

‒ Medikamente (z. B. Penicillin, Kontrastmittel, Narkotika)

‒ Insektenstiche (z. B. Bienen, Wespen)

‒ Nahrungsmittelallergien (z. B. Nüsse, Meeresfrüchte)

‒ Latex, Tierhaare, Pollen

Massenhafte Histaminfreisetzung → Vasodilatation & Kapillarleck → Hypotonie

Bronchospasmus → Dyspnoe

Neurogener Schock (neurogene Dysregulation)

‒ Rückenmarksverletzungen (z. B. Querschnittslähmung)

‒ Schweres Schädel-Hirn-Trauma

‒ Spinalanästhesie, Epiduralanästhesie (Hemmt Sympathikus)

‒ Reflexvermittelte Vasodilatation (z. B. durch starke Schmerzen)

Sympathikus fällt aus → Vasodilatation ohne Kompensation durch Tachykardie →

Hypotonie

Herzzeitvolumen

Das Herzzeitvolumen hängt also von zwei Hauptfaktoren ab: Schlagvolumen (SV) und

Herzfrequenz (HF). Diese werden wiederum durch mehrere physiologische Mechanismen

beeinflusst.

Schlagvolumen = Blutmenge pro Herzschlag: abhängig von

Preload, Afterload und Inotropie

Herzfrequenz = Sympathikus- bzw. Parasympathikus-Aktivierung

 

Die drei Hauptfaktoren des Sauerstoffangebots

- Sauerstoffgehalt des Blutes (DO₂)

Abhängig von Hb, SaO₂, PaO₂ Anämie, Hypoxie,

Lungenerkrankungen

- Herzzeitvolumen (CO)

Bestimmt den O₂-Transport Herzinsuffizienz,

Kreislaufschock

- Gewebeperfusion

Regionale Durchblutung wichtig für O₂- Abgabe

Schock, Vasokonstriktion

Komplikationen

- Enzephalopathie / Neuropathie

- ARDS

- Kardiomyopathie

- Akutes Nierenversagen

- Leberversagen

- Darmischämie

= Multiorganversagen

Lunge Komplikationen

AMV 

pCo2 Lungenperfusion

Totraumventilation

ARDS

Strukturelle Lungenveränderungen

Oxygenationsstörungen

Herz Komplikationen

Kardiomyopathie 

Rhythmusstörungen 

Pumpversagen

Nieren Komplikationen

Kontraktion Nierengefässe

Nierenperfusion

Oligurie, Anurie

Urämie

Hyperkaliämie

Darm Komplikationen

Schleimhautnekrosen

Bakterielle Translokation 

Sepsis

Gefässe Komplikationen

Blutverlust 

Aggregation EC / TC

Verbrauch der Gerinnungsfaktoren

Mikrozirkulationsstörungen

Blutungsneigung

DIC

Kompensationsmechanismen

Der Körper versucht, den Schock auszugleichen, indem er verschiedene

kompensatorische Mechanismen aktiviert, um die Gewebeperfusion und den Blutdruck

aufrechtzuerhalten.

Diese Mechanismen werden primär durch das autonome Nervensystem, das

Hormonsystem und die Mikrozirkulation gesteuert.

Kompensation - Sympathikus

Sympathikus Aktivierung --> Freisetzung von Adrenalin / Noradrenalin --> HF, Inotropie, Vasokonstriktion

Zentralisation --> Perfusion Herz und Gehirn --> Perfusion Nieren Darm und Haut

 

Kompensation – RAAS System

Renin aktiviert Angiotensin II --> Vasokonstriktion Erhöhung --> Durstgefühl

Freisetzung von Aldosteron --> Natrium- und Wasserretention --> Blutvolumen steigt

Kompensation – ADH Freisetzung

Hypothalamus --> Freisetzung von ADH --> Verstärkte Wasserrückresorption

Vasopressin --> bewirkt zusätzliche Vasokonstriktion

 

Kompensation – O2-Aufnahme

Stimulation des Atemzentrums --> Tachypnoe --> Verbesserung der O2 Aufnahme

Kompensation – Mikrozirkulation

Kapillaren verengen sich --> Hält den Blutdruck stabil

Gemeinsamen Symptome aller Schockarten

‒ Hypotonie (systolischer Blutdruck <90 mmHg)

‒ Tachykardie (Herzfrequenz >100/min) Cave: bradykarde Rhythmusstörungen

‒ Tachypnoe (Atemfrequenz ↑)

‒ Oligurie/Anurie (Harnproduktion ↓)

‒ Bewusstseinsstörungen (Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz)

Klinik bei allen Schockformen

Atemfrequenz --> AF über 20/min muss als Warnzeichen für einen potentiell gefährdeten Patienten erkannt werden. Die SpO2-Sättigung spiegelt nicht die Ventilation des Patienten wieder und kann die Atemfrequenz nicht ersetzen!

Hautkolorit --> Der Mottling Score ist ein klinischer Score zur Beurteilung der Mikrozirkulation bei kritisch kranken Patienten, insbesondere bei septischem und kardiogenem Schock. Er beschreibt das Ausmass der «fleckigen» Hautverfärbung aufgrund von Minderdurchblutung.

Rekap-Zeit --> Die Rekap-Zeit ist ein einfacher klinischer Test zur Beurteilung der peripheren Durchblutung und hilft bei der Einschätzung eines möglichen Schocks.

Normwert: < 2 Sekunden → normale Durchblutung

Management bei allen Schockformen

Ziel: Organperfusion verbessern und somit die Gewebeoxygenation sichern! Diese

Massnahmen sind unabhängig von der Schockform wichtig (ABCDE-Schema):

- Airway --> Atemwege sichern Sicherung der Atemwege (ggf. Intubation), Sauerstoff-Gabe

- Breathing --> Beatmung sichern falls nötig mechanische Beatmung

- Circulation --> Kreislauf sichern Volumengabe, Katecholamine, Blutersatz

- Disability --> Bewusstseinsstatus GCS, RASS, Blutzuckerkontrolle

- Exposure --> Ursache identifzieren an Wärmeerhalt denken

Management bei allen Schockformen

- Sicherung der Atmung: frühzeitige Intubation, Beatmung

- Venöse Zugang legen, ZVK , großzügige Flüssigkeitszufuhr (Ausnahme kardiogener Schock)

- Kontinuierliche Pulsoxymetrie und BD Messung

- Vasoaktivatherapie ( angepasst an klinik und Gewebeoxygenation)

- Korrektur von Elektrolytenstörungen und metabolische Azidose

Therapie hypovolämer Schock

- Volumengabe: Kristalloide (z. B. Ringerlactat) 1. Wahl bei Bedarf Ergänzung mit Kolloide (z.B. Albumin)

- Blutungsquelle stoppen --> Druckverband, OP, Endoskopie

- Bluttransfusion

- ggf. Vasoaktiva

Therapie kardiogener Schock

- Kausaltherapie

Myokard-Infarkt → PCI/Stent, Lyse-Therapie

Herzinsuffizienz → Diuretika, Vasodilatatoren

Herztamponade → Entlastung

Lungenembolie → Lyse, evtl. Interventionell

- Medikamente

Vasoaktiva, Inotropika, Antiarrhythmika

- Volumen vorsichtig!

- Mechanische Unterstützung

z.B. IABP (intraaortale Ballonpumpe), pLVAD (Impella), vaECMO

Therapie septischer Schock

- Antibiotika Therapie

in Abhängigkeit Fokus, Immunkompetenz des Patienten (nosokomial /community acquired)

→ in der Regel zu Beginn Breitspektrum (z.B. Piperacillin/Tazobactam)

- Volumengabe

Kristalloide

- Vasoaktiva

Noradrenalin

- Kortikosteroide

wenn therapierefraktärere Hypotonie

- Sanierung des Infektionsherdes

Therapie anaphylaktischer Schock

- Adrenalin erste Wahl

- Volumengabe Kristalloide (z. B. Ringerlaktat)

- Antihistaminika H1-Blocker / H2-Blocker

- Kortikosteroide zur Reduktion der Spätreaktion

- Beta-2-Mimetika z.B. Salbutamol bei Bronchospasmus

Therapie neurogener Schock

- Volumengabe Kristalloide als erste Wahl

Vasoaktiva Noradrenalin

- Atropin bei Bradykardie (ggf. Adrenalin)

- Stabilisierung der Wirbelsäule bei Trauma

Pflegerische Schwerpunkte Haut 

Erhöhte Dekubitusgefahr aufgrund verminderter Perfusion und Vasoaktiva-Therapie

- Regelmässige Umpositionierung

- Nässe-Schutz / Dermatitis-Prophylaxe

- Einschnürungen vermeiden (Verbände / Strümpfe)

- Ödemprophylaxe

- Ernährungszustand und Hydratation

Pflegerische Schwerpunkte Atmung / Beatmung

- Analgesiesteuerung (VAS/BPS)

- Sedationsziel festlegen (RASS)

- Sekretolyse

- Lagerung

- sobald möglich Mobilisation

- Basale Stimulation®

Pflegerische Schwerpunkte Unruhe / Angst

Unruhe / Angst aufgrund verminderter Hirnperfusion = erhöhtes Delir-Risiko

- Basale Stimulation®

- ggf. Anxiolytika

- Orientierung fördern (Umgebung/Körperwahrnehmung/Tag-Nacht-Rhythmus)

- Delirprophylaxe / Therapie (Big Seven)

Pflegerische Schwerpunkte

Volumen- bzw. Vasoaktiva-Therapie

- Volumentherapie

- Bilanzierung

- Sicherer Umgang mit Vasoaktiva

- Ggf. erweitertes hämodynamisches Monitoring (z.B. Pulmonalis-Katheter, PICCO)

Pflegerische Schwerpunkte Lagerung / Positionierung

- Trendelenburglagerung → als Notfallmassnahme

- Lagerung nicht nur zur Dekubitusprophylaxe → Perfusion und Ventilation der Lungen

Study