SCHOCK
IPS und Notfall
IPS und Notfall
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Flashcards
Schock - Definition
Der Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch eine unzureichende
Gewebeperfusion und damit eine mangelnde Sauerstoffversorgung der Organe
gekennzeichnet ist.
Unbehandelt führt dies zum Tod.
Schock - Formen
- Hypovolämer
- Kardiogener
- Septischer
- Anaphylaktischer
- Neurogener
Obstruktiver Schock (Einengung)
Obstruktiv
- Spannungspneumothorax
- Lungenembolie
- Perikard-Tamponade
- Cor Pulmonale
- Perikarditis constrictiva
- HOCM
Einengung oder Verschluss der grösseren Blutgefässe → ↓ Cardiac Output gestört
oder unterbrochen → Hypoperfusion der Organe
Zusatz Untersuchung
- P atriale / pulmonale, RSB
RUSH Protokoll
- VCI dilatiert, RV dilatiert
- D-Shape
- Perikarderguss +/- Tamponadezeichen
- normal fehlendes Pleuragleiten
- Konsolidationen
- Thrombose (TVT)
Kardiogener Schock (Pumpenversagen)
Kardiogen:
‒ Myokardinfarkt → häufigste Ursache!
‒ Herzinsuffizienz (dekompensierte Herzschwäche)
‒ Rhythmusstörungen (Bradykardie/Tachykardie)
‒ Herzklappenfehler (z. B. Aortenstenose, Mitralklappeninsuffizienz)
‒ Myokarditis, Endokarditis (via Klappeninsuffizienz)
Herz kann nicht genug Blut pumpen → ↓ Cardiac Output → Hypoperfusion der
Organe
Zusatzuntersuchungen
- STEMI, Arrhytmie
- Kokain
- Diabetes
RUSH - Protokoll
- LV dilatiert
- EF normal
- schweres Klappenvitium
- Pleuraergüsse
- B-Lines
- Aszites
Hypovolämer Schock (Volumen-Mangel)
Hypovoläm
‒ Blutverlust (hämorrhagisch)
– Trauma, innere Blutungen (z. B. Magen-Darm-Blutung, Aortenaneurysma)
‒ Plasmaverlust (Kapillarleck-Syndrom)
– Verbrennungen, Pankreatitis, Sepsis
‒ Flüssigkeitsverlust (nicht-hämorrhagisch)
– Starkes Erbrechen, Durchfall
– Polyurie (z. B. bei Diabetes insipidus)
– Schwitzen, fehlende Flüssigkeitszufuhr
Vermindertes zirkulierendes Blutvolumen → ↓ venöser Rückfluss →
↓ Schlagvolumen/Cardiac Output → Hypotonie
Zusatzuntersuchungen
- Diabetes
RUSH - Protokoll
- VCI kollabiert
- LVEF normal (oder hyperdynam)
- B -Line
- Pleuraergüsse
- Aszites (3te Raum)
- Trauma: eFAst
Distributiv Schock
Distributiv
- Sepsis
- SIRS
- Anphylaxie
- Neurogen
- Toxisch - medikamentös
- Endokrin
Zusatzuntersuchungen
- Tachhy- Arrhytmie
- Cortisol
- TSH
RUSH - Protokoll
- VCI kollabiert
- LVEF normal (oder hyperdynam)
- Infektionsherd suchen
SIRS-Kriterien
T>38oder<36°C
HF>90/min
AF>20/minoderpaCO2<4.4kPa
Lc>12oder<4oder>10%Stabkernige
EbensospezifischeInfektionszeichenzurLokalisationundErregersuche(Ausschlag,Dysurie,
Lungenkonsolidationen, Peritonitis, etc
Hypovolämer Schock Definition
Unzureichende Durchblutung vitaler Organe mit konsekutivem Missverhältnis von Sauerstoffangebot und Verbrauch infolge intravasalen Volumenmangels mit kritisch verminderter kardialer Vorlast.
• Blutverlust
• Plasmaverlust
• Wasserverlust
• Umgang mit Massentransfusionen
• Abdominales Kompartmentsyndrom
Klinisches Bild
Tachykardie
Hypotonie mit flachem, fadenförmigen Puls
blasse, kalte Haut, Marmorierung, Kaltschweißigkeit
periphere Zyanose
Angst/Unruhe
Tachypnoe
Hyperventilation
Bewusstseinsstörungen
erniedrigte Vorlastparameter: erniedrigte Werte für ZVD, PCWP, intrathorakales Blutvolumen oder eine
erhöhte Schlagvolumenvariation
metabolische Azidose
Oligo-/Anurie
Laktat Hypoxisxh / Nicht-hypoxisch
Hypoxisch
- Schockzustände (kardiogen, hypovoläm, septisch)
- Hypoxie (z. B. Ateminsuffizienz)
- Anämie
- Herzstillstand/Reanimation
Nicht-hypoxisch:
- Leberinsuffizienz (gestörter Abbau)
- Medikamente/Toxine (z. B. Metformin, Cyanid)
- Krampfanfälle
- Maligne Erkrankungen
- Intensive körperliche Anstrengung (vorübergehend)
Septischer Schock (Infektionsbedingter Schock)
‒ Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten
‒ Sepsis
‒ Katheterinfektionen
‒ Wundinfektionen
‒ Peritonitis
Freisetzung von Zytokinen & Endotoxinen → Vasodilatation und Kapillarleck → Relativer
Volumenmangel → Hypotonie
Anaphylaktischer Schock (Allergischer Schock)
‒ Medikamente (z. B. Penicillin, Kontrastmittel, Narkotika)
‒ Insektenstiche (z. B. Bienen, Wespen)
‒ Nahrungsmittelallergien (z. B. Nüsse, Meeresfrüchte)
‒ Latex, Tierhaare, Pollen
Massenhafte Histaminfreisetzung → Vasodilatation & Kapillarleck → Hypotonie
Bronchospasmus → Dyspnoe
Neurogener Schock (neurogene Dysregulation)
‒ Rückenmarksverletzungen (z. B. Querschnittslähmung)
‒ Schweres Schädel-Hirn-Trauma
‒ Spinalanästhesie, Epiduralanästhesie (Hemmt Sympathikus)
‒ Reflexvermittelte Vasodilatation (z. B. durch starke Schmerzen)
Sympathikus fällt aus → Vasodilatation ohne Kompensation durch Tachykardie →
Hypotonie
Herzzeitvolumen
Das Herzzeitvolumen hängt also von zwei Hauptfaktoren ab: Schlagvolumen (SV) und
Herzfrequenz (HF). Diese werden wiederum durch mehrere physiologische Mechanismen
beeinflusst.
Schlagvolumen = Blutmenge pro Herzschlag: abhängig von
Preload, Afterload und Inotropie
Herzfrequenz = Sympathikus- bzw. Parasympathikus-Aktivierung
Die drei Hauptfaktoren des Sauerstoffangebots
- Sauerstoffgehalt des Blutes (DO₂)
Abhängig von Hb, SaO₂, PaO₂ Anämie, Hypoxie,
Lungenerkrankungen
- Herzzeitvolumen (CO)
Bestimmt den O₂-Transport Herzinsuffizienz,
Kreislaufschock
- Gewebeperfusion
Regionale Durchblutung wichtig für O₂- Abgabe
Schock, Vasokonstriktion
Komplikationen
- Enzephalopathie / Neuropathie
- ARDS
- Kardiomyopathie
- Akutes Nierenversagen
- Leberversagen
- Darmischämie
= Multiorganversagen
Lunge Komplikationen
AMV
pCo2 Lungenperfusion
Totraumventilation
ARDS
Strukturelle Lungenveränderungen
Oxygenationsstörungen
Herz Komplikationen
Kardiomyopathie
Rhythmusstörungen
Pumpversagen
Nieren Komplikationen
Kontraktion Nierengefässe
Nierenperfusion
Oligurie, Anurie
Urämie
Hyperkaliämie
Darm Komplikationen
Schleimhautnekrosen
Bakterielle Translokation
Sepsis
Gefässe Komplikationen
Blutverlust
Aggregation EC / TC
Verbrauch der Gerinnungsfaktoren
Mikrozirkulationsstörungen
Blutungsneigung
DIC
Kompensationsmechanismen
Der Körper versucht, den Schock auszugleichen, indem er verschiedene
kompensatorische Mechanismen aktiviert, um die Gewebeperfusion und den Blutdruck
aufrechtzuerhalten.
Diese Mechanismen werden primär durch das autonome Nervensystem, das
Hormonsystem und die Mikrozirkulation gesteuert.
Kompensation - Sympathikus
Sympathikus Aktivierung --> Freisetzung von Adrenalin / Noradrenalin --> HF, Inotropie, Vasokonstriktion
Zentralisation --> Perfusion Herz und Gehirn --> Perfusion Nieren Darm und Haut
Kompensation – RAAS System
Renin aktiviert Angiotensin II --> Vasokonstriktion Erhöhung --> Durstgefühl
Freisetzung von Aldosteron --> Natrium- und Wasserretention --> Blutvolumen steigt
Kompensation – ADH Freisetzung
Hypothalamus --> Freisetzung von ADH --> Verstärkte Wasserrückresorption
Vasopressin --> bewirkt zusätzliche Vasokonstriktion
Kompensation – O2-Aufnahme
Stimulation des Atemzentrums --> Tachypnoe --> Verbesserung der O2 Aufnahme
Kompensation – Mikrozirkulation
Kapillaren verengen sich --> Hält den Blutdruck stabil
Gemeinsamen Symptome aller Schockarten
‒ Hypotonie (systolischer Blutdruck <90 mmHg)
‒ Tachykardie (Herzfrequenz >100/min) Cave: bradykarde Rhythmusstörungen
‒ Tachypnoe (Atemfrequenz ↑)
‒ Oligurie/Anurie (Harnproduktion ↓)
‒ Bewusstseinsstörungen (Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz)
Klinik bei allen Schockformen
Atemfrequenz --> AF über 20/min muss als Warnzeichen für einen potentiell gefährdeten Patienten erkannt werden. Die SpO2-Sättigung spiegelt nicht die Ventilation des Patienten wieder und kann die Atemfrequenz nicht ersetzen!
Hautkolorit --> Der Mottling Score ist ein klinischer Score zur Beurteilung der Mikrozirkulation bei kritisch kranken Patienten, insbesondere bei septischem und kardiogenem Schock. Er beschreibt das Ausmass der «fleckigen» Hautverfärbung aufgrund von Minderdurchblutung.
Rekap-Zeit --> Die Rekap-Zeit ist ein einfacher klinischer Test zur Beurteilung der peripheren Durchblutung und hilft bei der Einschätzung eines möglichen Schocks.
Normwert: < 2 Sekunden → normale Durchblutung
Management bei allen Schockformen
Ziel: Organperfusion verbessern und somit die Gewebeoxygenation sichern! Diese
Massnahmen sind unabhängig von der Schockform wichtig (ABCDE-Schema):
- Airway --> Atemwege sichern Sicherung der Atemwege (ggf. Intubation), Sauerstoff-Gabe
- Breathing --> Beatmung sichern falls nötig mechanische Beatmung
- Circulation --> Kreislauf sichern Volumengabe, Katecholamine, Blutersatz
- Disability --> Bewusstseinsstatus GCS, RASS, Blutzuckerkontrolle
- Exposure --> Ursache identifzieren an Wärmeerhalt denken
Management bei allen Schockformen
- Sicherung der Atmung: frühzeitige Intubation, Beatmung
- Venöse Zugang legen, ZVK , großzügige Flüssigkeitszufuhr (Ausnahme kardiogener Schock)
- Kontinuierliche Pulsoxymetrie und BD Messung
- Vasoaktivatherapie ( angepasst an klinik und Gewebeoxygenation)
- Korrektur von Elektrolytenstörungen und metabolische Azidose
Therapie hypovolämer Schock
- Volumengabe: Kristalloide (z. B. Ringerlactat) 1. Wahl bei Bedarf Ergänzung mit Kolloide (z.B. Albumin)
- Blutungsquelle stoppen --> Druckverband, OP, Endoskopie
- Bluttransfusion
- ggf. Vasoaktiva
Therapie kardiogener Schock
- Kausaltherapie
Myokard-Infarkt → PCI/Stent, Lyse-Therapie
Herzinsuffizienz → Diuretika, Vasodilatatoren
Herztamponade → Entlastung
Lungenembolie → Lyse, evtl. Interventionell
- Medikamente
Vasoaktiva, Inotropika, Antiarrhythmika
- Volumen vorsichtig!
- Mechanische Unterstützung
z.B. IABP (intraaortale Ballonpumpe), pLVAD (Impella), vaECMO
Therapie septischer Schock
- Antibiotika Therapie
in Abhängigkeit Fokus, Immunkompetenz des Patienten (nosokomial /community acquired)
→ in der Regel zu Beginn Breitspektrum (z.B. Piperacillin/Tazobactam)
- Volumengabe
Kristalloide
- Vasoaktiva
Noradrenalin
- Kortikosteroide
wenn therapierefraktärere Hypotonie
- Sanierung des Infektionsherdes
Therapie anaphylaktischer Schock
- Adrenalin erste Wahl
- Volumengabe Kristalloide (z. B. Ringerlaktat)
- Antihistaminika H1-Blocker / H2-Blocker
- Kortikosteroide zur Reduktion der Spätreaktion
- Beta-2-Mimetika z.B. Salbutamol bei Bronchospasmus
Therapie neurogener Schock
- Volumengabe Kristalloide als erste Wahl
- Vasoaktiva Noradrenalin
- Atropin bei Bradykardie (ggf. Adrenalin)
- Stabilisierung der Wirbelsäule bei Trauma
Pflegerische Schwerpunkte Haut
Erhöhte Dekubitusgefahr aufgrund verminderter Perfusion und Vasoaktiva-Therapie
- Regelmässige Umpositionierung
- Nässe-Schutz / Dermatitis-Prophylaxe
- Einschnürungen vermeiden (Verbände / Strümpfe)
- Ödemprophylaxe
- Ernährungszustand und Hydratation
Pflegerische Schwerpunkte Atmung / Beatmung
- Analgesiesteuerung (VAS/BPS)
- Sedationsziel festlegen (RASS)
- Sekretolyse
- Lagerung
- sobald möglich Mobilisation
- Basale Stimulation®
Pflegerische Schwerpunkte Unruhe / Angst
Unruhe / Angst aufgrund verminderter Hirnperfusion = erhöhtes Delir-Risiko
- Basale Stimulation®
- ggf. Anxiolytika
- Orientierung fördern (Umgebung/Körperwahrnehmung/Tag-Nacht-Rhythmus)
- Delirprophylaxe / Therapie (Big Seven)
Pflegerische Schwerpunkte
Volumen- bzw. Vasoaktiva-Therapie
- Volumentherapie
- Bilanzierung
- Sicherer Umgang mit Vasoaktiva
- Ggf. erweitertes hämodynamisches Monitoring (z.B. Pulmonalis-Katheter, PICCO)
Pflegerische Schwerpunkte Lagerung / Positionierung
- Trendelenburglagerung → als Notfallmassnahme
- Lagerung nicht nur zur Dekubitusprophylaxe → Perfusion und Ventilation der Lungen