Delir

Careum Block 06

Careum Block 06


S. H.
Diese Lernkarten vermitteln Grundlagen zu Entstehung, Symptomen und Behandlung des Delirs, einer akuten Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsstörung mit fluktuierendem Verlauf. Im Fokus stehen Unterscheidung zu Demenz, Risikofaktoren wie Alter und Infektionen sowie pflegerische und medikamentöse Maßnahmen. Besonders relevant sind Screening-Instrumente wie RASS und DOS sowie die Bedeutung von Schlaf, Mobilisation und Angehörigenintegration.
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Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Autres
Créé / Mis à jour
21.11.2021 / 20.05.2026

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Definition Delir

Als Delir wird eine akute, vorübergehende, meist reversible fluktuierende Störung der Aufmerksamkeit, der Kognition und des Bewusstseins bezeichnet.

Hauptsymptome Delir

  • Aufmerksamkeitsstörung (Leitsymptom)
  • Kognitive Störung
  • Akuter Beginn und fluktuierender Verlauf

Verlauf eines Delirs

  • Das Delir entwickelt sich i.d.R. innerhalb von Stunden
  • Häufig Zustandsverschlechterung abends und nachts!

Pathophysiologie Delir

  • Neuronale Dysfunktion (z.B. durch Hypoxämie oder Hyponatriämie)
  • Neuroinflammation durch systemische Inflammation als Folge von Infekt (HWI), Trauma, OP
  • Reaktion auf akuten körperlichen oder psychischen Stress aufgrund Neurotransmitterdysbalance (Acetylcholinmangel und Dopaminüberschuss)

Welche Delir-Arten sind wichtig zu unterscheiden?

Entzugs-Delir oder Delir durch OP oder Krankheit

Risikopgruppen für ein Delir

  • Akute Hospitalisationen
  • Notfalleintritten
  • Alter über 65
  • Lange Operationen mit Narkosen
  • IPS-Patienten

Welche Risikofaktoren kennen Sie für ein Delir?

Hauptrisikofaktor
- Alter über 65 Jahre
- Vorliegen einer Demenz

Umgebung
- Reizüberflutung
- Neue Umgebung
- Stress

Patient
- Alter über 65
- Vorbestehende Demenz
- Vorangegangenes Delir

Medizinisch
-
Infektionen
- Dehydration
- Unkontrollierte Schmerzen

Medikamente
- Polypharmazie
- Drogen- und Alkoholabusus
- Psychopharmaka

Prozeduren
- Operationsdauer
- Notfalleintritt
- Blasenkatheter

Was ist am Erkennen eines Delirs am schwierigsten?

Die Abgrenzung zur Demenz

Welche Delir-Formen kennen Sie?

  • Hyperaktives Delir
  • Hypoaktives Delir
  • Mischform

Was sind Zeichen eines Hyperaktiven Delirs?

  • Unruhe
  • Halluzinationen
  • Vegetative Entgleisung
  • Gefahr der Selbst- und/oder Fremdgefährdung

Was sind Zeichen eines Hypoaktiven Delirs?

  • Antriebslosigkeit
  • Verlangsamung
  • Desinteresse
  • Teilnahmslos bis apathisch

Was ist zum hypoaktiven Delir wichtig zu wissen?

  • Höhere Inzidenz
  • Wird oft übersehen oder als Depression fehlinterpretiert
  • Schlechtere Resultate als hyperaktive Form

Wie zeigt sich eine Mischform eines Delirs?

Unvorhergesehener Wechsel zwischen hyperaktivem und hypoaktivem Delir

Was muss bei einem hypoaktivem Delir ausgeschlossen werden?

Depression oder kognitive Störungen

Bei welchen Patienten treten Delire am häufigsten auf?

Bei Patienten mit einer Demenz

Wie wird die Diagnose eines Delirs gestellt?

Kognitive Tests
- Störungen der Aufmerksamkeit (Rückwärtsaufsagen der Monate)
- Störung der Orientierung (Ort, Zeit, Situation, Person)
- Störung des Gedächtnisses (3-Wort-Test)
Überprüfen von Vorliegen von optischen Halluzinationen
 

Was ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Delir und Demenz?

Die zeitliche Entwicklung
- Delir: Akut zu einem festgelegtem Datum
- Demenz: Schleichend, Datum nicht festlegbar

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend Dauer?

Delir: Tage bis Monate

Demenz: Jahrelange Progession

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend dem Verlauf?

Delir: Reversibel und fluktuierend

Demenz: Chronisch und stabil

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend der Desorientierung?

Delir: Früh

Demenz: Erst spät, nach Monaten oder Jahren

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend dem Schlaf-Wach-Rhythmus?

Delir: Gestört, stündliche Variationen

Demenz: Gestört, beschränkt auf Tag-Nacht-Umkehr

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend Psychomotorik?

Delir: Hypo- oder Hyperaktivität

Demenz: Erst spät, ausser bei Begleit-Depression

Wie unterscheidet sich ein Delir von einer Demenz betreffend der Aufmerksamkeit?

Delir: Extrem kurz

Demenz: Nicht charakteristisch

Wie wird ein Delir therapiert?

  • Das Delir erkennen, insbesondere das hypoaktive Delir!
  • Delir-Monitoring mind. 2x/Tag
  • Auslösende Ursache behandeln
  • Beseitigung von Kommunikationsbarrieren
  • Allgemeine, nichtpharmakologische und pharmakologische Optionen umsetzen

Was ist wichtig zur wissen zur medikamentösen Behandlung bei einem Delir?

  • Indikation: Agitation, psychotische Symptomatik, Selbst- und Fremdgefährdung.
  • Medikamente symptomorientiert einsetzen
  • Short time, low dose
  • Benzodiazepine eher vermeiden
  • Ausnahme Entzugs-Delir, setzten wie Alkohol am GABA-Rezeptor an
  • Wird zur Therapie und Prävention eingesetzt
  • Wechselwirkung mit Anti-Parkinsonmitteln beachten
    → Cave Antipsychotika bei älteren Patienten mit Demenz
    → Cave Haldol: NW extrapyramidale Symptome bei einer Dosis > 3mg tgl.

Was sind die Folgen eines Delirs?

  • Längere Hospitalisationszeit
  • Erhöhte Komplikationsrate (Pneumonie, Stürze, Angst, Stress, Selbstverletzung)
  • Höhere Mortalität (ähnlich Herzinfarkt, Sepsis)
  • Geringere Lebenserwartung
  • Schlechtere Rehabilitations-Outcomes
  • Höhere Pflegebedürftigkeit mit häufigerer Einweisung in Pflegeheime
  • Verschlechterung des kognitiven Zustandes
  • Dauerhafte Verschlechterung von kognitiven Fähigkeiten (Ein Drittel)
  • Stigmatisierung (Respekt vor verwirrten Personen)
  • Erhöhte Behandlungskosten

Wie sieht ein Delir-Management aus?

Prävention
- Pat. mit einem Risiko erkennen (Erfassungsinstrumente)
- Risiken minimieren, resp. Risikofaktoren behandeln

Behandlung
- Frühzeitige Erkennung durch Screening
- Adäquate und frühzeitige Behandlung

Welche zwei Screening-Instrumente zur Erkennung eines Delirs kennen Sie?

RASS - Richmond Agitation Sedation Scale

DOS - Delirium observation screening scale

Wie sieht das RASS aus?

+4 - streitsüchtig → offen streitsüchtig, gewalttätig
+3 - sehr unruhig → zieht an Schläuchen oder Katheter
+2 - Unruhig → Häufige Bewegung ohne Sinn und Zweck
+1 - Ruhelos → aufgeregt, aber nicht aggressiv
  0 - Wach und ruhig
 -1 - Schläfrig → hat wache Momente mit Augenkontakt auf Stimme über 10 sec.
 -2 - Leichte Sedierung → wache Momente mit Augenkontakt auf Stimme unter 10 sec.
 -3 - Moderate Sedierung → Bewegung oder Augen öffnen auf Stimme
 -4 - Tiefe Sedierung → Kein Augenöffnen, aber Bewegung auf physische Stimulation
 -5 - Nicht weckbar → Keine Reaktion auf verbale oder physische Stimulation

Was sind mögliche Pflegediagnosen bei einem Delir?

  • Akute Verwirrtheit
  • Angst
  • Gefahr der Selbstverletzung
  • Gefahr der Fremdverletzung
  • Störung im Tag-Nacht-Rhythmus

Was sind mögliche Pflegeinterventionen bei einem Delir?

  • Schmerzen vermeiden
  • Sauerstoffversorgung verbessern
  • Stress reduzieren
  • Wahrnehmung fördern (Brille, Hörgeräte, Uhr)
  • Kommunikation ermöglichen, Angehörige früh einbeziehen
  • Ausscheidung normalisieren
  • Ernährung und Elektrolyt-/Flüssigkeitshaushalt normalisieren
  • Infektionen vermeiden
  • Mobilität zurückgewinnen
  • Schlaf ermöglichen (Für Ruhe sorgen, evtl. Oropax anbieten)
  • Medikamentöse Delir Behandlung

Was ist wichtig bei einer vorausschauenden Pflegeplanung?

  • Medikamente für nächste Schicht organisieren
  • Zuständigkeiten regeln
  • Sitzwache frühzeitig organisieren (Zustandsverschlechterung abends und in der Nacht)
  • Gute Rahmenbedingungen schaffen
  • Einbezug, Information Angehörige

Was ist die Gefahr eines Delirs und wie kann diese abgewendet werden?

Nicht behandelte Delirien enden in der totalen Erschöpfung

Engmaschige Kontrolle der Vitalzeichen und der SPO2 Sättigung

Étudier