UNI ZH für PHZH


J. G.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsebene die globale Wertschöpfungskette, mit Fokus auf Unternehmen, Standards, Verantwortung und Fair Trade. Sie beleuchten Herausforderungen wie die Implementierung sozialer Standards, Arbeitsbedingungen und die Komplexität globaler Warenketten. Besonders relevant für Studierende der Geographie, die sich mit ethischem Konsum, Upgrading-Konzepten und der Rolle von Akteuren in der Produktion auseinandersetzen.
Cartes-fiches
24
Utilisateurs
6
Langue
Allemand
Catégorie
Géographie
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
31.12.2016 / 29.11.2021

Cartes-fiches

LZ 1: Sie kennen das Konzept der (globalen) Wertschöpfungskette und sind in der Lage dieses Konzept kritisch zu diskutieren. 

– Defini&on und wichtige Grundlagen des Konzepts “globale Wertschöpfungskette”
– Hintergrund und wichtige Aspekte des Konzepts“Warenkette”
– Warenbegriff und Kommodifizierung
– Themen einer kritischen “commodity chain-Forschung” 

Wertschöpfungskette:

  • Wirtschaftsozioloische Perspektive

  • Fokus auf Unternehmensbeziehungen

  • Im Mittelpunkt steht Steuerung (Governance) von Produktion und Distribution auf der zwischenbetrieblichen Ebene

  • Verweis auf globale Arbeitsteilung und Betrachtung ungleicher Machtbeziehungen

  • Input-Output Betrachtung

    o Errechnet sich aus den gesamten Erlösen eines Unternehmens, von denen die „Vorleistungskosten“ (Leistungen vorgelagerter Produktionsstufen) abgezogen werden.

Abfolge von Schritten, die zur arbeitsteiligen Herstellung einer Ware oder Dienstleitung nötig sind. Dabei steht die Generierung von zusätzlichem Wert auf jeder Produktionsstufe im Mittelpunkt (Wertschöpfung). 

Was kommt rein, was kostet das und was geht raus, was bekomme ich dafür?

LZ 2: Sie sind mit der Frage der Governance von Waren-/ Wertschöpfungskesen vertraut. 

– Governance-Dimensionen und Governance-Idealtypen
– nähere Differenzierung (Überblick) 

LZ 3: Sie können insbesondere producer- und buyer- driven Governance-Formen näher erläutern. 

.

Warenkette

Das Modell der globalen Warenketten beschreibt den Weg eines Produktes durch verschiedene Stufen der Produktion (Input), Weiterverarbeitung (Transformation) und Distribution (Output).

Buyer driven

.

Warenbegriff

commodity chains

politische Ökonomie

...commodity chains as a way of understanding the connections and interdependencies between different workers, consumers, firms, and ins<tu<ons involved in commodity stories. 

 

Produktionskette wird die Abfolge von aufeinander folgenden Produktionsstufen bezeichnet. Die Produktionskette beginnt bei der Rohstoffgewinnung, geht über meistens mehrere Zwischenproduktestufen bis zur Endproduktfertigung. Im Allgemeinen sind viele verschiedene Unternehmen an einer einzigen Produktionskette beteiligt.

Value Chain  

BWL

Wertschöpfungskette

Global Value Chain 

Wirtschaftssoziologie 

Beispiel Sportschuhe

Price make-up of a 100 Euro Shoe
Arbeitslohn: 0.5
Material: 8.5
Profit Brand name: 13.-
Lbour cost retialer: 18.- 
Rent retailer: 12.-
Production costs: 8.50
Research: 11.- 

Ware und Wert 

Eine Ware dient der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Sie hat einen Gebrauchswert

Eine Ware lässt sich gegen andere Waren tauschen. Sie hat einen Tauschwert

Ware und Kommodifizierung 

  • Unter Kommodifizierung versteht man den Prozess, der aus einem Ding, einer Idee oder einem Menschen eine Ware macht.

  • Im weiteren gesellschaAlichen Kontext wird damit aber auch ein Prozess der zunehmenden Ausdehnung der Marktlogik auf Bereiche verstanden, die bisher gemäss anderer Logiken funk<onierten. 

Waren- oder Wertschöpfungskette? 

Komplexität globaler Warenkesen 

 Globalisierung: Die wachsende räumliche Ausdehnung und räumliche Fragmentierung der Produktionsschrise sorgt für zusätzliche Intransparenz

– Probleme der Nachvollziehbarkeit der einzelnen Schrise

– Verantwortung für soziale und ökologische Problem kann bequem delegiert werden 

Wo beginnt eine Warenkette, wo hört sie auf?

 

Eine lineare Perspektive (Kese) wird der ökonomischen Realität nicht gerecht und erleichtert ebenfalls Ausblendung negativer Auswirkungen 

– Beispiel: Umgang mit der Abfallproblematik

 

Altkleider: die Kette ist nicht beendet, sie beginnt wieder neu? 
Elektroschrott: landet überwiegend in Asien Mombay, wird von Menschen zerlegt in sehr schlimmen Verhältnissen. 
—> Gesundheitlichen Gefährdung. 

LZ 1: Sie sind in der Lage das Konzept des Upgrading auf das Beispiel der Textil- und Bekleidungsindustrie anzuwenden. 

– von CMT zu OBM, aktuelle Trends
– Transfer komplexere Governanceformen
– Kritik am Upgrading-Konzept 

  • Trends: Zunahme von Eigenmarken

Kritik am Upgrading-Konzept

  • einseitiger Fokus auf Unternehmen und Unternehmensbeziehungen

  • es wird nicht gefragt, wie genau zusätzliche Wertschöpfung zustande kommt (Arbeitsbeziehungen)

  • einseitige Betonung der Chancen einer Einbindung in globale Warenketten und ungenügende Berücksichtigung von Ungleichheiten (inclusive bias)

  • undifferenzierte Gleichsetzung unternehmerischen Upgradings mit gesellschanlicher Entwicklung

 

LZ 2: Sie kennen verschiedene Möglichkeiten aus der Perspektive des globalen Südens die Arbeitsbedingungen in Warenketten zu verbessern. 

  • Implementierung sozialer Standards (Arbeitsstandards)

 International Labor Organization (ILO): Grundprinzipien:
– Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
– Beseitigung Zwangsarbeit
– Abschaffung Kinderarbeit
– Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf 

Decent Work-Ansatz der ILO (korrekter) 
Beschätigung. Mehr und bessere Beschänigungsmöglichkeiten schaffen
Arbeitnehmerrechte. Rechte respektieren und gesetzlich absichern
Soziale Sicherungssysteme. Systeme der sozialen Sicherung auf- und ausbauen
Sozialer Dialog. sozialen Dialog zwischen Arbeitgebenden und Gewerkschanen fördern 

 

 

  • Einbezug der Problematik in internationale Handelsabkommen
    Bsp: Die EU hat mit Bangladesch ein Abkommen geschlossen, es heißt „Alles außer Waffen“ (ohne Zoll)
    --> Non-compliance (Nichterfüllung) der Vorgaben wird politisch sanktioniert 

  • unternehmensinterne Codes of Conduct (Verhaltenskodex)
    Eigene Regelungen des Unternehmens --> 
    Verhaltensanweisungen als Handlungsorientierung für Mitarb.
    Regelwerk von Korruption bis Arbietsregelungen 
    Corporate Social Responsibility:  Unternehmensethik: gesellschanliche Verantwortung eines Unternehmens --> Verantwortung von Unternehmen, gesetzliche Vorgaben und soziale Normen der Länder zu folgen und einzuhalten 

     

  • Aktive Beteiligung der KonsumentInnen: Förderung eines „ethischen Konsums“ (e.g. Fair Trade)
     Sensibilisierung der Konsumentinnen und Konsumenten für soziale und ökologische Fragen  – “caring at a distance”
    - Nichtregierungsorganisationen als Schlüsselakteure 
    - i.d.R. Umsetzung über Labels und Standards 

LZ 3: Sie können eine Diskussion über Chancen und Probleme dieser Massnahmen führen. 

Chancen 

- soziale Absicherung

- humane Arbeitsbedingungen 

- fairer Lohn

- keine zwangsarbeit / Kinderarbeit

 

Probleme

  • ILO-Standards und Handlungsprogramme sind sehr allgemein gehalten -->  keine konkreten Bedingungen
  • ILO hat nur begrenzten Handlungsspielraum und keine eigenen Möglichkeiten, die Umsetzung ihrer Standards zu überprüfen, durchzusetzen und zu sanktionieren
  • Nichterfüllung von Anforderungen der Handelsabkommen werden politisch sanktioniert
  • CSR ist freiwillig für Teilnahme
  • Konkrete Implementierung ist abhängig von Position in Wertschöpfungskette
  • Überprüfung: gibt es angekündigte oder unangekündigte Kontrollen? Je nachdem nicht real

LZ 4: Sie können sich in Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen differenziert mit Fair Trade auseinandersetzen. 

–  Hintergrund Fair Trade: Akteure, Ziele

–  Diskussion unterschiedlicher Kontextbedingungen und Arbeitsbeziehungen (kleinbäuerliche Produktion vs. Plantagen-/ industrielle Produktion)

–  Prinzipien verantwortungsbewussten Verhaltens/Handelns 

Was ist Fair Trade?

  • Kombination aus „sozialem Standard“ und „code of conduct“, der mit einem Label Sichtbarkeit gegeben wird

  • Erstreckung über gesamte Wertschöpfungskette

  • Zertifizierung beteiligter Akteure durch interna&onale, nichtstaatliche Organisa&onen (Unternehmen, NGOs )

    – regelmässige Überprüfungen
    – auch Detailhandel muss sich zertifizieren lassen

  • Zahlung eines garantierten Mindestpreises, der die Lebenshaltungs- und Produktionskosten der Produzenten decken soll

  • zusätzlich: Sozialprämie, die ökonomische und soziale Entwicklungsprojekte ermöglichen soll 

Fair Trade ≠ Fair Trade

  • Verteilung der “Sozialprämie”: Unterschied zwischen kleinbäuerlicher Koopera&ve und industrieller bzw. Plantagenproduk&on

  •  Mitbestimmung von PlantagenarbeiterInnen oder anderer lohnabhängiger Beschänigte aufgrund der ungleichen Machtbeziehungen problema&sch

  • aber: auch in kleinbäuerlichen Koopera&ven gibt es Machtungleichheiten und Abhängigkeiten

  • es kommt auf den jeweiligen Einzelfall an 

Upgradingdefinition + Upgradingtypen

Upgrading bezeichnet das Potenzial eines Betriebes, eines Unternehmens oder auch einer Gruppe von Unternehmen, die jeweilige Posi&on in einer WertschöpfungskeFe/ WarenkeFe zu verbessern. 

Bekleidungsindustrie: Aktuelle Trends 

Herausforderung und Probleme von Impelmentierung sozialer Standard & unternehmensinterne Codes of Conduct

Implementierung sozialer Standards (Arbeitsstandards)

Herausforderungen und Probleme

– ILO Standards allgemein gehalten

– ILO  begrenzten Handlungsspielraum,  keine eigenen Möglichkeiten Umsetzung der Standards zu überprüfen und durchzusetzen 

 

 

unternehmensinterne Codes of Conduct (Verhaltenskodex)

Herausforderungen und Probleme

–  ist freiwillig

–  Überwachung: angekündigte / unangekündigte Kontrollen?

–  bequemes Mittel zur Verlagerung der Verantwortung auf Zulieferer? 

Landwirtschafltiche Produktionssysteme 

Fazit: Ethischer Konsum 

Herausforderungen und Probleme

–  Was sind die Konsequenzen einer Verletzung der Vorgaben durch südliche Akteure?

–  Wer profitiert von sozialen und ökologischen Labels? Gibt es eine „Sozialprämie”?

–  zugrundeliegende Machtbeziehungen (Arbeit/Kapitel, Gender, ethnische Differenz) werden auch hier verschleiert

–  Labels als Marken? gutes Gewissen für Konsumen&nnen und Konsumenten; keine tiefere Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen nötig

–  aus Sicht der Konsumierenden: keine echte Option für gering Verdienende 

Merkmale des Prinzips der politischen Verantwortung

–  Es wird kein Schuldiger als Sündenbock identifiziert und an den Pranger gestellt.

–  Bezieht sich nicht auf aussergewöhnliche Ereignisse, sondern hinterfragt die scheinbare Normalität der Verhältnisse.

–  Ist nicht vergangenheits-, sondern zukunnsorientiert

–  Bezeichnet eine gesellschanliche geteilte Verantwortung 

Étudier