Zellkulturtechnik, Kontrollfragen und Prüfungsfragen
Zellkulturtechnik 1
Zellkulturtechnik 1
-
- 1 / 44
-
Lernkarten
Was ist eine pflanzliche in vitro Kultivierung?
-Unter sterilen kontrollierten Bedingungen zur Wirkstoffproduktion
-Sterile Kultur von pflanzlichem Material in einem Behälter unter kontrollierten Bedingungen
Was sind Stoffe die mit pflanzlichen Kulturen produziert werden?
Pharmazeutische oder kosmetisch relevante Produkte z.B. Sekundärmetabolite oder Proteine
Was ist der meisteingesetzte Reaktortyp für Suspensionszellen?
Rührreaktor
5 weitere Reaktortypen die eingesetzt werden?
-Blasensäule
-Wave Reaktor
-Rita
-Airlift
-Trommelreaktor
-Tube Spins
-Schüttelkolben
Produktion starten von einer Pflanze z.B. Kartoffel, Suspensionskultur etablieren? Vorgang:
1. Oberflächensterilisieren
2. Kallusinduktion = Verletzung
3. Kalluskultur im Medium suspendieren (Überführung im Flüssigmedium)
4. Homogenisieren (im Erlenmeyerkolben setzen sich die dickeren Kallusstücke auf dem Boden, Passagieren von Überstand)
5. Scale Up
Was sind Unterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Zellen?
-Zellwand
-Vakuole
-«Grösse»
-Chloroplasten (Plastide)
Definieren Sie den Begriff der Pflanzenzell- und Gewebekulturtechnik:
Einsatz pflanzlicher und animaler Zellen/Gewebe für in vitro Herstellung von:
· Wirkstoffen für Therapeutika und Diagnostika
· Zellen Geweben und Organen
Einsatz animaler Zellen/Gewebe für Zytotoxizitätests:
· Reduktion und Ersatz von Tierversuchen
5 Applikationen die auf Pflanzenzell- und Gewebekulturen basieren:
Applikationen im Pharma und Kosmetikbereich wie:
· Sekundärstoffe
· Rekombinante Proteine
· Vakzine
· Biotechnologische Taxol Produktion
· Veterinärimpfstoffe
· Antikörper
Vorteile der Pflanzenzell- und Gewebekulturen gegenüber klassischen Anbaumethoden?
· GMP-Produktion möglich weil in einem geschlossenen, kontrollierbaren System
· Keine Kontaminationen durch Boden oder Schädlinge
· Feld = offenes System = Faktoren, die wir nicht beeinflussen können wie Klima, Krankheit, Erde etc.
· So wird Produktion reproduzierbar und validierbar!
· Keine Abhängigkeit von abiotischen Störfaktoren wie Klima, Wetter, Jahreszeiten
Diskutieren sie die in vitro Kultivierungsparameter pflanzlicher Zellen auf der Basis ihrer Eigenschaften (Grösse, Morphologie, Wachstum / Verdopplungszeit, Produktbildung)
Folien 16 – 22
Grösse/ Morphologie:
Ø Pflanzenzellen besitzen Grösse von 10 - 100µm und sind deshalb verhältnismässig gross ( andere Serologische Pipetten mit grösserer Öffnung)
Ø Kugelförmige oder stäbchenförmige Morphologie
Ø In Vitro Kultivierungsprozesse unterscheidet sich gegenüber den Kultivierungsprozessen für Bakterien wegen ihrer Grösse und Metabolismus
Ø Pflanzenzellen kleinere Oberfläche als Bakterienzelle
Folge: bessere Durchmischung der Zellen für bessere Verteilung von Nährstoffen
Ø Wegen ihrer Grösse empfindlicher auf Scherkräfte (geeigneten Bioreaktor auswählen)
Wachstum/ Verdopplungszeit:
Ø Temperatur für Inkubation zwischen 23 und 29°C
Ø Verdopplungszeit von Tagen
Ø CO2-Gehalt 0.1 und 5%
Ø pH- Wert zwischen 5-6, keine Regulation mit Säure oder Lauge!
Ø Wachstumsrate kann durch verschiedene Phytohormone verbessert werden
Produktbildung:
höhere Produktabgabe ins Medium kann mit Elicitoren benutzt werden
Welche Typen pflanzlicher Zellen und Gewebe kennen Sie? Erläutern sie deren Etablierung:
· Kalluskultur
· Suspensionskultur
· Hairy Roots
· Embryokultur
· Protoplastenkultur
Etablierung:
Etablierung von Suspensionskultur erfolgt durch Passage von Kalluls in ein Erlenmeyer mit Suspensionsmedium
Was ist Basalmedium? 3 Medien, die bei der in vitro Kultivierung pflanzlicher Zellen und Gewebe häufig zum Einsatz kommen:
Einfache Medien, welche aus wässrigen Lösungen bestehen und enthalten verschiedene wasserlösliche Zusätze.
Basalmedium Bestandteile:
· C-Quelle (Saccharose, Glucose, Fructose, Sorbitol) Anteil ca. 2-5%
· Organische Supplemente ( Aminosäuren, Vitamine und Co-Faktoren)
· Anorganische Supplemente:
- Mikroelemente in µM Konzentrationen (Fe, Mn, Cu….)
- Makroelemente in mM Konzentrationen (N, S, P….)
3 Medien, die bei der in vitro Kultivierung pflanzlicher Zellen und Gewebe häufig zum Einsatz kommen:
MS ( Murashige and Skoog)- Basalmedium und Adaptionen davon (in ca. 80% der Anwendungen)
Basalmedium mit Zusätzen wie Phytohormonen
NT1-Medium
Ablauf bei der Herstellung eines sterilen, pflanzlichen Zellkulturmediums:
Was sind Phytohormone, welche gibt es und wozu werden sie eingesetzt?
Was sind Phytohormone?
biochemisch wirkende pflanzeneigene (endogene) organische Verbindungen, die als primäre Botenstoffe (sog. Signalmoleküle) Wachstum und Entwicklung der Pflanzen steuern und koordinieren.
Da sie nicht alle Kriterien der eigentlichen Hormone erfüllen, können sie auch als Wachstumsregulatoren bezeichnet werden.[1]
Die Pflanzenhormone werden in der Pflanze vom Entstehungs- zu einem spezifischen Wirkungsort transportiert, entweder von Zelle zu Zelle (z. B. Auxine), über die Leitungsbahnen (z. B. Cytokinine), oder über den Gasraum zwischen den Zellen (Ethylen).
Welche gibt es und Einsatz:
· 2.4D -> Kallusinduktion und Differenzierung ( führt aber zu genetischer Veränderung )
· IAA-> Zellstreckungshormon welches die Differenzierungsvorgänge steuert
· Auxin (je nach Konzentration, Stimulation von Zellwachstum und Unterstützung der Zellteilung)
· Cytokinin ( je nach Konzentration, Stimulation von Zellwachstum und Unterstützung der Zellteilung)
Wann werden Oberflächensterilisationen von Pflanzenexplantaten durchgeführt?
Oberflächensterilisation findet bei der Vorbereitung des Pflanzenmaterials, vor der Platzierung des verletzten Pflanzenexplantates bei der Kallusinduktion statt.
Auf welches Ablaufschema lassen sie sich generell zurückführen?
3-Stufen-Sterilisation:
1. Vorsterilisation:
Reinigung mit Leitungswasser oder Abreiben mit Ethanol
2. Sterilistaion:
Einlegen in 0.5-10% Hypochloritlösung mit Zusätzen für 5-30min
(optimale Konzentration und Sterilzeit müssen durch Experimente bestimmt werden!!!)
3. Nachsterilisation:
3-maliges Waschen mit sterilem! Wasser
Bei verholztem Material erfolgt eine zusätzliche Ultraschallbehandlung!!!!
Die gängigsten Methoden zur Bestimmung des Wachstums pflanzlicher Zellen: (=Biomassenwachstum)
Direkte Methoden:
Ø über Frischgewicht
Ø über Trockengewicht
Ø über die Zellmasse mittels PCV(%) = Packet Cell Volume
Ø Zellzählung
Indirekte Methoden:
Ø Über Konduktivität
Ø Über pH-Wert
-> Diskussion der Methoden auf Folien 50-56
Sie haben die Aufgabe, die Wachstumskinetik und Verdopplungszeit von genetisch veränderten BY-2 Zellen im TubeSpin 50 Bioreactor (26 °C, 240 rpm, dunkel, batch) über 14 Tage aufzunehmen. Pro Bioreaktor sollen 10 mL Medium (mod. MSMO) mit 5% pcv von einer Erhaltungskultur (in der exponentiellen Wachstumsphase und mit über 90 % Vitalität) inokuliert werden. Planen Sie das Experiment (Material, Ablauf, Arbeitsschritte, Analytik)!
Nennen und begründen Sie den Einsatz von 5 Bioreaktortypen für die Kultivierung von pflanzlichen Zellen und Gewebe:
Bioreaktortypen:
Bioreaktoren mit mechanischem Energieeintrag
Rührreaktor oder Trommelreaktor
Zellen werden mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt
Nachteil: hohe Scherkraft
Lösung: Einsatz von Axialrührer um Scherkräfte klein zu halten!
mit pneumatischen Energieeintrag
Airliftreaktor oder Blasenreaktor
Durch Wirbelentstehung werden Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen gebracht
mit hydraulischen Energieeintrag
Bettreaktoren
Membranreaktoren
Bioreaktoren:
• RITA (Organkulturen)
Sterile Kultivierung von Organkulturen
Durch Überdruck lässt sich der Flüssigkeitspegel im Behälter einstellen
Ein geregeltes System wie die Pflanze in Flüssigkeit getaucht werden kann oder nicht und einfache Anwendung
• Wave Reaktor
Reduzierte Schaumbildung ( weil Begasung über die Oberfläche und nicht über das Medium)
Gleichmässige Energiedissipation
• Rührreaktor
Sorgt für eine gute Durchmischung im ganzen Reaktor
Stromstörer können weggelassen werden führt zu Kontaminationsquellen sowie schwieriger zu reinigen
Rührgeschwindigkeit kann eingestellt werden
Für grosse Produktion von bis zu 75m3 geeignet
• Airlift Reaktor
Inneres Leitrohr hat Durchmesser von 0.7m, von dem bis Aussen 0.3m d.h. aussen und innen gleiches Volumen an Flüssigkeit sorgt für gute Durchmischung der Suspension
Zusätzliche schonende Durchmischung durch Lufteintrag
Wie lassen sich Bioreaktoren für Pflanzenzell- und Gewebekulturen klassifizieren?
Ø Rührreaktor
Ø Airliftreaktor
Ø Blasensäule
Ø Trommelreaktor
Ø Einwegreaktoren
Begründen sie die Dominanz der Rührreaktoren in Pflanzenzell- und Gewebekulttechnik basierenden Prozessen!
Ø Rührreaktoren werden bei gut / schnell- wachsenden Kulturen eingesetzt
Ø Volumenkapazität bis zu 75m3 also für mittel- grossvolumige Anwendungen
Ø Dominanz der Rührreaktoren aus Glas oder Edelstahl (einfach zu reinigen und wiederverwendbar)
Ø Das Einfachste Prinzip (einfaches Rühren, Pumpen etc.)
Weitere Gründe?
Blasensäulen und Airliftreaktoren sind wegen der hohen Schaumbildung nicht geeignet. Die Schaumbildung entsteht wegen den Polysacchariden in den Kulturmedien. Zellen flotieren an die Oberfläche, trocknen aus oder kleben an der Reaktorwand.
Um das zu verhindern können Antischaummittel eingesetzt werden ( z.B. auf Silikonbasis)
Beschreiben sie mögliche Anzeichen von Scherstress bei Kultivierung pflanzlicher Zellen und Gewebe in Bioreaktoren:
Ø Veränderung der Morphologie
Ø Meist Kugelförmig und binden an andere Zellen ( Zellverbände)
Ø Schlechte Vermehrung
Ø Zunahme von Biomasse
Ø Verminderte Produktausbeute
Ø Erwärmung des Mediums
Lösung: Einsatz von Axialrührern! Sind grossflächig und drehen langsam
Warum werden gentechnische Transformationen pflanzlicher Zellen durchgeführt? Nennen sie vier häufig eingesetzte Methoden:
Ø Erhöhung von Verdopplungszeiten und Stabilität
Ø Gene für die Produktion von Nährstoffen ( Vitamine etc.) können eingeschleust werden
Nennen sie vier häufig eingesetzte Methoden:
Indirekter Gentransfer:
Ø Dabei handelt es sich um eine Infektion des verletzten Pflanzengewebes mit A. tumefaciens und A. rhizogenes. Die Bakterien enthalten modifizierte Plasmide.
Direkter Gentransfer:
Ø Partikelbeschuss ( Gold- und Wolframkügelchen)
Ø PEG
Wie erfolgt die Langzeitlagerung von pflanzlicher Zellen und Gewebe?
Kältelagerung:
Ø Vitalität höher und weniger Zellen sterben ab
Ø Lagerung der Suspensionzellen bei 2-10°C bei reduzierten Licht und Sauerstoffeinflüssen
Ø Zellen werden gezwungen ihr Wachstum zu stoppen und bleiben in der G0 Phase
Ø Dem Kulturmedium wird hierfür Stabilisator vermischt ( 1% Gelatine)
Ø Lagerung bis zu 4 Monate
Cryopreservation:
Mit Flüssigstickstoff
Stoppt alle zellulären Prozesse
Es sterben viele Zellen ab
Zellsuspensionen in Kryoröhrchen werden langsam eingefrohren und nur bei hoher Vitalität und Zelldichte
Medium enthält DMSO zur Verminderung der Kristallbildung und Schädigung der Zellen
Faktoren, die das Kultivierungsresultat von Pflanzenzellkulturbasierten Prozessen beeinflussen:
Ø Es ist darauf zu achten, dass von Anfang an genügend Zellen vorhanden sind
Ø Lichteinflüsse können Kulturen positiv beeinflussen z.B. 16h Tageslicht, 8h Nacht (durch interne UV-Lampen und Glasfaserkabel erreicht man das)
Ø Art des Reaktors
Ø Benutze Basalmedien
Ø Auswahl der Auxine
Ø Zusammensetzung der Gasphase
Ø Kontaminationen
Ø Generelle Wachstumsbedingungen wie CO2, pH etc..
Wie lässt sich die Produktivität Pflanzenzellkultur-basierter Prozesse erhöhen?
Ø Zugabe von Auxinen -> Anregung der Zellteilung
Folge: erhöht die Biomasse und die sekretierte Menge am Produkt
Ø Optimale Kultivierungsparameter einhalten
Ø Zweiphasenprozesse
Nach der ersten Phase des Zellwachstums werden Elicitoren zugegeben (Jasmonsäure), Zelle wird gezwungen, die Produkte zu selektieren
Ø Immobilisierung der Zellen
Zellen sind nicht direkt Scherkräften ausgesetzt
Wann und wie werden pflanzliche Zellen und Gewebe emers kultiviert?
Wann:
Pflanze wächst auf Oberfläche von festen/flüssigen Substraten
Wenn Pflanzen nur auf festen Grenzflächen zur Gasphase wachsen können oder wenn streng aerobe Bedingungen herrschen müssen
Wie:
Petrischalen
Rita
Was sind PMPs, nennen sie Beispiele:
Plant made pharmaceuticals
Pflanzen, die genutzt werden, um rekombinante Proteine herzustellen. ( vor allem aus der Frucht der Pflanze)
Beispiele:
Reis:
Lysozyme
Lactoferrin
Tabak:
Vaccine
Beschreiben sie Stofftransferlimitationen bei der Kultivierung pflanzlicher Zellen und Gewebe:
Zwei Stofftransfere:
Ø Aufnahme von Stoffen (Stofftransfer vom Medium z.B. Nährstoffe)
Ø Abgabe von produzierten Stoffen ins Medium
Aufnahme von Stoffen:
Bioreaktoren müssen ausreichende Nährstoffzufuhr der Zellen garantieren.
Wie?
-> Radius und Geschwindigkeit des Rotors
Biowavereaktor? -> durch die Rotations- und Schüttelgeschwindigkeit
Vergleichen Sie das Scale – up einer genetisch modifizierten BY-2 Zelllinie und eines genetisch veränderten E. coli von der Langzeiterhaltungskultur bis zum 100 L Rührreaktor. Beide Produktionsorganismen sekretieren Insulin! Was sind Ihre Entscheidungskriterien bei der Begründung der Auswahl des Produktionsorganismus, der nach erfolgter Kultivierung zukünftig für einen kommerziellen Prozess genutzt werden soll?
Ordnen sie die Applikationen der Pflanzenzell- und Gewebekulturtechnik den entsprechenden Fachbereichen der Biotechnologie zu. Begründen sie ihre Entscheidung:
Erklären sie, wann bröckliger (= friable) Kallus im Verlauf der Etablierung einer pflanzlichen Suspensionskultur angestrebt wird. Welche Methoden zum Erzeugen von bröckligem Kallus gibt es?
Wann wird er angestrebt und warum:
Wird nach Transformation von Protoplasten (embryonale Zellen) angestrebt. Aus bröckligem Kallus kann danach einfacher eine Suspensionskultur hergestellt werden.
2 Methoden um Typ 2 Kallus zu etablieren:
Zusätze von folgenden Substanzen ins Medium:
- Dicamba
- Aminosäure-Stickstoff
Kallus wird mit Agrobacterium Tumefaciens zusammenkultiviert
Diskutieren sie den Einfluss von Licht bei der in vitro Kultivierung pflanzlicher und tierischer Zellen. Wie erfolgt die technische Umsetzung?
Technische Umsetzung:
- Externe UV-LampenInterne
- Einrichtungen über Glasfaserkabel
Licht und tierische Zellen:
Untergeordnete Rolle
Licht und pflanzliche Zellen:
Gewisse Metabolismen können angeregt werden.
Folge: Verbesserung der Wachstumsrate und Produktbildung