Wirtschaft und Staat

Modul der Wiso Nürnberg

Modul der Wiso Nürnberg


Eva Vieregge
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Wechselwirkungen zwischen Staat und Markt, insbesondere die Rolle des Staates in der Wirtschaft. Sie beleuchten Themen wie Effekte von Steuern, Sozialhilfe, Versicherungen und Rentenversicherung, sowie Probleme wie asymmetrische Information, adverse Selektion und Marktversagen. Die Karteikarten sind für Studierende der Volkswirtschaftslehre geeignet, die sich mit den Auswirkungen staatlicher Eingriffe und deren Effizienz auseinandersetzen möchten.
Karten
64
Lernende
4
Sprache
Deutsch
Kategorie
VWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
28.01.2014 / 27.01.2026

Lernkarten

Ansatzpunkt Coase-Theorem

externe Effekte entstehen aufgrund unzureichend definierter Eigentumsrechte

--> Effizienz- und Invarianzaussage

Effizienzaussage (Coase-Theorem)

"Bei exakt zugeordneten Eigentumsrechten wird in Abwesenheit von Tranksaktionskosten das soziale Optimum realisiert"

--> externe Effekte internalisiert, Verhandlungen

Invarianzaussage (Coase-Theorem)

"Dies ist unabhängig davon wer die Eigentumsrechte besitzt."

Fall 1: ETR bei Geschädigtem

  • kann Verschmutzung verbieten/ zur Reinigung auffordern
  • Schädigender leistet Kompensationszahlungen (dadurch wird seine Produktion eingeschränkt, da ihm Kosten entstehen)

Fall 2: ETR bei Schädigendem

  • Geschädigter zahlt Kompensationszahlungen, sodass Schädigender Produktion einstellt, oder er erleidet den Schaden
  • Einschränkung der Produktion des Geschädigten, da ihm Kosten entstehen

 

--> Einigung so, dass soziales Optimum erreicht wird

--> Produktionsniveau in beiden Fällen gleich (effiziente Menge)

--> Zuordnung der ETR hat Auswirkung auf jeweilige Gewinne

Pigou-Steuer

  • Verursacher eines negativen externen Effekts zahlt Steuer in Abhängigkeit von Niveau seiner Aktivität
  • Steuersatz = Grenzschaden
  • GK + t = SGK = GZ
  • z.B. Umwelt- / Emissionssteuer

Problem: Einbußen müssen genau definiert sein --> sehr schwer

  • Äquivalenz von Pigou- Subventionen
  • Einnahmeeffekt der Steuer: Double Dividend
  • Informationsproblem: inkrementelles Vorgehen --> erst kleine Seuer, dann ggf. erhöhen

Unsicherheit kann durch ...... neutralisiert werden.

Versicherung

Faire Prämie der Versicherung

T = p/(1-p) * (xc-xa)      mit xa=Versicherung tritt ein und xc=Konsum

Prämie steigt in Versicherungsleistung und mit dem Risiko

Optimales Versicherungsniveau

xc= p*xa+ (1-p)*xb             = Erwartungswert

Beitragskalkulation

n*p1*x1+n*p2*x2= erwartetes Buget

Adverse Selektion

  • Versicherung nur kostendeckend mit Beiträgen, die schlechte Risiken abdecken
  • Prämie für HH mit gutem Risiko daher erhöht
  • Versicherung wird unattraktiv für gute Risiken
  • Versicherung attrahiert schlechte Risiken

Symmetrisch verteilte unvollständige Information

z.B. Wetter

  • alle Marktteilnehmer haben gleiche Informationsdefizite
  • Konkurrenzwirtschaft funktioniert
  • Verträge können auf erwartete Zustände konditioniert werden

Asymmetrisch verteilte unvollständige Information (vor und nach Vertragsabschluss)

Einzelne Personen mit mehr Infos, Prinzipal-Agenten-Verhältnisse wobei Agent mehr Infos hat

--> Folge: Marktversagen

1. Vor Vertragsabschluss: "verborgene Eigenschaften"

  • Agent kennt Qualität , Prinzipal aber nicht
  • führt zu adverser Selektion: negative Auslesen (market for lemons)
  • Konsequenz: Teilmärkte brechen zusammen

2. Nach Vertragsabschluss: "verborgene Handlungen"

  • Moral Hazard: Vertragsabschluss ändert Verhalten
  • ex-ante: sorgloserer Umfang, ungenügende Vorsorge
  • ex-post: kein Bemühen um Begrenzung der Folgekosten

Dilemma der asymmetrisch verteilten Information

alle Beteiligten würden sich besser stellen, wenn sie sorgfältiger wären

--> pareto-Verbesserung möglich

Kreditmarkt (guter und schlechter Schuldner)

  • Guter zahlt stets Zins und Tilgung, Schlechter ist öfter im Rückstand bzw. Zahlungsunfähig
  • Zuschlagskostenkalkulation: Kreditzins enthält Risikoprämie

--> bei einem Zins > Zins den gute Schuldner zu zahlen bereit ist, werden nur schlechte Schuldner nachfragen (Selektionseffekt)

  • Risikopool verschlechtert sich, Bank muss wiederum höheres Ausfallrisiko berücksichtigen -->Zins steigt
  • Effekt höherer Zinsen auf erwarteten Gewinn nicht monoton

--> direkter Effekt: positiv, indirekt aber negativ durch adverse Selektion

Lösungsmöglichkeiten für den Kreditmarkt

  • Vertragsabschluss mit Haftung
  • signalling: vertrauliche Selbstauskunft der Schuldner
  • Schufa
  • Iterative Beziehung: Hausbank
  • andere Finanzierungsmodelle: Leasing

Versicherung - Die Rolle des Staates

  • Ausfallversicherung durch US-Behörden
  • GmbHs
  • Haftungsprobleme setzen sich im Bankensystem fort

Altersvorsorge

  • Lebenszyklustheorie des Konsums
  • Altersvorsorge durch Ansparen
  • Unsicherheit über die Lebensdauer
  • Einzelfälle: zu viele / zu wenige Ersparnisse
  • Rentenversicherung auf Basis der Lebenserwartung: Effizienzvorteile

Gesetzliche Rentenversicherung

  • asymmetrische Info: bei privater Entscheidung adverse Selektion schlechter Risiken
  • Wettbewerb der Versicherer: schafft Anreize zum Cream-Skimming (=Schaffen eines Versicherungspool mit Menschen mit niedriger Lebenserwartung)
  • Zeitinkonsistente Präferenzen
  • Zielkonflikt mit Sozialhilfe: Moral Hazard, Trittbrettfahrerproblem

Staatliche Rentenversicherung - Bismarck-Typ

= beitragsfinanziert (Umlagefinanzierung)

  • Beiträge aus Lohneinkommen
  • Auszahlung variiert nach individuellen Einzahlungen
  • keine Kapitaldeckung
  • fixes Renteneintrittsalter

Staatliche Rentenversicherung - Beveridge-Typ

= steuerfinanziert (Mindestsicherung)

  • keine Kapitaldeckung
  • fixes Renteneintrittsalter

Kritik an der Rentenversicherung

  • Umlagefinanzierung sicher Ansprüche durch laufende Transfers
  • Arbeitsanreize: Gebührencharakter oder Zwangsbeitrag
  • Rendite im Bismarck-Prinzip unter Druck: demografischer Wandel
  • verdeckte Staatsverschuldung
  • intergenerative Umverteilung
  • einheitl. Renteneintrittsalter hat Verteilungseffekte
  • kein Berücksichtigung der Kindererziehung
  • Kapitaldeckung: Übergangsprobleme

Arbeitslosenversicherung - Probleme privater Versicherungen

  • adverse Selektion: Arbeitslosenrisiken unterschiedlich
  • Zielkonflikt mit Sozialhilfe (bei geringem Einkommen)
  • Moral Hazard: Verlust des Arbeitsplatzes vielleicht selbstverschuldet
  • Risiken sind zyklisch: konjunturelle Entwicklung

Arbeitslosenversicherung - Probleme der gesetzlichen Zwangsversicherung

  • Unterminierung des Arbeitsanreizes
  • Hysterese-Effekte
  • Rückwirkung auf Lohnverhandlungen
  • Interaktion mit anderen Sozialsystemen

Sozialhilfe (Formen, Bedingungen, Kennzeichen)

Formen

  1. Grundsicherung für Arbeitssuchende --> AL-Geld II, Sozialgeld
  2. Sozialhilfe: Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter bei Erwerbsminderung

Bedingungen

  • Faktorausstattung bestimmt das Einkommen
  • Umverteilung könnte an Faktorausstattung ansetzen (z.B. Humankapital wie Bildung)

Kennzeichen

--> Bedürftigkeitsprüfung und Subsidarität (erst alle anderen Einkommensquellen in Betracht ziehen)

Grundsicherung und Erwerbstätigkeit

  • Fehlanreiz auf Arbeitsangebot und Hysterese
  • Stilisiertes Modell
  • Bedürftigkeitsprüfung: abhängig vom Arbeitseinkommen
  • HH-Einkommen = L*w + T  (Arbeitszeit*Lohn + Transfers)

--> Reform: Y = L*w + ( T - L*w*t)     mit t=Transferentzugsrate, traditionelle Sozialhilfe t=100%

  • Bürgergeld = negative Einkommenssteuer
  • bei Harzt IV: Hinzuverdienstmöglichkeiten als Anreiz
  • weitere Vorschläge: Absenkung von T und t

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