Wirtschaft und Staat

Modul der Wiso Nürnberg

Modul der Wiso Nürnberg


Eva Vieregge
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Wechselwirkungen zwischen Staat und Markt, insbesondere die Rolle des Staates in der Wirtschaft. Sie beleuchten Themen wie Effekte von Steuern, Sozialhilfe, Versicherungen und Rentenversicherung, sowie Probleme wie asymmetrische Information, adverse Selektion und Marktversagen. Die Karteikarten sind für Studierende der Volkswirtschaftslehre geeignet, die sich mit den Auswirkungen staatlicher Eingriffe und deren Effizienz auseinandersetzen möchten.
Karten
64
Lernende
4
Sprache
Deutsch
Kategorie
VWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
28.01.2014 / 27.01.2026

Lernkarten

Normativer Ansatz (Frage, Nutzen, Beispiel)

  • Frage: Was sollte der Staat tun?
  • Nutzen: allgemeingültige Antworten finden
  • Beispiel: Sollte der Staat im Rahmen des Harzt VI Bildungspakets Gutscheine ausgeben oder die Familien lieber mit Bargeld unterstützen?

Positiver Ansatz (Frage, Nutzen, Beispiel)

Frage: Warum gibt es staatl. Eingriffe in die Wirtschaft? Wie werden sie vorgenommen?

Nutzen: deskriptiv, Schwebend --> Beurteilung der Zusammenhänge frei von Werturteilen

Beispiel: Warum wird die Erbschaftsteuer gesenkt?

Das Konzept der VGR

  • umfassendes, quantitatives Gesamtbild des wirtschaftl. Geschehens
  • betrachtet Entstehung, Verteilung und Verrechnung des BIP
  • Bestandteile: Inlandsprodukt-, Input-Output-, Vermögens-, Finanzierungs- und Erwerbstätigen- und Arbeitsvolumenrechnung
  • Überprüfung der Einhaltung der Ziele des Stabilitäts- und Wachstumspaktes

Öffentlicher Sektor

  1. Staatliche Gebietskörperschaften: Bund, Länder, Gemeinden
  2. Parafiski: Sozialversicherungen, Handwerkskammern = Nebenkörperschaften, die in finanzieller Eigenständigkeit (halb-)staatliche Aufgaben übernehmen
  3. Öffentl. Unternehmen und Verwaltungen: Bundesbank, Post, DB

Funktionen des Staates (3)

  • allokativ: effiziente Bereitstellung öffentl. Güter, Gewährleistung einer funktionsfähigen Wirtschaft, z.B. Verteilung von Subventionen, Steuern, öffentl. Leistungen, Zuordnung von Rechten
  • distributiv: Umverteilung von Mitteln, z.B. über Transfers, Steuern
  • stabilisierend: Dynamik des Marktes abfedern, z.B. durch antizyklische Budgetpolitik oder die Geld- und Währungspolitik der Zentralbank

Definition Staatsquote

  • monetäres Maß staatl. Aktivität
  • = Staatsausgaben / BIP
  • Deutschland: SQ zwischen 40 und 50%, liegt internat. im Mittelfeld

Länder mit hoher Staatsquote

skandinav. Länder, Frankreich, Österreich

--> teilweise korrespondiert hohe SQ mit Anteil der Beschäftigten im öffentl. Sektor

Länder mit niedriger Staatsquote

USA, Schweiz, einige mittel- und osteurop. Länder

Aussagefähigkeit der Staatsquote

  • konjunkturelle Schwankungen
  • durch Steuersystem / Subventionen zusätzl. Ressourcen gebunden
  • Schattenhaushalte
  • Ausgliederung in öffentl. Unternehmen
  • unsichtbare Ausgaben: Bürgschaften, Garantien
  • unterschiedliche politische Zielsetzungen, Wirtschaftsordnungen
  • "tax expenditures" = entgangene Einnahmen (Sofortabschreibungen, gemäßigte Tarife)

Normative Erklärungen für langfr. Zunahme der SQ (3)

  1. Urbanisierung: steigender Bedarf nach öffentl. Gütern/ Leistungen, Ausgaben für staatl. Leistungen in der Stadt höher als auf dem Land
  2. Wagner´sches Gesetz: Ausweitung der staatl. Aufgaben (Bildung, soziale Versorgung), Ausgaben wachsen schneller als BIP, moderne Interpretation: Einkommenselastizität der Nachfrage > 1 -->öffentl. Leistungen als superiore Güter
  3. Baumol´sche Kostenkrankheit: bei gegebener Lohnentwicklung und nur geringem Produktionsfortschritt im öffentl. Sektor wird SQ über die Zeit zunehmen, Voraussetzung: mangelnde Substituierbarkeit, z.B. Theater: Produktivität kann kaum gesteigert werden, in der Fabrik hingegen schon

Positive Erklärungen für langfr. Zunahme der SQ

  • Bürokratie, Interessengruppen
  • Displacement-Effekt: in Krisenzeiten kommt es zu überproportionalem Anstieg der Ausgaben (kaum Widerstand gegen höheres Niveau an Steuern) --> wird nicht wieder zurückgeführt ("Gewöhnungseffekt")
  • Stimmentausch, Fiskalillusion

Pareto-Kriterium

  • zur Beurteilung von Wohlfahrtsdifferenzen und Marktergebnissen
  • Wohlstandssteigerung nur, wenn mindestens ein Wirtschaftssubjekt eine Nutzenerhöhnung erfährt und kein anderes Minderung erleidet
  • effiziente Verteilung von Produktionsfaktoren wünschenswert, da grundsätzlich Problem der Knappheit
  • Markt mit vollkommener Konkurrenz erreicht Ziel, da alle Akteuer nach individueller Zielerfüllung streben
  • Staat als Hüter des Wettbewerbs, staatl. Eingriffe gerechtfertigt bei Marktversagen

Erster Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik

Ein dezentrales Wettbewerbsgleichgewicht, in welchem Haushalte und Firmen als Preisnehmer agieren, ist pareto-effizient.

Zweiter Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik

Wenn HH und Firmen als Preisnehmer agieren, kann jede mögliche pareto-effiziente Allokation durch ein dezentrales Wettbewerbsgleichgewicht erreicht werden, wenn die Anfangsausstattungen entsprechend umverteilt werden bzw. wenn entsprechende Pauschaltransfers vorgenommen werden.

Implikationen der Hauptsätze

  • Rolle des Staates als Hüter des Wettbewerbs
  • Effizienz und Verteilung stehen nicht im Konflikt
  • Bewertung alternativer Nutzenverteilungen: 3.Theorem betont Unmöglichkeit zu axiomatisch konsistenter Bewertung zu kommen

Einschränkungen der Hauptsätze

  • 1. HS: unvollständige Konkurrenz, öffentl. Güter, externe Effekte, Informationsasymmetrien -->Marktversagen
  • 2. HS: Zielkonflikt zw. Effizienz und Gerechtigkeit, Theorie des Zweitbesten

Anbieterverhalten bei vollkommener Konkurrenz

  • Anbieter ohne Marktmacht, Preisnehmer
  • Gewinn = px - K
  • Gewinnmaximierung bei Preis = GK

Monopolfall

  • Preis nicht gegeben, inverse Nachfrage p = a-bx
  • Erlös px = ax - bx2 , Gewinn = ax - bx2 - K
  • gesamtwirtschaftliche Effizienz nicht gegeben
  • Zerschlagung durch Staat nicht pareto-superior, da Monopolist dann seinen Gewinn verliert
  • allerdings: Nutzenverlust größer als Monopolgewinn!!

Wettbewerbspolitik nach Ludwig Erhardt

  • soziale Marktwirtschaft = Verpflichtung, sich durch eigene Leistung im Wettbewerb mit den Konkurrenten die Gunst des Verbrauchers zu verdienen
  • Problem der wirtschaftlichen Macht als möglicher Störfaktor --> Staat als Aufpasser

Instrumente zur Beschränkung von Marktmacht

  • Abbau von Markteintrittsbarrieren, Öffnung von Märkten
  • Abbau staatl. Protektion (lieber den Wettbewerb fördern)
  • Verbot von Preisabsprachen, Kartellverbot
  • Fusionskontrolle
  • Regulierung bei marktbeherrschender Stellung, z.B. Telekom

Voraussetzung eines langfr. Monopols

es müssen Markteintrittsbarrieren bestehen

  • Ressourcen (Wasserquelle, Kupfermine)
  • staatl. Lizenzvergabe, Patente
  • technolog. Überlegenheit (Pioniergewinne)
  • Größenvorteile, steigende Skalenertäge (Unteilbarkeiten, Mindesteinsatzmengen, Lernkurveneffekte, hohe Anfangsinvestitionen)

Größenvorteile in der Produktion

  • konstante SE: Benchmarkfall
  • steigende SE
  • sinkende Durchschnittskosten

--> Kostenvorteile und versunkene Kosten (Irreversibilität) verhindern Marktzutritt

--> Gefahr ruinöser Konkorrenz

Natürliches Monopol

  • ein Unternehmen kann den Markt kostengünstiger versorgen als mehere kleine
  • dann der Fall, wenn Nachfrage im Bereich fallender Durchschnittskosten liegt (z.B. Steigende SE)

Die Größe eines Marktes spielt eine Rolle, weil...

Beschränktheit zu natürlichem Monopol führt (mehrere Unternehmen haben keinen Platz)

--> steigt Nachfrage, dann bleibt Bedingung für natürl. Monopol nur erhalten, wenn auch Größenvorteile erhalten bleiben

Staatseingriffe bei einem natürlichen Monopol (3)

1. Kostenorientierte Regulierung: spezifische Kostenstrukuren nicht beobachtbar (Infoasymmetrie), Monopolist hat keinen Anreiz seine wahren Kosten zu offenbaren

--> Angebot zu GK: effiziente Menge, Verlust da Preis unterhalb der DK

--> Angebot zu DK: Dk gedeckt, keine effiziente Menge

2. Preisdifferenzierung: z.B. gespaltener Tarif mit Grundgebühr um Fixkosten zu decken und variablem Preis entsprechend der GK für jede konstante Einheit

--> Nachteile: Beobachtbarkeit der Kosten, kann Nachfrager aus dem Markt drängen

3. Öffentliches Unternehmen:

--> Vorteile: Vergesellschaftung der Monopolgewinne, öffentl. Unternehmen verfolgen auch andere Ziele (politisch und gesellschaftlich)

--> Nachteile: Vergesellschaftung der Monopolgewinne, generelle Effizienzverluste

Versteigerung --> Lizensierung

  • maximales Gebot für Monopolrechte sollte Barwert der Erträge entsprechen
  • Steuercharakter
  • Voraussetzung: hinreichende Festschreibung der Bedingungen für Leistungen und Tarife
  • Befristung

Probleme:

  • Winner´s Curse
  • Abschreibungen
  • Effekte auf Marktstruktur

--> Regulierungsaufgabe bleibt erhalten

Merkmale monopolitischer Konkorrenz

  • Preise liegen über GK
  • Preise über Minimum der Kosten: Überkapazitäten
  • Übermaß an Produktdifferenzierung / Werbung
  • moderne dynamische Sicht: F&E hat Produktivitätseffekte

Definition perfekt bestreitbarer Markt

  • Markt, bei dem bereits 2 Anbieter ausreichen, um vollkommene Konkurrenz zu erreichen (effiziente Menge/ Wohlfahrtsmaximum)
  • keine/wenige Markteintrittsbarrieren
  • sunk costs relevant, da diese den Markteintritt erschweren (irreversible Kosten wie Anlagen, Werbeausgaben)

Private und öffentl. Güter: Rivalität + Ausschließbarkeit

  1. Private Güter: hoch + hoch (z.B. Wohnung)
  2. Klubgüter: niedrig + hoch (z.B. Fernstraßen)
  3. Allmendegüter: hoch + niedrig (z.B. Fischbestände)
  4. Rein öffentl. Güter: niedrig + niedrig (z.B. Landesverteidigung)

Kollektive Bereitstellung

Staat kann Bereitstellung eines Gutes übernehmen

ABER: um effiziente Menge zu ermitteln, braucht er Zahlungsbereitschaften der Konsumenten

--> meist kein Anreiz wahre ZBS zu offenbaren

Trittbrettfahrerproblem

man kann öffentl. Güter nutzen, ohne dafür zu zahlen. Denken alle so, erfolgt keine Bereitstellung und effiziente Menge wird nicht erreicht

Übertragung der Produktion auf öffentl. Unternehmen

  • mangelnder Wettbewerbsdruck und mangelnde Messbarkeit des Outputs --> begünstigt Ineffizienz
  • Kontrollfunktion durch Rechnungshöfe (court of auditors)
  • Managementmethoden und öffentl. Verwaltung
  • Effizienzsteigerung durch Private-Public-Partnership

Klubgüter

  • hohe Ausschließbarkeit ermöglicht Zahlungsbeitrag
  • Nichtrivalität impliziert Größenvorteile
  • Mitgliedsbeitrag deckt Kosten
  • Überfüllung: nutzungsabhängige Gebühr
  • Anwendung bei spezifischen Gütern

Lokale öffentliche Güter

  • bedingte Ausschließbarkeit durch Wohnsitz
  • ganze Bündel von Gütern
  • Finanzierung durch einwohnerbezogene Steuern und Grundsteuern
  • Äquivalenzprinzip: Steuerlast = Nutzen aus Gütern
  • Standortwahl als Wettbewerbsprozess
  • Dezentralisierung im öffentl. Sektor
  • Aufgabenverteilung im Förderalstaat

Externer Effekt

direkte Nebenwirkung ökonomischer Entscheidungen auf andere WS-Subjekte, nicht über das Preissystem

pekuniäre externe Effekte

wirken indirekt über das Preissystem --> keine Effizienzeinbußen

Beispiele für negative externe Effekte

Umweltverschmutzung, Übertragung von Schädlingen durch Fernhandel, Rauchen, Fischen

Beispiele für positive externe Effekte

Forschungsanstrengungen, Impftätigkeit, Fassadenrenovierung, Netzwerkeffekte, Produktvielfalt von Märkten

Rat Race

Karriereanstrengungen

Internalisierung (Lösungen)

Verursacher eines externen Effekts dazu bringen, den Nebeneffekte in seiner Kostenrechnung zu berücksichtigen

1. Private Lösungen

  • Internalisierung i.e.S. z.B. Fusion
  • Verhaltensregeln
  • Verhandlungen (Coase-Theorem)

2. staattl. Lösungen

  • Steuern, Subventionen
  • Regulierung
  • Zertifikate (teilen Emissionsrechte zu)

--> Probleme: Ineffizienz, global: Leakage (man bekommt nicht alle an einen Tisch)

Lernen