VÜ Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, Kapitel 2

Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 2: Datengrundlagen für Bevölkerungswissenschaftliche Untersuchungen

Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 2: Datengrundlagen für Bevölkerungswissenschaftliche Untersuchungen

Florian Kaltseis
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Florian Kaltseis
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über die Bevölkerungsgeographie auf Universitätsniveau. Sie behandeln Themen wie die Erhebung und Qualität von Bevölkerungsdaten, Registerzählungen, Wanderungsstatistiken und demographische Ereignisse. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende der Geographie, die sich mit Bevölkerungsstatistiken und deren Analyse befassen. Sie bieten detaillierte Einblicke in die Methoden und Herausforderungen der Datenerfassung und -auswertung, was für die akademische Forschung und Praxis von großer Bedeutung ist.
Flashcards
28
Students
5
Language
German
Category
Geography
Level
University
Created / Updated
12.03.2014 / 26.06.2017

Flashcards

Statistiken des Bevölkerungsstanden vs. Statistiken über demographische Ereignisse

Statistiken des Bevölkerungsstanden ("stock")
diese Statistiken wollen die Zahl, Zusammensetzung und räumlich Verteilung der Bevölkerung erfassen.

  • De-Jure-Konzept
  • De-Facto-Konzept
     
  • Volkszählung
  • Registerzählung
     
  • jährlicher Bevölkerungsstand/ Fortschreibung
  • Mikrozensus (Arbeitskräfteerhebung der EU)
  • Personenstandserhebung

 

Statistiken über demographische Ereignisse ("flow")

  • Standesfälle
  • Wanderungsstatikstik
  • Einbürgerungsstatistik

De-Jure-Konzept vs De-Facto-Konzept

De-Jure-Konzept

  • Erfasst alle Personen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Raumeinheit dauerhaft wohnhaft bzw. amtlich registriert sind
  • Also werden auch bereits verzogene aber nicht umgemeldete Personen erfasst.

De-Facto-Konzept

  • Tatsächlich zu einem Zeitpunkt anwesende Personen, auch wenn sie nur kurzfristig anwesend sind.
  • Also werden auch Personene, die woanders gemeldet sind erfasst.

 

In der Anwendung meist Mischform aus beiden Konzepten.

Volkszählung (Zensus)

Eine Volkszählung ist ein komplexer Vorgang über

  • die Erhebung, Aufbereitung und Veröffentlichung
  • demographischer, ökonomischer u. sozialer Daten
  • über alle Personen eines Landes oder genau abgegrenzten Gebiets
  • zu eine bestimmten Zeitpunkt.

verschiedene Arten der VZ:

  • Primärzählung (alle Personen werden befragt)
  • Kombinationen Vollerhebung (mittels repräsentative Stichproben)
  • registergestützte Zählung

Anforderungen an eine moderne VZ

  1. Vollständigkeit
  2. Gleichzeitigkeit
  3. Einzelpersonen als Einheit der Zählung
  4. Zweifelsfrei Abgrenzung des Gebietes
  5. Aufarbeitung
  6. Periodizität

Wann war die erste moderne VZ in Österreich?

1869

Probleme mit Zensusdaten

  • unterschiedliche Zuverlässigkeit
    • Boykott (zB. "jedi-movement" in Australien)
    • gezielte Manipulation (zB Bosnien-Herzegowina, Ausländer kommen und machen ihr Kreuzerl um ihre Glaubensgeschwister zu unterstützen)
    • Daten sind nicht bekannt (zB Geburtsdaten, viele geben an, sie wären 20, 30,...)
  • uneinheitliche Definition (zB was ist Stadt?)
  • Änderung der Erhebungsmerkmale zwischen Zensen (zB Änderung der Grenzen für Klassifikation)
  • Änderung des Erhebungsgebietes (zB Gemeindezusammenlegungen)
  • Daten werden nicht veröffentlicht aus politischen Gründen (zB "keine" Kurden in der Türkei)

UNO Programm zu VZ

  • Weltzensus ist keine Lösung (unterschiedliche Stichtage, Zählintervalle,...)
  • Mindestanforderung an Erhebungsmerkmale
  • Unterscheidung der Datenqualität in
    • A-Daten: alle 10 Jahre, hohe Genauigkeit
    • B-Daten: alle 15 Jahre, Bevölkerungsregister vorhanden
    • C-Daten: Schätzung der Bevölkerungsbewegung aufgrund genauer VZ
    • D-Daten: unzuverlässige, unvollständige Daten und Schätzungen

Wieviele Milliarden Einwohner hat China?

1,4

Wieviele Milliarden Einwohner hat Indien?

1,3

Wieviele Millionen Einwohner haben die USA?

300

Wieviele Millionen Einwohner hat die EU?

500

Wie viel Prozent war die globale Wachstumsrate 2013?

1,2

Definition bzgl. VZ: Wohbevölkerung vs anwesende Bevölkerung

Wohbevölkerung = De-Jure-Bevölkerung (ab VZ 1934)
Summe der Personen, die zum Stichtag ihren ständigen Wohnsitz in der Raumeinheit hatten.

anwesende Bevölkerung= De-Facto-Bevölkerung (bis VZ 1923)
Summe der Personen, die zum Stichtag ihren in der Raumeinheit hatten anwesend waren, unabhängig von ihrem ständigen Wohnort (zB Saisonarbeiter)

Definition Hauptwohnsitz

Hauptwohnsitzgesetz 2001:

  • Jener Ort, den eine Person ihre Unterkunft begründet
  • um ihn zum Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen (in beruflicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht).
  • Trifft das auf mehere Orte zu, so zählt jener mit dem überwiegenden Nahverhältnis.
  • Wichtig sind v.A.: Aufentahltsdauer, von wo geht man zur Arbeit, wo wohnen minderjährige Kinder,...

Was wurde bei VZ 2001 gefragt?

  1. Geburtsdatum (Alter)
  2. Geschlecht
  3. Familienstand
  4. Geburtsland
  5. Staatsangehörigkeit
  6. Umgangssprache
  7. Stellung im Haushalt
  8. Religionsbekenntnis
  9. Anzahl geborener Kinder
  10. abgeschlossene Ausbildung
  11. derzeitiger Schulbesuch
  12. Erwerbstätigkeit und Lebensunterhalt
  13. Stellung im Beruf
  14. Berufsbezeichnung
  15. Arbeitsstätte und Branche
  16. Wohnort/Arbeits- bzw. Ausbildungsort
  17. Pendlerweg

Registerzählung:

  • Was ist das?
  • Vor-/ Nachteile

  • Die ständig laufenden Register in denen verschiedenste Daten zu den Personen aus administrativer Notwendigkeit geführt werden fließen in der Registerzählung zusammen.
  • Das passiert am Stichtag 31.Okt
  • Dazu wird ein BPK-AS (Bereichsspezifisches Personen Kennzeichen der Amtlichen Statistik) verwendet um die Datensätze zusammenzuführen, jedoch keine Rückschlüsse auf Individuen zu erlauben.
  • Die Daten werden weiterhin in Tranchen veröffentlicht.
     
  • Vorteile:
    • billiger
    • Daten sind früher Verfügbar
    • Bevölkerung wird nicht mit Begragung belatstet
    • Es kann in kürzeren Intervallen erhoben werden
  • Nachteile:
    • Merkmale, die in keinem Register vorkommen können nicht mehr erhoben werden.
    • Melderealität ist nicht gleich gelebte Realität: Schwarzarbeiter können gar nicht mehr erafsst werden, mithelfende Angehörige werden untererfasst.

Welche Basisregister gibt es?

  • Zentrales Melderegister (ZMR)
  • Gebäude- und Wohnungsregister (GWR)
  • Unternehmensregister
  • Bildungsstandregister
  • Register des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger
  • Daten der Schul- und Hochschulstatistik
  • Daten des Arbeitsmarktservice
  • Stammdaten der Abgabenbehörden des Bundes

Definition bzgl. Registerzählung: Wohbevölkerung bzgl. Registerzählung

Im folgenden ist der Hauptwohnsitz ausschlaggebend

  • Zur Wohnbevölkerung werden nur jene Personen gezählt, die in Österreich mindestens 90 Tage ununterbrochen mit Hauptwohnsitz gemeldet sind;
  • In Analogie dazu werden auch jene Personen zur Wohnbevölkerung gezählt, die eine Meldeunterbrechung von weniger als 90 Tagen aufweisen (nur weniger als 90 Tage im Ausland wohnten).
  • Um Gefälligkeits Ummeldungen zu vermeiden zählen menschen, die um den Stichtag weniger als 180 Tage in der Gemeinde zu der sie am Stichtag wohnen gewohnt haben (also erst vor kurzem hingezogen) nicht zu jener Gemeinde.

Datenqualität der Registerzählung

  • Qualität hängt nicht mehr von Auskunftsbereitschaft sonder von der Qualität der Register ab
     
  • v.A. bei unveränderlichen Personendaten, die in vielen Registern vorkommen (Geschlecht, Geburtsdatum, Geburtsland,...) sehr hoch
  • Es können Aktualitätsprobleme bei veränderlichen Merkmalen auftreten (Familienstand, Staatsangehörigkeit,...)

Bildungsstand

  • Es kann Probleme bei kleineren Gruppen (zB Ausländern) geben.

Lebensunterhalt, Erwerbstätigkeit und Arbeitsweg

  • Selbsteinschätzung weicht sehr ab => Registerzählung weicht von VZ ab
  • => Untererfassung von "mithelfenden Familienangehörigen".
  • Schwarzarbeiter werden nicht erfasst => weniger Erwerbstätige
  • Merkmale fehlen noch: Arbeitsort, Berufsbezeichnung

fehlende Merkmale

  • Umgangssprache
  • Religionsbekenntnis
  • Zahl der lebendgeborenen Kinder (von Frauen)
  • Zeitaufwand und Verkehrsmittelwahl für den Arbeitsweg

 Bevölkerungsstand und Fortschreibung

  • Mit Fortschreibung ist gemeint, dass nach einer VZ (die Grundlage der Fortschreibung) die weitere Entwicklung bis zur nächsten VZ geschätzt wird.
  • Das geschieht auf Basis der demographischen Grundgleichung.
  • Die einzelnen demographischen Grundvariablen werden von den entsprechenden österreichischen Ämtern geliefert.
  • Bei der nächsten VZ kommt es zu einer Bevölkerungsrückschreibung, d.h. die Differenz aus Fortschreibung und Ist-Stand lt. VZ wird ausgeglichen.
  • Der Bevölkerungsstand wird jährlich veröffentlich und gibt Struktur nach Merkmalen der Personendaten des POPREG für den 1. Jänner vor.

POPREG - Was ist das, wie funktioniert es?

POPREG = Populations Register - Das neue bevölkerungststatistische Datenbanksystem der Statistik Austria.

  • Bestandsdaten ("stocks"):
    Hier wird jedes Quartal die Bevölkerung lt. ZMR am Stichtag erfasst. Dabei hat jeder Datensatz (welcher einer Person entspricht) folgende Merkmale:
    • BPK-AS
    • Meldekey (ID der Haupwohnsitzanmeldung)
    • Personenmerkmale (Geschlecht, Alter, Staatsbürgerschaft, Familienstand, Geburtsland)
    • etc.
       
  • Bewegungsdaten ("flows")
    Hier werden alle An-/ Abmeldungen während des Quartals erfasst. Jeder Datensatz enthält zusätzlich zu den Merkmalen der Bestandsdaten noch folgen:
    • Herkunftsland bei Zuzug, Zielland bei Wegzug
    • Meldegrund (umgezogen, Nebenwohnsitz wird Hauptwohnsitz,...)

Mikrozensus alt

alter Mikrozensus

  • vierteljährlich
  • Interviews direkt an den Wohnungen
  • repräsentative Stichprobe (nur 1% der Wohnungen werden befragt)
  • Merkmale:
    • Wohnungsgröße, -ausstattung, -kosten
    • demographische, sozioökonomische und bildungsmäßige Situation

Mikrozensus neu

  • Seid 2004 wegen EU Verordnung
  • kontinuierliche Erhebung (d.h. Wochentage werden gewechselt)
  • Merkmale:
    • demographische Merkmale
    • Fragen zur Erwerbssituation (2 Erwerbstätigkeiten, Arbeitszeit, Unterbeschäftigung)
    • Arbeitssuche
    • schulische u. berufliche Bildung
    • Situation im vorigen Jah

Statistik der Standesfälle

  • In dieser Statistik findet man
    • Geburten
    • Sterbefälle (mit Todesursache)
    • Eheschließungen
  • hohe Qualität wegen Urkundencharakter und fortlaufender Nummerierung
  • Erhebung laufend, Veröffentlichung jährlich
  • Standesfälle welche im Ausland (zB Tod während Urlaub) passieren, werden nicht erfasst.

Seid 2013 sollen alles Standesfälle zentral im ZPR (zentrales Personenstands Register) archiviert und dokumentiert werden (zusätzlich zur dezentralen in den Standesämtern).

Wichtigste Merkmale der Standesstatistik

Geburtenstatistik:

  • bei unehelichen Geburten wird kein Vater dokumentiert
  • Geburtenfolge

Verstorbenenstatistik:

  • Bei Ehe werden Personendaten des Ehepartners dokumentiert
  • Todesursache, Obduktion ja/ nein

Eheschließung:

  • Information über frühere Ehen
  • Falls kein gemeinsamer Wohnort, zählt Wohnort des Mannes

Wanderungsstatistik

  • eher niedrige Datenqualität (Doppelmeldungen, versäumte An-/ Abmeldung, unterschiedliche Auslegungen,...)
  • Unterscheidung nach Hauptwohnsitz Dauer:
    • <90d Hauptwohnsitz wird nicht als Wanderung gezählt
    • Short-Term-Migrant: 90d-364d Hauptwohnsitz
    • Short-Term-Migrant: >364d Hauptwohnsitz

vor 1996

  • Residualmethode: errechnen durch umformen der demographischen Grundgleichung
  • => nur Saldo bekannt, nicht wie hoch die Differenz ist.
  • Richtung der Bewegung auch nicht bekannt.

1996-2001

  • Melderegister steht zur Verfügung => Bewegungen über Gemeindegrenzen bekannt

ab 2002

  • POPREG erlaubt selbst Erfassung innerhalb von Gemeindegrenzen

Fehlerquellen in den Statistiken zu demographischen Ereignissen

Bevölkerungstand Vorjahr - Bevölkerungs aktuelles Jahr = demographische Grundgleichung
Das stimmt leider nie, weil es zu Ungenauigkeiten kommt => statistische Korrektur ist notwendig.

Fehlerquellen:
Sind die entsprechenden Personen ansprechbar => RSB-Brief

  • Sterbefälle und Geburten von Österreichern im Ausland
  • Sterbefälle, die nicht eingetragen werden und als Karteileichen weiter existieren
  • Mehrfachzählungen
  • Fehler bei Zusammenführung der einzelnen Register

Statistik der Einbürgerungen

seid 2013 gibt es auch ein ZSR Zentrales Staatsbürgerschafts Register, in welchem Einbürgerungen verzeichnet werden.
Sehr hohe Qualität wegen Urkundencharakter

  • Einbürgerung ist auf 4 Arten möglich
    • durch Verleihung (>10 Jahre, nachhaltige Integration)
    • Erstreckung der Verleihung auf Familienangehörige (Ehepartner und minderjährige Kinder)
    • für außerodrentliche Verdienste
    • nach Eheschließung

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