Verantwortung der Finanzmärkte Vorlesung 12
Huppenbauer
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Flashcards
Verantwortung als 4-stelliger Relationsbegriff
Jemand (eine Person, eine Gruppe, ein Unternehmen: also ein Verantwortungssubjekt) ist verantwortlich ...
für etwas (eine Handlung, Handlungsfolge, Ereignis, Produkt usw.: Verantwortungsobjekt) ...
vor oder gegenüber einem Adressaten oder einer Instanz (bspw. die direkt Betroffenen, Stakeholder, die moralische Gemeinschaft oder die Vernunft)
aufgrund bestimmter normativer Kriterien (moralische Normen und Werte; bestimmte organisatorische Rollen usw.).
Ethische Normen im Finanzsektor
Unbestritten sind moralische Normen wie Verbot von Gewalt, Betrug,
Manipulation, Brechen von Versprechen, Korruption und Bestechung usw.
Moralisch geboten ist heute Wissen und Information über die möglichen Risiken von Finanzprodukten, sowie entsprechende Vorsichtsmassnahmen, faire Verteilung von Risiken, keine Externalisierung der Kosten usw.
Umstritten sind die Frage der Eigenverantwortung und des Schutzes der Kunden bei bestimmten Finanzprodukten (im Vergleich zu anderen Branchen); die Frage des Ausnutzens rechtlicher Lücken usw.
Individuelle Verantwortung in Unternehmen
Neben Kausalität, Intentionalität und Wissen bestimmen spezifische Funktionen, Rollen und Positionen innerhalb des Unternehmens die Verantwortlichkeit einzelner Personen.
Geteilte ethische Verantwortlichkeit lässt sich nicht eindeutig in Prozent zuschreiben, sondern nur komparativ:
abhängig von Macht, Einfluss, Wissen und (legitimen und/oder nicht-legitimen) Profiten im Verhältnis zu andern.
Prinzipien kollektiver ethischer Verantwortung
Unternehmen sind für ihre geplanten («intentionalen») Aktivitäten
verantwortlich (Vermeiden absehbarer Schäden).
Sie sind («nach-klassisch»: ohne schuldhaftes Verhalten) für einige nicht
direkt intendierte Handlungsfolgen verantwortlich.
Vgl. Gefährdungshaftung für das typische Risiko einer Sache(Fahrzeuge, GVO, AKW, Medikamente – und Finanzprodukte?).
Sie haben die Verantwortung, in ihren Wertschöpfungsketten keine moralischen Verfehlungen (wie z.B. Menschenrechtsverletzungen) zuzulassen, respektive aus ihnen zu profitieren.
Verschränkung von individueller und kollektiver Verantwortung nach aussen
Verantwortung von einzelnen Mitarbeiter/innen: einzeln oder einige, respektive alle (partizipatorisch).
Manchmal auch wenn sie etwas nicht direkt kausal verursacht haben (repräsentativ).
Unternehmen als solches: z.B. wenn keine natürliche Person eindeutig als Träger von Verantwortung identifizierbar ist, sowie bei bestimmten, schwer wiegenden oder regelmässig wiederkehrenden Verfehlungen.
Gesellschaftliche Ebenen der Verantwortung
Einzelne Personen (a) im Rahmen der für alle geltenden allgemeinen moralischen Pflichten, aber (b) auch in Rollen mit spezifischen Verantwortlichkeiten wie z.B. als Manager, Treuhänder, Konsument, Händler usw.
Einzelne Unternehmen und Organisationen (wie NGOs, Parteien, Kirchen usw.) als so genannte kollektive Akteure.
Der Staat (und seine Organe), und damit in einer Demokratie auch die einzelnen Bürger/innen und weitere zivilgesellschaftliche Akteure.
Staatliche Gesetze (staatlicher Zwang!) sorgen dafür, dass Ansprüche bspw. von Stakeholdern wirklich respektiert werden und dass ethisch geführte Unternehmen am Markt nicht benachteiligt sind.
Ethik-Umsetzung im Unternehmen
Organisations- und Führungsstrukturen ermöglichen die Implementierung
in den alltäglichen Routinen des Unternehmens.
Konflikte zwischen ökonomischen Zielen und ethischen Ansprüchen nicht nach unten delegieren!
Die mit Rollen- und Funktionen gegebene Verantwortung ist klar definiert.
(Ökonomische) Anreize: Belohnung für moralisches Verhalten resp. Bestrafung für unmoralisches Verhalten.
Führungsverantwortliche müssen (a) selbst moralisch integer sein (b) als moralische Vorbilder dienen («ethical leadership») und (c) eine ethische Unternehmenskultur etablieren.
Verhältnis von Recht und Moral
Was moralisch recht oder unrecht ist, muss nicht notwendigerweise in staatliches Recht implementiert werden.
(Zu) Viele rechtliche Regulierungen verhindern Innovation, verursachen unternehmensinterne und soziale Kosten, bringen Wettbewerbsnachteile mit sich usw.
Wenn moralisch relevante Fragen rechtlich nicht reguliert sind, sollten Unternehmen sich selbst auf bestimmte moralische Standards verpflichten
Rechtliche Kodifizierungen sind sinnvoll
... zum Schutz moralisch besonders wichtiger
Güter, Werte und Interessen, und
... falls sich Akteure ohne sie (aus welchen Gründen auch immer: von Marktnachteilen, Uneinsichtigkeit bis hin zu bewusst unmoralischem Verhalten) nicht anständig verhalten, sowie
... unter Berücksichtigung der negativen Folgen der Regulierung.