Variantenvielfalt
AIIT
AIIT
-
- 1 / 10
-
Lernkarten
Komplexität und Variante
Komplexität:
- Gesamtheit aller Merkmale, Möglichkeiten (z.B. eines Begriffes, Zustandes); Vielschichtigkeit
- komplex: vielfältig zusammengesetzte Einheit, Gesamtheit
Variante:
- leicht veränderte Art, Form von etwas; Abwandlung, Abart, Spielart
- DIN: Gegenstände ähnlicher Form oder Fkt. mit einem in der Regel hohen Anteil identischer Gruppen oder Teile
Problematik der Variantenbildung:
- Anreize zur Erhöhung der Vielfalt
- Auswirkungen
- Schwächen
Varianzarten
- Technische Varianten
- Geometrievarianten
- Materialvarianten
- Technologievarianten
- Strukturelle Varianten
- Variierende Zuordnung von Komponenten
- Beispiele: Farbwahl, Unterschiedliche Anzahl an optionalen Komponenten (Kopfstützen an Rücksitzbank im Automobil
Probleme die zur Varianz führen
bzgl. Funktionen
- Nicht alle Funktionen sind miteinander in einem Produkt kombinierbar.
- Ursachen können ein begrenzter Bauraum, eine geringe Rechenleistung oder Energieversorgung oder funktionale Inkompatibilitäten sein
bzgl. Bauformen
- Nicht nur die sichtbaren Komponenten unterscheiden sich. Oft ist eine Anpassung vieler nicht sichtbarer Komponenten zusätzlich erforderlich
bzgl. Erscheinungsformen
- Erweiterung der Farbpalette kann schnell zu vielen Varianten führen
- In der Fertigung müssen Farben u. Werkzeuge entsprechend geplant werden
- Montage darf nur bestimmte Farben f. Gehäuse u. Bedienteil kombinieren
- Anmerkung: Zuvor wurde nur die Trendfarbe weiß angeboten und von vielen Kunden als Markenzeichen verstanden
SAs
Sonderausstattungen sind Varianten, die über die Ausstattung des Basismodells hinaus gehen.
Es gibt folgende Klassen von Sonderausstattungen:
- Serien
- 100% ⇒ Für bestimmte Typen bzw. Länder
- länderbezogene ⇒gesetzliche Einflüsse
- vertriebsbedingte ⇒Marktspezifische SAs
- technisch bedingte ⇒technische Anforderungen
- freie ⇒durch Kunden wählbar
Fazit zur Variantenbildung
- Die Steigerung der Variantenanzahl bedingt oft auch eine Steigerung der Komplexität des Angebotsspektrums
- Nicht alle Varianten setzen die gleichen Funktionen, Baugruppen, Bauteile oder Materialien ein
- Nicht alle Varianten werden durch Einbindung gleicher Lieferanten erzeugt
Auswirkungen auf die Komplexität der Prozesse in Beschaffung, Logistik, Produktentwicklung, Produktion und Vertrieb:
- Erhöhter Konstruktions- und Entwicklungsaufwand
- Zusätzliche Kosten im Einkauf durch Mindermengen oder Erstbeschaffung
- Zusätzliche Arbeiten in der Arbeitsvorbereitung und Fertigung durch neue oder zusätzliche Fertigungsverfahren, -schritte, Materialien etc.
- Vernetzung mit mehr Zulieferern notwendig
- Vorhaltung zusätzlicher Ersatzteile im Produktlebenszyklus
- Mehr Varianten, jedoch geringere „Take-Rate“ pro Variante (nicht jede potentiell mögliche Variante wird vom Kunden angenommen)
- Mehr Varianten und geringe Take-Rate führen zu unerwünschten Mehrkosten, die nicht immer durch größeren Marktanteil kompensiert werden.
Verschwendungsfaktoren steigen ggf. mit steigender Variantenanzahl:
- Längere Wartezeiten
- Überproduktion
- Unnötige Bewegungen
- Unnötige Transporte
- Nicht erforderliche Bestände
- Produktfehler und Produktionsdefekte
- Zusätzlicher Flächenbedarf
Komplexitäts- und Variantenmanagement (Ziele)
- Erhöhung der Produktvielfalt zur gezielten Steigerung des Kundennutzen
- Umsetzung geringeren Kosten trotz gesteigerter Produktvielfalt
- Verbesserung der Geschäftsprozesse in Produktplanung, Entwicklung, Beschaffung, Logistik, Produktion, Montage, Vertrieb, After-Sales, etc.
- Reduzierung, Vermeidung und Handhabung von Komplexität
Ausbaustufen der Produktindividualisierung
keine bis weinige Varianten⇒Kundenindividuelles Produkt
Kundensicht
- Keine Varianten
- Variantenauswahl
- Geschlossene Konfiguration
- Offene Konfiguration
- Entwicklungsauftrag
Vertriebssicht
- Pick to Order
- Configure to Order
Produktionssicht
- Build to Stock
- Build to Order
- Assemble to Order
- Engineer to Order
Einfluss der Variantenbildung auf die IT-Systeme
Welche Inhalte werden in welchen Systemen verarbeitet und welche Probleme entstehen dabei?
- Entwicklung und CAD
- Wie wirken sich die Varianten auf die Parametriesierung von Bauteilen aus?
- Änderung an einer Bauteilschnittstelle führt ggf. zur Änderung an mehreren Varianten
- Stücklistenerzeugung für jede Variante notwendig
- Ausnutzung von Kommunalitäten z. B. bei der Gelichteilverwendung
- PDM
- Vercodung von Varianten: Wie werden die Teilenummern etc. aufgebaut?
- Unterscheidung von Fixteilen, variierenden Teilen (Alternativen) und optionalen Teilen/Gruppen
- Stücklistenverwaltung (Variantenstücklisten)
- Ausnutzung von Kommunalitäten um Redundanzen im Speicherbedarf zu einzusparen
- ERP (Enterprise Ressource Planning)
- Disposition: Wann muss welche Variante geliefert werden?
- Lagerhaltung: Welche Teile müssen für die Herstellung der georderten Variante noch eingekauft oder gefertigt werden?
- Betroffene Stücklisten: Beschaffungsstücklisten, Dispositionsstücklisten
- PPS (Produktionsplanung und -steuerung)
- Welche Bestellungen können in Serien/Batches gefertigt/montiert werden?
- Wie lässt sich die Fertigung in Batches mit dem Lagerbestand, den Lieferterminen und der Belegung der Fertigungs- und Montageeinrichtungen organisieren?
CAD/PDM-System
CAD (SolidEdge)
- Verkodung über den Dateinamen der CAD-Baugruppe
- Umständlich auszuwählen
- Nicht robust (z.B. Suche über Dateinamen)
- Prozessfehlerhäufigkeit hoch
PDM (TeamcenterEngineering)
- Verkodung über standardisierten Code (aus dem Unternehmen) am Bauteil oder der Baugruppe
- Einfach auszuwählen
- Robust durch intelligente Filtertechnik
- Hohe Prozesssicherheit
Wege zur Beherrschung
Beherrschung der Produktkosten
- Plattformen
- Module
- Baukasten
- Gleichteile
Beherrschung der Herstellkosten
- KANBAN
- Just-in-time, Just-in-sequence
- Lieferantenpark
- Verlagerung
Beherrschung der Angebotsvielfalt
- Kataloge
- Handbücher
- Konfiguratoren
- Online-Vertrieb