fegweg


N. K.
Diese Karteikarten behandeln die Grundlagen der Toxikologie auf Universitätsniveau. Sie bieten einen Überblick über Vergiftungen, ihre Aufnahme, Wirkungen und Therapien, wobei Schwerpunkte auf Substanzen wie Methanol, Ethanol und Organophosphaten liegen. Auch die Behandlung von Verätzungen und spezifischen Symptomen wie Schwindel und Tremor wird thematisiert. Medizinstudierende und Fachkräfte profitieren von den detaillierten Informationen zur Diagnose und Behandlung von Vergiftungsfällen.
Flashcards
48
Students
1
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
12.08.2016 / 23.09.2016

Flashcards

MAK

Maximale Arbeitsplatzkonzentration: höchste zulässige
Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz, die nicht zu
Gesundheitsbeeinträchtigung führt.

NOEL

No Observed Effect Level: Dosis, die unter den gewollten
Bedingungen keine Effekte auslöst.

NOAEL

No Observed Adverse Effect Level: Dosis, die unter den gewollten
Bedingungen keine toxischen Effekte auslöst.

ADI

Acceptable Daily Intake: Maximale tolerierbare Aufnahme eines
Schadstoffes über die Nahrung (pro Tag oder pro Woche).

LD50

Letale Dosis, die in 50 % der Fälle den Tod des Versuchstieres
hervorruft (syn. DL50 = dosis letalis, alte Bezeichnung)
i.d.R. Zusatz der Applikationsart (i.v., s.c., oral etc.)

LC50

Letale Konzentration in der Gasphase, die bei inhalativer Aufnahme
zum Tod von 50 % der Versuchstiere führt; zeitabhängig (!)

TD50

Dosis, die bei 50 % der Versuchstiere einen Tumor hervorruft

perakut

sofort

Toxikokinetik

Wirkungen des Organismus auf
die Substanz

Toxikodynamik

Wirkungen der Substanz auf
den Organismus

Latenz

Zeitspanne zwischen Schadstoffexposition
und Effektmanifestation

akute Wirkung

Sekunden bis wenige Tage

chronische Wirkung

Wochen bis Jahre

Benzol Giftwirkung

systemisch

Panzytopenie -> Blutarmut durch Schädigung des Knochenmarks -< keine neue Bildung von Blutzehllen möglich

Benzol wird in Oxiran umgewandelt, welches giftig wirkt

Säuren- & Basen- Giftwirkung

lokal

Verätzung

irreversible Wirkung

Schädigung besteht nach vollständiger
Elimination der Noxe fort.

bei allen Kanzerogenen

Reproduktionstoxizität

Studium der toxischen Wirkung von Stoffen
auf die Fortpflanzung, Fertilitätsstörung,
pränatale und postnatale Entwicklungsstörungen
der Fortpflanzungsorgane

Teratogenität

Schädigung von Embryos und Feten im
mütterlichen Organismus, Fortpflanzungsschäden,
embryotoxisch, Missbildungen

Wie werden toxik. Test idr. durchgeführt?

an Tieren, viele OECD Guidelines etc vorhanden z.B. Ames Test

53% Mäuse, ca. 19% Ratten, weitere  Tiere

§1 Tierschutzgesetz (TSchG)

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen
Grund Schmerzen, Leiden
oder Schäden zufügen

ZEBET

Zentralstelle zur Erfassung und
Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden
zum Tierversuch

Acute Toxic Class (ACT)

Je weiter die Startdosis von der „wahren“ LD50 entfernt ist,
desto mehr Tiere werden gebraucht, bis eine Klassifizierung
der Toxizität möglich ist.

Wann ist ein Tierversuch trotz Ersatzmethoden
unerlässlich?

Immer dann, wenn die Antwort mit einer Versuchstierfreien
Methode nicht gegeben werden kann.

Funktionsstörungen im intakten Organismus (übergeordnete Regelkreise): wo

induzierte endokrine Veränderungen
Organfunktion
Kreislauf
Atmung
Verhalten

Dynamische, langdauernde Prozesse

Teratogene Schädigungen
Chronische Entzündungen (Arthritis, Asthma)
Degenerative neuronale Prozesse (Alzheimer,
Parkinson)
Autoimmunerkrankungen (MS)
Krebs (Metastasierung)

Säuren: Übersicht einige Säuren und deren toxische Wirkungen

Verätzungssymptome

1. Grades Hautrötung, lokales Ödem
2. Grades Bildung von Blasen
3. Grades Koagulationsnekrose,
Bildung von schwarzem Schorf

Flussäure Wirkungen

Aufgrund ihrer geringen Dissoziation, hohen Lipidlöslichkeit und Polymerisation besitzt sie ein starkes Penetrationsvermögen im menschlichen Gewebe Þ stark ätzend in tiefen Gewebeschichten
Die Konzentration der resorbierten Flusssäure ist bei akuter Intoxikation im Blut niedrig (0,4 mg/l), aber in den inneren Organen auffallend hoch (1,8-26,7 mg/100 g Frischgewebe; normal 0,1 mg/100 g).


Mit Calcium des Gewebes bildet sich unlösliches Calciumfluorid (Calciumapatit)
Säure mit starker Ätzwirkung. Erzeugt als wässrige Lösung (bereits ab 0,1- 0,3%) auf Haut und Schleimhäuten äußerst schmerzhafte Verätzungen, die sich durch weitere Diffusion der undissoziierten Säure rasch ausbreiten
können. Sie gehen in hartnäckige Geschwüre über, die durch sehr schlechte Heilungstendenzen gekennzeichnet sind.
Das Einatmen von Dämpfen verursacht Verätzungen der Atemwege und ein toxisches Lungenödem.
Verschiebung des Säure-Base-Gleichgewichts Þ metabolische Acidose

Haut: Rötung, Brennen, Verätzungen schwersten Grades, verzögerte Reaktion bei Konzentrationen < 50% 1-8 h, < 20%
bis 24 h, Rhabdomyolyse. > handtellergroße Verätzungen verlaufen bereits tödlich!
Schwerste Verätzungen schon ab 0,3 %iger Flusssäure.


Atemtrakt: Verätzungen, Dyspnoe, Bronchospasmus, Tracheobronchitis, Pneumonitis, Lungenödem, Veränderung der Lungenfunktion sind messbar.


Augen: Rötung, Brennen, Konjunktivitis, Verätzungen, Hornhauterosionen und -trübungen, auch bei Dampfexposition.
Magen, Darm: Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Blutungen, Nekrosen, Perforation, Pankreatitis, erhöhte Transaminasen,
systemisch: metabolische Azidose, Hypocalcämie, Hypomagnesiämie, Arrhythmien.

Flussäure Therapie

Haut:

  • Kontaminierte Kleidung entfernen.
  • Extremitäten als Erstmaßnahme waschen mit Ca2+-haltiger Flüssigkeit
  • Calciumgluconat Kompressen oder Calciumgluconat-Gel anwenden.
  • Klinikeinweisung: Angiographie, Katheter legen lassen und intraarterielle Infusion von 10 ml Calciumgluconat 20%ig in 40 ml NaCl 0,9%ig über mindestens 4 Stunden. Bei andauernden Schmerzen wiederholen bis zur Schmerzfreiheit.
  • Wenn keine Möglichkeit zur intraarteriellen Behandlung besteht: In verätzte oder schmerzende Stellen zuerst Lido-Hyal oberflächlich und tief je 1 ml injizieren, anschließend sofort oberflächlich und tief je 2 ml einer Mischung aus Lidocain 4%ig und Calciumgluconat 20%ig injizieren (Bis zur Schmerzfreiheit wiederholen).

Lunge: Dexamethason Spray + Cagluconataerosol

Auge: mind. 5 min Spülen, zum Augenarzt, da Lokalanästhetikum und Ca-Gluconat-Lsg

Kolliquationsnekrose: Was ist das, wodurch ausgelöst?

Verflüssigung der Haut, durch Basen

Blei Vergiftung

Substrate für Calcium-Transportersysteme

Hintergrundbelastung <10 μg/l Blut
erste Symptome ab 150-300 μg/l Blut
massive Krankheitszeichen ab 1 mg/l Blut
LD = 20–50 g
akut: selten aufgrund geringer Resorptionsquote
Speichelfluss, Übelkeit, Darmkoliken („Bleikolik“), Verstopfung, Hypothermie, Hypotonie, Leber- und Nierenschäden, hämolytische Anämie und Hämoglobinurie
chronisch: schleichender Vergiftungsverlauf durch vorgelagerte Knochensättigung;
Enzephalopathie, Lähmungen, gelbliche Blässe infolge Gefäßlähmung, Bleisaum (PbS) am Zahnfleischrand

Blei Therapie

bei akuter oraler Vergiftung mit löslichen Bleisalzen:
Magenspülung mit 3 %iger Natriumsulfat-Lösung + Aktivkohle


als Nachbehandlung sowie bei chronischer Vergiftung:
CaNa3-Pentetat (DTPA), D-Penicillamin (komplexiert auch intrazelluläres Blei), Opioide gegen Kolik-Schmerzen
Parasympatholytika gegen Spasmen

Quecksilber Vergiftung

LDoral = 0,2-1 g HgCl2
akut: Blutdruckabfall, Anstieg der Pulsfrequenz Nierenschädigung beginnend mit Polyurie, dann Anurie (1-5 d)
aufgrund der starken Ätzwirkung massive Entzündung des GITrakts, Erbrechen, blutige Durchfälle (einige Stunden – 2 Wochen) Dickdarmentzündung (1-4 Wochen) Zahnfleischentzündung (1-4 Wochen) 

bei Methylquecksilbervergiftung: Tremor, Unruhe, Krämpfe, Lähmungen, Pneumonie, Husten, GI-Beschwerden

chronisch: Hypersalivation, Stomatitis mit Zahnlockerung und Ulzeration, blauvioletter „Quecksilbersaum“, ZNS-Schädigung mit Stirnkopfschmerz, Tremor mercuralis, Erethismus mercuralis, Kachexie
irreversible, hellbraune bis dunkelrotbraune HgS-Ablagerung in der
Augenlinsenkapsel (Mercuria lentis)

Quecksilber Therapie

bei akuter oraler Vergiftung mit löslichen Quecksilbersalzen:
Magenspülung nach Gabe von 40-60 g Aktivkohle (Carbo medicinalis)

als Nachbehandlung sowie bei chronischer Vergiftung:
Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS), D-Penicillamin (bei organischen Hg-Verbindungen
zusätzlich Cystein oder N-Acetylhomocystein), Opioide gegen Kolik-Schmerzen
Parasympatholytika gegen Spasmen, Elektrolyt- und Wassersubstitution
bei Nierenschäden Hämodialyse

Cadmium Vergiftung

ist in Zigarettenrauch

  • Kumulation durch Bindung an Metallothioneine, v.a. in Leber, Nierenrinde, Pankreas, Schilddrüse Cd nicht plazentagängig!
  • renal und biliär (<4 μg/d), negative Bilanz, d.h. Aufnahme überwiegt immer die Elimination
    => lebenslange Akkumulation

LD50 Ratte oral = 72 mg/kg CdO
LC50 Ratte inhal. = 11 μg/l/4h
akut: v.a. durch Einatmen von CdO; Husten, Übelkeit, Brechreiz, Atemnot; nach >1 d Latenz toxisches, oft letales Lungenödem, Kreislaufkollaps, Nierenrindennekrose (ab 200 μg/g Nierengewebe)


chronisch: anhaltender Husten und Schnupfen („Cadmiumschnupfen“) mit Hyp-, Anosmie; Nierenschädigung, Störung der Calcium- und Phosphatbilanz => Osteoporose, Osteomalazie, Eisenmangelanämie (Itai-Itai-Krankheit, 1950)
gelber „Cadmiumsaum“ an den Zähnen (CdS), Karzinogenese

Halogen-KW Wirkung

  • akut: ZNS-Störungen: Übererregbarkeit, Tremor, Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, Krämpfe, Koma, Tod
  • Spätfolgen: sensible und motorische Ausfälle
  • subakut: toxische Hepatitis, Nierenschädigung
  • chronisch: unbedeutend, da durch Arbeitsschutzmaßnahmen verhindert
  • z.B. Chlorkresol

aliphatische KW Wirkung und Beispiele

 z.B. Alkane, Alkene, Alkine, Hexan, Paraffinöl, Vaseline, Kraftstoffe

LDoral ca. 7,5 g/kg
akut: Kopfschmerz, Schwindel, Euphorie, GI-Beschwerden, Erregungszustände, Koma

chronisch: Lungenfunktionsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Gedächtnisverlust periphere Polyneuropathie bei Aufnahme von n-Hexan durch CYP-abhängige Bildung von Hexan-2,5-dion

aromatische KW: Wirkung, Bsp

  • monozyklische (Benzol, Toluol, Xylol Þ BTX-Aromaten)
  • polyzyklische (PAH) z.B. (Naphthalin, Anthracen, Benzo[a]pyren)
  • dünnflüssig - fest
  • leicht entzündlich - schwer entflammbar

z.B. Kraftstoffzusätze, Synthese-Edukte, Lösungsmittel, Teer und fossile Brennstoffe, Ruß und Rauchgase

akut: Kopfschmerz, Schwindel, Euphorie, GI-Beschwerden, Erregungszustände, Koma

chronisch: Knochenmarkschädigung (!), Müdigkeit, Schwindel, Abmagerung, Herzklopfen nach
Anstrengung, Leukopenie, Anämie, Leukosen

bei Polyzyklen: Lungen-, Kehlkopf-, Hautkrebs sowie Magen- und Darmkrebs bzw. Blasenkrebs

KW Therapie (beide )

  • nach Inhalation: Hyperventilationstherapie durch Zumischung von CO2 zur Atemluft
  • nach peroraler Aufnahme: medizinische Kohle, Magenspülung nach Intubation, evtl. Zusatz von med. Kohle, zusätzlich N-Acetylhomocystein oder N-Acetylcystein, bei Krämpfen Diazepam
  • nach chronischer Exposition v.a. von Aromaten symptomatische Therapie

Kohlenmonoxid Vergiftung und Therapie

Geruchloses, farbloses Gas ohne Reizwirkung
LC50 = 1500 ppm (=0,15 %)/60 min oder 16000 ppm (=1,6 %)/5 min
Vergiftungsverlauf abh. von Expositionszeit, Atemgaskonz., Atemfrequenz und Sauerstoffbedarf des Gewebes

anämische Hypoxie : verminderte O2 -Kapazität des Blutes => venöse Hypoxie (funktionelle Anämie = Blockade des Hb durch Methämoglobinbildung oder CO-Bindung, systemische Reduktion des Gewebesauerstoffs (Ursachen: verringerte O2-Transportkapazität durch Reduzierung von Erythrozytenzahl oder Hb-Gehalt)

Toxikokinetik: 

  • durch hohe Lipophilie rasche Diffusion durch die Alveolar-Membran -> Diffusion in die Erythrozyten langsam (geschwindigkeitsbest. Schritt) )=> Carboxyhämoglobinbildung (Atemfrequenz- und Konz.-abhängig)
  • Affinität zu Hämoglobin 200-300x höher im Vergleich zu O2
  • kaum Affinität zu Myoglobin und anderen Hämproteinen (!)

Toxische Wirkungen (generell Sauerstoffmangelsymptome):
akut: 

1. Phase: Kopfschmerz, Schwindel, Herzklopfen, Atembeschwerden, Brechreiz, Rauschzustände, metab. Azidose
2. Phase: hellrote Gesichtsfarbe, flache Atmung, Krämpfe, Koma, Atemlähmung,

chronisch: bei anhaltend hohen Carboxyhämoglobinspiegeln ZNS-Schäden mit irreversiblen psychischen Veränderungen (Verlust des Erinnerungsvermögens, Aggressivität

sofortige Frischluftzufuhr, künstliche Beatmung, Überdruckbeatmung mit Carbogen Azidosebehandlung durch NaHCO3-Gabe i.v. bei Hirnödem Glucocorticoide, z.B: Dexamethason i.v.

Study