Syndrome und der kindliche Fuß
zur Vorlesung vom 23.05.2016
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Flashcards
Überbegriff für Syndrome im Bereich der Orthopädie
Osteochondrodysplasien
Def.: Ostepchondrodysplasien
genetische Wachstums- und Bildungstörung des Knochens
Ätiologie der Osteochondrodysplasien (7)
- kongenital
- metabolisch
- traumatisch
- zirkulatorisch
- neoplastisch
- infektiös
- systemisch
Kardinalsymptome der Osteochondrodysplasien (4)
- Schädelanomalien
- Kleinwuchs
- Extremitäteverbiegungen
- Frakturen
Chrondrodysplasie
- Synonyme (3)
- Def.
- Ätiologie (1)
- Chondrodysplasia punctata, Conradi-Hünermann-Syndrom, Achondroplasie
- genetisch bedingter Befall der Epiphysenfugen mit reversiblen, stibchenförmigen Verkalkungen bei einseitigem oder symmetrischem Kleinwuchs der Extremitäten
- Gendefekt im FGR-3 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor) mit autosomal-dominanter Vererbung
Def.: mikromel
Def.: rhimozel
Def.: Kleinwuchs
- maximale Größe bei Chrondrodysplasie
kleiner als die kleinsten 10% = Unterschreitung der 10. Perzentile der Gleichaltrigen (weniger als 10% sind kleiner)
- maximale Größe bei Chrondrodysplasie: 124-131cm
Bei Chrondrodysplasie handelt es sich um einen disproportionierten Kleinwuchs, d.h.
- normaler Rumpf und normaler Kopf, der im Vergleich aber zu groß wirkt
- jedoch zu kurze Extremitäten
radiologische Auffälligkeiten bei Chrondrodysplasie
- Hand (2)
- Beckenform
- Becken steht annährend
- BWS, LWS
- Knochenform
- Extremitätenknochen
- Tatzenform der Hände: kurze Metacarpo- und Phalangealknochen lassen die Hand breit erscheinen
- Dreizackhand: Zeige- und Mittelfinger sind im Vergleich zu den restlichen Fingern näher an den Daumen gerückt
- Beckenform: quadratisch
- Becken steht annährend horizontal
- Kyphose ind BWS, Lordose in LWS
- Knochenform: mikromel (normale Form, aber an sich zu klein)
- Extremitätenknochen: rhizomel (proximale Knochen sind im Vergleich zu den distalen verkürzt)
Therapie der Chrondrodysplasie
- gegen die Instabilität
- gegen zu schnelles Fibulawachstum und damit Fehlstellung im Sprunggelenk
- beim ausgewachsenen Patienten
- gegen die Instabilität: Nachtschienen oder Orthesen (äußerer Kraftträger zur Stützung, Entlastung oder Fixierung eines Körperabschnittes. )
- gegen zu schnelles Fibulawachstum und damit Fehlstellung im Sprunggelenk: Epiphyseodese (Manipulation der Epiphysenfuge)
- beim ausgewachsenen Patienten: Achsenkorrektur mittels Fixateur externe
Osteogenesis imperfecta
- Synonym
- Def.
- Ätiologie (1)
- wichtigste Typen (2)
- Glasknochenkrankheit
- erbliche Erkrankung des Bindegewebes, die sich durch eine unvollständige Knochenbildung mit erhöhter Brüchigkeit der Knochen
- Gendefeket im Kollagen Typ I
- wichtigste Typen
- I: am häufigsten
- II: letal
Therapie der Osteogenesis imperfecta
- bei Frakturen
- gegen die Muskelatrophie
- um Spontanfrakturen zu vermeiden
- zur intramedullären Schienung allg. + neueste Generation
- Warum sind Osteosynthese z.B. mit Platten nicht angebracht?
- medikamentös
- bei Frakturen Ruhigstellung bis zur Schmerzfreiheit
- gegen die Muskelatrophie: Gehtraining
- um Spontanfrakturen zu vermeiden: Schienen
- zur intramedullären Schienung allg. + neueste Generation: Teleskopnägel bzw. Fassier-Duval-Nagel (neueste Version des Marknagels mit Gewinde)
- Warum sind Osteosynthese z.B. mit Platten nicht angebracht? Jede Krafteinwirkung an einer Seite des Knochens bewirkt eine Schwächung an einer anderen Stelle.
- medikamentös: Bisphosphonate z.B. Pamidronat (i.v. oder p.o. über mehrere Jahre) hemmen die Osteoklasten
Beste Möglichkeit bei der Behandlung der Osteogenesis imperfecta
Dennoch bleiben viele Patienten an .. gebunden.
Beste Möglichkeit bei der Behandlung der Osteogenesis imperfecta: intramedulläre Schienung mit Teleskopnagel
Dennoch bleiben viele Patienten an einen Rolsltuhl gebunden.
Def.: Rachitis
Mineralisationsstörung der Wachstumsfuge mit der Folge einer Störung der endchondralen Ossifikation - begleitend ist auch die Mineralisation des Knochen gestört, die als Osteomalazie zusätzlich zur Rachitis gehört.
Ätiologie der Rachitis (4)
allgemein: Verminderung des Calcium-Phosphat-Produktes
- kalipene Rachitis bei Vitamin-D-Mangel
- phosphogene Rachitis bei renalem Phosphatverlust
- erworben oder angeboren
- Malnutrition, Incompliance der Eltern
Klinische Zeichen bei Rachitis
- Kopf: Knochen, Fontanellen
- Rippenknorpel
- Brust
- Thorax
- Zähne
- Becken
- Gangbild
- Kopf: Kraniotabes (Erwichung des Os occipitale), Fontanellen schließen später
- rachitischer Rosenkranz (Auftreibung der Knochen-Knorpel-Grenze an den Rippen)
- Kiel-, Trichter-, Hühnerbrust
- Glockenthorax mit Harrison-Furche (Brustkorbeinziehung am Zwerchfellansatz)
- verzögerte Dentition (Zahnbildung)
- Beckendeformitäten
- Gangbild watschelnd
radiologische Zeichen bei Rachitis
- Corticalis
- Wachstumsfugen
- Metaphysen
- Spongiosa
- Epiphysenkerne
- Knochenmineralisation
- an Belastungszonen
Therapie der Rachitis
- medikamentös
- chirurgisch
- Vitamin-D-Substitution
- Die Fehlbildungen sind reversibel!
- temporäre Hemiepiphyseodese: Schraubenosteosynthese an der einen Seite der Epiphysenfuge
Klumfuß
- Synonyme (2)
- Def.
- Klausur
- Pes equinovarus et addcutus, Clubfoot
Der Klumpfuß ist eine fixierte, kongenitale Fußdeformität mit einer 3-dimensionalen Fußfehlstellung in
Spitzfuß und Varusstellung des Rückfußes,
Adduktion und Supination des Vorfußes,
Kavusstellung(Hohlfuß) des ersten Strahles und subtalarer horizontaler Innenrotation.
Insgesamt eine Fehlrotation des subtalaren Gelenkkomplexes.
Der Rückfuß (Talus, Calcaneus) ist gegenüber dem Unterschenkel supiniert und plantarflektiert.
Der Vorfuß (Phalangealknochen) ist gegenüber dem Unterschenkel ebenfalls supiniert aber CAVE:
Der Vorfuß steht zum Rückfuß in Pronation!
Ätiologie des Klumpfußes
- m : w
- Fußfalte: medial oder lateral?
- Ursachen sind primär ... oder sekundär ...
- m > w
- mediale und laterale Fußfalte
- Ursachen primär multifaktoriell
ontogenetisch bei Wachstumsstörung zwischen 7./9.SSW
chromosomal (familär gehäuft)
embryonal als Defekt der Organananlage innerhalb der ersten 12SSW
fetal als mechanische Blockade des Fußes im Mutterleib
- neurogen, muskulär, ossär, vaskulär
- Ursachen sekundär
neurogen in Folge einer Cerebralparese/Spina bifida
posttraumatisch
Arthrogryposis multiplex congenita
Stoffwechselstörung
iatrogen
psychogen
Dysmelie
Der Klumpfuß geht immer mit einer Atrophie der ...
... Wadenmuskulatur einher.
Klausur: Therapie der Wahl beim Klumpfuß
weitere Möglichkeiten (2)
- redressierende Gipsbehandlung nach Ponseti
- französische Methode: Klumpfußtaping mit täglicher Physiotherapie
- operative Maßnahmen
Ponseti-Prinzip
Beginn in den ersten Lebenstagen
6w Gipsredression (Gipswechsel 1x/w)
perkutane Achillessehnentenotomie
3w Gips
3m Orthese für 24h/Tag („natürlich ohne baden etc.“)
3-4a Orthese für nachts
keine Krankengymnastik
DIe Rezidive beim Klumpfuß sind maßgeblich abhängig von
der Compliance der Eltern.
(Schienen zeigen lassen - wenn sie noch aussehen, wie neu, wurden sie wohl kaum genutzt)
wichtigstes Prinzip bei Ponseti
"Don't touch the Calcaneus"
Die Ferse soll immer freigelassen werden, damit der Rückfuß in die physiologische Varusstellung kommen kann.
Knickfuß
- Synonyme (7)
- angeborene Fehlstellung mit
- Plattfuß, Knicplattfuß, Senkfuß, Schaukelfuß, Pes valgus, Pes planovalgus
- angeborene Fehlstellung mit
- abgesunkenem Fußgewölbe
- Innenrotation der Knöchelgabel mit Prominenz des Taluskopfes am Fußinnenrand
- Valgusstellung am Rückfuß
- Abduktion und Pronation des Vorfußes
- Calcaneus, Os naviculare und Os cuboideum nach lateral oder dorsal rotiert
Knickfuß
- physiologisch
- sekundär
- physiologisch als Säugling durch plantar größeres Fettpolster; verschwindet mit der Entwicklung des normalen Fußgewölbes
- sekundär durch zu schwach entwickeltes Fußgewölbe oder knöcherne Fehlbildungen
klinische Untersuchung des Knickfußes
- Beurteilung des Längsgewölbes in 3 Grade
- Grad 1: Längsgewölbe erkennbar, aber abgeflacht
- Grad 2: Längsgewölbe nicht erkennbar
- Grad 3: medialer Fußrand konvex
klinische Untersuchung des Knickfußes
- Beurteilung der Wadenmuskulatur: Was tut diese zur Kompensation der Fußfehlstellung
- erhöhte Spannung der Wadenmuskulatur, um die Spannung des Fußgewölbes zu erhalten
klinische Untersuchung des Knickfußes
- Silferskjöld-Test
- Funktionstest zur Abgrenzung einer muskulären Kontraktur
- Prüfung der Dorsalextension im OSG erst bei gestrecktem, dann bei gebeugtem Bein
- Nimmt der Bewegungsumfang zu, handelt es sich um eine rein muskuläre Verkürzung.
- Bleibt der Bewegungsumfang gleich, spricht man von einer Kontraktur.
Klassifikation des Knickfußes in 5 Grade
- Grad 1: völlig korrigierbar, keine Achillessehnenverkürzung
- Grad 2: Achillessehnenverkürzung in Korrekturstellung
- Grad 3: Rückfuß-Valgus, nicht vollständig korrigierbar
- Grad 4: Rückfuß-Valgus und Abduktion des Vorfußes, nicht vollständig korrigierbar
- Grad 5: fixierter Plattfuß mit hochstehender Ferse und starker Prominenz des Talus am medialen Fußrand
Therapie(indikationen) des Knichfußes
- Wenn keine Therapie-Indikaton besteht: Eltern beruhigen, Barfußgehen und Trampolinspringen zum Training der Fußmuskulatur!
- Therapie-Indikationen sind
- Beschwerden/Schmerzen
- Progredienz
- Funktionseinschränkungen
- strukturelle Veränderungen
- konservative oder operative Therapie