Strategisches Management VI-2

Suche und Formulierung von Handlungsalternativen - Die Portfolio-Analyse HTW-Berlin, BWL(B) 3. Semester, Wolf

Suche und Formulierung von Handlungsalternativen - Die Portfolio-Analyse HTW-Berlin, BWL(B) 3. Semester, Wolf


J. W.
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über strategisches Management auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Portfolio-Analyse, Marktattraktivität und Wettbewerbsvorteile. Sie behandeln Methoden wie die BCG-Matrix, PIMS-Studien und Erfahrungskurveneffekte, sowie deren Anwendung zur Steigerung des ROI und zur strategischen Ausrichtung von Unternehmen. Ideal für Studierende und Fachleute, die ihr Verständnis strategischer Entscheidungsprozesse vertiefen möchten.
Karten
24
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
08.07.2015 / 12.12.2015

Lernkarten

Merkmale der Portfolio-Analyse

- Gesamtheit der Geschäftsbereiche betrachtet

- Entscheidungsgrundlage zur Differenzierungsstrategie

- Maßstab zum Vergleich unterschiedlicher Geschäfte

- Ermöglichung zur Beschreibung der strategischen Situation

- Herstellung eines Verhältnisses von zentralen Merkmalen der Geschäftsbereiche zum Unternehmenserfolg

- Ermöglichung einer eindeutigen Strategieempfehlung für jeden Geschäftsbereich

- Basis = Beschreibung der Erfolgspotenziale der strategischen Geschäftsbereiche (Geschäftseinheiten)

Erstellung der Portfolio-Matrix

Positionierung der strategischen Geschäftseinheiten im Hinblick auf externe und interne Unternehmensdimensionen

-> Umweltdimension (extern) = Marktwachstum

-> Unternehmensdimension (intern) = Marktanteil

Vorgehensweise bei der Portfolio-Analyse

- Abgrenzung der strategischen Geschäftseinheiten

- Auswahl der Portfolio-Dimensionen

- IST-Positionierung der SGE in der Matrix

- Beurteilung des Portfolios auf Ausgewogenheit unter Cash-Flow- und Renditegesichtspunkten

- Entwicklung von Strategien -> Ableitung von Normstrategien

-> Entwicklung eines SOLL-Portfolios und Ableitung von Strategien zum Ausgleich der Differenz

Portfolio-Selection-Theory

- Theorie zur optimalen Mischung von Wertpapieren

- breite Risikostreuung

- Bedingung = keine positive Korrelation der Renditen

- Grundlage für Kapitalmarkttheorie

Erfahrungskurveneffekte/Boston-Effekt

- Verdopplung der kumulierten Produktionsmenge -> Senkung der inflationsbereinigten Stückkosten um 20-30%

- Grundgedanke = Produktivität steigt mit dem Grad der Arbeitsteilung

- Ergänzung um Preiserfahrungskurve -> positive Erlöswirkung

- Hinweise für Strategiewahl

Gründe für Gültigkeit des Erfahrungskurveneffektes

- Economies of Scale = Fixkostendegression pro Stück bei steigender Produktionszahl

- Lernkurven-Effekt = Übungsgewinne durch Repetitionen gleicher Arbeitsabläufe bei steigender Produktionszahl

- Vorteile in der Beschaffung = Preisreduzierungen der Lieferanten bei Abnahme höherer Stückzahlen

                                                + Steigerung des Vertrauensverhältnisses bei langfristigen Beziehungen

- Economies of Scope = Verbundvorteile, Substitution durch effizientiere Produktionsfaktoren und Fertigungsverfahren, Ablösung veralteter Technologien ab Überschreitung der kritischen Menge (Schnittpunkt der fixen und variablen Kosten)

günstige Bedingungen des Erfahrungskurveneffekts

- hohe Preiselastizität

- homogene Produkte

- intensive Wettbewerbsbedingungen

- Kostensenkung durch innovative Prozesstechnologie

- relativ stabiles Nachfragerverhalten

- Märkte in der Entstehungs- oder Wachstumsphase

Kritik des Erfahrungskurveneffekts

- keine Berücksichtigung des möglichen Erfahrungskurveneffekts von Vorleistungen

- teilweise verursachungsgemäße Verrechnung von Fix- und Gemeinkosten auf einzelne Produkte nicht möglich

- Prämisse = Gleichheit der Produkte -> Produkte verändern sich im Zeitablauf

- Einschränkung der Prognosefähigkeit durch Nutzung von Ressourcen bei verbundenen Produkten

- wenn Preis- statt Kostendaten herangezogen werden, ist die Prognose nur valide, wenn Preise und Stückkosten parallel verlaufen

- wenn Kostendegression auf allgemein zugänglichem technischen Wissen beruht, produzieren Wettbewerber auch höherer Stückzahlen -> führt zu Angebotsüberhanh und raschem Preisfall

- erhöhter Absatz nur bei elastische Nachfrage und hoher Aufnahmefähigkeit des Marktes möglich

- hohe Produktionszahl benötigt große und spezialisierte Produktionsanlagen -> Inflexibilität als Risikofaktor

PIMS-Projekt

- PIMS = Profit Impact of Market Strategy

-> empirische Untersuchungen des ROI und Cash-Flow von 60er bis 1999

-> 600 Unternehmen mit über 2000 strategischen Geschäftseinheiten mit jeweils 200 erhobenen Daten (Marktstruktur, Wettbewerbsposition, Strategien und Taktiken, Erfolg/Leistung)

strategische Erfolgsfaktoren

-> Elemente, Determinanten oder Bedingungen, die Erfolg oder Misserfolg beeinflussen

-> in der Umwelt und im Unternehmen selbst wirksam

-> gehen aus Erfolgspotenzialen hervor

 

Erfolgspotenziale

-> gesamte Gefüge aller produkt- und marktspezifischen erfolgsrelevanten Voraussetzungen

-> abhängig vom Marktpotenzial, vom Kosten- udn Leistungspotenzial

-> werden sichtbar durch Wettbewerbsvorteile

Erfolgsfaktoren des ROI (nach PIMS-Studie)

- Marktattraktivität (Marktwachstum, Position im Produktlebenszyklus)

- relative Wettbewerbsposition ([relativer] Marktanteil, relative Produktqualität)

- Investition (Wertschöpfungstiefe, Arbeitsproduktivität, Kapazitätsausnutzungsgrad)

- Kosten (Marketingaufwand/Umsatz, F&E-Aufwand/Umsatz)

- Veränderung von Schlüsselfaktoren (Marktanteilsänderung, Produktqualitätsänderung)

Kritik des PIMS-Programms

- Datengrundlage (subjektive Bewertung einiger Variablen, kurzfristige Betrachtung einzelner Variablen trotz langfristiger konzeptioneller Ausrichtung, mangelnde Repräsentation von SGE einiger Bereiche)

- Untersuchungsmethodik (Scheinkorrelation -> Rückschluss auf Kausalität, Vernachlässigung von Abhängigkeiten zwischen erklärenden Variablen, multiple Regresseionsanalyse ungeeignet um komplexe Abhängigkeitsstrukturen zu untersuchen)

- Strategieempfehlungen (einseitige Orientierung am ROI, Vernachlässigung möglicher Synergieeffekte zwischen einzelnen SGE, keine Berücksichtigung brancehnspezifischer Besonderheiten)

Ziele der PIMS-Studie

- Erklärungsansätze für die Beziehungen zwischen strategischen Variablen und der Realisierung von Unternehmenszielen (ROI und Cash-Flow)

- Erklärungsansätze für die Unterschiedlichkeit von Rentabilitäten von Unternehmen bzw. SGE

- Reaktionen der Rentabilität auf Änderungen von Strategien bzw. Marktbedingungen

ROI

= Umsatzrendite * Kapitalumschlag = G*100/U * U/K

-> Steigerung der Gesamtkapitalrentablität durch Erhöhung der Umsatzrentabilität oder Erhöhung der Häufigkeit des Kapitalumschlags

-> Beinflussung durch Variation des Erköse (Preis- oder Mengenänderungen), Senkung der Kosten, Senkung des investierten Kapitals bzw. Senkung des betriebsnotwendigen Vermögens

Lebenszyklus-Analyse

- Umsatz- und Absatzentwicklungen von Produkten im Zeitablauf

- ideal = glockenförmiger Verlauf

- 5 idealtypische Phasen: Einführung, Wachstum, Reife, Degeneration

Kritik der Lebenszyklus-Analyse

- Konzept = intuitive Verallgemeinerung

- nur eine unabhängige Variable

- Wettbewerbe unberücksichtigt

- rechtliche Apekte nicht berücksichtigt

Normstrategien auf Basis der Portfolio-Analyse

-> zweidimensionale Matrix  aus einem direkt durch das UN beeinflussbaren Faktor und einem indirekt beeinflussbaren Faktor -> z.B. Marktanteil und Marktwachstum

-> Positionierung der SGE in der Matrix

BCG-Matrix:

- relativer Marktanteil gering/Marktwachstum gering = Poor Dog -> Desinvestitionsstrategie

- relativer Martkanteil gering/Marktwachstum hoch = Question Mark -> Offensivstrategie oder Rückzug

- relativer Marktanteil hoch/Marktwachstum gering = Cash Cow -> Gewinnstrategie

- relativer Marktanteil hoch/Marktwachstum hoch = Stars -> Wachstumsstrategie

 

Grenzen für Normstrategien

Grenze zwischen hohem/geringem Maktanteil = 1

Grenze des Marktwachstums = Durchschnitt

 

Marktattraktivität

- Marktsituation = Marktpotenzial, Wachstum, Kaufkraft, Anteil der Intensivverwender

- Wettbewerbssituation = Zahl und Stärke der Konkurrenten, Markteinstrittsbarrieren, Verhalten der Wettbewerbe

- Umwelteinflüsse = Konjunktur, Saison, Labilität der öffentlichen Meinung, gesetzliche Eingriffe

relativer Wettbewerbsvorteile

- Kostenvorteile

- Verfahrensvorteile

- Leistungsvorteile

-Zeitvorteile

Normstrategien der McKinsex-Matrix

Ernten bei:      -> niedrigen relativen Wettbewerbsvorteilen und niedriger/mittlerer Marktattraktivität

-> mittleren relativen Wettbewerbsvorteilen und niedriger Marktattraktivität

Selektives Vorgehen bei:        -> niedrigen relativen Wettbewerbsvorteilen und hoher Marktattraktivität

-> mittleren relativen Wettbewerbsvorteilen und mittlerer Marktattraktivität

-> hohen relativen Wettbewerbsvorteilen und niedriger Marktattraktivität

Selektives Wachstum bei:       -> mittleren relativen Wettbewerbsvorteilen und hoher Marktattraktivität

-> hohen relativen Wettbewerbsvorteilen und mittlerer Marktattraktivität

Investition und Wachstum bei: hohen relativen Wettbewerbsvorteilen und hoher Marktattraktivität

Kritik der Portfolio-Analyse

- statisches Verfahren ohne Beachtung mehrerer Perioden

- deterministische Methode ohne Berücksichtigung von Eintrittswahrscheinlichkeiten

- Gefahr einer nicht markt- und unternehmensadäquaten Abgrenzung der SGE

- Früherkennung von sich verändernenden Umweltsituationen nicht möglich

- lange Reaktionszeiten beim Auftreten neue Technologien

- Probleme der Abgrenzung relevanter Märkte führen zu differenzierten Marktanteilen

- keine Berücksichtigung qualitativer Größen

- Wettbewerbsveränderungen durch technologische Innovationen außer Betracht

- Subjektivität bei Auswahl der Faktoren

- Normstrategie-Empfehlungen sind schematisch -> keine Berücksichtigung spezifischer Eigenschaften der SGE

- keine brauchbaren Aussagen zur Implementierung der Normstrategien

Vor- und Nachteile der Portfolio-Analyse

Vorteile:           -> Vergleichbarkeit unterschiedlicher Geschäftsfelder

-> kombinierte Sicht von Markt, Wettbewerb und Kosten

-> Zwang zur Entwicklung von SOLL-Strategien

Nachteile:        -> häufog missverstanden als Patentrezept

-> unzulässige Begrenzung der Einflussfaktoren

-> nur eine Methode unter vielen anderen

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