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S. H.
Diese Karteikarten bieten einen universitären Einblick in Staphylokokken, ihre Pathogenese und klinische Relevanz. Sie behandeln Themen wie Hauterkrankungen, Mastitis, Lebensmittelvergiftungen und die Rolle von Pathogenitätsfaktoren wie Leukozidin und Hämolysine. Besonders nützlich für Medizinstudenten und Tierärzte, die sich mit Infektionskrankheiten und deren Behandlung auseinandersetzen.
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Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
23.01.2016 / 23.01.2016

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Taxonomie

Familie: Micrococcaeceae

Gattung: Micrococcus Staphylococcus

Arten: S. aureus, S. pseudointermedius, S. hyicus

Aufbau und Stoffwechsel

  • grampositive Kokken
  • Zellteilung in mehreren Ebenen: Anordnung in Haufen/ Trauben
  • Grösse: ca 1 um
  • fakultativ anaerob
  • unbeweglich
  • keine Sporenbildung
  • zahlreiche Exotoxine

Resistenz gegen äussere Einflüsse

  • Hohe Tenazität gegen Hitze, Austrocknung, UV-Licht, höhere NaCl. Konz (bis 15%)
  • Rasche Verbreitung und lange Überlebenszeit in unbelebter Umgebung
  • Auf Kleidung bleiben sie ca. 3 Monate infektiös

Vorkommen

  • natürliche Besiedler von Haut und Schleimhäuten bei Mensch und Tier
  • in der unbelebten Natur
  • häufig in Milch(produkten) und Fleisch(produkten)

Pathogenität

Zellwandständige Pathogenitätsfaktoren:

  • Clumping- Faktor: Bindung von Fibrinogen
  • Protein A: Bindung von Immunglobulinen am Fc- Stück: Verhinderung der Phagozytose
  • Kapsel (Glukosamin-/ Mannosaminsäure): Verhinderung der Phagozytose

Extrazelluläre bioaktive Produkte:

  • Plasmakoagulase (Bindung von Prothrombin -> direkte Umwandlung von Fibrinogen in Fibrin -> Fibrinkapsel um Staphylokokken -> Schutz vor Phagozytose
  • Hämolysine: membranschädigende Toxine (a- Hämolysin= porenbildend) -> Schädigung von Erys, Leukos und anderen
  • Hyaluronidase: Auflösung von Hyaluronsäure der Interzellularsubstanz -> spreading factor -> Erregerausbreitung im Gewebe
  • Leukozidin: schädigt neutrophile Granulozyten und Makrophagen -> Beeinträchtigung der Phagozytose
  • Epidermolytisches Toxin (Exfoliatin): degenerative Veränderungen im Stratum spinosum der Haut -> Rupturen mit Freilegung tieferer Hautschichten -> Entzündung

Tiermedizinische Bedeutung

- Lokalinfektionen

  • oberflächlich- eitrig: Pyodermien
  • tief- invasiv eitrig: Infektionen von Hautanhangsorganen (Euter), Pneumonie mit Lungenabszessen
  • Harnwegsinfektionen

- Sepsis mit Infektionen innerer Organe

- Toxinbedingte Syndrome

  • Exsudative Dermatitis des Schweines
  • Lebensmittelvergiftung beim Menschen

Mögliche Eintrittspforten 

  • Haarbalg
  • Haut- und Schleimhautwunden
  • Zitzenkanal

Disponierende Faktoren

  • vorgeschädigte Haut (beim Hund zB infolge von allergisch bedingtem Pruritus)
  • funktioneller Phagozytendefekt (zB beim Diabetes mellitus)

Pathogenese

  • Ädharenz: Haftung von Staphylokokken an Wirtsgewebe durch zellwandständige Adhäsine (Lipoteichonsäuren, Clumpingfactor, Protein A) und extrazelluläre bioaktive Produkte (zB Plasmakoagulase)
  • Eindringen in tiefe Gewebsschichten durch gewebauflösende extrazelluläre Produkte (zB Hyaluronidase)
  • Eiterbildung durch chemotaktisch induzierte Invasion von neutrophilen Granulozyten
  • Behinderung der Phagozytose durch
    • Fibrinkapsel (induziert von Clumping- Faktor und Plasmakoagulase)
    • Zerstörung der Phagozyten durch Leukozidin und Hämolysine
  • Gewebsschädigung durch Abszessbildung
    • Staphylokokken und Eiter in Fibrinkapsel
    • Nach Verbrauch der Nährstoffe im Inneren Auflösung der Kapsel durch bakterieneigenes Staphylolysin
    • Ausbreitung in Peripherie und Vermehrung dank neuen Nährstoffen
    • Abwehrreaktionen ua durch Granulozyten: Bildung der Abszesskapsel
    • Im Inneren des Herdes Eiterbildung infolge Gewebseinschemlzung durch bakterielle Exoenzyme und Enzyme aus zerfallenden Granulozyten: Abszesshöhle mit schubweise wachsendem Eiterherd

Wichtige Erkrankungen bei Tieren

  • Staphylokokken- Mastitis bei Wiederkäuer
  • Erkrankungen der Haut und Unterhaut
    • Pustel, Akne, Furunkel, Abszess, Phlegmone bei allen Tieren
    • Pyodermie des Hundes
    • Exsudative Dermatitis des Schweines
  • Empyeme: Eiteransammlungen in natürlichen Körperhöhlen (Nebenhöhlen des Schädels, Nierenbecken, Gelenke)
  • Staphylokokken- Erkrankungen beim Geflügel: Abszesse, Sepsis, Arthritis, Synovitis

Staphylokokken- Mastitis

  • Erregerspektrum: S. aureus, S. epidermidis, S. haemolyticus, S. hyicus ua
  • S. aureus wichtigster bakterieller Mastitiserreger beim Rind
  • Erregerreservoir: Milchdrüse und andere Körperregionen infizierter Tiere
  • Infektion galaktogen: wird begünstigt durch genetische Disposition, Hygiene im Bestand, Melktechnik, Melkhygiene
  • Pathogenese
    • selektive Adhärenz an Epithelzellen des Zitzenkanals, der Milchzisterne und grossen Milchgänge
    • gewebsschädigende Wirkung extrazellulärer Produkte: Entzündung
    • katarrhalisch- eitrige Mastitis und Galaktophoritis: vorwiegend chronisch, oft auch subklinisch
    • akute Verlaufsform mit schmerzhafter Schwellung des Euters und Störung des Allgemeinbefindens
  • S. aureus kann bein Rind/ Schaf/ Ziege eine gangränöse Mastitis verursachen: beim Schaf wird diese Mastitisform enzootisch beobachtet
    • Toxinwirkung des alpha- und delta- Hämolysins
    • hochgradige nekrotische Veränderungen des Euterparenchyms (feuchtes Gangrän)
    • schwere Störung des Allgemeinbefindens

Exsudative Dermatitis des Schweines

  • Erreger: S. hyicus -> Epidermolytisches Toyin= Exfoliatin
  • Wirkung des Exfoliatin
    • empfindliche Tierarten: Schwein und Huhn
    • degenerative Zellveränderungen im Stratum spinosum/ granulosum der Haut
    • Infiltration von Entzündungszellen und Bildung von Bläschen und Pusteln
    • Ablösung des Stratum corneum mit Aufbrechen der Bläschen und Bildung von schmierigen Belägen auf der Haut aus bakterienhaltigem entzündlichem Exsudat, Serum, Schweiss, Talg
    • analoge Epitheldesquamationen in ableitenden Harnwegen, in Niere und ZNS
  • Eintrittspforte: Hautläsionen
  • generalisierte Form bei Saugferkeln im 1. Lebensmonat
    • Mitbeteiligung von Leber, Niere, ZNS und Gelenken
    • bei akuten generalisierten Formen Exitus nach 3-5 Tagen
  • Läuferschweine: lokalisierte Verlaufsform
  • Sauen mit erkrankten Ferkeln: Hautveränderungen am Gesäuge

Lebensmittlevergiftung beim Mensch durch S. aureus- Enterotoxine

  • S. aureus- Stämme mit Fähigkeit zur Bildung von Enterotoxinen
  • Enterotoxine: hitzestabile extrazelluläre Proteine 
    • Kontamination von Lebensmitteln durch enterotoxinbildende S. aureus bzw durch enterotoxinhaltige Sekrete durch Personal (Kontamination während Verarbeitung und Zubereitung durch Träger)
  • Vermehrung in Lebensmitteln
  • 4-6 h nach Aufnahme: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufstörungen mit Schockgefahr, selten tödlich
  • staphylogene Lebensmittelvergifrung gehört weltweit zu den vier wichtigsten Ursachen von Lebensmittelintoxikationen

Labordiagnostik

  • Untersuchungsmaterial: Wundsekret, Eiter, Punktate (nur Verwendung steriler Probenträger/ Tupfer und Transportgefässe)
  • Nachweis
    • Mikroskopische Untersuchung von Ausstrichen: grampositive Kokken in Haufen
    • Kulturelle Untersuchung: Blutagar mit typischen Staphylokokken- Kolonien
    • Phänotypische Differenzierung pathogener Arten zB durch Nachweis einzelner Pathogenitätsfaktoren (Tabelle)

Antibakterielle Therapie

  • Primär empfindlich gegen beta-Laktam-AB (Penicilline, Cephalosporine)
  • 70-80% aller isolierten S-aureus Erkrankungen sind gegen Penicillin resistent
  • Mehrfachresistenzen sind zunehmendes Problem
  • Bei Methicillin- resistenten S. aureus (MRSA) besteht Kreuzresistenz gegen alle Vertreter der beta- Laktam- AB. Zudem sind sie oft gegen andere Wirkstoffgruppen resistent (zB Erythromycin= Makrolide oder Chinolone)
  • Für gezielte antibakterielle Chemotherapie ist Prüfung der AB- Unempfindlichkeit unerlässlich

Prävention

  • Tierärztliche Praxis: Hygiene des Arbeitsplatzes und der Instrumente
  • Sachgerechte Händedesinfektion
  • Wundhygiene (Verbandswechsel)
  • Desinfektion von benutzten Untersuchungs-/ Behandlungstischen
  • Einwegwäsche/- materialien

Étudier