Soziale Theorien

Universität Innsbruck, Prof. Staubmann

Universität Innsbruck, Prof. Staubmann


D. S.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über zentrale Konzepte und Theorien der Soziologie auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Begriffe wie System, Gesellschaft und Handlung, wobei insbesondere die Theorien von Luhmann, Parsons und Simmel im Fokus stehen. Die Karteikarten eignen sich für Studierende und Forscher, die sich mit den Grundlagen und spezifischen Aspekten der Soziologie vertraut machen möchten, um ein tieferes Verständnis für soziale Strukturen und Wechselwirkungen zu erlangen.
Cartes-fiches
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Langue
Allemand
Catégorie
Affaires sociales
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
25.09.2014 / 16.12.2014

Cartes-fiches

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Selbstreferenz !!!

  • Selbstbezüglichkeit = selbstreferentielles System
  • wenn Aussage auf sich selbst bezogen wird, wird es problematisch
  • Bsp. Escher's "Drawing Hand" -> man weiß nicht welche Hande welche zeichnet
  • z.B. "Alle Kreter sind Lügner" sagt Kreter -> er selbst auch = Paradoxien = sich selbst widersprechende Aussage
  • Tautologien -> der kleine Zwerg, dies Rose ist eine Rose -> ist allgemein gültige Aussage -> Aussage, die aus logischen Gründen immer wahr ist

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> selbstreferentielle Systeme !

  • z.B. Humberto Maturana -> menschliches Auge als geschlossenes System
    • er hat sich dabei der Systemtheorie bedient
    • es gibt keinen Input -> Licht geht nicht ins Auge -> ein Lichtreiz wird auf Netzhaut erzeugt
    • Auge konstruiert nur Bilder = keine Widerspiegelung, lediglich Anreize und Reize
    • Verarbeitung im Hirn zu Struktur
    • die Erzeugung des Bildes ist ein selbstreferentielles System zwischen Auge und Gehirn
  • Bsp. Mensch besteht aus Zellen -> Zellen erzeugen sich selbst (werden nicht implantiert) 
    • Körper ist wie gesellschaftliches System, dass sich selbst erzeugt = selbstreferentiell
    • es gibt keinen In- und Output
    • Körper ist biologisches System, das sich selbst reproduziert in rekursiver Vernetzung -> die Elemente (Zellen) stellen sich rekursiv her = Autopoiesis
    • Autopoiesis: elementare Selbstherstellung von Systemen (in Biologie z.B. Zellen)  -> die kleinsten Elemente sozialer Systeme sind die Kommunikationen nicht die Individuen

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Kennzeichen der Systeme

Systeme sind gekennzeichnet durch

  • Komplexität
    • es herrscht ein Muster von Beziehungen
    • es kann nicht jedes Element mit jedem verbunden sein
  • Kontingenz
    • für diese Muster gibt es verschiedene Möglichkeiten
    • prinzipielle Offenheit und Ungewissheit menschlicher Lebenserfahrungen

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Kommunikation

Kommunikation in sozialen Systemen

  • soziale Systeme sind Systeme sinnhafter Kommunikationen
  • das kleinste Element sozialer Systeme = Kommunikation
  • das "Soziale" beginnt erst ab einer Wechselwirkung zwischen 2 Individuen
  • 2 komplexe Systeme treffen aufeinander -> neuer selbstreferentieller Zirkel -> Systeme verschmelzen nicht, sondern steuern sich gegenseitig -> sie konzentrieren sich auf das, was sie als Input-Output, als System-Umwelt-Beziehung warhnehmen können

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Doppelte Kontingenz !!!

  • Interaktion/Tausch
    • "Ich mache das, was du willst, wenn du das machst, was ich will"
    • hängt von beiden Seiten auf gleicher Weise ab
  • 2 komplexe Systeme treffen aufeinander
    • neuer selbstreferentieller Zirkel -> Systeme verschmelzen nicht, sondern steuern sich gegenseitig
    • sie konzentrieren sich auf das, was sie als In- und Output - als System-Umwelt-Beziehung- wahrnehmen können
  • = proevolutionärer Prozess
    • entwickelt sich aus sich selbst heraus
    • es gibt eine neu auftretende Ordnung, die bedingt wird durch die Komplexität der beiden Systeme
    • sie werden aber nicht berechnend oder kontrollierbar
  • Doppelte Kontingenz von Talcott Parsons
    • in jeder Interaktion steckt doppelte Kontingenz, weil beide Seiten voneinander abhängig sind

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Doppelte Kontingenz -> Kommunikation !!!

  • Kommunikation ist Synthese aus 3 Selektionen
    • Informationsselektion
    • Mitteilungsselektion
    • Verstehensselektion
  • die 4. Selektion ist das "Annehmen/Ablehnen" des Anderen
  • eine erfolgreiche Kommunikation erscheint als unwahrscheinlich -> um diese immanente Unwahrscheinlichkeit zu überwinden gibt es soziale Systeme, die das regeln
    • evolutionäre Errungenschaften dafür sind z.B. Sprache und Schrift
    • es entstehen symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
  • mit Hilfe der Symbole erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Annahmebereitschaft der Kommunikation
    • z.B. "Lockvögel" wie Geld, Wahrheit, Macht

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> Selbstorganisation !!!

Erzeugung der eigenen Struktur -> keine Strukturdetermination von außen

  • in sozialen Systemen gibt es Erwartungen/Semantiken = Bedeutugn/Bedeutungsstrukturen
  • Liebe als Passion
    • Liebe ist semantische Konstruktion -> verschiedene Kulturen, verschiedene Semantiken
    • Erzeugung durch Semantiken -> heute: Semantik der passionierten Liebe (von Ökonomie differenziert) -> Partnerwahl nach rein subjektiven Kriterien
    • früher (Tirol vor 200 Jahren): Zweckgemeinschaft -> selbe Anzahl von Kühen, selbe Religionszugehörigkeit
      • Verheiratung: Ehe hatt nichts mit passionierter Liebe zum tun -> passionierte Liebe neben der Ehe

Sinn, System, Funktion nach Luhmann -> selbstreferentielle Geschlossenheit

  • selbstreferentielles System = geschlossenes System
  • Strukturen werden von den Systemen selbst erzeugt -> trotzdem Verbindungen zwischen den Systemen
  • strukturelle Kopplung
    • Strukturen sind unabhängig und koppeln sich
    • z.B. Vogel der Zähne des Krokodils reinigt
  • Perturbation
    • = "Störung" im Sinne von Reizung
    • = Anregung von Außen auf ein System
    • z.B. Vorlesung kann Gedanken nicht steuern -> "nur Anregung / Reiz von außen
  • Sozialisation = Selbstsozialisation
    • Weitergabe von Mustern = Input -> es gibt aber keinen Input -> Kind entwickelt sich aus sich selbst heraus -> Input sind nur Anregungen
    • Sozialisation: Kind vollzieht Selbstsozialisation -> in letzter Instanz das Anpassen und Kennenlernen von einer Gesellschaft
    • Heilung = Selbstheilung
      • biologisches System kann sich nuir selbst reorganisieren -> Arzt kann nur Hilfestellung geben
      • z.B. gebrochenes Bein, trotz Gips von außen ist es SElbstheilung
    • Steuerung = SElbststeuerung
      • Steuerung ist immer nur eine Form von SElbststeuerung

Anwendungen Luhmann -> Fritz B. Simon

"Radikale" Marktwirtschaft

  • er setzt die Luhmannsche Systemtheorie auf das Management um
    • der Manager muss das Unternehmen gleichsam wie ein "Pferd zügeln" -> es ist eine Zügelung lebender Systeme
  • Die Steuerung sozialer Systeme in der Wirtschaft laufen gleich ab, wie alle sozialen Systeme = soziale Kybernetik
    • sie sind nicht mechanistisch oder linear steuerbar (heißt nicht, dass sie gänzlich unbeeinflussbar sind), sondern sind selbstreferentiell und müssen daher aus der Eigenlogik des Systems heraus gesteuert werden
  • wer Handlungen setzt, betreibt damit immer Handel -> menschliche Verhaltensweisen lassen sich als Waren betrachtetn, die bewertet und getauscht werden

Anwendungen Luhmann -> Macht

Macht im Rahmen der "Doppelten Kontingenz"

  • Macht als Medium der Kommunikation basierend auf (potentiellen) Nachteilen
    • es gibt keine absolute Macht gegenüber jemand anderen bzw. gibt es gar keine Macht in dem Sinn
    • ein Eigeninteresse stößt dabei auf komplementäres Interesse
    • gibt es bei der Manipulation einen (potentiellen) Nachteil für den anderen, spricht man von Macht = "Naturalisierung des Nachteils"
  • Einfluss als Medium der Kommunikation basierend auf (potentiellen) Vorteilen
    • Einfluss hingegen basiert auf den (potentiellen, virtuellen) Vorteil
    • das heißt dass eine Disposition vorhanden sein muss
  • die Phänomene Macht und Einfluss passieren also im Rahmen der Wechselwirkung -> der Mensch will nicht nur beherrschen, sondern auch beherrscht werden

Anwendungen Luhmann -> Führung

Führung als Ver-Führung

  • "Als ob je ein Gegenstand uns verführte und nicht ausschließlich der aus unserem Inneren hervorbrechende, in diesem Augenblick das Ich darstellende eigene Trieb" (Simmesul)
  • suggestive Impulse, Doppel-Impulse

Anwendungen Luhmann -> Planung

Planung als evolutionäre Planung

  • gegen mechanistische Planungskonzepte
  • man muss Änderungen in Rechnung stellen und die Komplexität der evolutionären System-Umwelt-Beziehung berücksichtigen
  • z.B. flexible Planung durch Feedback-Mechanismen

Anwendungen Luhmann -> Zahnrad-Modell

"Fallacy of Misplaced Intentionality" -> "Das Zahnrad-Modell"

  • dieses Modell ist in den Sozialwissenschaften weit verbreitet
  • alles hängt irgendwie zusammen ->wenn man an einer Stelle etwas ändert, ändert sich auch das andere

Anwendungen Luhmann -> G.S.Brown

George Spencer Brown -> "Draw a Distinction"

  • alles beginnt mit "Differenz", die über die Zeit "eine eigentümliche Selbstständigkeit gewinnt"
  • aus dem Unterschied entwickelt sich eine Form
  • z.B. ein Kunstwerk entwickelt sich aus einer Idee / einer Grundintention / einem Motiv heraus
  • "ein Kunstgegenstand entsteht zufällig" -> Blumen -> das Kälberkalb: ich habe plötzlich gemerkt, dass sich die Antenne zu einem Gerippe biegen lässt
  • Gregory Batson: "Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht" = die Unterscheidung macht den Unterschied

Anwendungen Luhmann -> Entfaltung / Fraktale

Entfaltung / Fraktale

  • Entstehung von sozialen Systemen ist nicht linear geplant
  • es ist eine fraktale (vielfach gebrochene) Entfaltung von Grunddifferenzen
  • auch eine Beziehung entsteht aus Verstrickungen, die immer mehr eine Eigenlogik entwickelt
  • Unternehmen, die aus einer evolutionären Planung entstehen, sind zumeist am erfolgreichsten

Anwendungen Luhman -> moderne Gesellschaft

  • die moderne Gesellschaft ist funktion differenziert (nicht segmentär oder stratifikatorisch) in  autopoeietische (sich selbst herstellende, erhaltende) Subsysteme
  • jedes dieser Systeme ist in sich geschlossen
    • sie stellen füreinander Umwelten dar
    • sie können zwar aufeinander praktisch wirken, aber besitzen jeweils eine eigene unabhängige Logik

Anwendungen Luhmann -> Funktionssysteme (moderne Gesellschaft)

Funktionssysteme wie auch Kunst, Religion, Liebesbeziehungen

und insofern ist wahr nicht immer teuer; schön nicht immer richtig usw. Alle haben verschiedene Codes und Programme -> Luhmann arbeitet jedes System einzeln aus, was aber teilweise recht problematisch wirkt

  • Wissenschaft
    • Funktion: Erweiterung von Wissen
    • Medium: Wahrheit
    • Code: wahr/unwahr
    • Kommunikation: wissenschaftliche Aussage
  • Politik
    • Funktion: kollektiv verbindliche Entscheidung
    • Medium: Macht
    • Code: Macht / keine Macht
    • Kommunikation: politische Entscheidung
  • Recht
    • Funktion: Stabilisierung normativer Erwartungen
    • Medium: Recht
    • Code: Recht / Unrecht
    • Kommunikation: Rechtsaussage
  • Wirtschaft
    • Funktion: Regulierung von Knappheit
    • Medium: Geld
    • Code: Haben / nicht-Haben
    • Kommunikation: wirtschaftliche Transaktion

Anwendungen Luhmann -> ökologische Gefährdung

ökologische Gefährdung

  • wie kann die moderne Gesellschaft darauf reagieren
  • subsystemspezifische Resonanz
    • in traditionellen Sichtweise stand fest, dass Normen für die Wirtschaft notwendig sind, um die Erde zu retten
    • aber die ökologische Gefährdung ist nicht steuerbar
    • es braucht eine subsystemspezifische Resonanz
    • man muss die Normen in die ökonomische Eigenlogik einbauen

Anwendungen Luhmann -> Protest

Luhmann: die Gesellschaft der Gesellschaft

  • "das unreflektierte Sich-für-besser-halten. Entsprechend wird mit Schuldzuweisungen gearbeitet"
  • Maßnahmen können das Gegenteil bringen, wenn man sie nicht genügend bedenkt bzw. auch dann -> erst muss Eigenlogik verstanden werden

Talcott Parsons -> Person

  • seine Theorie hat lange die Soziologie in den USA dominiert -> in den 60ern in Hintergrund gedrängt worden -> dann kam "kritische" Bewegung
  • Strukturfunktionalismus auch handlungstheoretische Sozialtheorie, voluntarische Theorie des Handelns
    • man begann holistisch (ganzheitlich) zu denken
  • Institutionalismus
    • gesellschaftliche Strukturen (Institutionen) sind wichtig zu verstehen / um zu wissen, was in der Ökonomie vor sich geht
    • = Gegenströmung zu klassischem Individualismus
  • geprägt von Max Weber -> Weberianische Tradition -> "Weber Zirkel"

Talcott Parsons -> Theorietechnik

analytische Differenzierung und synthetische Rekombination

  • Kern seiner Theorie: widersprüchliche Theorien auf einen Nenner bringen bzw. zu kombinieren -> begriffliches Differenzierung  um begriffliche Verwachsung zu verhindern
  • Tradition des Kapitalismus (Idee der Rationalität)
    • Weber als Idealist: Kapitalismus aus der Tradition der Religion
    • vs. Kommunismus: materialistische Theorie, Materialismus
    • -> Differenzierung zwischen Idealismus und Materialismus
  • Parsons versucht die große Streitlinie der Soziologie zu verbinden
    • idealistische Theorie (meist vertretendste soziologische Theorie)
      • idealistisch weil Idee/Sinn das Entscheidende ist
      • z.B. sinnhafter Aufbau der Gesellschaft / Materie- > Schaffung des Geistes
      • Weber: protestantische Ethik -> Geist des Kapitalismus
    • materialistische Theorien (Gegenbewegung von Marx)
      • das Materielle der Gesellschaft ist die Ökonomie
      • Ökonomie liegt allem zu Grunde
  • Parsons versucht die Theorien (Idealismus und Materialismus) zu vereinen
    • er sucht eine allgemeine Theorie ("General Theory of Action") -> Konvergenzthese

Talcott Parsons -> Handlung als System 1

Handlung als System -> die Struktur der Handlung

  • "The structure of social art"
    • Grundaussage: bisheriges Denken der Soziologie wurde beeinflusst von Zweck und Mittel
  • zentrale Begriffe: Handlung besteht aus einer Reihe struktureller Komponenten -> ein Verhalten, das durch diese Komponenten analysiert werden kann, ist eine Handlung
    • Bedingungen des Handelns
    • Mittel des Handelns
    • subjektive Ziele
    • Normen
  • Zweck-Mittel-Schema
    • "Zweck" und "Mittel" sind Teile einer jeden sinnvollen menschlichen Handlung
      • Zweck: Ziele, interne Normen -> Ziele sind sinnhafte Handlungen
      • Mittel: Bedingungen, externe Normen -> direkte Mittel = Buch usw.
    • Idealisten sehen vor allem kulturelle, zielhafte Vorstellungen, Mittel und Bedingungen als Hauptstruktur, also die Idee dahinter
    • Materialisten beziehen sich hingegen vor allem auf die Materie -> die Ökonomie
  • Parsons: Zweck und Mittel
    • diese Elemente (Zweck und Mittel) sind unabhängige Komponenten einer Handlung
    • Handlungsziel braucht Mittel (z.B. Vorlesung mit Mikrofon, ZuhörerInnen
    • Handlungsziele sind sinnhaft konstruiert -> Normen, Handlungsnormen
    • die Mittel des Handelns (2 Arten): direkte Mittel (PowerPoint, Buch) und Bedingungen

Talcott Parsons -> Handlungs als System 2

  • strukturelle Unabhängigkeit
    • Fehler: Handeln an einer der zwei Begriffe erklären
    • Parsons differenziert hier analytisch: jede Handlung hat eine Idee, aber auch einen Zweck/ein Ziel -> diese zwei Komponenten sind unerlässlich für eine Analyse der Handlung und voneinander (Strukturell) unabhängig
      • Idealisten: sie sehen vor allem kulturelle, zielhafte Vorstellungen, Mittel und Bedingungen als Hauptstruktur, also die Idee dahinter
      • Materialisten: sie beziehen sich auf die Materie, die Ökonomie
    • Überwindung der Dichotomien
      • keine idealistische Vorstellung mehr
      • statt Handeln aus aus dem Sinn (Idealismus), ist in jeder Handlung beides (Idealismus und Materialismus) enthalten

Talcott Parsons -> Handlung als System -> Modernisierung

Gemeinschaft vs. Gesellschaft

von der Gemeinschaft zur Gesellschaft: Ferdinand Toennies "Gemeinschaft und Gesellschaft" -> Gesellschaft als Produkt einer Transformation = die Gesellschaft ist in einem fundamentalen Wandel begriffen -> traditionale Sozialstruktur wird modernisiert (Industrialisierung)

früher: traditionelle, gemeinschaftliche Gesellschaft, sprich Gemeinschaft

heute: Gesellschaft entwickelt sich aufgrund des Kapitalismus weiter

  • Gemeinschaft (Lebenswelt)
    • organisch -> dörfliche Strukturen
    • Ziel in sich
    • Person als Einheit -> Person als Ganzes
    • affektiv/traditional -> Handeln ist von Emotionen / Traditionen bestimmt (z.B. Lederhose)
  • Gesellschaft (System)
    • mechanisch -> durch Industrie wächst Gesellschaft
    • instrumentell -> mehrere Handlungen um nur ein Ziel zu erreichen = instrumentelle Handlung
    • Teile der Person -> Fragmentierung des bürgerlichen Subjekts -> Gesamtperson wird geteilt
    • rational orientiert -> z.B. für Sport Sporthose, für Ball Anzughose

Talcott Parsons -> Mustervariablen 1 !!!

  • Differenzierung in Beziehungsformen
    • völlig anderes Bild der Gesellschaft
    • beide Beziehungstypen unterliegen einer Weiterentwicklung = Koevolution von Beziehungsformen
    • früher: traditionelle, gemeinschaftliche Gesellschaft = Gemeinschaft
    • jetzt: Gesellschaft entwickelt sich aus Entstehung des Kapitalismus weiter -> Entwicklung geht weg vom "ganzen" Menschen -> Fragmentierung des menschlichen Geschlechts -> rational -> gesellschaftlich entfremdete Struktur
  • 5 Pattern Variables
    • diese Entwicklung muss keine Entfremdung sein
    • = idealtypische Eigenschaften von Gemeinschaft bzw. Gesellschaft
    • es handelt sich dabei um gegensätzliche Entscheidungsalternativen, die ein Individiduum hat, um eine Situation zu definieren
    • laut ihm sind in der modernen Gesellschaft noch beide Seiten verbunden -> gesellschaftliche Gemeinschaft

Talcott Parsons -> Mustervariablen 1 (Pattern Variables) !!!

  • affektiv/emotional vs. affektiv neutral/rational
    • das Individuum hat die Wahl, seine unmittelbaren Bedürfnisse zu befriedigen (z.B. wie unter Familienmitgliedern) = Affektivität -> oder aber die Affektivität zugunsten der Befriedigung eines langfristigen Bedürfnisses aufzuschieben = Neutralität
  • Kollektivorientierung vs. Selbstorientierung
    • Alternative zwischen Eigenintersse (Eigennutz) also vorrangig an sich selbst denken und Kollektivwohl, also sich an die Wünsche eines Kollektivs ausrichten (Gemeinnutz)
  • Universalismus vs. Parikularismus
    • Alternative zwischen dem Akzeptieren allgemeiner und besonderer Gruppennormen
    • Partikularismus bedeutet Handlungsmöglichkeit, die stärker an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtet ist
    • Universalismus hingegen richtet sich an den gesellschaftlichen Vorgaben aus
  • Zuschreibung vs. Leistung
    • Alternative zwischen zugeschriebenen Eigenschaften und erworbenen Leistungen
    • in einer Gemeinschaft ist die zugeschriebene Rolle und die Erfüllung der jeweiligen Erwartungen wichtig
    • hingegen in der Gesellschaft sind die eigenen Leistungen wichtig
    • Zuschreibung durch z.B. Geschlecht, Familienstand, während Leistung durch z.B. erworbene Titel
  • funktional diffuse vs. spezifische Beziehungen
    • Alternative zwischen Handlungen, die auf die ganze Person und solche, die auf spezielle Segmente (dh. einzelne, klar definierte "Teile"/Rolle des Individuums) bezogen sind

Talcott Parsons -> Mustervariablen 2 !!!

  • für Parsons sind in der modernen Gesellschaft noch beide Typen vorhanden -> sie sind nur unter neuen Bedingungen weiterentwickelt worden -> die gesellschaftliche Gemeinschaft ist das soziale System der Gesellschaft
  • die Gesellschaft heute hat mehr Subjektivität, mehr soziale Kommunikation, aber sie ist nicht entfremdet, sondern differenzierter
  • beide Komponenten gibt es in Koexistenz -> Modernisierung von Intimbeziehungen und instrumentellen Beziehungen
    • instrumenteller Komplex
      • instrumentelle Ökonomie
      • Kooperation
      • "Facilities": instrumenteller Besitz
      • instrumentelle Stratifikation / Schichtung
    • expressiver / ausdrucksstarker Komplex
      • expressive Ökonomie
      • Loyalität / Solidarität
      • "Rewards": Wertschätzung, Liebe etc. -> beliebige Beziehungen
      • Stratifikation als Rangordnung durch Wertschätzung

Talcott Parsons -> Strukturfunktionalismus

Handlungstheorie verlangt Unterscheidung von Systemen

  • soziales System (Sozialstruktur)
  • psychisches System (Persönlichkeit, Individuum)
  • kulturelles System

begriffliche Differenzierung bedeutet dass diese 3 Systeme klar voneinader abgegrenzt sind -> für Parsons darf der Zusammenhang nur empirisch bleiben und nicht a priori definiert werden -> jedes System hat eigene Logik

Hauptaussage = strukturell unabhängige Systeme -> 3 Komponenten, die in jeder Handlung stattfinden, aber strukturell unabhängig sind

....und Unterscheidung von "Handlungsdimensionen"

  • kognitiv-instrumentell = rational, Logik des Denkens, Kognitionen
  • affektiv = Logik der Gefühle, Emotionen
  • moralisch = Logik der Moral, Normen

alle 3 sind strukturell unabhängig und nicht aufeinander rückführbar -> sie dürfen nicht aufeinander reduziert werden

sie müssen mit den Subsystemen des Handelns überkreuzt werden

Überkreuzen ("Orthogonalität") von Subsystemen mit den Handlungsdimensionen = Versuch, nicht zu reduzieren = holistisches Denken

Talcott Parsons -> Motivierung wirtschaftlichen Handelns

Motivierung wirtschaftlichen Handelns

  • bis jetzt wurde diese stets auf eine Grundvariable hin untersucht = rationale Verfolgung eines Eigeninteresses
  • nur unter bestimmten Umständen ist dies anwendbar -> bei differenzierter Betrachtung ist diese Erklärung nicht genug
  • in jeder Kultur sind Ansichten und demnach auch ökonomische Motivationen anders ausgeprägt
  • will man ökonomisches Handeln erklären, so muss man die Sozialstruktur kennen (nicht nur die individuellen Motive)
    • die Ökonomige greift zu kurz = reduktionistisches Wissenschaftsbild -> nicht nur rationales Handeln wichtig
    • Institutionen
      • (normative) Muster: moralische Pflichten und Verantwortung
    • institutionelle Sozialstruktur
      • Differenzierung von Handlungen und Beziehungen -> institutionelle Rollen z.B. Treuhänder
    • der natürliche Erwerbsbetrieb funktioniert nur mit Hilfe einer institutionellen Struktur
      • rationale Verfolgung von Eigeninteressen = selbst Teil der institutionellen Struktur moderner Gesellschaften
    • Geld ist nicht nur ein "rationales Maß" sondern Symbol nicht-rationaler Werte (z.B. Status)

Talcott Parsons -> Persönlichkeit
 

Persönlichkeit: Komplexität von "Eigeninteressen" und "Befriedigung"

  • es ist ein System moralischer Empfindungen -> uneigennützig, nicht hedonistische (Lust-, Genuss-betont) Selbstinteressen

mit Komponenten

  • Selbstachtung
  • Anerkennung
  • Interesse an Mitteln zur Erreichung von Zielen
  • "Lust"
    • nicht naturalistisch, sondern Funktion der Gesamtpersönlichkeit
    • "Lust" ist sozial definiert -> körperliche Berührung löst nicht immer Gefallen aus
  • ästhetisches Empfinden, Sympathie

Talcott Parsons -> AGIL-Paradigma 1 !

Grundlegendes AGIL-Schema: das Handlungssystem

nach Parsons muss jedes existierende oder denkbare System 4 Funktionen erfüllen, um seine Existenz erhalten zu können

  • Adaption = Anpassung
    • die Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren bzw. sich anzupassen
  • Goal-attainment = Zielverfolgung
    • die Fähigkeit eines Systems, Ziele zu definieren und zu verfolgen
  • Integration = Eingliederung
    • die Fähigkeit eines Systems, Kohäsion (Zusammenhalt) und Inklusion (Einschluss) herzustellen und abzusichern
  • Latency bzw. Latent Pattern Maintenance = Aufrechterhaltung
    • die Fähigkeit eines Systems, grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten

Talcott Parsons -> AGIL-Paradigma 2 !

die Funktionen werden dabei nach zwei dichotomen Kriterine in eime quadratischen Raster angeordnet

  • instrumental / konsumatorisch
    • die beiden instrumentalen Funktionen (Adaption und Latency) stehen links -> sie werden instrumental genannt, da sie wie ein Hilfsmittel der Erfüllung anderer Zwecke dienen
    • die beiden konsumatorischen Funktionen (Goal-Attainment und Integration) stehen rechts -> sie werden konsumatorisch genannt, da sie direkten Nutzzen stiften - gewissermaßen konsumiert werden
  • aktiv / passiv
    • die beiden aktiven Funktionen (Adaption und Goal-Attainment) stehen oben -> sie nehmen eine eher aktive, verändernde Rolle ein
    • die beiden passiven Funktionen (Integration und Latency) stehen unten -> sie nehmen eine eher passive, konservierende Rolle ein

die jeweils horizontal nebeneinanderstehenden Teilbereiche interagieren durch symbolische Tauschmittel, wie Geld, Macht, Einfluss oder Wertbindung

in der Reihenfolge A G I L nehmen die ermöglichenden Kräfte immer weiter ab, während die ordnungsschaffenden Kräfter immer mehr zunehmen

Talcott Parsons -> das Handlungssystem!!!

um die 4 Funktionen wahrnehmen zu können, bildet ein System spezifische Subsysteme aus, die die jeweiligen Aufgaben erfüllen

im umfassendsten und gleichzeitig abstraktesten System, dem Handlungssystem sind dies:

  • das Verhaltenssystem = Adaption
    • es basiert auf Bedürfnissen
  • das persönliche System = Goal attainment
    • es basiert auf Motiven
    • organisiertes System von Handlungsorientierungen eines Individuums
  • das soziale System = Integration
    • es basiert auf sozialen Rollen
    • System miteinander verbundener Handlungen verschiedener Akteure
  • das kulturelle System = Latency
    • es basiert auf Wertvorstellungen
    • Organisation der Werte, Normen, Symbole, die die Handlungen der Akteure beeinflussen

jedes "Handeln" - gleich ob von Individuen oder kollektiven Akteuren unterschiedlichster Art (Gruppen oder Organisationen) - ergibt sich demnach stets aus diesen vier Komponenten

Hinweis: der Begriff "soziales System" hat innerhalb der Parsons'schen Theorie eine Doppelbedeutung

  • zum einen ist es wie oben beschrieben ein Teil des menschlichen Handlungssystems
  • zum anderen beschreibt der Begriff aber auch gesellschaftliche Systeme im Sinne des Strukturfunktionalismus

Talcott Parsons -> gesellschaftlicher Wandel

gesellschaftlicher Wandel

  • Differenzierung
    • nicht homogene, sondern differenzierte Gesellschaft
  • multifaktoriell
    • der gesellschaftliche Wandel hängt nicht nur von einem Faktor ab -> nicht Religion oder Wirtschaft allein ist Grund für den Wandel
  • von "intrinsisch" zu "symbolisch"
    • z.B. Geld: vom Realwert zum Geldschein bis zum elektronischen "Geld"
    • früher: wer die Waffen hat, hat die Macht
    • heute: symbolisch -> z.B. Macht durch Wahlen -> Gewalt ist nicht mehr nötig
  • Generalisierung von Affekt -> "criss-crossing solidarities"
    • Möglichkeit globaler Identifikationen -> z.B. sich als Europäer_in unter vielen Nationalitäten fühlen und nicht als Tiroler_in
    • Gefühl der Zugehörigkeit
    • mit Differenzierung entsteht Mediumaffekt
      • primordiale = ursprüngliche Gesellschaften werde immer symbolischer
      • globale Integration
      • flexiblere Beziehungen

Fromale Soziologie nach Georg Simmel -> allgemein

  • formale Soziologie geht von der Analyse der sozialen Beziehungen - den Wechselwirkungen der Individuen unteraindner aus -> die Beziehungsformen der Individuen konstituieren erst "Gesellschaft" durch den Prozess der Vergesellschaftung
  • Untersuchungsgegenstand: die abstrakt-generellen Beziehungsformen der Individuen untereinander -> das Verhalten der Individuen wird durch konkret-individuelle Bedürfnisse geprägt, welche unabhängig von historischen oder sonstigen Spezifitäten (z.B. Klasse, Schicht usw.) gedacht werden
    • Beziehungsformen sind: Über- und Unterordnung, Konkurrenz, Arbeitsteilung, Streit, Freundschaft
  • im Streit/Konflikt sieht Simmel eine Form der Vergesellschaftung, in der sich die Individuen ihrer Gemeinsamkeiten klar werden
  • nach Auseinandersetzung mit Immanuel Kant beschrieb Simmel soziologische "Formen" als "rein" (=ohne empirische Beimischung) und a priori gegeben -> sie werden nicht durch Abstraktion oder Verallgemeinerung konstituiert
    • erst in der Spezifierung der Begriffe gewinnen diese reinen Formen empirische Relevanz -> am Bsp. der Vergesellschaft wird dies verdeutlicht: "Inhalt" bekommt der Begriff erst durch das, was in den Individuen als Trieb, Interesse, Neigung konkret-historisch vorhanden ist und Wirkung auf andere Individuen entfaltet
  • Simmel stellt nicht das Individuum in den Mittelpunkt, sondern die Beziehungen oder Wechselwirkungen der Individuen und gewinnt so das "Soziale" und als Ergebnis die Gesellscahft
    • er sieht die formale Beziehung "Streit/Kampf" durchaus positiv im Rahmen der Vergesellschaftung -> in der Darstellung und Gewichtung des Streits sieht er die Dynamik gesellschaftlicher Strukturen

formale Soziologie nach Simmel -> Begriff des Formalen

  • Form als Gegenbegriff zu Substanz
    • für Weber/Durkheim heißt "sozial" Sinn bzw. "Norm", was beides der Substanz entspricht
  • Substanz in der Wissenschaftstheorie: Wissenschaften beziehen sich auf einen bestimmten Gegenstand -> gibt es neue Substanzen, gibt es neue Wissenschaften
    • Problem des Substanzbegriffs: es entstehen im Alltag Widersprüche, weil eine Substanz von verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann
      • Bsp.: ein Betrieb: ein ökonomisches Phänomen, aber auch ein soziales, politisches)
    • Wissenschaften werden also eigentlich nicht vom Gegenstand (von der Substanz), sondern von der Perspektive (von der Form) definiert

formale Soziologie nach Simmel -> der Formbegriff

Basis des Formbegriffs ist stets die Leitdifferenz "Form-Inhalt" -> Ausgangspunkt war die Kant'sche Epistemologie (Erkenntnislehre) - eine Philosophie, die den Funktionsbegriff überwindet

diese Theorie überträgt Simmel auf

  • Kulturtheorie/Geschichtstheorie
    • will man sich mit der Geschichte als Gesamtheit befassen, stößt man gleich auf ein Problem -> die Geschichte an sich ist unendlich
    • Geschichtswissenschaft muss apriorische Kategorien haben, um erlebtes Geschehen einzuteilen
  • Psychologie
    • die Psyche wird oft und gern als Substanz gesehen -> Freudsches Persönlichkeitsmodell - Widersprüche zwischen ES-Ich-Über-Ich
      • Über-Ich: Evaluativ (wertend): Moral
      • Ich: kognitiv (erkenntnismäßig): Realitätsprinzip
      • Es: Trieb, sinnliche Impulse
    • die einen sehen die Sinnlichkeit als das EGO (das eigentliche Ich) -> die anderen sehen die Rationalität und die Normen als EGO (= homo oeconomicus)
    • Simmel sieht die Identität / das "Ich" als formale, funktionelle Einheit -> "Ich" als Ganzes -> alles, was man tut, gehört zum "Ich"
  • Soziologie
    • sozial = die Wechselwirkung, das interaktive Moment zwischen Menschen
    • die Inhalte (Arbeit, Religion, Kunst usw.) sind nicht an sich sozial, so wie auch die Ästhetik nich ein rein psychologisches Phänomen ist
    • Ästhetik ist auch eine ethische Frage -> ästhetische Inhalte können auch zur Wechselwirkung motivieren

formale Soziologie nach Simmel -> Sinnlichkeit

  • es bedarf sinnlicher Daten (Sinnkontakt mit der Welt: sehen, riechen, schmecken,...)
    • Sinndaten sind amorph (= formlos, gestaltlos)
    • um ihnen Gestalt zu geben braucht es eine Formung
    • es braucht Verstandeskategorien zur Formung der Sinndaten: Kategorisierung -> in Begriffe fassen
  • die Erkenntnis ist ein Produkt der Formung von rohen Sinnesdaten in Begriffe
    • Erkenntnistheoretisch: sinnliches Material - Verstandeskategorien
    • Geschichte: erlebtes Geschehen - apriorische Kategorie
  • Kant: Natur = geformtes Sinnematerial
    • Simmel wendet diesen Ansatz auf die Geschichte an
    • Geschichte besteht aus Sozial-, Natur-, Kulturgeschichte, usw.
    • Analyse der menschlchen Existenz
  • Sinnlichkeit
    • die Sinnlichkeit als Reiz des Äußeren -> Sinnlichkeit als Zentrum des Ich
    • die Sinnlichkeit als EGO -> Rationalität und Normen -> Sinnlichkeit als Peripherie des Ich
  • "Als ob je ein Gegenstand uns verführte und nicht ausschließlich der aus unserm Innern hervorbrechende, in diesem Augenblick das Ich darstellende eigener Trieb

formale Soziologie nach Simmel -> sozial

sozial = Wechselwirkung

  • Inhalte der Wechselwirkung: Arbeit, Erotik, Religiosität, Kunst etc. -> als solche nicht sozial
  • Formen der Wechselwirkung: Über-/Unterordnung, Streit, Kooperation, Konkurrenz, Geselligkeit
  • "die soziale Frage ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine Nasenfrage - eine ästhetische"

Mode = sozial

  • Soziologie der Mode: alle wollen besonders erscheinen
    • Problem: Bedürfnis nach Imitation/Anlehnung
    • ist jemand modisch: Verhalten der Lemminge
    • Mode ist etwas für besonders schwache Menschen -> Hervortun durch Imitation und "pseudoindividualistisches" Verhalten
      • Distinktion: man möchte sich abgrenzen
      • Anpassung: man möchte dazugehören
    • sobald jemand modisch ist, ist der Inhalt völlig egal
    • Mode = "für andere" -> man kleidet sich ausschließlich für andere modisch
    • Mode wird immitiert: z.B. die Delle im Hut von Jackie Kennedy wird immitiert und zur Mode
  • Soziologie des Schmuckes
    • egoistischer Impuls: man möchte Überlegenheit ausdrücken
    • altruistischer Impuls: man möchte jemandem gefallen und sich unterordnen
      • Macht/Überlegenheit durch Gefallen und nicht durch äußerlichen Zwang

formale Soziologie nach Simmel -> Kultur !!!

was bedeutet "Kultur"

  • Kulturbegriffe gehen zurück auf 2 Stränge
    • Weber: Kultur = Sinnstruktur
    • Durkheim: Kulturelles = Normen und Werte der Gesellschaft
  • Kultur = Form und Gebilde, in dem der Mensch sein leben lebt
  • Kultur stellt Handlungsformen dar / Form der Handlung
  • Kultur ist ein Gebilde (Form), die der Mensch entwickelt, um das Leben zu gestalten
    • z.B. Essen: es braucht eine Form des Essens (Hände, Stäbchen, Besteck) -> regionale Esskulturen
    • in diesen Formen verwirklicht sich der Mensch - befriedigt Triebe
  • z.B. die Unternehmenskultur ist ein System von Verhaltensnormen, Werten und Grundannahmen, das als solches die Grundlagen für eine individuelle Orientierung und Bewertung von Handlungen in einem Unternehmen liefert
  • z.B. Kultur des Ötzi: seine Normen und Werte? Waffen-, Ess-, Kleidungskultur...
  • Kultur ist etwas, das der Mensch aus dem Inneren herausbildet
  • Metapher der Kulturpflanze: Entfaltung von Keimkräften
    • natürliche Urform der Pflanze: Pflanze hat natürliche Entfaltungspotentiale
    • durch Kultuivierung: drängt bestimmte Anlagen zurück
    • in Kulturpflanze ist Anlage der Naturpflanze

Étudier