Sinn und Unsinn medizinischer Diagnostik

zur Vorlesung vom 04.05.2016

zur Vorlesung vom 04.05.2016


Z. S.
Diese Lernkarten bieten einen universitären Einblick in die medizinische Diagnostik, mit Fokus auf Tests, Wahrscheinlichkeiten und die Diagnose von Erkrankungen wie KHK. Sie behandeln die Bedeutung von Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labor, sowie die Anwendung von Scores wie dem Marburger Herz Score zur Einschätzung von Brustschmerzen. Die Karteikarten richten sich an Medizinstudenten und Ärzte, die ihre diagnostischen Fähigkeiten verbessern und fundierte Entscheidungen treffen möchten.
Karten
27
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
21.05.2016 / 22.05.2016

Lernkarten

DEGAM

  • augeschrieben
  • Aufgabe

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin
  • erstekkt evidenzbasierte und zugleich praxisorientierte Leitlinien für Hausärzte

Patientenversorung: anschauliches Beispiel mit 1.000 Menschen

  1. Symptome innerhalb eines Monats
  2. erwägen medizinische Versorgung
  3. begeben sich zu einem niedergelassenen Arzt
  4. begeben sich zu einem Hausarzt
  5. werden an eine Universitätsklinikum versorgt

  1. 800
  2. 330
  3. 220
  4. 110
  5. weniger als 1 (wichtig)

Wie lauten die häufigsten Diagnosen (nach ICD10) in allgemeinmedizinischen Praxen?

wichtig

  • chronische inschämische Herzkrankheit
  • sonstige nichttoxische Struma

Was sind die häufigsten 20 Beratungsanlässe?

Beratungsanlässe

Was sind die häufigsten Beratungsergebnisse?

  •  
  • oft besteht eine Diskrepanz zwischen ... und ...

wichtig:

  • Blutdruck, unkompliziert
  • keine Erkrankung
    • obwohl der Patient Symptome schildert, kann unter Umständen keine Erkrankunng festgestellt werden
    • Diskrepanz zwischen Beschwerden und Diagnose

Bedeutung von Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labor:

Wieviel Prozent aller Diagnose können allein durch eine Anamnese gestellt werden?

Bedeutung von Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labor:

Wieviel Prozent aller Diagnose können ca. durch eine körperliche Untersuchung gestellt werden?

Bedeutung von Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labor:

Wieviel Prozent aller Diagnose können ca. durch ein Labor gestellt werden?

Bedeutung von Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labor:

Wieviel Prozent aller Diagnose können allein durch eine Anamnese und körperliche Untersuchung gestellt werden?

89%

Grundsätze der Diagnostik

  • Wozu dienen Tests?
  • Ziel von Tests
  • Wann macht ein Test überhaupt Sinn?

Grundsätze der Diagnostik

  • Tests bzw. Diagnostik dienen nicht dazu, Wissen bzw. Datenmengen zu erhöhen, sondern handlungsrelevante Entscheidungen zu ermöglichen.

  • Ziel ist es, bessere Entscheidungen treffen zu können.

  • Ein Test macht nur dann Sinn, wenn die Nach-Test-Wahrscheinlichkeit sich gegenüber der Vor-Test-Wahrscheinlichkeit ändert.

Def.: likelihood ratio

Die Likelihood Ratio gibt an, um wie viel mal häufiger ein positives Testresultat bei Personen mit Erkrankung vorkommt im Vergleich zu Personen ohne Erkrankung.

likelihood ratio normogramm

  1. likelihood ratio = 1 (grün)
  2. likelihood ratio = 0,5 (blau)
  3. likelihood ratio = 2 (gelb)

likelihood ratio normogramm

Je geringer die likelihood ratio, desto ... der angewandte Test in Bezug auf die zu diagnostizierende Erkrankung.

Testgütekriterien (2)

Sensitivtiät: Je höher die Sensitivität eines Tests ist, desto sicherer erfasst er die Erkrankung.

Spezifität: Je höher die Spezifität eines Test ist, desto sicherer erfasst er Gesunde.

Vortestwahrscheinlichkeit

  • Def.
  • Synonym

  • Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Erkrankung vorliegt, bevor eine zusätzliche diagnostische Maßnahme, beispielsweise eine Laboruntersuchung, durchgeführt wird.
  • Prävalenz

Nachtestwahrscheinlichkeit

  • Def.
  • Synonym

  • Erkrankungswahrscheinlichkeit nach einem positiven Test
  • positiver prädiktiver Wert

Nur, wenn ein Patient ... oder mehr Symptome aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an einer Schilddrüsenfunktionsstörung leidet, größer als ...%.

Nur, wenn ein Patient 5 oder mehr Symptome aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an einer Schilddrüsenfunktionsstörung leidet, größer als 50%.

Bayes-Theorem

  • =
  • abhängige Parameter

  • = Berechnung der Nachtestwahrscheinlichkeit/des positiven pädiktiven Wertes
  • abhängige Parameter (prW(+) )
    • Sensitivität (se)
    • Spezifität (sp)
    • Prävalenz (p)

\(prW(+) = {se p \over se p + (1-sp)(1-p)}\)

Angina Pectoris Score zur Diagnostik der KHK

  • Wo entwickelt?
  • Attribute (7) und zugeschriebene Werte

  • Score, der an Patienten entwickelt wurde, die gezielt zur Durchführung einer Koronarangiographie in eine kardiologische Universitätsklinik eingewiesen wurden

Scores sind immer abhängig vom Ort der ... .

Vorselektierung

bzw. Was hinter einem Symptom x steckt, hängt stark davon ab, wo man sich als Arzt befindet.

Marburger Herz Score

  • Wo entwickelt?
  • Kriterien (5) und zugeordnete Punktzahl

  • in Marburg zr Diagnostik der KHK bei Brustschmerzen in der Grundversorgung/Allgemeinmedizin

Marburger Herz Score

Interpretation

  • 0-2 Punkte
  • 3 Punkte
  • 4-5 Punkte

  • 0-2 Punkte: <2,5% Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes
  • 3 Punkte: ca. 17% Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes
  • 4-5 Punkte: ca. 50% Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes

Marburger Herz Score

weitere Kriterien, die zur Einschätzung einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes herangezogen werden können

  • + erhöht die Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes (3)
  • - erniedrigt Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Brustschmerzes (4)

weitere Kriterien

chronische KHK

Wann solle keine Koronarangiographie durchgeführt werden?

chronische KHK

Wann sollte eine Koronarangiographie durchgeführt werden?

Wenn ein Arzt bei einem Patienten eine typische Symptomatik feststellt, dann weisen die klinischen Befunde mit einer quantifizierbaren Wahscheinlichkeit auf das Vorliegen einer definitiven Erkrankung hin, die von der ... dieser Erkrankung unter allen Patienten dieses Arztes abhängt, welche die gleiche Symptomatik haben.

Prävalenz

Def.: spectrum bias

Sensitivität eines Test wird überschätzt, wenn dieser im Hochprävalenzbereich (z.B. Universitätsklinik) entwickelt, aber im Niedrigprävalenzbereich (z.B. Klinik der Regelversorgung, Hausarztpraxis) eingesetzt wird .

Lernen