QWG, Teil 7
Geschichte der Statistik
Geschichte der Statistik
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Lernkarten
Statistik im 18./ 19. JH:
Wie war die Ausgangssituation?
- vergleichende Beschreibung von Staaten / Ökonomien --> Staatskunde (zuerst noch keine Statistik)
- Entstehung der amtlichen Statistik:
in GB mit der Handelsbilanz ab 17.JH
in DE mit Zollverein ab 1830
Wie entwickelte sich Statistik in DE?
und was war das Ziel der amtlichen Statistik?
- Aus Staatskunde wurde deutsche Universitätsstatistik
- zentrale Themen waren: Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft
- Vereinsgründungen
- Zeitschriften,...
- Ziel der amtl. Statistik: Angemesseenes Bild einer kapitalistischen Wirtschaft
Was waren Probleme der amtl. Statistik?
- Staat: Wirtschaftspolitik auf nationaler Ebene existiert nicht (Ausnahme: Handelspolitik)
- Widerstand im Unternehmenssektor --> wollen nicht an Datenerhebung teilnehmen (Ausnahme: Landwirtschaft --> Bedarf an Ernteprognosen)
- Finanzierung (Erhebung ist teuer!)
- unsinnige und veraltete Sichtweise: Kleinbetriebe wurden als kleinste Einheit auf Produktionsseite angesehen
--> Kritik kam von Werner Sombart & Rudolf Meerwarth
Wie ist die Lage der deutschen Volkswirtschaft am Ende des 19. JH?
- Kaiserliches Statistisches Amt mit 5 Abschnitten:
Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie, Handel& Verkehr, Produktion& Verbrauch
aber, detailliete Info über Finanzen fehlen!
- Fehler bei Erfassung des Berufs --> man soll nur Hauptberuf & jetztiger angeben!
- 14% Bevölkerungswachstum von 1882 - 1895
- Da Zölle eine wichtige Einnahmequelle waren, gabs schon früh gute Statistiken über den Aussenhandel (Unterscheidung in Gesamt-Eigenhandel und Spezialhandel)
- Produktionszahlen (wären gewünscht) sind aus dieser Zeit nicht zu bekommen
- Eisen- und Stahproduktion sind gute Konjunkturindikatoren; wurden vor 1.WK monatlich veröffentlich, danach nicht mehr --> GE fehlt Überblick über eines der wichtigsten Konjunktursymptome (Meerwarth)
Was war das statische Berufsbild?
b) Kritik / Veränderung durch Sombart?
Beruf wurde so definiert:
"Als Beruf aktiver Art bezeichnen wir die Tätigkeit, welche als dauernde Aufgabe einer Person erscheint." --> ergibt kein gutes Berufsbild, da dies sehr statisch war.
b) Am Anfang des 20. JH erscheint diese Sichtweise nicht mehr angemessen (Sombart) --> Welchem Beruf Jemand angehört wird immer gleichgültiger
neu wurde nach individueller Tätigkeit und nicht mehr nach Betriebscharakter eingeteilt
Was waren die Erfassungsprobleme bei der Berufszählung?
- Einteilung nach individueller Tätigkeit, nicht Betriebscharakter wäre nach Meerwarth gut!
Realität:
- Berufe wurden grundsätzlich den Gewerbszweigen zugewiesen, denen die UG angehörte
- Konsequenz: Ergebnisse zu Berufsgruppen wurden kaum benutzt & falls doch wurde ihnen i.d.R. ein falscher Sinn unterstellt
Wie war die Sicht bezüglich Selbständigkeit?
Selbständigkeit wurde als wichtig angesehen, aber Statistik zeigte nur juristische Selbständigkeit, nicht ob UG ökonomisch selbständig tätig ist (Meerwarth)
--> Sombart:
"Das ist wohl der gewichtigste Vorwurf, der gegen die Ziffern der allg. Berufs- und Gewerbestatistik erhoben werden kann"
- wichtiger als juristische Selbständigkeit ist das Abhängigkeits- und Beherrschungsverhältnis, welche erst durch eine moderne Wirtschaftsweise ermöglicht wird
Wie argumentiert Meerwarth bezügl. "Betrieb vs. Unternehmung" ?
- Handwerksorientiertes Konzept der Ökonomie: "Betrieb ist kleinste Produktionseinheit" --> Einem modernen Grossunternehmer ggü. musste dieses Eintelungsprinzip versagen.
--> Mehrzahl der Firmen reihten sich als Einzelbetriebe an.
weiteres Problem:
- Von Zählung zu Zählung tauchten neue Gewerbe auf, die einfach irgendwie in das alte System eingetragen wurden
--> Gewerbearten falsch gruppiert // Gliederung innerhalb der Gruppen nicht zweckmässig // Unternehmer (v.a. Grossbetriebe) füllten die Formulare willkürlich aus--> ungenügende Unterlagen!
2 Zwecke der Statistik!?
1.) Statistik als nation building exercise:
Die Statistik trägt bei ur Festigung der Reichsidee im Volk & hilft wesentlich zur Verstärkung der wirtschaftlichen, kulturellen& politischen Reichsmacht
2.) Statistik als Propagandamittel:
Bsp. Amtliche Veröffentlichung aus England, das seit langem keine Getreidezölle mehr hatte, lief darauf hinaus, dass die Lebenshaltung der engl. Arbeiter besser ist als die der deutschen.
Was wurde bei der "Reform der amtlichen Statistik" verändert?
Neuerungen:
- Reorganisation der Betriebszählung
(Einheit ist nicht mehr der Betrieb, sondern die UG // Neue Struktur bei Einteilung Gewerbeschema)
- Berufszählung: Tätigkeit am Tag der Zählung // Klare Unterscheidung zw. Beruf und Unternehmungssektor
- Das statistische Reichsamt führe auch neu die Abteilung Steuerstatistik ein, welche später für die Schätzung des Volkseinkommens wichtig sein wird
Was waren Ergebnisse dieser Neuerungen der amtl. Statistik?
- Daten der Reform ergab, dass Anzahl Gross - & Kleinbetriebe ungefähr gleich geblieben sind, aber die Beschäftigung hat sich vermehrt hin zu den Grossbetrieben geändert. --> Schwergewicht der Belegschaft arbeitet in UG mit mehr als 50 Personen
- bei der Preisstatistik wurde erstmals die Lebenshaltungskosten an einem Warenkorb gemessen (ab 1920 monatlich)
- Bei der Lohnstatistik gab es Widerstand von Seiten der Industrie, aber Durchführung gelang dank Auskunftspflicht --> Problem wegen Hyperinflation (1922: 335%) war Kostenplanung unmöglich
Was ist der Ausgangspunkt zur makroökonomischen Statistik (Gleichung) ?
Verkehrs- / Quantitätsgleichung:
MV = PT
--> Aggr. nom.Einkommen = aggr. nominale Ausgaben
im GG gilt:
- Preissumme aller Konsumgüter ist gleich Preissumme aller Produktionsgüter und beide sind gleich der Summer aller Geldeinkommen
(P: Preisniveau M: Geldmenge)
(Y: reale Ausgaben V: Umlaufgeschwindigkeit)
Was passiert wenn M steigt? (Quantitätsgleichung)
wenn M steigt, steigt kfr. Y, langfristig passiert jedoch nichts--> Neutralität des Geldes
Was ist wichtigste Voraussetzung für die verwendbarkeit der Verkehrsgleichung?
Hauptgrundsatz der doppelten Buchführung (Eintragung in einem Konto muss einer Buchung in einem anderen Konto entsprechen) übertragen wir von der Privatwirtschaft sinngemäss auf die Volkswirtschaft
Was bildet die statistische Grundlage zur Volkseinkommensschätzung?
b) Welche Probleme ergeben sich?
a) stat. Grundlage: Reichseinkommenssteuer- (natürliche Personen), Lohnsteuer- und Körperschaftssteuerstatistik (juristische Personen)
b) Probleme:
- Doppelzählung: Meinungen über Höhe des Volkseinkommens gehen deshalb so weit auseinander, weil in der Privatwirtschaft oft auch die Vermögensentwertungen mitkalkuliert wurden
- Vergleich mit Vorkriegszeit wegen Inflation problematisch
Beschreibe die zur Schätzung des Volkseinkommens.
1871-1912:
- detailliertes Vorgehen nicht möglich & Probleme mit der Einkommenssteuerstatistik und der Verfügbarkeit von ergänzenden Statistiken
--> Entscheidung: "unberichtigte Einkommen"
1913:
1.) Einkommen der nat. Personen aus Steuerstatistik
2.) Korrektur um Rechsmittelabgang
3.) Steuerfreie Einkommen --> Für Preussen& Sachsen erfasst, für den Rest geschätzt
4.) Schätzung der steuerlich nicht erfassten Einkommen (z.B. Militärdiensteinkommen)
Summe aus 1-4 ergeben das Gesamteinkommen!
Wie entwickelte sich die Statistik in der Schweiz?
- Entstand im Rahmen der Versicherungslehre an der Uni Bern. Führte zu Berufsvereinigungen --> Gesellschaft für Statistik und Volkswirtschaft
- Vorher: Daten wurden zur Schätzung der Bevölkerung aus Tauf-, Ehe & Sterberegister genommen
- Neu ab 18.JH: Daten aus Volkszählung von 1764, später dann aus helvetischer Volkszählung und kantonaler Volkszählung
- Schweiz war eines der wenigen Länder, die bis 1936 keine Statitiken über die Industrieproduktion führte!
Die Schweiz führte bis 1936 keine Statistik über Industrieproduktion.
a) Was waren mögliche Gründe dafür?
b) Welche Probleme ergaben sich daraus?
a)
- generelles Unbehagen betriebswichtige Zahlen weiterzugeben--> Abneigung
- Datenerhebung verursacht Kosten
- Mangel an staatlicher Kontrolle (Industrie wurde in CH wenig vom Staat betreut)
b) Grosser Teil der CH Bevölkerung ist auf den Ertrag der industriellen Anlagen & deren Beschäftigung angewiesen. Wie gross dieser Ertrag ist wusste jedoch niemand.