Querschnitt


J. S.
Diese Karteikarten bieten einen Überblick über die medizinischen Aspekte von Querschnittsläsionen auf Universitätsniveau. Sie behandeln Themen wie Spastik, Spasmen, die ASIA-Klassifikation und die Funktion von Extremitäten. Der Fokus liegt auf der Unterstützung von Patienten mit Querschnittsläsionen, insbesondere bei der Verbesserung der Sitzbalance und der Stütztrainingstechniken. Diese Karteikarten sind besonders nützlich für Medizinstudenten und Fachkräfte, die Patienten mit Querschnittsläsionen behandeln und unterstützen.
Flashcards
21
Students
3
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
30.11.2013 / 10.02.2016

Flashcards

Welches sind lähmungsbedingte Beeinträchtigungen der physiologischen Atmung? (4)

-Ausfall der Intecostalmuskeln, je nach Höhe der Läsion (Th1-11)

-Ausfall der Bauchmuskulatur, dadurch Ausfall der physiologischen Bauchpresse

-Ausfall des Sympathicus bei Läsionen oberhalb Th6, dadurch vermehrte Sekretbildung

-Beeinträchtigungen der Diaphragmafunktion bei Läsion oberhalb C4

Welches sind zusätzliche, die Atmung beeinträchtigende Faktoren bei Querschnitt? (6)

-Ruhigstellung oft in Rückenlage

-Hyperextension des Thorax, bes. bei Verletzungen im Brustwirbelsäulenbereich, somit Inspirationsstellung

-zusätzliche Thoraxverletzungen (Rippenfx, Sternumfx, Pneumothorax)

-vorher bestehende Lungenerkrankung (chron. Bronchitis, Asthma etc.)

-Raucher

-wenig Thoraxelastizität (z.B. altersbedingt)

Welches sind die Ziele der Atemtherapie bei Querschnitt? (7)

-Verbesserung der Lungenventilation

-Training der Diaphragmafunktion

-Erhalten der Thoraxelastizität

-Pneumonie- und Atelektaseprophylaxe

-wennn möglich Vermeidung von Intubation/Tracheotomie

-Sekretmobilisation

-bei beatmeten Patienten -> "weaning" (Entwöhnung v. Respirator)

Welches sind Massnahmen in der Atemtherapie bei Querschnitt? (11)

-Ausstreichungen intercostal

-Packe- und Anhebegriffe

-Vibrationen

-manuelle Hustenhilfe

-maschinelle Hustenhilfe mit Cough Assist

-Phonationsatmung

-Air-Stacking

-Acapella

-IMT zum Training der inspiratorischen Muskulatur

-Inhalation (CPAP, Clinijet)

-Vojta-Therapie

Was ist die Definition der "Schulung der Balance" bei Querschnitt? (5)

-Von Sitzbalancetraining spricht man, wenn die oberen Extremitäten frei gehalten werden, ohne sich in Parkier- oder Stützfunktion zu befinden.

-Das Ausmass der zu erreichenden Sicherheit der Sitzbalance hängt entscheidend von der Läsionshöhe ab.

-Eine gute und sichere Sitzbalance ist die Voraussetzung zur grösstmöglichen Selbstständigkeit.

-Je tiefer die Lähmungshöhe ist, desto weniger Schwierigkeiten treten beim  Erlernen des freien Sitzens auf.

-Tetraplegiker erlernen den freien Sitz an der Bettkannte, wenn überhaupt, nur mit grossen Schwierigkeiten

Welches sind erschwerende Faktoren beim Balancetraining (2) und was resultiert daraus?

-fehelnde Muskulatur der unteren und oberen Extremität und des Rumpfes (abhängig v. Läsionshöhe) und somit keine bzw. reduzierte Widerlagerung

-fehelnde Sensibilität im gelähmten Bereich, bes. der Tiefensensibilität

-> Zur Beherrschung der Sitzbalance müssen die visuelle Kontrolle, die noch erhaltenen motorischen und sensiblen Funktionen und die höheren Kontrollsysteme wie z.B. das Innenohr, Kleinhirn etc. kompensatorisch eingesetzt werden

Wie ist der Aufbau der Behandlung zum Erlernen der Sitzbalance (8) und was ist wichtig dabei (2)?

1. Langsitz mi grosser Basis (evtl. beine gespreizt); Voraussetzung: gut gedehnte Ischios, cave: nicht über 70° in RL/ 90° im Sitz

Erleichterung: überhängende Fersen, flektierte Knie und aussenrotierte Beine

2. Armbewegungen, zunächst klein, später grösser, symmetrisch, asymmetrisch, verschieden lange Hebel

3. Ballspiele, der Schwierigkeitsgrad der gewählten Geräte ist abhängig von der Berechenbarkeit der jeweiligen Flugbahn (Ballon ist schwieriger als Ball)

4. Sitz an der Kante (Kurzsitz), zuerst mit, dann ohne Bodenkontakt -> =kleine Basis

5. Veränderun der Unterstützungsfläche (Kissen, Schaukelbrett, Kreisel, Rolle)

6. Stand an Schienen im Rahmen

7. Hippotherapie

8. klinischer Sport

-der Therapeut sitzt zu beginn hinter Pat. (Achtung Kopf), bei Kurzsitz genügend nah sein!

-Die Behandlungsbank muss hinter dem Patienten IMMER freigeräumt sein (Unfallgefahr)

Was sind Stellreaktionen?

Bei Stellreaktionen werden die Tentakel als Widerlager eingesetzt, um die Balance zu halten. Der Körperschwerpunkt bleibt dabei über der Unterstützungsfläche.

Was ist eine Gleichgewichtsreaktion? (2)

Bei Gleichgewichtsreaktionen kann der Körperschwerpunkt ausserhalb der Unterstützungsfläche gebracht, dort gehalten und aktiv wieder über die Unterstützungsfläche bewegt werden.

Bei Läsionen oberhalb Th6 nicht möglich!

Was ist zum Stütztraining bei Paraplegie allgemein zu sagen? (3)

-Das Stütztraining sollte im Langsitz begonnen werden, da so durch die grössere Unterstützungsfläche eine bessere Sitzbalance gewährleistet ist.

-Unter bestimmten Umständen (z.B. Korsett) muss im Kurzsitz an der Bankkante begonnen werden.

-Als Vorbereitung für das benötigte Scapula-Setting bieten sich Techniken wie PNF, FBL etc. in verschiedene Ausgangsstellungen an.

Wie ist die Technik des Stütztrainings bei Paraplegie? (4)

-Nach Möglichkeit soll auf die flache Hand gestützt werden, damit ist eine gleichmässige Belastung für Hand- und Fingergelenke gewährleistet. Suboptimale Alternative ist das Stützen auf der Faus.

-Die Hände werden auf Trochanterhöhe platziert (da so senkrechte Stützachse, günstige Schwerpunktverhältnisse und "Serratus-Stütz" statt "Latissimus-Stütz")

-Die Stützfunktion wird duch die Schulterdepression eingeleitet. Zu Beginn ist das Stützen mit geringer Höhendifferenz einfacher, da die Tricepfunktion unterstützend hilft.

-Durch eine leichte Flexion  in der HWS gelangt der Körperschwerpunkt vor den Stützpunkt, dies gewährleistet bessere Schwerpunktverhältnisse und Balance

Was sind die Ziele des Stütztrainings bei Paraplegie? (4)

-Entlastung des Gesässes zur Decubitusprophylaxe (alle 10min 10sec.)

-Transfer ohne Rutschbrett

-generelle Kräftigung

?-Vorbereitung zur Gangschule?

Wie kann der Behandlungsaufbau des Stütztrainings variiert werden (4)?

-Steigerun der Stützhöhe mit Handböckli, kleinen und grossen Kisten

-Wechsel von stabiler zu instabiler Unterstützungsfläche, kissen, Bälle, Ringe, Schaugelbrett

-Verschiedene Stützniveaus mit verschiedene Geräten

-Ausdauertraining  über Steigerung der Übungseinheiten

Wie läuft das Stütztraining bei Tetraplegie ab? (11)

-der Therapeut sitzt hinter dem Pat. und hilft wenn nötig, die Arme in die richtige Ausgangsstellung zu bringen

-bei Bedarf zuerst die Ellbogengelenke passiv in Extension bringe/arretieren (Arme dich am Körper)

-die Arme sind in Aussenrotation

-Nach Möglichkeit Funktionshandstellung beibehalten

-Serratus-Stütz

-Variation: asymmetrische Handstellung

-der Therapeut hilf, das Gesäss des Pat. leicht anzuheben

-auch hier im Langsitz beginngen

-Hände auf Trochanterhöhe oder weiter ventral 

-zu Beginn keine Höhenunterschiede (bes. bei fehelnder Tricepsfunktion)

-maximale Schulterdepression

Welches sind die Unterschiede zwischen dem Latissimus-Stütz und dem Serratus-Stütz?

Latissimus Stütz

Die Schulterblätter werden in einer posterioren Depression fixiert.

Der Oberkörper richtet sich auf.

Die Arme stützen sich neben dem Gesäss ab, wodurch sich eine kleine Unterstützungsfläche ergibt.

Es herrscht ein labiles Gleichgewicht.

Die Stützhöhe hängt von der Armlänge ab.

Beim Stütz verlässt der Schwerpunkt sehr leicht die Unterstützungsfläche.

Die Aktivität der Bauchmuskulatur ist erforderlich.

Die obere Extremität ist in extensorischer Aktivität.

 

Serratus Stütz

Die Schulterblätter behalten ihre Bewegungsfreiheit nach lateral.

Der Oberkörper kann eine relative Flexionsstellung einnehmen.

Die Arme stützen sich vor dem Gesäss ab, wodurch die Unterstützungsfläche vergrössert wird.

Es herrscht ein stabiles Gleichgewicht.

Beim Stütz kann die Scapulabewegung ausgenutzt werden. Die Arme „verlängern“ sich.

Beim Stütz bleibt der Schwerpunkt innerhalb der Unterstützungsfläche.

Eine Aktivität der Bauchmuskulatur ist nicht zwingend erforderlich.

Die obere Extremität ist in flexorischer Aktivität. 

 

Welches sind allgemeine Richtlinien der Rollstuhlversorgung? (5)

Breite: so schmal wie möglich, Sitzfläche ca. 2-4cm breiter als das Becken des Patienten

Rücken: so niedrig wie möglich, jedoch der Läsionshöhe angepasst, der Patient darf nicht im Stuhl "liegen" und keine Rückenschmerzen bekommen

Fussteile: er Patient soll in 90° Hüft- und Knieflexion mit neutraler Fussstellung sitzen, Fersen- oder Wadenband, die Fussteile können abnehmbar, abklappbar oder fix sein

Sitzkissen: abhängig von den Bedürfnissen/ Hautverhältnissen des Patienten

Gewicht: so gering wie möglich bei ausreichender Stabilität

Was sagt das Röntgenbild bei Querschnitt nicht aus? (2)

-Schweregrad der Läsion sichtbar auf dem Rx gibt keine Auskunft über die Beschwerden

-die strukturelle Läsionshöhe ist nicht gleich der funktionellen Läsionshöhe

allgemeine Infos zu Para-/ Tetraplegie, Sammelsurium:

-Atlas oder Axis-fx -> Pat. voll beatmungspflichtig

-M. trapezius kann immer aktiviert werden, da von Hirnnerv (N. accessorius) innerviert ist.

-C7Fx: hat Biceps- und Tricepsaktivität, kann die Finger jedoch nicht bewegen

-auch Th1Fx ist eigentlich ein Tetraplegiker, da er die Finger nicht spreizen kann

-die dorsale Rumpfmuskulatur ist segemental innerviert -> Läsionshöhe ist dort, wo die Funktion aufhört

-ab L1 hat Pat. etwas Iliopsoas

-S1-S3: motorisch keine Ausfälle, jedoch Blase und Darm betroffen (Sphincterparese -> Stuhlinkontinenz)

-je besser die Sekundärfolgen der Entzündung nach einem Traume eingedämmt werden, desto besser stehen die Chancen für eine Remission der Symptome (vgl. Penumbra)

-Schmerz im gelähmten Gebiet kann sich bei Querschnitt-Patienten ander äusser, z.B. durch Gänsehaut oder vermehrte Spastik -> auf Details achten

-Querschnitt-Pat. schwitzen im gelähmten Bereich i.d.R. nicht, haben gestörte Thermoregulation -> Achtung Sonne, evtl. mit Wasser bespritzen

-Sexualfunktion zwar peripher gestört, jedoch limbisches System im Gehirn intakt!

-spinale Spastik folgt keinem Muster, ist wechselhaft

Was ist die ASIA-Klassifikation und wie funktioniert sie? (6)

-ASIA = American Spinal Injury Association

-A = komplett, keine motorische Funktion unterhalb dem angegebenen Niveau mehr

-B=  inkomplett, sensorische, aber keine motorischen Funktionen unterhalb des angegebenen Niveaus

-C= inkomplett, motorische Funktion unterhalb des angegebenen Niveaus erhalten, mehr als die Hälfte der Kennmuskeln unterhalb des angegebene Niveaus haben einen MFT-Wert, der kleiner als 3 ist

-D= Inkomplett, motorische Funktion unterhalb des angegebenen Niveaus erhalten, mindestens als die Hälfte der Kennmuskeln unterhalb des angegebene Niveaus haben einen MFT-Wert, der 3 oder höher ist

-E= motorische und sensorische Funktionen sind normal

Was ist Spastik? (2)

  • –  Spastik ist charakterisiert durch eine geschwindigkeitsabhängige Steigerung tonischer Dehnungsreflexe und gesteigerter Sehnenreflexe als Folge einer Überregbarkeit von Dehnungsreflexen.

  • –  Lance fügte ausserdem hinzu, dass Spastik gestörte Willkürbewegung und abnorme Haltung nicht mit einschliesst.
    Das Taschenmesserphänomen ist eine Komponente der Spastik. 

 

Was sind Spasmen? (2)

-Spasmen zählen zu den afferenten kutanen und nozizeptiven Dehnungsreflexen. Es sind exterorezeptive Reflexe die Afferenzen über z.B. Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz vermitteln. Miller und Layzer haben 2005 den Muskelkrampf (ICD 10 Krämpfe und Spasmen der Muskulatur) als eine ausgeprägte, schmerzhafte und unwillkürliche Kontraktion eines Teils oder der Gesamtheit eines Muskels oder einer umschriebenen Muskelgruppe bezeichnet. Er ist kurz andauernd (Sekunden bis Minuten) und selbstlimitierend. 

-im Querschnitt sind die Spasmen meist problematischer als die Spastik!

Lernen