Propädeutik Schwein - Station 2

Vetmed - Herz-Kreislauffapparat - Respirationstrakt - Verdauungstrakt - Harn- und Geschlechtsapparat

Vetmed - Herz-Kreislauffapparat - Respirationstrakt - Verdauungstrakt - Harn- und Geschlechtsapparat


T. A.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Anatomie und Physiologie des Schweins, insbesondere im Bereich des Herz-Kreislauf-Apparats, des Verdauungstrakts und des Atmungssystems. Sie behandeln Themen wie die Untersuchung des Geschlechtsapparats bei Ebern und Sauen, die Diagnose von Harnwegsproblemen und die Bewertung von Verdauungsstörungen. Ideal für Studierende der Veterinärmedizin, die sich auf die Propädeutik des Schweins vorbereiten, vermitteln die Karten praktische Kenntnisse für die tierärztliche Praxis.
Karten
39
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
08.02.2016 / 26.12.2022

Lernkarten

000a - Herz-Kreislaufapparat

Pulsfrequenzen

000a - Herz-Kreislaufapparat

Pulsfrequenzen

  • Saugferkel
    • 120-200
  • Absetzferkel
    • 80-100
  • Mastschwein
    • 60-80
    • bis 250 unter Belastung
  • Zuchtsau
    • 60-80
    • bis 160 unter Belastung
  • Deckeber
    • 60-80
    • bis 250 unter Belastung

 

000b - Respirationstrakt

Vitalparameter

000b - Respirationstrakt

Vitalparameter

Atemfrequenz

  • Saugferkel
    • 30-50
  • Absetzferkel
    • 20-25
  • Mastschwein
    • 15-20
  • Zuchtsau
    • 15-20
  • Deckeber
    • 10-15

001 - Herz-Kreislaufapparat

Unterteilung

001 - Herz-Kreislaufapparat

Unterteilung

  1. Anamnese
  2. Adspektion
  3. Auskulatation des Herzen
  4. Palpation

002 - Herz-Kreislaufapparat

Anamnese

002 - Herz-Kreislaufapparat

Anamnese

  • zurückliegende Infektionen
    • Rotlauf, Streptokokken
  • Blutverlust (Verletzung) oder Eisenmangel
  • Narkose, starke Belastung
    • Stallwechsel, Umgruppierung, Transport, Deckeinsatz, schweres Abferkeln
  • Belastungsmyopathie

003 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Einteilung

003 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Einteilung

  • Verhalten
  • Körperhaltung
  • Haut- und Schleimhautfarbe
  • Atmung
  • Füllungszustand der Gefäße

004 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Verhalten

004 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Verhalten

  • Absonderung
  • Fressunlust
  • rasches Hinlegen
  • ruhiges Verhalten

005 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Körperhaltung

 

005 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Körperhaltung

  • -> Entlastung des Brustraums bei Herz-Kreislauf-Belastung
  • keine Seitenlage, sondern Bevorzugung der Brust-Bauch-Lage
  • Breitstellung der Vordergliedmaßen -> Brustraumentlastung
  • hundesitzige Stellung (nicht immer pathologisch)
  • Maulatmung
  • Stehen der Sauen während des Säugens

006 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Haut- und Schleimhautfarbe

006 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Haut- und Schleimhautfarbe

  • nur bei guten Lichtverhältnissen beurteilbar
  • gut durchblutete, haarlose Stellen
    • Rüsselscheibe, Ohren, Gesäuge, Schenkelinnenseite
  • Konjunktiven
    • physiologisch: frisch hellrot
  • Dermographien
    • auf einzelne Körperpartien (v.a. Gesäuge) beschränkte unregelmäßige hellrote, mit weißlichen Hautpartien wechselnde Bereiche
    • nach körperlicher Belastung als Folge einer Herzüberlastung
    • mehr bläuliche Hautbezirke anstelle der hellroten bei ausgeprägter Rechtsherzinsuffizienz
    • länger bleibende lokale Hautverfärbung nach kräftigem Bestreichen der Bauchhaut
    • besonders bei der puerperalen Toxämie und Septikämie (E. coli-Infektion) zu sehen
      • -> den Tonus beeinflussende Gefäßwandschädigungen; oder auch als Ausdruck eines Schockgeschehens
  • Hautblutungen (Petechien, Ekchymosen)
  • Blässe -> Kollapszeichen, wenn die Durchblutung gestört ist, z.B. beim hypovolämischem Schock oder bei der Anämie
  • Zyanosen
    • zentral: durch Minderbelüftung der Alveolen, Ventilations-Perfusions- Missverhältnis (z.B. Bronchitis) oder durch Herzdefekte
    • peripher: schlechte Durchblutung infolge lokaler Vasokonstriktion oder vermindertem Herzschlagvolumens (Schock)
    • -> oft manifestieren sich Zyanosen erst unter Belastung des Kreislaufs
  • Ikterus (Leberschaden), Rötung (Anstrengung)

007 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Atmung

007 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Atmung

  • Frequenz und Atemtyp
  • Atemfrequenzerhöhung als Kompensationsversuch einer kardial bedingten Hypoxie (Herzinsuffizienz) möglich > hierbei anfänglich keine Dyspnoe
  • Maulatmung als Endstadium (Schaum), costal forciert (z.B. beim kardial bedingtem Lungenödem durch schwere Linksherzinsuffizienz)
  • Bei Erkrankungen der Lunge bleibt bei Änderung der Körperhaltung die Atembeschwerde bestehen, bei Herzerkrankungen scheint sie kurzfristig Erleichterung zu bringen

008 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Füllungszustand der Gefäße

008 - Herz-Kreislaufapparat

Adspektion - Füllungszustand der Gefäße

  • an den Ohrvenen
  • physiologisch
    • mäßig gefüllt und gut sichtbar
  • starkes Hervortreten
    • Anstrengung, Herz-Kreislauf-Überlastung, Hitze
  • Stauung
    • Rechtsherzinsuffizienz; falsche Fütterung, wenn alle Tiere betroffen sind (Eiweiß-Stärke-Verhältnis, Wasserversorgung)
  • kaum sichtbar
    • Schock, Belastungsmyopathie
  • auffallender Venenpuls
    • Hinweis auf Insuffizienz der Trikuspidalklappe

009 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Allgemein & Einteilung

009 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Allgemein & Einteilung

  • immer beidseitig
  • vom Brustbeinende im 45° Winkel zum Ohrgrund, etwa dem Verlauf der anatomischen Herzachse folgend (1. Herzton und Mitralklappe medial des Ellenbogenhöckers, für den 2. Herzton weiter nach ventral (2 Finger breit) von der Linie abweichen)
  • Phonendoskop locker
    • -> Herztöne (tiefe Frequenzen)
  • Phonendoskop fest
    • -> Herzgeräusche (hohe Frequenzen)
  • Nach der Regel FIRAG(N)

010 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Frequenz

010 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Frequenz

  • im Normbereich
  • Tachycardie
  • Bradycardie

011 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Intensität

011 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Intensität

  • normal kräftig
  • leise/pochend
  • kräftig/schwach

012 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Rhythmus

012 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Rhythmus

  • normal rhythmisch
  • Arrhythmien
  • Pulsdefizit

013 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Abgesetztheit

013 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - Abgesetztheit

  • normal Töne gut voneinander abgesetzt
  • gespaltener Herzton

014 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - (Neben)Geräusche & Erkrankungen

014 - Herz-Kreislaufapparat

Auskultation des Herzen - (Neben)Geräusche & Erkrankungen

  • Systolisches Rauschen bei
    • Stenosen der Semilunarklappen (Aorten- bzw. Pulmonalisstenose)
    • Insuffizienzen der Atrioventrikularklappen (Mitralklappe links, Tricuspidalklappe rechts)
  • Diastolisches (präsystolisches) Rauschen bei
    • Stenosen der Atrioventrikularklappen
    • Insuffizienzen der Semilunarklappen
  • Sys- und diastolisches Rauschen bei ektokardialen Nebengeräuschen (z.B. Verklebungen des Herzbeutels) (z.B. Glässersche Krankheit)
  • Punkta maxima:
    • auf Höhe Ellenbogenhöcker links: 1. Herzton, Mitralklappe
    • auf Höhe Ellenbogenhöcker rechts: Trikuspidalklappe
    • auf Höhe des Buggelenks links: Pulmonal- und Aortenklappe, 2. Herzton (-> Semilunarklappenfeld)
  • Endocarditis (sehr laute Herzgeräusche; bei sehr umfangreichen Auflagerungen
    kommt es zu keiner Geräuschbildung mehr)
  • Pericarditis (unregelmäßige perikardiale Reibegeräusche)
  • Anämie (funktionelles Geräusch)
  • Foramen ovale persistens

015 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Einteilung

015 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Einteilung

  1. Messung der Rektaltemperatur
  2. Hauttemperatur
  3. Herzspitzenstoß
  4. Puls
  5. Darstellung der Schleimhäute

016 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Messung der Rektaltemperatur

016 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Messung der Rektaltemperatur

  • möglichst stressfrei
  • Fieber bei größeren Schweinen erst ab ca. 39,5°C

017 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Hauttemperatur

017 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Hauttemperatur

  • periphere Durchblutung
    • Handrücken auflegen, an den Ohren
  • erhöht
    • Sonnenbrand, lokale Entzündung
  • erniedrigt
    • Schock, Durchblutungsstörung

018 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Herzspitzenstoß

018 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Herzspitzenstoß

  • auf der linken Seite
  • nur bei Schweinen bis 40 kg KG fühlbar; über 40 kg spürbar -> pathologisch,
  • unter 40 kg nicht spürbar -> auch pathologisch
  • verstärkt
    • Herzhypertrophie, Kachexie, Belastung, Endocarditis valvularis
  • vermindert
    • Herzinsuffizienz, Herzbeutelerguss

 

019 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Puls

019 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Puls

  • am vorderen Ohrrand: A. auricularis magna
  • an der Schwanzunterseite: A. coccygea (mittig, nah am Schwanzansatz)
  • Pulsqualität, Blutdruck (hypoton/hyperton)
  • Frequenz auch bei der Herzauskultation ermittelbar

020 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Darstellung der Schleimhäute

020 - Herz-Kreislaufapparat

Palpation - Darstellung der Schleimhäute

  • rosarot, feucht, glatt, glänzend, ohne Auflagerungen
  • Episkleralgefäße
    • fein gezeichnet, gut konturiert
  • wenn verwaschen
    • v.a. Kreislaufschwäche, Intoxikation oder Septikämien (toxische Gefäßwandschädigungen)
  • bei Hervortreten
    • erste Anzeichen für Stauungen in der terminalen Strombahn
    • -> Herzinsuffizienz oder auch bei Hyperthermie
  • Schleimhäute der Vulva / des Präputiums mitbeurteilen, um lokale
  • Konjunktivalreizung ausschließen zu können

021 - Respirationstrakt

Allgemeiner Ablauf der Untersuchung

021 - Respirationstrakt

Allgemeiner Ablauf der Untersuchung

  1. Adspektion
  2. Auskultation
  3. Palpation

022 - Respirationstrakt

Adspektion

022 - Respirationstrakt

Adspektion

  • Verhalten
    • Absonderung von Buchtengenossen
    • rasches Niederlegen, rasche Ermüdung
  • Frequenz, Tiefe, Rhythmus, Qualität
    • Tachypnoe z.B. bei Fieber und Anämie
    • Bradypnoe
  • Atmungstyp
    • physiologisch: kostoabdominal
    • abdominal forciert: Erkrankung der luftführenden Wege (Pumpen, Flankenschlag)
    • kostal forciert: schmerzhafte Prozesse im Abdomen
    • buccal forciert: Erregung, Lungenödem, Nasenstenosen
  • Dyspnoe
    • in- oder expiratorische Stenosegeräusche
    • Rüsselscheibe geht expiratorisch leicht nach kaudal
  • Husten
    • feucht/trocken, produktiv/unproduktiv, kurz, quälend, Anzahl der Hustenstöße
    • -> Auslösung durch Schlag auf die Rippen bei Pleuritis oder durch Auftreiben ruhender Tiere
  • Brüllhusten
    • zwanghaft schnell aufeinander folgendes Husten
    • sehr laut und unproduktiv
    • -> kann zum Mastdarmprolaps führen

023 - Respirationstrakt

Auskultation - Einteilung

023 - Respirationstrakt

Auskultation - Einteilung

  • Lungengrenzen
  • Atemgeräusche
    • physiologisch
    • pathologisch

024 - Respirationstrakt

Auskultation - Lungengrenzen & physiologische Atemgeräusche

024 - Respirationstrakt

Auskultation - Lungengrenzen & physiologische Atemgeräusche

  • ventrale vordere Lungengrenze
    • direkt kaudal der Ellenbogenhöcker
    • leises in- und expiratorisches Atemgeräusch
    • bis 40 Kg deutlich hörbar
  • mittlere vordere Lungengrenze
    • kaudal des Triceps in Höhe des Buggelenks, parallel zur Wirbelsäule
    • nur leises inspiratorisches Atemgeräusch
  • dorsale vordere Lungengrenze
    • kaudal des Angulus caudalis scapulae
    • ab 25 kg KG keine Geräusche
    • bei kleineren Tieren nur inspiratorische Atemgeräusche
  • normale Atemgeräusche
    • an der Bronchialaufzweigung
      • tracheo-bronchiale Atemgeräusche
    • an der mittleren und dorsalen Lungengrenze
      • nur inspiratorisch broncho-bronchuläre Atemgeräusche
      • nicht bei geringer Intensität und hoher Körperfülle
    • an der dorsalen Lungengrenze
      • broncho-alveoläre Atemgeräusche

025 - Respirationstrakt

Auskultation - pathologische Atemgeräusche

025 - Respirationstrakt

Auskultation - pathologische Atemgeräusche

  • diskontinuierliche Nebengeräusche (feuchte NG)
    • Rasselgeräusche:
      • Aufplatzen kleinerer und größerer Luftblasen, Flüssigkeiten oder Sekrete in den Bronchien
      • dabei Unterscheidung in:
        • kleinblasig oder großblasig
        • klingend (ohrnah) oder nicht klingend (ohrfern)
        • knackend (nur in der Schlussphase der Inspiration)
    • oder plötzliche Öffnung verschlossener Bronchiolen möglich
  • kontinuierliche Nebengeräusche (trockene NG)
    • Giemen, Brummen, Pfeifen
      • zähes Sekret im Bronchialbereich wird durch den Luftstrom in Schwingung versetzt
      • oder bei: Bronchialverlegung, Bronchospasmus, Schleimhautschwellung, Kompression der Atemwege oder zähem Sekret
  • Röhrenatmen
    • Es ist nur noch das Geräusch der einströmenden Luft aus der Trachea wahrzunehmen, da der Großteil des Lungengewebes nicht mehr belüftet wird.
  • Stenosegeräusche
    • Fremdkörper, Verengungen, Rhinitis, Neubildungen
  • Reibegeräusche
    • Veränderungen der Pleura (v.a. Verklebungen, Verwachsungen)
  • verminderte / fehlende Atemgeräusche
    • Pneumothorax, Pleuraergüsse, Zwerchfellhernien, Zubildungen

026 - Respirationstrakt

Palpation

026 - Respirationstrakt

Palpation

  • Kontrolle der Freiheit beider Nasenöffnungen durch Vorhalten der Hand
  • Nasenausflußkontrolle durch Ausstreichen der Nase vom medialen Augenwinkel aus mit Mittelfinger und Daumen
  • Thorax:
    • Rippenfraktur, Deformationen

027 - Verdauungstrakt

Einteilung

027 - Verdauungstrakt

Einteilung

  • Anamnese
  • Adspektion/Palpation

028 - Verdauungstrakt

Anamnese

028 - Verdauungstrakt

Anamnese

  • Futteraufnahme (in Mastställen am Fütterungscomputer erfassbar)
    • Inappetenz
      • verminderte Fresslust
    • Anorexie
      • vollkommene Futterverweigerung
    • Polyphagie
      • gesteigerte Fresslust
      • -> hochgradiger Endoparasitenbefall, chronische Gastritis -> trotzdem Abmagerung
    • Dysphagie
      • Unvermögen zur Futter- bzw. Tränkestelle zu gelangen
      • Unvermögen im Erkennen der Nahrung
      • Erfassen der Nahrung gestört
      • Kauen erschwert
      • Abschlucken gestört
  • Wasseraufnahme
    • Polydipsie meist sekundär zur Polyurie
    • bei allen Erkrankungen mit starkem Flüssigkeitsverlust (z.B. Erbrechen, Diarrhoe, hohe Umgebungstemperaturen bei niedriger Luftfeuchtigkeit)
  • Erbrechen
    • Anzeichen zentralnervöser Störungen, reflektorisch bei Reizung der Magenschleimhaut, Magenüberladung oder als Folge von Vergiftungen
    • Erbrochenes Blut -> blutende Magengeschwüre (pathognomonisch)
  • Kotabsatz
    • Art, Häufigkeit, Farbe, Konsistenz, Geruch, Beimengungen, Schmerzhaftigkeit

029 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Einteilung

029 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Einteilung

  • Maulhöhle
  • Bauchdeckenspannung
  • aufgekrümmter Rücken
  • sichtbare Umfangsvermehrungen des Leibes
  • Atresia ani, Rektumsprolaps
  • Kotbeschaffenheit

030 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Maulhöhle

030 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Maulhöhle

  • Epithelablösungen an Rüsselscheibe, Lippen und Zunge
    • MKS-Aphten, Bläschenkrankheit, Staphylococcus-hyicus-Infektionen
  • verminderter Speichelfluss
    • bei Exsikkose oder hohem Fieber
  • vermehrter Speichelfluss
    • bei Erregung, Entzündungen des Maules (MKS), des Rachens, der Tonsillen und des Schlundes, von dem Erbrechen oder bei Vergiftungen
  • Schaumbildung
    • bei erregten Schweinen infolge Kieferschlagens (Drohgebärde) oder bei Kaukrämpfen (ZNS-Störung)
  • eitrige Pulptitis der Saugferkel
    • durch Abkneifen der Zähne statt Schleifen
  • Bisswunden, Hautnekrosen durch Rangordnungskämpfe
  • Zähneknirschen bei Schmerzen

031 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Bauchdeckenspannung

031 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Bauchdeckenspannung

  • Bauchdecke kaudal des Xyphoids nach oben drücken
  • physiologisch
    • Bauchdecke weich
  • erhöhte Spannung
    • ->Schmerzen im Abdomen z.B. Peritonitis

032 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - sichtbare Umfangsvermehrungen des Leibes

032 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - sichtbare Umfangsvermehrungen des Leibes

  • durch Kotabsatzstörungen
    • z.B. Rektumstenose, Atresia ani
  • durch Aufblähungen der Därme
    • das Abdomen erscheint insgesamt gespannt
  • Auftreibung im Bereich der Rippenbögen
    • Magendilatation
  • stärkere Vorwölbung vor dem Becken
    • Verdacht auf Kolontorsion
  • ventral ausladendes Abdomen
    • evtl. Fluktuation
    • Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle
  • Nabelabszesse, Hernien

033 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Kotbeschaffenheit

033 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Kotbeschaffenheit

  • Konsistenz
    • harter Kot bei Sekretions- und Motilitätsstörungen, bei fieberhaften Zuständen, Bauchfellentzündungen (Sympathikotonie), auch bei extremer Trockenfütterung
    • beim Magenulkus ist der dunkle Kot meist fest geballt
    • festerer Kot auch bei Sauen durch Obstipation im Bereich des Dickdarms im Zuge des MMA-Syndroms (Mastitis-Metritis-Agalaktie-Syndrom)
    • bei Enteritis flüssig
  • Farbe
    • Blut deutlich zu erkennen (rote Gerinnsel) und nicht gleichmäßig mit dem Kot durchmischt
      • aus dem Mastdarm und hinteren Teilen des Dickdarms
    • Blut an roter Farbe noch deutlich zu erkennen und gleichmäßig mit dem Kot durchmischt
      • aus vorderen Teilen des Dickdarms
    • Meläna
      • Kot dunkelbraun, teerartig oder schwarz verfärbt
      • Blutungen im Magen oder Dünndarm
      • dunkle Farbe durch Verdauung des Blutes
    • schaumig orange bei der hämorrhagischen Enteritis der Saugferkel
      • Entzündungen der Darmschleimhaut mit Arrondierung von Gefäßen (z.B. Schweinedysenterie – Brachyspira hyodysenteriae)
  • Geruch
    • säuerlich
      • Störungen des Kohlenhydratabbaus -> Gärungsprozesse
    • faulig
      • Verdauungsstörung der Proteine
  •  

034 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Diarrhoe

034 - Verdauungstrakt

Adspektion & Palpation - Diarrhoe

  • durch Behinderung der Resorption (Malabsorption), z.B. nach Atrophie der Dünndarmzotten bei virusbedingten Enteritiden (TGE – Transmissible Gastroenteritis, EVD – Epizootische Virusdiarrhoe (beides Coronaviren), Rotavirusinfektion)
    • Resorption vermindert / Sekretion normal
    • heller, übelriechender Kot, der Nahrungsbestandteile und abgestoßene Zellen enthält
  • durch gesteigerte Sekretion (Hypersekretion)
    • z.B. bei der Kolidiarrhoe
      • Resorption normal / Sekretion gesteigert
      • wässrig-dünner Kot, der eher fade riecht und kaum Nahrungsbestandteile enthält
  • durch unvollständige Nährstoffverdauung (Maldigestion)
    • z.B. infolge Enzymmangels bei Überfütterung oder Verfütterung ungewohnter und nicht altersgemäßer Futtermittel
    • Stärke an Saugferkel vor der 4. Lebenswoche; plötzliche Milchfütterung erwachsener Schweine (osmotische Diarrhoe)
  • gesteigerter Entleerungsreiz des Rektums durch Füllung und Entzündung
    • plötzlich vollständig entleerter Kolonkegel (Schweinedysenterie)
  • Diarrhoe auch einfach nur als unbedeutendes Begleitsymptom einer Allgemeinerkrankung (z.B. Schweinepest oder Salmonellose)

035 - Harnapparat

Allgemein

035 - Harnapparat

Allgemein

  • Wasseraufnahme
    • 2 l je 25 kg KG
    • Sau/Eber: 10 – 15 l
    • Sauen säugend: 15 l /Sau + 1,5 l /Ferkel
    • -> restriktive Wasserversorgung tragender Sauen
  • Harnmenge
    • 2 bis 4 Liter (100kg)
    • Polyurie
    • Oligurie
      • Exsikkose, Schock, akute Herzschwäche
    • Anurie
      • Schock
  • Harnabsatz
    • Strangurie
      • tropfenweises, schmerzhaftes Absetzen von Harn
      • bei Harnblasen und Harnröhrensteinen, Urethritis, Blutung in Niere oder Harnblase, Blasenruptur, Peritonitis
    • Tenesmus vesicae
      • Harnzwang, häufiges und schmerzhaftes Absetzen kleiner Harnmengen
      • deutet auf Blasenentzündung hin (evtl. Blut enthalten)
    • Retentio urinae
      • Harnverhalten bzw. fehlender Harnabsatz
      • bei Verlegung der Harnröhre (Steine) oder Lähmung des Blasenöffners (Rückenmarksleiden)
  • Spontanharngewinnung beim Auftreiben reichlich getränkter Tiere, die geschlafen haben
  • Harngewinnung durch Katheterisieren oder Blasenpunktion beim Ferkel
  • Harnuntersuchung
    • Farbe
      • physiologisch: gelb bis grünlichgelb rote Farbe-> Hämaturie, Hämoglobinurie, Myoglobinurie
    • Durchsichtigkeit
      • klar, durchsichtig
    • Konsistenz:
      • dünnflüssig -> bei Blasen- und Nierenbeckenentzündungen mit reichlich (eitrigem) Exsudat kann der Harn visköser und trübe werden
    • Geruch
      • charakteristisch
    • sehr heller Harn bei vermehrter Wasseraufnahme oder herabgesetzter Konzentrationsfähigkeit der Nieren
    • dunkelgelber, konzentrierter Harn häufiger bei laktierenden Sauen oder mangelnder Trinkwasseraufnahme
    • Hämaturie durch Geburtsverletzungen, Deckverletzungen, Harnentnahme per Katheter und bei Harnwegsinfektionen
  • Urolithiasis
    • weißgraue Beläge am ventralen Schamwinkel von Sauen und kalkartige Beimengungen zum Endharn (-> Harnsediment in der Blase – v.a. Struvitsteine)

036 - Geschlechtsapparat

Sau

036 - Geschlechtsapparat

Sau

  • Geschlechtsreife
    • 6 bis 9 Monate
  • Zuchtreife
    • 10 bis 12 Monate (nach mindestens einem durchlaufendem Zyklus)
  • 21 Tage Zyklusdauer, asaisonal polyoestrisch
  • Der Östrus (Rausche) wird durch Auslösung des Duldungsreflexes festgestellt
    • Flankengriff, Stütz- und Reitprobe in Anwesenheit eines geschlechtsreifen Ebers
  • Östruslänge beträgt
    • ca. 48 bis 72 Stunden bei Altsauen
    • ca. 36 bis 48 Stunden bei Jungsauen
    • die Ovulation stets zu Beginn des letzten Drittels der Brunst
  • Trächtigkeitsuntersuchung
    • Sonographie transkutan nach Positionierung des Schallkopfes an der Bauchwand in Kniefaltenhöhe ca. 21 Tage nach der letzten Besamung
    • Wiederholung nach weiteren 3 Wochen
  • Vulva
    • Lage und Schluss der Vulva
    • Proöstrus
      • Vulva hyperämisch und ödematisiert
      • Vaginalschleimhaut hyperämisch und spiegelnd feucht mit einem klaren Sekret
    • Östrus
      • Rötung und Schwellung der Vulva rückläufig
      • Vaginalsekret nimmt ab und erhält eine klebrige Konsistenz
    • Verletzungen, Schwellungen
    • Sekretkrusten
      • Ausfluss, z.B. durch E. coli verursachte Metritis
  • Gesäuge
    • Anzahl, Größe und Farbe der Mammakomplexe
    • Anzahl, Ausbildung, Lokalisation und Aussehen der Zitzen und deren Umgebung
      • mindestens 14 Zitzen
    • Abweichungen (z.B. Stülpzitzen)
    • Palpation
      • Konsistenz, Verschieblichkeit der Haut, vermehrte Wärme und Schmerzhaftigkeit (z.B. Mastitis), Schwellungen (z.B. Gesäugeaktinomykose)
    • Verletzungen
      • Zitzenabrisse bei Sauen
      • Bissverletzungen durch Ferkel
      • abgescheuerte Zitzen bei Ferkeln

037 - Geschlechtsapparat

Eber

037 - Geschlechtsapparat

Eber

  • andrologische Untersuchung um die Zeugungsfähigkeit (Potentia generandi) und die Begattungsfähigkeit (Potentia coeundi) einzuschätzen
  • zunächst äußere Untersuchung der Geschlechtsorgane
    • Adspektion des Skrotums, der Hoden und der Nebenhoden
      • Vorhandensein beider Hoden
      • Größe, Lage, Symmetrie, Farbe der Haut des Skrotums
      • evtl. vorhandene Veränderungen (z.B. Umfangsvermehrungen, Verletzungen, Rötungen)
      • im Laufe des Lebens nimmt die Hodengröße des Ebers zu
      • Präputium einschließlich Diverticulum praeputiale
    • Palpation (immer auf Größe, Konsistenz, Symmetrie und mögliche Schmerzhaftigkeit achten)
      • Haut des Skrotums
      • Verschieblichkeit des Hodens innerhalb des Skrotums und des Processus vaginalis (bei chronischen Entzündungen nicht verschieblich)
      • Konsistenz der Hoden und Nebenhoden physiologischerweise prallelastisch
      • Nebenhodenschwänze an den kaudodorsalen und Nebenhodenköpfe an den kranioventralen Polen der Hoden sind insbesondere bei älteren Tiere nicht immer palpatorisch zugänglich
      • Bereich des Präputiums ist weich und gut durchtastbar (auch digitale Kontrolle des Diverticulum praeputiale möglich)
  • Prüfung des Paarungsverhaltens (Reflexkette des Ebers)
    • am besten mit brünstiger Sau prüfen
    • Vorspiel (ca. 5 bis 10 Minuten)
    • Aufsprung auf die Sau, Umklammerung, vollständige Versteifung des Penis, vollständiges Aussschachten des Penis, Einführung in den Genitaltrakt der Sau (ca. 1 Minute)
    • Ejakulation (bei Eber biphasisch; ca. 5 Minuten)
    • Absprung
  • Samengewinnung, adspektorische und palpatorische Untersuchung des Penis beim Deckakt möglich
    • Erfassen des Penis mit behandschuhter Hand beim Aufsprung
    • Penis leicht nach unten ablenken
    • Ejakulat in einem mit Gaze bespanntem Gefäß auffangen
      • damit das stark visköse Sekret der Bulbourethraldrüsen ausgesiebt wird
    • Abkühlung des Ejakulats bis zur spermatologischen Untersuchung vermeiden

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