Pankreatitis
Pankreatitis
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Pankreatitis - Definition?
Der Begriff Pankreatitis steht für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Bauchspeicheldrüse = Pankreas). Es kann sich dabei um ein einmaliges, plötzlich auftretendes (akutes) oder ein mehrmalig wiederkehrendes (chronisches) Ereignis handeln. Mediziner nennen dies entsprechend
- akute Pankreatitis oder
- chronische Pankreatitis.
Zudem unterscheiden Mediziner bei der akuten Form, ob eine infektiöse oder nicht-infektiöse Pankreatitis vorliegt. Viren etwa können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen – dann handelt es sich um eine infektiöse Form. Häufiger sind aber nicht-infektiöse Geschehen der Grund für die Entzündung (z.B. Gallensteine).
Pankreatitis - Häufigkeit?
Die Häufigkeit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ist in den letzten Jahrzehnten weltweit gestiegen. In Deutschland erkranken etwa 10 bis 20 Menschen pro 100.000 Einwohner pro Jahr daran. Die chronische Pankreatitis ist seltener und tritt hier mit einer Häufigkeit von ungefähr 8 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr auf.
Pankreatitis - exokrine Funktion?
Der exokrine Teil des Pankreas stellt den Verdauungssaft her. Dieser besteht neben Wasser und alkalischem Bikarbonat (ein Salz der Kohlensäure) aus verschiedenen Verdauungsenzymen. In 24 Stunden produziert die Bauchspeicheldrüse etwa 1 Liter Verdauungssaft. Um zu verhindern, dass die Enzyme die Bauchspeicheldrüse selbst angreifen, stellt sie inaktive Enzymvorstufen her. Sie werden nach Verlassen der Drüse erst im Darm aktiviert.
Die Bauchspeicheldrüse produziert folgende Enzyme:
Enzymgruppe Funktion Proteasen (z. B. Trypsin oder Elastase) spalten Eiweiße Esterasen (z. B. Phosphatase oder Lipase) spalten Fette Carbohydrasen (z.B. Amylase) spalten Zucker Nukleasen (z. B. Phosphodiesterase) spalten Nukleinsäuren
Pankreatitis - endokrine Funktion?
Der endokrine Teil der Drüse besteht aus den Langerhans-Inseln – benannt nach ihrem Entdecker Paul Langerhans. Sie werden in ihrer Gesamtheit auch als Inselorgan bezeichnet. Vier Zelltypen des Pankreas bilden jeweils spezifische Hormone.
Zelltyp Anteil am Inselorgan Hormon Wirkung A 15 bis 20 Prozent Glukagon erhöht die Blutzuckerkonzentrationhemmt den exokrinen Teil des Pankreas und den Zuckerabbau B 60 bis 80 Prozent Insulin senkt die Blutzuckerkonzentration
hemmt den exokrinen Teil D 5 bis 15 Prozent Somatostatin hemmt die Hormonfreisetzung des Pankreas (Insulin, pankreatisches Polypeptid, Glukagon) und die Funktion des Magen-Darm-Systems PP < 2 Prozent Pankreatisches Polypeptid hemmt den Gallefluss und den exokrinen Teil
Pankreatitis - Anatomie?
Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch quer an der hinteren Bauchwand. Sie grenzt mit ihrem Kopf an den Dünndarm und mit ihrem Ende (lat. Cauda = Schwanz) an die Milz. Der Mittelteil (lat. Corpus = Körper) der Bauchspeicheldrüse liegt vor der unteren großen Körpervene (Hohlvene). Die Oberfläche der Bauchspeicheldrüse ist mit Bauchfell überzogen.
Das rund 15 Zentimeter lange und 70 Gramm schwere Organ produziert Hormone sowie Verdauungssäfte und -enzyme. Über zahlreiche Seitengänge sammeln sich die Verdauungssäfte im Hauptgang der Bauchspeicheldrüse. Dieser mündet zusammen mit den Gallenwegen in einen gemeinsamen Ausgang zum Dünndarm – die sogenannte Papilla vateri (auch: Papilla duodeni major). Funktionell gibt es einen Drüsenteil, der die Hormone produziert, der endokrine Teil, und einen, der die Verdauungssäfte und -enzyme herstellt: der exokrine Teil.
Pankreatitis - Ursache: Vererbung?
Vererbung (hereditäre Pankreatitis)
In seltenen Fällen kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung genetische Ursachen haben. Diese Form heißt hereditäre Pankreatitis
Pankreatitis - Ursache: Infektion?
Infektionen
- Mumps-Virus
- Coxsackie-Virus
- Epstein-Barr-Virus
- Bakterien
Infektionen sind bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aber nur in weniger als einem von hundert Fällen die Ursache.
Pankreatitis - Ursache: Mechanische Ursachen?
Mechanische Ursachen, zum Beispiel:
- Operation an Magen oder Darm
- Bauchverletzung
- Endoskopie des Pankreas (ERCP)
- Pankreasgangverlegung
- Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
- Spulwürmer (Ascariden): Sie können die Gallengänge verlegen
Pankreatitis - Ursache: Stoffwechselstörungen?
Stoffwechselstörungen, zum Beispiel:
- Fettstoffwechselerkrankungen
- erhöhte Calciumwerte im Blut (Hypercalcämie), z.B. infolge einer Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus)
- bestimmte Medikamente, z.B. Diuretika, Beta-Blocker, verschiedene Antibiotika
Pankreatitis - Ursache: Gallensteine?
Auch Gallensteine gehören bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zu den häufigen Ursachen: Eine Pankreatitis kann auftreten, wenn sich ein Gallenstein vor den gemeinsamen Ausführungsgang von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) legt und diesen versperrt.
Die Verdauungssäfte können dann nicht mehr aus der Bauchspeicheldrüse in den Darm abfließen und stauen sich. Dadurch gelangen die Enzyme aus dem Pankreassekret wieder zurück in die Bauchspeicheldrüse und beginnen, sie zu zersetzen – Mediziner sprechen von einer Selbstverdauung.
Pankreatitis - Ursache: Alkohol?
Obwohl die Zusammenhänge noch nicht in allen Einzelheiten bekannt sind, weiß man, dass Alkohol in zahlreiche Körperprozesse eingreift, die Bauchspeicheldrüse schädigen und eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen kann. Oftmals entwickelt sich basierend auf einer Alkoholkrankheit eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Pankreatitis - Ursachen?
- Alkohol
- Gallensteine
- Stoffwechselstörungen
- Mechanische Ursachen, zum Beispiel:
- Infektionen
- Vererbung (hereditäre Pankreatitis)
Pankreatitis - Symptome akute P.?
Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung treten plötzlich heftige, gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch auf, die nach allen Seiten und bis in den Rücken oder Brustkorb ausstrahlen können. Sie sind sehr intensiv und halten oft mehrere Tage an. Die Betroffenen liegen meist mit gekrümmtem Rücken im Bett, da dies die Schmerzen etwas lindert. Der Bauch reagiert sehr empfindlich auf Druck und ist prall-elastisch – wie ein "Gummibauch".
Weiterhin äußert sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch Symptome wie:
Pankreatitis - Symptome chron. P.?
Die chronische Pankreatitis ruft meist eine nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse hervor. Sie äußert sich durch wiederkehrende – Stunden bis Tage andauernde – Schmerzen im Oberbauch. Der Schmerz kann wie bei der akuten Pankreatitis gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen – gelegentlich tritt er mehrere Stunden nach dem Essen auf. Darüber hinaus leiden die Betroffenen oftmals unter Verdauungsproblemen beim Verzehr fettreicher Speisen, es können Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Hinzu können bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung folgende Symptome kommen:
- Gewichtsabnahme
- Fettstühle (lehmartiger, klebriger und glänzender Stuhl)
- Blähungen
- Durchfall
- Entwicklung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bei etwa jedem dritten Betroffenen
- evtl. wiederholt Gelbsucht
In diesem fortgeschrittenen Stadium der Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Bauchspeicheldrüse bereits geschädigt, trotzdem sind die Betroffenen während der entzündungsfreien Phasen oft schmerzfrei.
Pankreatitis - Diagnose?
- Bei einer Pankreatitis ist der Wert von Lipase und Elastase im Blut erhöht. Die Blutkonzentration von Calcium ist verändert. Auch die Entzündungswerte (z.B. CRP) können einen Hinweis auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung geben.Verlegen etwa Gallensteine die Gallenwege, steigen auch die Blutwerte anderer Enzyme an, zum Beispiel: Gamma-GT, AP (alkalische Phosphatase) und LAP (Leucaminopeptidase).
Bildgebende Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
- Computertomographie (CT) und einer Magnetresonanztomographie (MRT) beurteilt der Arzt, wie viel Pankreasgewebe bereits zerstört ist und ob sich die Entzündung auf Nachbarorgane ausgeweitet hat. Auch Blutungen werden dabei sichtbar.
Endoskopie untersuchen (Endoskopische Retrograde Cholangiopankreatikographie, ERCP)
Pankreatitis - Differentialdiagnose?
- Herzinfarkt
- Darmverschluss (Ileus)
- Eileiter- oder Eierstockerkrankungen (z.B. Eileiter- und/oder Eierstockentzündung)
- Blinddarmentzündung (Appendizitis)
- Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft
- Nierenkolik
- Verschluss eines Darmgefäßes mit Sauerstoffmangel in einem Darmabschnitt (sog. Mesenterialinfarkt)
- Gallenkolik
- Lungenembolie
- Durchbruch von Magen oder Darm (z.B. nach einem Magengeschwür oder Zwölffingerdarmgeschwür)
- Durchbruch der Gallenblase (z.B. nach Gallenblasenentzündung)
- krankhafte Blutgefäßaussackung mit Wandriss (Aneurysma)
Pankreatitis - Therapie?
- Analgetika
- Nahrungskarenz --> ersatzweise über eine Vene (Infusion) Flüssigkeit, Elektrolyte und Nährstoffe
- Kostaufbau --> leichte, fettarme Lebensmittel
- Gallensteine mithilfe einer Endoskopie – der sogenannten ERCP (endoskopischen retrograde Cholangiopankreatikographie) zu entfernen.
- Drainageschläuche bei flüssigkeitsgefüllten Kammern
- Bei nicht behandelbaren großen Pseudozysten oder Verengungen im Bereich der Gallenwege oder des Pankreasgangs erfolgt eine chirurgische Korrektur --> Stents
- In schweren Fällen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung entfernt der Chirurg Teile des Pankreas operativ.
Pankreatitis - Komplikationen?
Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung können im Verlauf der Erkrankung folgende Komplikationen auftreten:
- bakterielle Infektion von abgestorbenem Gewebe bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis)
- Kreislaufschock
- Pankreasabszess
- Blutgerinnungsstörung (sog. Verbrauchskoagulopathie)
- Blutzuckeranstieg
- Calciumabfall
- Herz-Kreislauf-, Nieren- und Lungenversagen (ARDS)
- Blutungen im Pankreas
- Bildung von Pankreaspseudozysten (Kammern)
- bei Alkoholikern Alkoholentzugssymptome im Verlauf der Therapie
- Die chronische Pankreatitis à nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse
- falsche Zysten oder Pseudozysten (mit Flüssigkeit gefüllte Kammern) um, die sich entzünden können oder in die es einbluten kann
- ausgedehnten Verkalkungen. und Mangelerscheinungen und es entwickelt sich ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
- Als Spätkomplikation der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) entstehen.