P2 Praktische Philosophie
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Lernkarten
Aristotelische Tugendethik: Worauf strebt nach Aristoteles alles menschliche Handeln letztendlich naturgemäss zu, und was zeichnet dieses Ziel aus?
Auf Glückseligkeit; sie hat ihren Zweck zugleich in sich selbst Aristotelische Tugendethik: Glückseligkeit ist das oberste Ziel und Selbstzweck. Sie wird nicht um eines weiteren Zwecks willen gewählt.
Aristotelische Tugendethik: Worin besteht bei Aristoteles das spezifisch menschliche Potential, und wann führt ein Mensch ein glückseliges Leben?
In der Vernunft; glückselig ist, wer sie in allen Handlungen maximal entfaltet und bestimmte Glücksgüter, insbesondere Freundschaften, besitzt Aristotelische Tugendethik: Vernunftgeleitete Handlungen nennt Aristoteles tugendhaft. Zum glückseligen Leben ge
Aristotelische Tugendethik: Wie entstehen nach Aristoteles Charaktertugenden (ethische Tugenden)?
Durch wiederholte Einübung tugendhafter Handlungen, die sich als Habitus festsetzen Aristotelische Tugendethik: Der Habitus wird wesentlicher Bestandteil des Charakters. Beispiele: Tapferkeit, Grosszügigkeit, Wahrhaftigkeit. (-> begehrender Seelenteil)
Aristotelische Tugendethik: Wie werden nach Aristoteles dianoetische Tugenden (Verstandestugenden) erworben, und welche gehören dazu?
Durch Belehrung; Wissenschaft, Weisheit, Klugheit Aristotelische Tugendethik: Verstandestugenden entstehen durch Belehrung, Charaktertugenden durch Einübung. Das ist die Grundunterscheidung der beiden Tugendarten. (Vernünftiges Seelenvemögen)
Aristotelische Tugendethik: Was ist die rechte Mitte einer tugendhaften Handlung, und welche Verstandestugend bestimmt sie?
Die Lage zwischen den Extremen des Überflusses und des Mangels; Klugheit (phronesis) Aristotelische Tugendethik: Tugendhaftes Handeln trifft die Mitte (mesotes) zwischen zwei Extremen. Um sie zu bestimmen, gebraucht der Mensch die Klugheit (phronesis).
Aristotelische Tugendethik: Wo liegt nach dem Text die individuelle Freiheit des Menschen?
In der Bestimmung der rechten Mitte Aristotelische Tugendethik: Die Mitte ist nicht schematisch vorgegeben. Ihre Bestimmung im Einzelfall ist der Spielraum individueller Freiheit.
Aristotelische Tugendethik: Welche zwei Bedeutungen hat die Charaktertugend Gerechtigkeit?
Iustitia legalis: Handeln konform mit den geltenden Gesetzen; iustitia moralis: kommutative Gerechtigkeit (objektive Preise beim Warentausch) und distributive Gerechtigkeit (relevante Umstände wie Vermögen berücksichtigen)
Aristotelische Tugendethik: Gerechtigkeit ist sozialethisch von besonderer Bedeutung, weil Tugenden auch sozialverträgliche Handlungen sind.
Aristotelische Tugendethik: Welche drei Arten freundschaftlichen Liebens unterscheidet Aristoteles, und welchem Handlungstyp ordnet der Text sie zu?
Lust, Nutzen: poiesis; um ihrer selbst willen: praxis
Aristotelische Tugendethik: Lieben um der Lust oder des Nutzens willen ist Herstellungshandlung (poiesis). Lieben um seiner selbst willen ist selbstzweckhaftes Handeln (praxis).
Aristotelische Tugendethik: Welche drei Lebensformen unterscheidet Aristoteles, und worin besteht jeweils die Glückseligkeit?
Hedonistisch: Lust; politisch: politisches Tätigsein und Anerkennung; philosophisch: theoria
Aristotelische Tugendethik: Glückseligkeit ist zunächst eine Worthülse. Jede Lebensform füllt sie anders: animalische Lust, politisches Tätigsein samt Anerkennung, selbstzweckhaftes Betrachten der Vernunftgegenstände.
Aristotelische Tugendethik: Was ist theoria bei Aristoteles, und wie verhält sich der Mensch zur philosophischen Lebensform?
Selbstzweckhaftes Betrachten der Vernunftgegenstände; göttliches Ideal, dem der Mensch durch tugendhaftes, von wahrer Lust begleitetes Leben am nächsten kommt
Aristotelische Tugendethik: Die philosophische Lebensform ist für den Menschen nicht vollständig realisierbar. Tugendhaftes Leben führt am nächsten heran, und jede tugendhafte Handlung ist von wahrer Lust begleitet.
Stoische Ethik: Welche zwei Voraussetzungen aus der theoretischen Philosophie setzt die Stoa (gegründet um 300 v. Chr. von Zenon von Kition) für ihre Ethik voraus?
Der Kosmos ist insgesamt vernunftdurchwaltet (Welt-Logos); alles Weltgeschehen ist durch eine umfassende Providenz geordnet
Stoische Ethik: Es kommt für den Menschen nur darauf an, die Allgegenwart des Welt-Logos zu erkennen. Wer die Vorsehung nicht einsieht, erfährt sie als zwingendes Fatum (heimarmene), als Schicksal.
Stoische Ethik: Worin besteht das ethische Ideal der Stoa, und wie lautet die Telosformel?
Weisheit (sophia) und Apathie (stoische Ruhe); Telosformel: „übereinstimmend (mit der Natur) leben“ (homologoumenos zen)
Stoische Ethik: Weisheit (sophia) erlaubt, sich der kosmischen Ordnung einzufügen und dem Schicksal mit stoischer Ruhe zu begegnen. Das Ideal der Unaffizierbarkeit durch äusseres Geschehen heisst Apathie (apatheia). Die Telosformel zielt auf ein stimmiges Leben im Einklang mit innerer und äusserer Natur.
Stoische Ethik: Was sind Tugenden nach der Stoa, und wodurch unterscheiden sie sich von den Tugenden bei Aristoteles?
Feste Seelenverfassung (diathesis), erklärt durch einen Spannungszustand des Pneumas; nicht graduierbar: man hat sie oder hat sie nicht
Stoische Ethik: Die Tugenden (z. B. Besonnenheit, Gerechtigkeit, Klugheit) sind nicht mehr Weisen vollzugshafter Teilhabe am Guten, sondern feste Seelenverfassung (diathesis). Wer sie hat, hat zugleich die Eudaimonie, wer sie nicht hat, hat sie nicht.
Stoische Ethik: Was unterscheidet Kathekon und Katorthoma, und welche zwei Merkmale der Pflichtethik werden daran deutlich?
Kathekon: das an sich Tunliche; Katorthoma: vollkommen erfüllte echte Pflicht aus Einsicht in die recta ratio; Merkmale: Intellektualismus und Universalismus
Stoische Ethik: Der Weise tut nicht nur das an sich Tunliche, sondern erfüllt eine echte Pflicht vollkommen. Die Einsicht in das universell Vernünftige (recta ratio, orthos logos) wird zum handlungsbestimmenden Motiv, nicht Neigung oder Zufall. Darin zeigen sich Intellektualismus und Universalismus als Merkmale jeder Pflichtethik.
Stoische Ethik: Was ist gegenüber Aristoteles beim Adressatenkreis und in den Begriffen neu?
Kosmopolitismus ohne Unterschiede nach Herkunft oder Stand (Epiktet, Mark Aurel); erste Ansätze zur Menschenwürde (Seneca: homo sacra res homini); Begriff des Gewissens
Stoische Ethik: Die Stoiker erkennen keine Unterschiede nach Herkunft oder Stand mehr an (Epiktet war Sklave bzw. Freigelassener, Mark Aurel Kaiser). Bei Seneca finden sich erste Ansätze zur Menschenwürde und der Gewissensbegriff (syneidesis, conscientia), den die Tugendethik bezeichnenderweise nicht kenn