Niere
Diuretika
Diuretika
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Lernkarten
Pharmakologie der Niere
Überblick
- osmotische Diuretika
- Carboanhydrase-Hemmstoffe
- Schleifendiuretika
- Thiazid-Diuretika
- Kaliumsparende Diuretika
- Vasopressin-Rezeptor-Agonisten/Antagonisten
- Hemmer der Harnsäure-Resorption
Diuretika
osmotische Diuretika
Substanzen
- Mannitol
Wirkmechanismus
- hyperosmolare Lösung, glomeruläre Filtration, keine tubuläre Rückresorption
- Wasser wird im Tubuluslumen gehalten (Na-Resorption nicht von adäquater Wasserresorption begleitet)
- i.v. Gabe als 10- oder 20%ige Lösung, kein Metabolismus
Wirkort
- proximaler Tubulus und absteigender Teil der Henle-Schleife (wasserpermeabel)
Indikation
- Prophylaxe akutes Nierenversagen
- Hirnödem / Senkung des intrakraniellen Drucks bei neurologischen Erkrankungen
- akuter Glaukomanfall / Senkung des intraokularen Drucks vor Augen-OP
Kontraindikationen
- kardiale Ödeme, z.B. mannifeste Herzinsuffizienz, da durch die vasale Verlagerung des Volumens das Herz zusätzlich belastet wird
- Dehydratation
- intrakranielle Blutungen
Diuretika
Carboanhydrase-Hemmstoffe
Substanzen
- Acetazolamid
Wirkmechanismus
- Hemmung der Carboanhydrase
- verminderter Austausch von Na und H
- Na-Ausscheidung steigt, H wird zurückgehalten
-> pH des Urins steigt
-> Entwicklung einer Acidose senkt die diuretische Wirkung
-> milde Diurese, da verstärkte Na-Resorption in distalen Nephronabschnitten
Indikation
- hauptsächlich bei Glaukom (verminderte Kammerwasserproduktion, Carboanhydrase kommt ubiquitär vor)
- Behandlung der Höhenkrankheit -> durch gesteigerte Atmung sinkt pCO2 -> respiratorische Alkalose
Diuretika
Schleifendiuretika
Substanzen
- Furosemid, Piretanid, Bumetanid (aromat. Carbonsäuren)
- Torasemid (Sulfonylharnstoffderivat)
- Etacrynsäure (halogenierte Phenoxyessigsäure)
Wirkmechanismus
- Hemmmung des Na/K/2Cl-Kotransporters (NKCC2)
- Reabsorption von NaCl und K sinkt um bis zu 20%
-> lumenpositives Potential
-> Ausscheidung von Mg und Ca steigt
-> gestörtes tubuloglomeruläres Feedback -> keine physiologische Bremse gegen Volumenverluste
- starke Diurese mit Ausscheidung eines isotonen Urins
- vermehrte Ausscheidung von Ca, Mg und K und H
- Stimulation der Reninsekretion und Anstieg der Aldosteronsekretion der NNR
- Wirkungseintritt p.o. ca. 30min, i.v. 2-5min
- Wirkdauer 3-6h
Indikation
- Behandlung von Ödemen (kardial, hepatisch, renal, Lunge, Hirn)
- forcierte Diurese bei Vergiftungsbehandlung (Furosemid)
Kontraindikation
- Anurie
- deutliche Hypotonie oder Hypovolämie
- Nierenversagen mit Anurie und Hyponatriämie und/oder Hypokaliämie
UAW
- Ototoxizität (dosis-abh. Hörverlust, reversibel)
- Harnsäureretention (Kompetition am Anioinentransport-system)
- Hypotension
- Hypokaliämie
- Hypomagnesiämie
- post-diuretische Na-Retention (Aktivierung von Gegenregulationsmechanismen nach Abfallen des Effekts)
- sympathiko-adrenales System
- RAAS
Diuretika
Thiazide
Substanzen
- Hydrochlorothiazid
- Chlortalidon
- Xipamid
- Bendroflumethiazid (in Kombinationen)
Wirkmechanismus
- Blockade Na/Cl-Cotransportsystem an luminaler Membran
-> vermehrter Na-K-Austausch im Sammelrohr -> Hypokaliämie
- schwache Carboanhydrasehemmung
- Exkretion eines hyperosmolaren Urins
- verminderte Ca-Ausscheidung
- Verlust von Mg und K
- Wirkung erfordert die aktive Sekretion der Thiazide im proximalen Tubulus durch Anionentransporter und MDR4
- langsame und protrahierte Wirkung -> kein Reboundphänomen -> geeignet für Dauertherapie
- Wirkungseintritt p.o. nach 1-2h, Wirkdauer unterschiedlich (12 - 72h)
Indikation
- arterielle Hypertonie
- kardiale, hepatische Ödeme
- chronische Herzinsuffizienz
- Diabetes insipidus renalis
- Prophylaxe Ca-haltiger Nierensteine
Kontraindikation
- fortgeschrittene Niereninsuffizienz
- schwere Leberfunktionsstörungen
- Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide
- Gicht
- Hyponatriämie/kaliämie/volämie
- Diabetes mellitus
UAW
- Hypokaliämie
- Hyponatriämie
- Hypomagnesiämie
- Harnsäureretention
- Ca-Retention
- Hypotension
- verminderte Glukosetoleranz
- allergische Reaktionen
- Hyperlipidämie
Diuretika
K-sparende Diuretika
Na-Kanal-Blocker
- Amilorid
- Kombination mit HCT o. Furosemid
- Triampteren
- Kombi mit HCT o. Xipamid, ß-Blockern
Wirkmechanismus
- organische Basen werden durch Zellen des proximalen Tubulus ins Lumen sezerniert
- erhöhte Na-Ausscheidung
- erniedrigte K-Ausscheidung
- mäßige Wirkung auf ausgeschiedenes Volumen
Indikationen
- kardiale, renale, hepatische Ödeme
- Kombination mit Thiaziden u. verwandten Diuretika, die K-Ausscheidung erhöhen
Aldosteronrezeptor-Antagonisten
- Spironolacton
- Eplerenon
- Canrenoat
Wirkmechanismus
- kompetitiver Antagonismus zu Aldosteron an intrazellulärem Rezeptor
- Wirkung nur in Anwesenheit von Aldosteron
- natriuretische Wirkung relativ gering (max. 2%)
- Verminderung der K-Ausscheidung
- langsamer Wirkungseintritt (p.o. 24-48h, i.v. ca. 12h)
- Maximum erst nach einigen Tagen erreicht - Wirkdauer bis zu 4d
Pharmakokinetik
Spironolacton
- 50% Bioverfügbarkeit, Metabolisierung zu Canrenon, Wirkungseintritt nach 5-10h, Wirkdauer 2-3d
Kaliumcanrenoat
- Metabolit von Spironolacton, i.v.-Gabe, HWZ: 5-10h, Glucuronidierung
Eplerenon
- p.o.
UAW
- Hyperkaliämie
- Spironolacton endokrine NW -> Interferenz mit körpereigenen Steroiden
- gastrointestinale Beschwerden
- Eplerenon kaum endokrine NW
Indikation
- primärer und sekundärer Hyperaldosteronismus (nur Spironolacton zugelassen)
- Herzinsuffizienz (nur Eplerenon) - Kombination mit Thiaziden und verwandten Diuretika
- therapierefraktäre kardiale, renale und hepatogene Ödeme (Spironolacton Diuretikum der Wahl bei Leberzirrhose mit Ascites)
Diuretika
Vasopressin (ADH)-Rezeptor Agonisten/Antagonisten
Agonist
- Desmopressin
- V2R spezifisch
- keine vasokonstriktorische Wirkung über V1R
- größere metabolische Stabilität als Vasopressin
Indikation
- Diabetes insipidus centralis
- primäre Enuresis nocturna
UAW
- übermäßige Flüssigkeitsretention, Wasserintoxikation
Antagonisten
- Tolvaptan
- selektiver V2-Rezeptor-Antagonist
- Aquarese ohne begleitende Natriurese und Kaliurese
Indikation
- bei Patienten mit Hyponatriämie als sekundäre Folge des Syndroms der übermäßigen ADH-Sekretion
UAW
- Risiko für erhöhte Leberfunktionswerte (reversibel)
- irreversible und potenziell tödliche Leberschädigung möglich