Mikrobio 5. Semester (Zusammenfassung)

Mykosen, Parasiten, opportunistische Infektionen

Mykosen, Parasiten, opportunistische Infektionen


Miriam Schell
Diese Lernkarten behandeln Infektionen durch Parasiten und Pilze, mit Fokus auf Pathogenese, Diagnostik und Therapie. Sie decken Krankheitsbilder wie Zystenbildung, Wurmbefall und opportunistische Infektionen ab, wobei Aspergillus, Toxoplasma gondii und verschiedene Helminthen im Mittelpunkt stehen. Die Karteikarten richten sich an Medizinstudierende, die sich auf universitäre Prüfungen vorbereiten und ein tiefes Verständnis der Pathogenese und Behandlung von Parasiten- und Pilzinfektionen benötigen.
Karten
8
Lernende
5
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
13.07.2013 / 31.10.2021

Lernkarten

Mykosen

Aufbau von Pilzen

Einteilung aus medizinischer Sicht

Aufbau von Pilzen: Eukaryonten (Zellkern, ER, Mitochondrien), heterotroph (Abbau organischer Stoffe), Pilzmembran (aus Ergosterin), Zellwand (aus Chitin, Glukanen, Mannanen, Mannoproteine), manchmal mit Kapsel

-> resistent gegen Lyse durch das Komeplementsystem (höchstens Opsonierung durch dieses), Elimination nur durch neutrophile Granulozyten

Einteilung aus medizinischer Sicht: pathogene Pilze werden in das D-H-S- System untergliedert:

  • Dermatophyten (Fadenpilze): befallen Epidermis, Haare und Nägel (Enzym: Keratinase)

 

  • Hefen (Sprosspilze -> Cand. sp.): Teil der physiologischen Flora des GI- Trakts, Infektion der Schleimhäute nur bei lokalem/ systemischen Mangel an Neutros (selten auch Pilzsepsis) 

 

  • Schimmelpilze (Fadenpilze): eigenltich harmlose Anflugkeime, außer bei geschädigter zellulärer Abwehr -> Infektion der Lunge und Pilzsepsis möglich

Mykosen

Pathogenese

  • sekundäre/ opportunistische Mykose: Infektion durch Defekte in der zellulären Abwehr (systemisch: Neutropenie,  lokal: z.B. Lungenkaverne) -> Ursachen: angeborene Immundefekte, Leukämie, HIV, D.m., immunsuppressive Therapie

 

  • primäre Mykose: sehr selten, tritt bei immunkompetenten Personen auf -> Pilz muss entprechend pathogen sein

 

  • Pilzallergie: z.B. exogen allergische Alveolitis, Typ-III-Reaktion

 

  • Mykotoxikosen: z.B. durch das Aflatoxin von Aspergillus flavus

 

  • exogene Mykosen: z.B. durch Schimmelpilze

 

  • endogene Mykosen: z.B. durch Hefen

Mykosen

Antimykotika

Polyene:

binden an Ergosterin -> Porenbildung -> Lyse (fungizid)

z.B. Amphotericin B: lokal gut verträglich, systemisch starke UAW, da auch Bindung an Cholesterin und damit Zerstörung körpereigner Mitochondrien erfolgt.

-> breites Wirkspektrum: Candida spp., Aspergillus spp. (außer A. terreus), andere Schimmelpilze, dimorphe Pilze

Ergosterin- Synthese- Hemmer (Triazole):

Hemmung der Ergosterinsynthese (fungistatisch), äußerst lebertoxisch

z.B. Fluconazol: gut verträglich, wirkt gegen Candida spp. (außer C. krusei + C. glabrata), keine Wirkung auf Schimmelpilze! (also auch nicht auf Aspergillus spp.!)

Mannan- Synthese- Hemmer (Echinocandine):

Hemmung der Mannan- Synthese/ Beta- Glukan-Synthese

z.B. Caspofungin: wirkt gegen invasive Aspergillis- und Candida- Infektionen (Sepsis), gut verträglich, mit Polyenen und Tiazolen kombinierbar

Resistenzen: keine übertragbaren Resistenzen, Resistenzentwicklung unter Therapie selten

Parasiten:  Helminthen (Würmer)

Nemantoden (Rundwürmer): Enterobius vermicularis

Reservoir

Pathogenese

Typische Krankheitsbilder

Diagnostik

Therapie

Enterobius vermicularis: Madenwurm, Oxyuren

Reservoir: Mensch und Tier, extrem infektiös

Pathogenese:
Die Weibchen leben im Dickdarm / Ileum, wenn Schwanger migrieren sie in den Anus und
legen dort Ihre Eier ab

-> hier verursachen diese einen starken Juckreiz (Leitsymptom), weitere Verbreitung dann durch Schmierinfektion

Typische Krankheitsbilder:

Pruritus ani, Enterobiose (i.d.R. harmloser Verlauf), bei Kindern Appendizitis und bei Frauen Entzündungen von Vagina, Uterus, Ovarien möglich

Diagnostik:

v.a. Kinder, Würmer im Stuhl (1cm), zum Nachweis
Tesafilm-Präparat vom Anus
Familiäre Hüufung da die Eier ca. 20 Tage infektiös bleiben und oft an
Haushaltsgegenständen kleben daher: Immer die ganze Familie behandeln und die
Wohnung ausreichend reinigen


Therapie: Mebendazol oder Albendazol

Hygienische Grundreglen beachten !

Parasiten:  Helminthen (Würmer)

Zestoden (Bandwürmer): Taenia saginata + Taenia solium

Reservoir

Pathogenese

Typische Krankheitsbilder

Diagnostik

Therapie

Rinderbandwurm (T. saginata), Schweinebandwurm (T. solium), Mensch i.d.R. Hauptwirt

Reservoir: ungenügend gegartes oder rohes, mit Larven befallenes Schweine- und Rinderfleisch

Pathogenese:

geschlechtsreifer Wurm lebt im menschlichen Darm -> gibt Eier an Umwelt ab -> orale Aufnahme durch Schwein/ Rind oder auch Mensch (dann als Nebenwirt)-> Entwicklung zu Larven mit Befall von Gewebe -> über Nahrung gelangen Larven wieder in den menschnlichen GIT -> Entwicklung zum Wurm

Typische Krankheitsbilder

als Hauptwirt: Täniose (Gewichtsabnahme, Unwohlsein, Apathie, Anämie)

als Nebenwirt: Zystizerkose (verschiedenste Symptome bis zum Befall von Auge, Muskeln, ZNS), Bildung von Zysten in Muskel, Nervenzellen, Subkutis, schmerzlos, kann Epilepsie verursachen

Diagnostik:

Mikroskopie der Proglottiden (Glieder des Wurms) nach Abgang im Stuhl, Bildgebung und Serologie bei Zystizerkose

Therapie: Praziquantal (oral), bei Zystizerkose: Dexamethason

Hygienemaßnahmen beachten!

 

Parasiten:  Helminthen (Würmer)

Zestoden (Bandwürmer): Echinokokken spp.

Reservoir

Pathogenese

Typische Krankheitsbilder

Diagnostik

Therapie

Echinokokkus granulosus (Hundebandwurm), Echinokokkus multilocularis (Fuchsbandwurm), Mensch ist Nebenwirt

Reservoir:

Infektionsquelle sind meistens Beeren, die mit Hunde- oder Fuchskot kontaminiert sind und Wurmeier tragen

Pathogenese:

Hund/ Fuchs scheidet Wurmeier mit Kot aus -> orale Aufnahme -> im menschlichen Darm Entwicklung zu Larven -> gelangen durch Darmwand in die Blutbahn und weiter in jedes Organ (vor allem Leber!) -> Wachstum und Zystenbildung

Typische Krankheitsbilder: (nach langer Inkubationszeit)

Hundebandwurm: zystische Echinokokkose (große flüssigkeitsgefüllte Zyste)

Fuchsbandwurm: alveoläre Echinokokkose (schlecht abgrenzbare alveoläre Zysten, wächst invasiv (tumorartiges, infiltratives Wachstum), neigt zu lymphogener und hämatogener Streuung (fast ausschließlich Leber betroffen!

Diagnostik:

AK- Nachweis, Zysten durch bildgebende Verfahren -> Zysten dürfen nicht punktiert werden! (Gefahr eines anaphylaktischen Schocks)

Therapie: chirurgische Entfernung der Zysten, wenn nicht lebenslang Mebendazol, Albendazol

Parasiten: Protozoen (einzellige Eukaryonten, meist beweglich)

Toxoplasma gondii

Reservoir

Pathogenese

typische Krankheitsbilder

Diagnostik

Therapie

weltweit auftretender intrazellulärer Parasit

Reservoir: Menschen, Hunde, Katzen, Pferde, Rinder, Schweine, Vögel

Pathogenese

ungeschlechtliche Vermehrung im Wirt -> Entstehung von Zysten -> Aufnahme von kontaminiertem Fleisch durch Katzen (Endwirte) -> geschlechtliche Vermehrung der Toxoplasmen -> Oozysten entstehen -> Aufnahme in den Menschen durch Katzenkot -> Verschleppung durch Makrophagen -> Zysten- und Granulombildung im ganzen Körper (insb. Muskulatur, ZNS, RES)

typische Krankheitsbilder

Primärinfektion: bei Immunkompetenten symptomlos, auch bei Schwangeren, aber: Übertragung auf Ungeborenes möglich (Abort, Mikrocephalus, Hydrocephalus)

bei Immunsuppremierten zeigt sich Fieber, Hepatosplenomegalie, Myokarditis

bei allen: zervikale Lymphadenopathie

Reinfektion: bei Immunkompetenten symptomlos, bei Immunsupprimierten entwickeln sich klinische Symptome (Herz, Lunge, ZNS, hohe Mortalität!)

Prävention: Kein Verzehr von potentiell zystenhaltigem Fleisch, Händehygiene nach
Gartenarbeit, Sandkasten etc., Serologische Kontrolluntersuchungen, Katzenkontakt
beschränken


Diagnostik: Serolgie


Untersuchungen zum Eingrenzen des Infektionszeitpunktes: Antikörperbestimmung


- Verlaufskontrollen, Aviditätsbestimmungen (Niedrige Avidität=kürzlich zurückliegende
Infektion)


- Untersuchung zum Nachweis einer fetalen Infektion:
!Hochauflösendes Ultraschall, Amniozentese, PCR aus Fruchtwasser, Nabelschnurblut, Plazenta


Therapie:

Nur wirksam gegen Tachyzoiten (intrazelluläre Proliferationsform)


Bei Erstinfektion in der Schwangerschaft: 1-20. SSW Spiramycin-> Übertragungsrisiko
wird verringert.

Ab 20. SSW Sulfadiazin + Pyrimethamin
Bei fetaler Infektion: 12 Monate postpartal: Sulfadiazin + Pyrimethamin

Opportunistische Infektionen (bei Immunsuppressiven durch fakultativ pathogene Erreger ausgelöst)

Pneumocystis jiroveci (einzelliger eukaryontischer Pilz)

Reservoir

Pathogenese

Typische Krankheitsbilder

Diagnostik

Therapie

 

Pilz- und Sporeneigenschaften, Lebenszykllus wie Protozoen, kein Ergosterol in Zellmembran

vor allem bei HIV- Infizierten!

Reservoir: Übertragung vor allem aerogen zw. Menschen (die meisten sind Keimträger oder besitzen AK)

Pathogenese: Infektion nach Besiedlung bei Immunsuppressiven

Typische Krankheitsbilder:

atypische Pneumonie, Aussaat in Auge, Mittelohr, Leber, ZNS

Leisymptome: Tachypnoe, o2-Sättigungsabfall, Fieber, Nichtproduktiver Husten,
Bilaterale diffuse Infiltrate perihilär

Diagnostik:

BAL (Broncho-alveoläre- Lavage) notwendig, PCR, Mikroskopie (Giemsa-Färbung, Immunfluoreszenz)


Therapie: Cotrimoxazol (Trimethoprin + Sulfamethoxazol) hochdosiert!

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