Mehrsprachigkeit
Die Didaktik der Mehrsprachigkeit - Fragen
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Cartes-fiches
Wie werden die Begriffe „Mehrsprachigkeit“ und „Vielsprachigkeit“ voneinander unterschieden? Erklären Sie diese beiden Begriffe. Durch welche Umstände kann ein Schüler/eine Schülerin eher vielsprachig als mehrsprachig sein?
Mehrsprachigkeit:
Eine mehrsprachige Person entwickelt die Kompetenz, Sprachen untereinander zu verlinken und Erfahrungen, welche sie in den verschiedenen Sprachen gemacht hat in Beziehung zu einander zu setzen. Alle Kenntnisse und Erfahrungen in den verschiedenen erlernten Sprachen werden gehören zum Begriff der Mehrsprachigkeit, dazwischen gibt es Interaktionen. Eine mehrsprachige Person entwickelt eine globale kommunikative Kompetenz, welcher alle Kenntnisse und die ganze Erfahrung der Sprachen beinhaltet. --> Fähigkeit Transfers innerhalb der Sprachen, Transfers zwischen den Spracherfahrungen und Transfers zwischen den Lernerfahrungen zu machen.
Vielsprachigkeit: Quand une personne vit dans une société donnée ou il y a une coexistence des langues différents. Par exemple Chinatown in New York. Die koexistierenden Sprachen sind voneinander separiert. Die Schweiz mit ihren vier koexistierenden Landessprachen wäre auch ein Beispiel. Wenn zum Beispiel hier in der Schweiz ein Kind zu Hause türkisch spricht, mit seinen Freunden Schweizerdeutsch und in der Schule hochdeutsch, dann hat es in drei verschiedenen Bereichen eine eigene Sprache. Dieses Kind ist vielsprachig, die Sprachen sind klar voneinander separiert.
Wie wird die mehrsprachige Kompetenz definiert?
Das Individuum kann sprachliche Transfers zwischen den Sprachen machen. Unter den verschiedenen Sprachen, die das Individuum beherrscht, können Transfers bezüglich der sprachlichen Erfahrungen sowie der Erfahrungen mit Lernstrategien gemacht werden.
Der Lerner muss aber die Strukturen der Sprachen kennen und sich deren bewusst sein, damit er die mehrsprachige Kompetenz erwerben kann. Es geht nicht mehr darum, dass die SuS jede Sprache perfekt beherrschen, sondern dass sie ein Verständnis und ein logisches Denken für die Sprachen entwickeln. Jedes Individuum hat andere Fähigkeiten in den verschiedenen Sprachen, diese sind aber nicht zwingend alle auf demselben Niveau.
Wozu dient das Europäische Sprachenportfolio? Beschreiben Sie die jeweilige Funktion der drei Teile Sprachenpass, Sprachbiographie und Dossier.
Sprachenpass
Mit seiner Hilfesieht man auf einen Blick, welches Niveau der Lerner zurzeit in welcher Sprache hat. Er beinhaltet, Sprachdiplome und erworbene Zertifikate. Beim Übertritt von der Primar- in die Oberstufe kann dieser Teil des Portfolios der neuen Lehrperson des Kindes helfen, herauszufinden wo das Kind steht und wo man es abholen kann.
Sprachbiographie
Dieser Teil des Portfolios soll die Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten fördern. Hier wird einem die Möglichkeit geboten, das eigene Lernen zu reflektieren. Sprachprozesse, interkulturelle Erfahrungen, … werden hier dokumentiert. Selbstbeurteilungen, Lernziele und Planungen für das weitere Lernen werden in diesem Teil abgelegt. Es existieren sechs verschiedene Sprachnieveaus.
Dossier
Es gibt 2 Teile davon. Hier werden persönliche Arbeiten abgelegt, welche Lernfortschritte dokumentieren. Alle Dokumente, welche vom Schüler in seiner Schulzeit gemacht wurden, werden abgelegt (= dossier du travail). Bspw. Aufsätze, Reportagen, Ziele, … Präsentationsdossier: Dies besten Arbeiten, welche am besten gelungen sind, werden vom Schüler selbst ausgesucht und hier abgelegt. Nun kann der Schüler Leuten, welche sich für seinen Lernprozess und seine sprachlichen Interessen interessieren, diese Sammlung präsentieren.
Warum ist Fremdsprachenlernen ein zentrales Anliegen des Europarates und der Europäischen Union?
Im Fremdsprachenunterricht wird nicht nur eine Sprache erlernt, schlussendlich geht es auch um das Verständnis der dazugehörigen Kultur. Um die Erweiterung des Horizontes, um das über den Tellerrand hinausblicken. Der Europarat erachtet das Fremdsprachenlernen deshalb als zentral, da es auch das Verstehen von fremden Kulturen impliziert. Weitere Kriege müssen verhindert werden, Fremdsprachen erlernt werden, so lautete das Fazit nach dem 2. WK. Fremdsprachenunterricht zur Wahrung des Friedens. Weitere Gründe sind zum Beispiel die zunehmende Globalität, die Berufswelt (Kommunikation), Integration, Mobilität, Respekt vor dem Anderssein, Vielsprachigkeit entspricht dem politischen System der Demokratie.
Was ist HarmoS? Geben Sie eine Definition. Nennen und erklären Sie die Hauptpunkte und -inhalte.
HarmoS = Harmonisierung der obligatorischen Schule, erarbeitet von der EDK. Bei der Umsetzung von HarmoS werden die 2 Jahre Kindergarten in allen Kantonen obligatorisch.
Nun sind 11 Schuljahre obligatorisch: 2J. KG, 6 J. Primar und 3 J. SEK. 2 Fremdsprachen werden erlernt, FR und EN. Die erste wird im 3. Primarschuljahr, die zweite im 5. eingeführt, die Abfolge ist aber nicht in allen Kantonen gleich. Nach den 11 Jahren Schule müssen die SuS bei beiden Sprachen auf demselben Niveau sein.
Die Deutschschweizerkantone werden alle den Lehrplan 21 haben, die Westschweiz den PER und der Kanton Tessin aktualisiert ebenfalls seinen Lehrplan. Dabei wird die Grundbildung einheitlich definiert.
- Vereinheitlichung der Grundbildung
- Vereinheitlichung der Lehrpläne
- Koordination der Stundenpläne (Blockzeiten)
- Evaluation und Sprachenportfolios
Was ist Passepartout? Was ist das Hauptziel und was wird koordiniert? Welche Änderungen bewirkt/e Passepartout im Fremdsprachenunterricht?
Passepartout bezeichnet den Zusammenschluss von den Kantonen BL, BE, BS, FR, SO, VS. Diese Kantone haben Französisch als erste Fremdsprache und Englisch als zweite festgelegt. Ausserdem benutzen diese Kantone alle dieselben Lehrmittel, haben die gleiche Stundendotation und denselben Lehrplan. In den anderen Kantonen ist dies jeweils anders, da der EDK-Minister von ZH seinerzeit von sich aus entschieden hat, dass Englisch die erste Fremdsprache in ZH sein soll, wurde es den anderen Kantonen auch mehr oder weniger frei gestellt, welche Sprache sie als erste festlegen und welches Lehrmittel verwendet wird. Für die Kinder wird so alles komplizierter, bspw., im Falle eines Umzugs. Deshalb haben sich die Passepartout-Kantone für eine einheitliche Durchführung und gleiche Abfolge der Fremdsprachen (zuerst FR und dann EN) entschieden. Entscheidend ist die Didaktik der Mehrsprachigkeit, welche für ein tiefes Verständnis von Sprache deren Kultur steht (--> Sprachvergleiche, Verbindungen und Reflexion). Es ist nicht so wichtig, welche Sprache zuerst erlernt wird, die erste Fremdsprache soll die Kinder in erster Linie öffnen gegenüber Fremdsprachen und sie sensibilisieren. Methoden für das Sprachenlernen werden erprobt und dadurch holen die Kinder diese zwei Jahre, welche sie mehr Französisch haben, im Englisch dann wieder auf, weil es in diesen ersten zwei Jahren Fremdsprachenunterricht nicht um das Erlernen der Sprache selber, sondern um das Bewusstsein für Sprache im allgemeinen und um die Lernmethoden geht. Das Hauptziel hier ist die funktionale Mehrsprachigkeit. Dies bedeutet, dass es um die Fähigkeit, zu kommunizieren geht und nicht um fehlerfreies Fremdsprachenlernen.
Definieren Sie die Kompetenzen BICS und CALP und geben Sie je zwei konkrete Beispiele für die jeweilige Kompetenzgruppe. Inwiefern spielen die Begriffe für den Fremdsprachenunterricht eine Rolle?
BICS:
- alltagssprachliche, kommunikative Kompetenz
- kognitiv wenig anspruchsvolle Interaktionen
- Bsp. Gespräch über das Wetter, Einkaufen
- Der Kontext ist unter den Gesprächspartnern wechselseitig bekannt
- Bsp. Einem Kollegen zuhören, wie er über seine Ferien erzählt.
- Bsp. Eine Postkarte lesen
CALP:
- Sprachkompetenz, welche in kognitiv anspruchsvollen, nicht situationsgebundenen Kommunikationstexten verwendet wird.
- Bsp. Bericht über den Klimawandel verfassen
- Komplexe Sachverhalte verstehen und ausdrücken
- wird auch als bildungssprachliche Kompetenz bezeichnet
- komplexe Hör- und Leseverstehen, Sprechen und Schreiben
- Bsp. einen Bericht über ein politisches Ereignis im Radio hören
- Bsp. Ein logisches Ende für eine Geschichte erfinden.
Es ist wichtig, dass die SuS im Fremdsprachenunterricht mit beiden Kompetenzen konfrontiert werden. Denn beide Kompetenzen kommen im Alltag vor. Wenn die Kinder älter sind, werden sie sich auch mit komplexeren, wissenschaftlichen Texten auseinandersetzen müssen, deshalb ist es wichtig dass die CALP Kompetenzen schon vorher im Fremdsprachenunterricht eingeübt werden.
Was wird mit der Interdependenzhypothese erklärt? Erklären Sie und zählen Sie Konsequenzen auf, welche aus dieser Theorie abgeleitet werden.
Die Interdependenzhypothese wurde von auf der Basis der Zweisprachigkeit von Cummins entwickelt. Sie besagt, dass das Sprachwissen eines Individuums (bilingue) beide (alle) Sprachen einbezieht. Als Veranschaulichung dient das Eisbergmodell. Cummins geht davon aus, dass die beiden Spitzen (für jede Sprache ein Spitz) sich in ihren Oberflächenmerkmalen unterscheiden (Aussprache, Grammatik, Wortschatz), aber unterhalb des Wassers eine gemeinsame Sprachkompetenz existiert. Die Konsequenz daraus ist, dass das Individuum Transfers unter den Sprachen machen kann, da diese unterhalb der Wasseroberfläche vereint sind und eine gemeinsame Basis haben. Beispielsweise verfügt das Individuum durch das beherrschen von zwei oder mehreren Sprachen über strategische und logische Kompetenzen, um hinter das Konzept hinter den Worten zu sehen und ein tieferes Bewusstsein für die Grammatik zu entwickeln. Cummins unterscheidet 5 verschiedene Transferbereiche. Dazu gehören die Transfers konzeptueller Elemente, metakognitiver Strategien, pragmatischer Aspekte, spezifischer sprachlicher Elemente und des phonologischen Bewusstseins.
BICS oder CALP? Sie behandeln das Thema "Märchen" mit Ihrer Klasse. Eben haben Sie "Hänsel und Gretel" gelesen. Welche Aktivitäten wählen Sie, damit Ihre Schülerinnen und Schüler ihre BICS- bzw. CALP-Kompetenzen üben und entfalten können? Beschreiben Sie für jeden der zwei Bereiche zwei charakteristische Tätigkeiten.
- Die Kinder diskutieren zu zweit, was ihnen an der Geschichte besonders gefällt und weshalb. (BICS)
- Die Kinder erhalten Bilder zum Märchen und ordnen diese in der richtigen Reihenfolge, wobei sie abwechslungsweise ihrem Banknachbarn erzählen, was auf dem Bild geschieht. (BICS)
- Danach fassen sie den ersten Teil der Geschichte zusammen, indem sie zu den ersten drei Bildern ein bis zwei Sätze schreiben. (CALP)
- Nun ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Die Kinder überlegen sich einen fiktiven Schluss, welcher als Fortsetzung an die Bildergeschichte passen soll. (CALP)
Zählen Sie fünf charakteristische Eigenschaften einer Lernumgebung auf, welche Lernende ermutigt, sich die Sprache durch aktives Konstruieren anzueignen, und beschreiben Sie drei davon genauer.
- Vernetzen: Neue Inhalten mit bereits gemachten Erfahrungen verknüpfen. Sich über diese Erfahrungen bewusst werden und darüber nachdenken.
- Offene Aufgabenstellungen: Wissen ist immer subjektiv. Die Aufgabestellungen müssen so gestaltet sein, dass sie mit für alle SuS zugänglich sind.
- Mitverantwortung: SuS übernehmen Verantwortung für das eigene Lernen, aber auch für das Lernen in der Gruppe.
- Selbständige Organisation: Dass die SuS selbständig werden ist eines der Hauptanliegen von Schule. Es ist jedoch ein langer Prozess, welcher die Hilfestellung der LP benötigt. Transparenz bezgl. Der Lernziele, Hilfestellung für die Planung der Lernprozesse und die Anleitung zur Reflexion der Ergebnisse, dies sind die Voraussetzungen, damit das Lernen selbst organisiert werden kann.
- Soziale Interaktion: dies ist ein entscheidender Aspekt bei allen Lernprozessen. Dadurch wir den SuS ermöglicht, verschiedene Rollen einzunehmen und sich über ihr Lernen auszutauschen.
Rolle der LP
- Die LP organisiert die Lernumgebung, schafft Lernbedingungen und Lernangebote
- Sie beobachtet die Lernprozesse
- Und steht als Lernberater/in zur Verfügung
- Die SuS entwickeln Lernstrategien und Arbeitstechniken
- Sie reflektieren Ergebnisse und ihre Arbeitsweise
- Die SuS können ihre Strategien anwenden und auf neue Situationen übertragen.
Beschreiben Sie den Unterschied zwischen den Top-down und Bottom-up-Prozessen bei der Informationsverarbeitung. Geben Sie je ein Beispiel. Welcher dieser Prozesse hat wohlmehr Bedeutung im Primarschulkontext? Erklären Sie.
Top-down:
Beim Top-down Prozess erhalten die Lernenden die Lösung des Problem ganz oder ansatzweise und haben nun die Möglichkeit, anhand dieser Lösung den Prozess, die Strategie, den Lernweg zu diesem Ergebnis zu konstruieren. Man kann sich das wie beim Puzzlespielen vorstellen. Der Rahmen des Puzzles ist schon da, aber der Inhalt muss noch erarbeitet werden. Wenn die SuS einen fremdsprachigen Text erhalten, kann die LP ihnen dazu die entsprechende Bildergeschichte geben. Nun können die SuS mit ihrem Vorwissen, Lernstrategien und der Bildergeschichte versuchen herauszufinden, was die einzelnen Sätze oder gar Wörter im Text bedeuten könnten.
Bottom-up:
Beim Bottom-up Prozess erhalten die Lernenden wenig bis gar keine Hilfestellung. Im Vergleich mit einem Puzzle wären vielleicht zwei bis drei Teile zusammengesetzt, der Rest müsste aber selbst konstruiert werden, anders als bei Top-down, wo der rahmen bereits existiert. Ein konkretes Beispiel wäre, dass die Lehrperson den SuS wieder einen Text gibt, anstatt aber diesen mit einer Bildergeschichte zu untermalen, wählt sie nun den Auftrag, dass die Lernenden nach Wörtern suchen sollten, welche sie verstehen.
In der Primarschule hat wohl der Top-down Ansatz mehr Erfolg. Die Kinder können zwischen der Aufgabenstellung und dem Lösungsansatz Verbindungen herstellen und ihre Strategien anwenden. Beim Bottom-up Ansatz verstehen sie unter Umständen nur wenige Wörter und kommen danach nicht mehr weiter. Der Top-down Ansatz gibt ihnen einen Input, worum es gehen könnte und lässt sie unter Anwendung von Sprachstrategien mehr vom Text herausfinden.
Ziel ist es schlussendlich, dass die SuS die für sie geeignete(n) Lernstrategie(n), welche sie zum Erflog führen, kennen, anwenden und auf verschiedenste Situationen übertragen können. Bis es aber soweit ist, müssen die Lerner zuerst erfahren, welche Techniken es gibt und welche ihnen am meisten zusagt. Das heisst im anfänglichen Sprachunterricht ist das Ausprobieren und Üben von verschiedensten Techniken zentral. Aber nicht nur das; die SuS sollen darüber nachdenken, welche Lernfortschritte sie mit welcher Technik gemacht haben. Welche Technik war für welche Aufgabe weshalb geeignet? Durch das reflektieren und Festhalten solcher Aspekte werden sich die SuS eher bewusst, wie sie gearbeitet haben und wie ihnen welche Strategie genützt hat. Darauf kann dann aufgebaut werden, sodass die SuS di Lernstrategien auf neue Situationen übertragen können.
SuS, welche mit dem neuen Modell 3/5 zwei Fremdsprachen lernen, weisen nach einem Schuljahr mit der Tertiärsprache höhere Fertigkeiten auf als SuS, welche zuvor noch keine andere Fremdsprache gelernt haben. Der Vorteil liegt dabei, dass die Kinder von vorangehend gelernten Sprachen ein Repertoire an Lernstrategien aufbauen und diese dann bei neuen Sprachen anwenden können. Positive Transfereffekte von vorangehend gelernten Sprachen sind der entscheidende Faktor. Das Forschungsprojekt hat weiter herausgefunden, dass in positives Selbstbild des Kindes auch einen entscheidenden Einfluss auf das Sprachenlernen hat. Wenn die Lehrperson eine positive Fehlerkultur gegenüber den SuS aufbaut und sie zum Benützen der Sprache motiviert anstatt ständig korrigiert, dann bleibt das positive Selbstbild der SuS eher erhalten. Weiter hat sich gezeigt, dass auch die Lesefertigkeit in der lokalen Unterrichtssprache entscheidend für den Erflog im Fremdsprachenlernen ist. Wer unsicher ist Mühe beim Lesen in der Muttersprache hat, der wird dieses Problem auch beim Fremdsprachenlernen haben. Das heisst es muss zuerst die Lesekompetenz in der Unterrichtssprache gefördert und verbessert werden. Einen Vorteil beim Fremdsprachenlernen haben Kinder, welche zwei- oder mehrsprachig aufgewachsen sind. Für sie sind Französisch und Englisch nicht zweit- und Drittsprache, sondern bereits viert-, fünft, oder Sechstsprachen. Sie können also schon unbewusst auf ein Repertoire von Strategien zurückgreifen und haben dadurch einen Vorteil.
Lightbown/Spada:
- Je älter man wird, umso mehr hat man Mühe, akzentfrei zu sprechen. Kleine Kinder jedoch ahmen nahezu perfekt die fremden Laute nach, ohne Akzent.
- Wer nach dem fünfzehnten Lebensjahr eine Zweitsprache erlernt, wird sehr viel mehr Mühe damit haben, als jemand, der die Sprache schon in der Pubertät erlernt hat. Diese haben sogar die Chance, den Level von Muttersprachlern zu erreichen.
- Auch die Aufenthaltszeit indem Land, wo die Fremdsprache gesprochen wird ist massegebend. Jemand der 10 Jahre in den USA lebt spricht besser als jemand, der erst 2 Jahre dort lebt.
- Es kommt auf die Kontaktzeit mit der Fremdsprache an, je mehr, umso besser
- Ältere Schüler sind Jüngeren in der Lerngeschwindigkeit der Fremdsprache überlegen
- Für junge Lerner ist es wichtig, dass sie die Zweitsprache unter Intensivkontaktbedingungen lernen und nicht mit geringer Kontaktstundenzahl, wie Studien beweisen. So ist das Lernen langfristig erfolgreich.
- Früher Sprachunterricht bringt langfristig nur mehr, wenn auch mehr Kontaktstunden zur Verfügung stehen. Ansonsten haben die Jugendlichen den Kleineren gegenüber einen deutlichen Vorsprung, da die sie schon besser Sätze analysieren können und morphosyntaktisch verknüpfen.
- Ist motiviert, die Fremdsprache zu erlernen und erhöht seine Kontaktstundenzahl in der Freizeit (TV, Zeitschriften, Radio in Fremdsprache). Je mehr Kontaktstunden, umso besser wird das Sprachniveau.
- Geht in einen bilingualen Kindergarten, hat dort eine hohe Kontaktstundenzahl und bekommt so einen natürlichen Zugang zur Sprache. Ist dies nicht möglich, dann sollte man den 11-jährigen eine hohe Kontaktstundenzahl zusprechen, da belegt ist, dass die SuS in diesem Alter den grössten Lernzuwachs im Fremdsprachenunterricht haben.
- Der ideale Lerner wäre aber tatsächlich im bilingualen Kindergarten. Es ist nämlich erwiesen, dass kleinere Kinder noch akzentfrei nachahmen können. Später haben die Kinder immer je mehr Mühe. Wenn es also das Ziel ist, der Fremdsprache so nahe wie möglich zu kommen, dann müsste man im Kindergarten schon mit einer hohen Kontaktstundenzahl beginnen.
Was ist ELBE? Was sind die Inhalte und Anliegen von ELBE? Nennen und beschreiben Sie die Lernprozesse, die durch eine gute ELBE-Aktivität ausgelöst werden.
ELBE bedeutet: Eveil aux langues – Language Awareness – Begegnung mit Sprache.
Man versteht darunter, dass für das Sprachenlernen die gesamte vorhandene Sprachenvielfalt als Potenzial genutzt werden kann und soll. Das Konzept von ELBE fordert dazu auf, von den bestehenden Ressourcen auszugehen und die vorhandene Mehrsprachigkeit für das Lernen untereinander zu nutzen. (Bspw. Fremdsprachen im Klassenverband oder Kontakt zu Klassen in der Romandie, Ticino --> vorhandene Mehrsprachigkeit im eigenen Land nutzen, Radio, TV, Zeitschriften) Das Hauptziel von ELBE ist es, die Lernenden dazu aufzufordern, über ihre eigene und über fremde Sprachen nachzudenken. Weitere Ziele liegen im
- Kognitiven Bereich: Metakognition, Sprachreflexion und -analyse, Sprachlernstrategien
- Affektiven Bereich: Motivation, Interesse an sprachlicher Vielfalt, positive Einstellung gegenüber Fremdsprachen
- Sozialen Bereich: Akzeptanz gegenüber der kulturellen Vielfalt.
Lernprozesse können hinsichtlich der Fähigkeiten
- Sprachvergleiche anzustellen
- dem Erkennen, wie Sprache überhaupt funktioniert und den Beziehungen unter den Sprachen
- sowie dem Entwickeln von Strategien und
- der Bewusstwerdung der kulturellen Vielfalt
ausgelöst werden.
Wie widerspiegelt sich ELBE im Lehrplan Passepartout?
Im Lehrplan von Passepartout sind die folgenden Leitideen von ELBE verankert:
- Sprachen- und Kulturbewusstsein Wissen über Sprachen und Reflexion und Analyse von Funktion und Bedeutung von Sprache
- Lernstrategien Sich zu helfen wissen, Hilfe organisieren können. Die SuS entdecken/ entwickeln neue Lernstrategien, welche sie dann gebrauchen und auf neue Situationen anwenden können.
- Kulturvielfalt Die SuS entdecken die Vielfalt der Kulturen und entwickeln eine Offenheit ihnen gegenüber.
- Im 17. und 18. Jahrhundert war Englisch die Sprache der führenden Kolonialmacht: England. Durch den fortschrittlichen Schiffsbau erkundeten die Briten die Welt und haben sich in den entdeckten Gebieten niedergelassen.
- Im 18. und 19. Jahrhundert war Englisch die Sprache der führenden Macht der industriellen Revolution: ebenfalls England. Die meisten Erfindungen in Bezug auf die Industrialisierung wurden in England gemacht. Andere Erfinder sowie Industrielle waren daran interessiert und mussten Englisch lernen, um von diesen Erfindungen zu profitieren.
- Im späten 19. Jahrhundert und im frühen 20. ist Englisch die Sprache der führenden Wirtschaftsmacht: Den USA. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die USA England wirtschaftlich überholt. Die USA wurde zum Magnet für europäische Wissenschaftler. Nach dem 2. Weltkrieg war die USA endgültig die Wirtschaftsmacht.
- Viele technische Erfindungen, wie Presse, Film, Musik, ... wurden in den USA entwickelt und verbreiteten sich in der ganzen Welt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Filmindustrie der USA zur grössten der Welt. Nachdem die Filme vertont wurden, wurde Englisch zur dominanten Sprache. Es herrscht eine Dominanz von amerikanischen und britischen Künstler im Bereich der Pop Musik.
- Nach den Weltkriegen wurden internationale Organisationen gegründet, wie United Nation, Common Wealth, Council of Europe, ... Diese mussten eine gemeinsame Sprache zur Verständigung finden. Englisch wird zur Sprache der internationalen Kommunikation. Akademische Publikationen werden auf Englisch gehalten und publiziert. Besonders auffallend sind Publikationen der Chemie und Physik, die zu 83-95% in Englisch festgehalten werden.
Helvetismen sind Wörter, die wir Schweizer aus einer anderen Sprache, beispielsweise aus dem Französischen entlehnen und verdeutschen. Helvetismen bezeichnen also besondere Ausrücke, welche typischerweise nur im Schweizer Hochdeutschen und nicht im gesamten deutschen Sprachgebiet verwendet werden. Viele der Helvetismen entstammen der Mundart und damit den alemannischen Dialekten. Beispiele sind Beiz, Guetzli, Hag, Metzgete, Morgenessen, Rande, Rüebli und Sackmesser. Auch dem Französischen sind zahlreiche Worte wie Poulet und Coiffeur entlehnt.
Helvetismen sind Wörter, die in Deutschland bzw. in Frankreich eine andere Bedeutung haben, in einem anderen Kontext gebraucht werden oder gar nicht existieren. Diese werden nur in der Schweiz gebraucht und können in anderen Ländern zu Unverständnis führen.
Beispiele:- Velo – Fahrrad Velo wurde aus dem Französisch in das Schweizerdeutsch impliziert und ist hierzulande geläufig. In Deutschland, vor allem im Norden jedoch stösst man damit auf Unverständnis.)
- Morgenessen – Frühstück Das Morgenessen hat sich im Schweizerdeutschen entwickelt und wird im Standarddeutsch verwendet. In Deutschland hingegen spricht man jedoch von einem Frühstück.
- Septant – dix-sept Septant wie auch nonant werden nur in der Französischen Schweiz verwendet. Existiert in Frankreich nicht.
- Cornet (Glacé) – Cornet (Sack) Dasselbe Wort hat in Frankreich eine andere Bedeutung als in der Schweiz
1291 wurde Bund mit Uri, Schwyz und Unterwalden (germanophone) geschlossen. Später wurde erweitert mit dem Tessin (italophone) und dem Osten francophone). Die französische Sprache wurde geehrt unter dem Motto „l’égalité des langues“. 1848 war dann die Geburt der modernen Schweiz. Es wurde festgehalten, dass Nationalsprachen deutsch, französisch und italienisch sind. (Daher ist auf unseren Verpackungen heute der Inhalt immer in allen 3 Sprachen beschriftet.) Durch das Zusammenleben beeinflussten französiche Wörter unsere Sprache mehr als die Deutschen. Die Deutschschweiz orientierte sich mehr an der französihen Schweiz als an Deutschland.
Die Schweiz ist ein Land, welches mehrere Landessprachen hat und verschiedenste Dinge, wie zum Beispiel die Produkte beim Einkaufen, auf mehrere Sprachen angeschrieben sind. Auch gibt es Kantone, welche zweisprachig sind. Denkt man da beispielsweise an Biel, Fribourg oder das Wallis. So gibt es also gewisse Ausdrücke, die die Deutschschweizer vielleicht von da her kennen und die Romands umgekehrt, die Leute aus den anderen deutschsprachigen Ländern aber nicht verstehen.
--> Beispiele auf dem Bild