Makroökonomie
zhaw Bachlor Betriebsökonomie Makroökonomie
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Lernkarten
Welche makroökonomischen Ziele werden von der Gesellschaft angestrebt?
Die Gesellschaft strebt gemäss dem magischen Fünfeck der Wirtschaftspolitik fünf zentrale makroökonomische Ziele an:
Preisniveaustabilität – ein stabiles, tiefes Inflationsniveau
Wirtschaftswachstum – eine wachsende gesamtwirtschaftliche Produktion
Vollbeschäftigung – eine möglichst tiefe Arbeitslosigkeit
Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht – ein ausgeglichenes Verhältnis von Exporten und Importen beziehungsweise der Zahlungsbilanz
Gerechte Einkommensverteilung – eine als fair empfundene Verteilung des Wohlstands innerhalb der Gesellschaft
Wichtig dabei: zwischen diesen Zielen bestehen häufig Zielkonflikte. Zum Beispiel kann eine Politik, die auf Wachstum und Vollbeschäftigung setzt, tendenziell Inflationsdruck erzeugen, was der Preisniveaustabilität entgegenwirkt. Genau diese Spannungen sind der Grund, warum man von einem magischen Fünfeck spricht, alle fünf Ziele gleichzeitig vollständig zu erreichen gilt als kaum möglich.
Wie lässt sich messen, ob die makroökonomischen Ziele erreicht wurden?
Preisniveaustabilität
Gemessen über den Konsumentenpreisindex (KPI) und die daraus abgeleitete Inflationsrate. Ein stabiles Preisniveau zeigt sich in einer tiefen, gleichmässigen Inflation.
Wirtschaftswachstum
Gemessen über das Bruttoinlandprodukt, meist als Veränderung des realen BIP von Periode zu Periode, da nur das reale BIP reine Mengeneffekte zeigt und nicht durch Preissteigerungen verzerrt wird.
Vollbeschäftigung
Gemessen über die Erwerbsquote und die Arbeitslosenquote. Eine tiefe Arbeitslosenquote deutet auf eine hohe Beschäftigung hin.
Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht
Gemessen über die Zahlungsbilanz, welche die wirtschaftlichen Transaktionen mit dem Ausland erfasst, sowie über Wechselkurse.
Gerechte Einkommensverteilung
Gemessen über Verteilungsmasse wie den Gini-Koeffizienten, der zeigt, wie gleichmässig oder ungleich Einkommen und Vermögen in einer Gesellschaft verteilt sind.
Wichtig ist dabei die Einschränkung beim BIP: das BIP pro Kopf gilt zwar als das beste verfügbare Einzelmass für den materiellen Wohlstand, ist aber kein perfekter Wohlfahrtsindikator. Es erfasst weder den Wert der Freizeit noch die Umweltqualität, nicht die Hausarbeit, und sagt nichts über Einkommens und Vermögensverteilung oder darüber, was überhaupt produziert wird. Ergänzend werden deshalb teilweise Masse wie der Human Development Index oder der Genuine Progress Indicator herangezogen.
Was versreht man unter Bruttoinlad Produkt und wie wird es gemessen?
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) misst den Marktwert aller für den Endverbrauch bestimmten Güter und Dienstleistungen, die in einer bestimmten Zeitperiode im Inland produziert wurden.
Wichtig dabei: es zählt nur die Produktion innerhalb der Landesgrenzen, unabhängig davon, ob sie von inländischen oder ausländischen Unternehmen stammt. Und es geht um Endprodukte, Vorleistungen (also Güter, die in andere Güter einfliessen) werden nicht separat mitgezählt, um Doppelzählungen zu vermeiden.
Das BIP misst gleichzeitig drei Dinge, die im Kreislaufmodell identisch sind:
die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung (Produktion)
das gesamtwirtschaftliche Einkommen
die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben (Nachfrage)
Wie wird es gemessen?
Es gibt drei gleichwertige Berechnungsansätze, die zum selben Ergebnis führen:
1. Entstehungsansatz (Produktionsseite)
Summiert die Wertschöpfung aller Unternehmen und Branchen.
2. Verteilungsansatz (Einkommensseite)
Summiert die Einkommen, die aus der Produktion entstehen: Löhne, Zinsen und Gewinne.
3. Verwendungsansatz (Ausgabenseite)
Summiert die Nachfragekomponenten nach der bekannten Formel:
BIP = C + I + G + NX
C: private Konsumausgaben
I: Bruttoinvestitionen (Kauf von Kapitalgütern plus Lagerbestandsveränderung)
G: staatliche Konsumausgaben
NX: Nettoexporte (Exporte minus Importe)
Der Grund, warum alle drei Ansätze zum gleichen Ergebnis führen, liegt im Kreislaufmodell: Produktion, Einkommen und Ausgaben sind buchhalterisch immer gleich gross, weil jede Ausgabe eines Akteurs gleichzeitig die Einnahme eines anderen ist.
Warum entspricht das gesamte Einkommen einer Volkswirtschaft den gsamenten Ausgaben und dem Wert der produzierten Gütern?
Welches sind die Hauptbestandtteile des BIP?
BIP = C + I + G + NX
C: Private Konsumausgaben
Der Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen durch private Haushalte. Dies ist in der Regel die grösste Komponente des BIP.
I: Bruttoinvestitionen
Der Kauf von Kapitalgütern durch Unternehmen plus die Zunahme der Lagerbestände. Dazu zählen zum Beispiel Maschinen, Anlagen, Gebäude, aber auch Waren, die produziert, aber noch nicht verkauft wurden.
G: Staatliche Konsumausgaben
Der Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen durch öffentliche Haushalte, also durch Bund, Kantone und Gemeinden.
NX: Nettoexporte
Exporte minus Importe. Exporte sind der Verbrauch inländischer Güter und Dienstleistungen durch das Ausland, Importe sind der Verbrauch ausländischer Güter und Dienstleistungen durch das Inland.
Was ist der Unterschied zwischen dem BIP und Bruttoinlandeinkommen?
BIP (Bruttoinlandprodukt)
Territorialprinzip: Es misst, was im Inland produziert wird, unabhängig davon, ob die Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) Inländern oder Ausländern gehören.
BNE (Bruttonationaleinkommen)
Inländerprinzip: Es misst, was den Inländern an Einkommen zufliesst, unabhängig davon, ob dieses Einkommen im Inland oder im Ausland erwirtschaftet wurde.
Die Berechnung
Man kommt vom BIP zum BNE, indem man grenzüberschreitende Faktoreinkommen berücksichtigt:
BNE = BIP + Einkommen der Inländer aus dem Ausland − Einkommen der Ausländer aus dem Inland
Konkret geht es dabei um Arbeitnehmerentgelt und Vermögenseinkommen (Zinsen, Dividenden), die über Landesgrenzen fliessen.
Warum das relevant ist
Für die Schweiz ist dieser Unterschied besonders spürbar, weil viele Vermögenswerte grenzüberschreitend gehalten werden, etwa Schweizer Investitionen im Ausland oder ausländisches Kapital in der Schweiz. Gemäss den Beispielzahlen für 2019 lag das BIP der Schweiz bei rund 727 Milliarden CHF, das BNE dagegen bei rund 732 Milliarden CHF, also leicht höher, weil die Schweiz mehr Vermögenseinkommen aus dem Ausland erhält als sie ins Ausland zahlt.
Zieht man vom BNE noch die Abschreibungen ab, erhält man das Nettonationaleinkommen.
Ist das BIP ein guter Indikator für die ökonomische Wohlfahrt?
Nur bedingt. Das BIP pro Einwohner gilt zwar als das beste verfügbare Einzelmass für den ökonomischen, also materiellen Wohlstand eines Landes, ist aber kein perfekter Massstab für Wohlfahrt oder Lebensqualität.
Was das BIP nicht erfasst:
- Wert der Freizeit: Wer weniger arbeitet und mehr Freizeit geniesst, senkt das BIP, obwohl die Lebensqualität steigen kann.
- Umweltqualität: Umweltschäden oder Ressourcenverbrauch schlagen sich nicht negativ im BIP nieder, teilweise erhöhen aufwendige Reparaturmassnahmen das BIP sogar.
- Haushaltsproduktion: Unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung, Pflege oder Hausarbeit wird nicht erfasst, obwohl sie realen Wert schafft.
- Einkommens- und Vermögensverteilung: Das BIP sagt nichts darüber aus, wie gleichmässig oder ungleich der Wohlstand innerhalb der Gesellschaft verteilt ist. Ein hohes BIP kann mit grosser Ungleichheit einhergehen.
- Zusammensetzung der Produktion: Es macht keinen Unterschied, ob produziert wird, was Menschen tatsächlich nützt (Bildung, Gesundheit) oder was gesellschaftlich fragwürdig ist. Das BIP bewertet nur die Menge, nicht die Qualität oder den Nutzen.
Ergänzende Masse
Weil das BIP diese Lücken hat, wurden alternative oder ergänzende Indikatoren entwickelt:
- Human Development Index (HDI): berücksichtigt zusätzlich Lebenserwartung und Alphabetisierungsrate beziehungsweise Bildungsstand.
- Genuine Progress Indicator (GPI): berücksichtigt die Nachhaltigkeit von Wirtschaftswachstum, also ob Wachstum auf Kosten künftiger Generationen erzielt wird.
Was ist der Unterschie zwischen den nominalen und dem realen BIP?
Nominales BIP
Bewertet den Output von Gütern und Dienstleistungen zu aktuellen Preisen der jeweiligen Erhebungsperiode. Man spricht auch vom BIP zu laufenden Preisen.
Reales BIP
Bewertet den Output von Gütern und Dienstleistungen zu konstanten Preisen einer Basisperiode, meist des Vorjahres. Man spricht auch vom BIP zu Preisen der Basisperiode.