M0052 Gynäkologie Geburt
Geburtmechanik, Positionen, Wehenphysiologie, Geburtshilfe
Geburtmechanik, Positionen, Wehenphysiologie, Geburtshilfe
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Cartes-fiches
Was wird als geburtsmechanischer Ablauf bezeichnet?
Die Beziehung des Kindes zum knöchernen kleinen Becken
Diese Vorgänge beginnen unter Einfluss der Wehentätigkeit
Was bewirkt in der Beckenausgangsebene eine Raumförderung von bis zu 1,5 cm?
Die passive Nutation der Kreuzbeinspitze, die durch die Extension des Steissbeins unterstützt wird
Wie orientieren sich Geburtshelder während der Geburt über die Lage des Kindes?
Durch vaginales Tasten an den kindlichen Kopfnähten (Sutura sagitalis) und an der grossen und kleinen Fontanelle
Was ist eine Episiotomie?
gewollter Dammschnitt, kommt zum Einsatz wenn ein Dammriss droht und es somit zur schnellen Geburtsbeendigung kommt
Seit dem 18.Jahrhundert wurden Frauen gezwungen die ganze Geburt in Rückenlage ("Käferposition") zu verbringen.
Was sind Nachteile der RL?
- Kompression der V.cava inferior
- mütterliche Hypertonie
- verminderte Uterusdurchblutung
- Sauerstoffmangel für Mutter und Kind
- Verengung des Geburtskanales
- Geburt des Kindes GEGEN die Schwerkraft
- ineffiziente Bauchpresse
- stärkere Beckenbodenverletzungen
- verzögern des Geburtsablaufes
- passie Teilnahme der Gebärenden
Was sind im Vergleich zur Rückenlage vorteilhafte ASTEs für die Geburt?
- angelehnter Sitz, Kutschersitz, Reitsitz, asymmetrischer Seitsitz
- Knie-Ellenbogen-Lage
- Kniestand
- aufgestützer, freier, angelehnter oder hängender Stand
- Hocke
- Hilfsmittel wie Gebärstuhl oder -hocker, verstellbare Geburtsbetten, das Roma-Rad, Sprossenwand, Pezziball, diverse Hängevorrichtungen
- Geburt im Wasser
Was sind die Vorteile einer aufrechten Gebärposition?
- der Geburtskanal erweitert sich
- die Beweglichkeit des Beckens ist optimal, am grössten in der Hängehaltung
- durch die Stellung des Beckens und der LWS ist der Verlauf des Geburtskanals eher gestreckt und bei einigen Positionen fast lotrecht (z.B. asymmetrischer Sitz, Hocke) -> Tiefertreten des Kindes wird erleichtert
- Zusammenspiel von beckenaustreibender Muskelkraft und herabziehender Schwerkraft unterstützt die Geburtsdynamik
- Kontraktionen der Gebärmutter sind stärker, regelmässiger und häufiger
- Wehen können durch Bewegen (Umhergehen) und Wechseln der Körperstellung (nach Bedürfnissen der Frau) besser verarbeitet werden
- zwischen den Wehen ist Entspannung besser möglich
- Muttermundseröffnung wird erleichtert und gefördert
- Eröffnungszeit und gesamte Geburtsdauer werden verkürzt
- Bauchpresse wirkt bei minimaler Muskelanstrengung
- BB wird besser gedehnt und entspannt
- Risiko von einem Dammriss wird verringert
- Bessere Durchblutung von Mutter und Kind
Was sind die optimalen Bedingungen für die ASTE für die Geburt (Austreibungsphase)?
- vertikale Einstellung des Beckens im Raum
- freie Beweglichkeit des Beckens
- keine Einengen von Kreuz- und Steissbein (passive Nutation des Kreuzbeins und EXt von Steissbein)
- FLEX und leichte ABD der Beine im HG
- Neigung der KLA nach ventral (Beugung in HG) -> OK gerade halten zur optimalen Aktivierung der Bauchpresse
- Stütz- oder Hängeaktivität des oberen KA
- Fussdruckaktivität wenn möglich
- In Wehenpause eine entspannendere Position einnehmen
Was sind Wehen?
Rhythmische Kontraktionen des Uterus (Gebärmutter) in der SS und während der Geburt, sie wirken vergleichbar wie ein Herschlag in Zeitlupe
Was ist der Ferguson-Reflex?
Mehr Oxytocin -> stärkere Wehentätigkeit --> stärkerer Dehnungsreiz
Was gibt es für verschiedene Wehen(-typen)?
- Schwangerschaftswehen: Gebärmutterkontraktionen, auch Übungswehen genannt, die ab der 20.SSW auftreten können
- Vorwehen sind schmerzlos und sollen den Muttermund auf die Geburt vorbereiten
- Senkwehen bewirken zum Ende der SS ein Tiefertreten des kindlichen Kopfes
- Geburtswehen führen zu einer weiteren Auflockerung un Erweiterung des Muttermundes, Physiol. Frequenz schwankt zwischen 5-20 Wehen/h, Wehendauer 30-60 s.
Die Geburt beginnt mit regelmässigen Wehen (3 Wehen/10 min., Dauer 1 min über 1/2h) - Nachwehen bewirken das Zusammenziehen der Gebärmutter im Wochenbett. Ausgelöst v.a. durch Oxytocinausschüttung beim Stillen
Wie hilft die Bauchpresse bei der Geburt?
Bauchmuskulatur unterstützt die Gebärmutter am Ende der Eröffnungsphase
Alle Bauchmuskeln kontrahieren gleichzeitig, verkleinern die Bauchhöhle und schieben das Kind in Richtung Ausgang
Leistung der Bauchmuskeln wird durch verstärktes Ausatmen un entsprechende Gebärposition erhöht
Welches sind die 3 Geburtsphasen?
- Eröffnungsphase
- Austreibungsphase
- Nachgeburtsphase
Was passiert in der Eröffnungsphase? Wann beginnt und endet diese?
- beginnt der ersten zervixwirksamen Wehe bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes (ca. 10 cm)
- Der kindliche Kopf tritt tiefer und dreht sich zur Beckenmitte (innere Drehung um 90°), damit die Schultern den knöchernen Beckenring passieren können
- Eine Erstgebärende benötigt etwa 10h für diese Phase (1 h/cm Muttermundsöffnung), eine Mehgebärende 6-8h
- Das Ende dieser Phase (Übergangsphase) wird als sehr unnangenehm empfunden, das Fruchtwasser sollte abfliessen (rechtzeitiger Blasensprung)
Was beschreibt die Austreibungsphase? Wann beginnt und endet diese?
- Beginnt mit der Vollständigen Eröffnung des Muttermundes bis zur Geburt des Kindes
- Der kindliche Kopf erreicht den Beckenboden -> Druck auf das untere Uterinsegment -> reflektorischer Drang zum Mitpressen (Pressdrang)
- Die Austreibungswehen werden jetzt von den Bauchmuskeln unterstützt
- Hinterhaupt wird in Vulva sichtbar, unter starker Streckung schiebt sich das Gesicht unter der Symphyse hervor
- Zum Schutz der Beckenbodenmuskulatur (Dammschutz!) versucht die Hebamme den Austritt zu Verlangsamen
- Äussere Drehung: Innere Drehung der Schultern im längsovalen Beckenausgang, übertragung auf HWS -> bereits geborener Kopf dreht sich, Herausschieben der Schultern und restl. Körper
- Phase kann 20' bis 2h dauern, sollte aber 1h nicht überschreiten
Was definiert die Nachgeburtsphase? Wie lange dauert sie?
- Reicht von der Geburt des Kindes bis zur Geburt der Plazenta
- Saugen des Kindes an der Brust -> Oxytocinausschüttung und erneute Wehentätigkeit -> Plazenta löst sich von der inneren Uteruswand und wird vollständig ausgestossen (unter Blutverlust von 300-400 ml)
- Phasendauer maximal 20-30'
Was für Faktoren können den Geburtsschmerz steigern?
- frührere Erfahrungen
- kultureller und sozialer Einfluss
- Unwissenheit und Angst
- unerwünschtes Kind
- unerfreuliche Geburtshelfer
- unangenehme Umgebung
Wie viele Tage nach der Befruchtung ist eine SS nachweisbar?
8-14 Tage
Wie lange dauert normalerweise eine SS?
40 Wochen (280 Tage)
Ab welcher SSW gilt das ungeborene Kind
1) als potentiell überlebensfähig?
2) nicht mehr als Frühgeburt?
1) 24 SSW 2) 37 SSW
Ab welcher SSW gilt das ungeborene Kind
1) als potentiell überlebensfähig?
2) nicht mehr als Frühgeburt?
1) 24 SSW
Was kann in der Pränatalen Beratung zur Diagnostik angewendet werden?
- Nackenfalte im US (bei Trisomie21 verdickt
- NIPT (Non-invasive pregnancy testing): Chromosom-Abweichungen des Kindes können im mütterlichen Blut festgestellt werden (Fruchtwasseruntersuchungen können so vermieden werden!)
Was ist eine Myelomeningocele? Und was wird als Prävention dafür empfohlen?
Spina bifida (myelo- :Rückenmark, meningo-: Hirnhäute, -zele: Bruch) -> Meningen und RM-Nerven wölben sich hervor
Folsäure soll präventiv wirken
Pelvimetrie: Kann von aussen her die grösse des kleinen Beckens bestimmt werden?
Nein! Weder über Michaelis Raute noch sonst irgendwie! Einzige Möglichkeit: Ausprobieren
Was gibt es für geburtshilfliche Operationen?
- Vaginaloperative Geburt
- Vakuumextraktion (mit Pumpe)
- Forcepsextraktion (Zangengeburt)
- Sectio caesarea ("Kaiserschnitt")
- Episiotomie
Was bezeichnet man als Puerperium?
Wochenbett; Zeitspanne von der Geburt bis zur vollständigen Rückbildung des Uterus
Welche Massnahmen sind im Frühwochenbett ratsam?
- Bauchlage über Kissenberg
- Massnahmen zur Schmerzlinderung
- Funktionelles Beckenbodentraining
- Funktionelles Bauchmuskeltraining